mini|Thomas Felder 2015 beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart Thomas Felder (geboren am 19. März 1953 in Hundersingen) ist ein deutscher Mundartdichter und Liedermacher, der vor allem für seine zeit- und gesellschaftskritischen Lieder in schwäbischem Dialekt bekannt ist. Darüber hinaus ist er im linksalternativen Spektrum der Neuen sozialen Bewegungen politisch engagiert.

Familie und Ausbildung Thomas Felder stammt aus einem evangelischen Pfarrhaus. Von Kindesalter an wurde ihm der Umgang mit verschiedenen Musikinstrumenten vertraut gemacht. In einem kirchlichen Internat, das er von 1966 bis 1972 besuchte, wählte er als Schwerpunkt den musisch-kulturellen Bereich. In Stuttgart und London studierte er Anglistik und Bildende Kunst und war danach einige Jahre Lehrer. Bis in die Gegenwart nutzt er seine didaktischen und pädagogischen Fähigkeiten bei verschiedenen auch auf internationaler Ebene durchgeführten künstlerischen Workshops und Seminaren.

Seit Anfang der 1980er Jahre lebt Felder in Gönningen, einem am Fuß des Albtraufs gelegenen Stadtteil von Reutlingen. Er ist der Vater der Musikerin Johanna Zeul.

Wirken als Liedermacher mini|Thomas Felder, 1981 Seit Beginn der 1970er Jahre ist Felder als Liedermacher tätig, zunächst nebenberuflich mit Auftritten in Folk-Clubs, auf Kleinkunstbühnen und als Straßenmusikant, im Lauf der Zeit als hauptberuflich freischaffender Künstler. Um von der kommerziellen Musikindustrie unabhängig zu bleiben und dennoch sein wirtschaftliches Auskommen zu sichern, gründete er mit der „Kulturwerkstatt Musik&Wort“ ein eigenes Label.

Über seine Stimme hinaus ist Felder mit verschiedenen Musikinstrumenten vertraut: In erster Linie ist die akustische Gitarre sein meist verwendetes Begleitinstrument bei öffentlichen Auftritten mit Liedern und Programmen, die nahezu ausnahmslos von ihm selbst geschrieben und komponiert wurden. Des Weiteren gehören Mundharmonika, Klavier, Drehleier, Monochord und andere zu den von ihm gespielten musikalischen Mitteln. Aufgrund eines Teils seines musikalischen Stils und seiner Inhalte wird Felder in Szenekreisen auch als „schwäbischer Bob Dylan“ betitelt.

Im Januar 2010 feierte Felder in Reutlingen zusammen mit seiner Tochter Johanna Zeul und anderen Musikern wie dem Liedermacherkollegen Christof Stählin sein 40-jähriges Bühnenjubiläum mit einem von würdigenden Reden regionaler Prominenz aus Kultur und Verwaltung begleiteten Auftritt.

Auszeichnungen Felder wurde in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg mit Kleinkunstpreisen ausgezeichnet und erhielt für seine Alben Nie wieder Frieden kriegen (1984) und 40 liederliche Jahre (2010) zweimal den Preis der deutschen Schallplattenkritik. 2012 erhielt er den nach dem Schriftsteller und Verleger Sebastian Blau benannten Sebastian-Blau-Preis für schwäbische Mundart.Sebastian-Blau-Preis – Vorausscheidung 2012 Liedermacher. sebastian-blau-preis.de; abgerufen am 30. August 2015 Mehrfach rangierten seine CDs auf der Liederbestenliste.Die Liederbestenliste Juni 2013

Rezeption Zum Stil und dem musikalischen Repertoire Felders findet sich beispielsweise im Feuilleton der Hohenloher Zeitung folgender Abschnitt:

Politisches Engagement mini|Mahnmal-Installation von Thomas Felder auf dem Jüdischen Friedhof Buttenhausen zum Gedenken an die aus diesem Ort während des Holocaust in den Vernichtungslagern der NS-Diktatur ermordeten Juden Neben seiner Tätigkeit als Künstler engagiert sich Felder auch politisch: So zum Beispiel in der Friedensbewegung, der Aufarbeitung des Holocaust, insbesondere in seiner schwäbischen Heimat, und im weiteren Kontext des jüdisch-christlichen Dialogs.

Als Mitglied einer Gönninger Bezugsgruppe beteiligte er sich im August 1982 an der für die damalige westdeutsche Friedensbewegung impulsgebenden einwöchigen Sitzblockade des Atomwaffenlagers Golf bei Großengstingen. In diesem Zusammenhang geriet Felder zusätzlich in die Schlagzeilen der Regionalpresse, als er beim mehr als ein Jahr später erfolgenden Nötigungsprozess gegen ihn und andere Blockierer vor dem Münsinger Amtsgericht – an Stelle einer Aussage zum Nötigungsvorwurf – den Wortlaut des StrafbefehlsBeispiel eines von etwa 300 nahezu gleichlautenden – die Anklage enthaltenden – Strafbefehlen wegen der Teilnahme an der Blockade des Sondermunitionslagers Golf (PDF; 189 kB) im Sinne einer Persiflilierung des Verfahrens vorsang. Während Felders Vortrag verließen der Richter und die Beisitzer den Sitzungssaal mit den Worten „Gerichtssprache ist Deutsch, und nicht gesungen“.

Felder wurde wie die etwa 300 weiteren angeklagten Blockadeteilnehmer vor und nach ihm zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Urteile wurden 1995 nach mehreren Verfassungsbeschwerden aufgehoben, nachdem das Bundesverfassungsgericht die weite Auslegung („Überdehnung“) des Gewaltbegriffs im Nötigungsparagraphen 240 StGB für Sitzblockaden – in der Art wie vor dem Atomwaffenlager Golf durchgeführt – als im Widerspruch zum Bestimmtheitsgrundsatz des Grundgesetzes stehend, und die Verurteilungen damit als verfassungswidrig gewertet hatte.Beschluss des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Januar 1995

1997 kandidierte Felder als Parteiunabhängiger für das Bürgermeisteramt in Münsingen, unterlag jedoch bei der Wahl seinem Konkurrenten Mike Münzing von der SPD. Seit etwa 2010 gehört er zu den prominenten Unterstützern der Proteste gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21.alphabetische Unterstützerliste von namhaften Persönlichkeiten gegen Stuttgart 21, Initiative „Ja zum Kopfbahnhof“

Diskografie (chronologisch) 1977: Athomare Lieder (TF100) 1978: Bis jeder vom andern die Heiterkeit kennt (TF200) 1979: Lang braucht zom komma (TF300) 1981: Lieder aus Träumen, Haß und Liebe (TF400) 1983: Land vol Läaba 1984: Nie wieder Frieden kriegen (TF500) 1986: Ein Lääberkääs im Fahrstuhl (TF600/700) 1991: Sinnflut (TF800) 1996: Schwäbische Vesper (Livemitschnitt des SWR mit Michael Samarajiwa) (TF900) 1997: Vesperplatte live Mitschnitt (TF911) 1998: Bewegnung (TF1000) 1999: Sieben Sachen (TF1100) 2000: Buttenhausen, mein kleines Jerusalem (TF1200) 2003: Flitterlampio 2006: Frühlingsblütenglühn (TF1300) 2010: 40 liederliche Jahre (TF1400) 2013: von wegen (TF1500) 2015: gotteS21segen (TF1600) 2017: Kuhn im Taifun (TF1700) 2019: Katzensprung (TF1800) 2024: Eduard Mörike - Historie von der schönen Lau - Ein Hörbuch, vorgelesen von Thomas Felder (TF 1900)

Weblinks

Website von Thomas Felder und der Kulturwerkstatt Musik&Wort Thomas Felder; Artikel von Christof Stählin aus dem Jahr 1999 für die themenspezifische Musikzeitschrift Folker Eintrag über Thomas Felder auf chanson.de Rezension über Thomas Felder und sein Programm Schwäbische Vesper

Flash-Video: Variation des Titels Muschdrlendle – Live-Auftritt Thomas Felders bei einer Montagsdemonstration gegen das Projekt Stuttgart 21 am 3. Mai 2010 in Stuttgart.

Einzelnachweise Zitatauszug von der Webpräsenz Thomas Felders abgerufen am 10. Mai 2013 (Biografie-Teil mit ausführlichem persönlichen Bericht Felders zur sich über mehr als drei Jahre hinziehenden konfliktbelasteten Entstehung des Mahnmals):

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