mini|Im Jahr 2001 brach der Enron-Konzern aus Houston zusammen, was weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaft hatte. Rund 28.000 Mitarbeiter verloren ihre Arbeitsplätze mit begrenztem Schadensersatz. Das Foto zeigt den Enron-Complex aus dem Jahr 2008. Die Lichter im Gebäude sind aus. Massenentlassung ( oder auch ) bezeichnet die gleichzeitige Kündigung vieler Arbeitnehmer durch einen Arbeitgeber. Verwandte Themen sind Personalfreisetzung und Stellenabbau. Umgangssprachlich wird auch von einer Entlassungswelle gesprochen.

Einleitung Massenentlassungen finden in kleinen und großen Unternehmen statt. Es müssen jedoch nicht immer viele Arbeiter entlassen werden. In Deutschland gilt die Kündigung von fünf Mitarbeitern bereits für Kleinunternehmen mit 20 bis 60 Beschäftigten. Falls es nicht zu direkten Entlassungen kommt, finden im Kontext negativer wirtschaftlicher Ereignisse auch Verlagerungen von Arbeitsplätzen statt (vgl. Outsourcing und Offshoring) statt.

Das Gegenteil einer Massenentlassung ist eine Masseneinstellung von Personal, welche mit kurzfristigen (z. B. Wahlhelfer) und/oder langfristigen Zielen (z. B. Wehrpflicht) in Verbindung gebracht wird.

Der Begriff Entlassung hat auch andere Bedeutungen, siehe dort.

Hintergrund

Massenentlassungen treten in der Regel in einem oder mehreren der folgenden Zusammenhänge auf:

Deindustrialisierung; Geldpolitik und Zinspolitik (z. B. die Inflationskontrolle); Insolvenz eines Unternehmens (z. B. Unternehmen wie Lip, Sears oder Galeria Kaufhof); "Konjunkturflaute" (z. B. Rezession, Stagnation, Stagflation); Marktveränderungen (z. B. Wettbewerb, Übernahme); Missmanagement (z. B. Lehman Brothers oder Credit Suisse); Politische Zusammenhänge (z. B. Zollpolitik, Schuldenbremse, Government Shutdown); Standortveränderungen und Standortbedingungen; Technologische Veränderungen (z. B. Verbrennerverbot oder Künstliche Intelligenz); Wirtschaftskriminalität; Vertreibung.

Rechtslage nach Ländern mini|Das Foto zeigt Steinbrucharbeiter des im Jahr 1969 geschlossenen Dinorwig Slate Quarry in Wales. Trotz ihres Jobverlusts sind sie hoffnungsvoll.

Deutschland In Deutschland kann ein Arbeitgeber unter den Voraussetzungen des KSchG, vor allem bei Überschreitung gewisser im Gesetz genannter Schwellenwerte, verpflichtet sein, die Entlassung mehrerer Arbeitnehmer innerhalb eines bestimmten Zeitraums vor deren tatsächlichem Ausscheiden aus dem Betrieb der Agentur für Arbeit mitzuteilen (vergleiche Massenentlassungsanzeige / "anzeigepflichtige Massenentlassung").

Nach der Entscheidung des EuGH vom 27. Januar 2005 wird man aber davon ausgehen müssen, dass diese Massenentlassungsanzeige vor Ausspruch der Kündigungen erfolgen muss und nicht mehr erst vor dem tatsächlichen Auslaufen der Kündigungsfrist.

Regelmäßig lösen Massenentlassungen in Betrieben, in denen ein Betriebsrat gewählt wurde, zusätzlich Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats gemäß BetrVG aus, die dem Betriebsrat Informationsansprüche geben, einen Verhandlungsanspruch über einen Interessenausgleich und in der Regel einen (erzwingbaren) Anspruch auf Abschluss eines Sozialplans. (siehe dazu im Einzelnen: Betriebsänderung).

Rechtlich besteht ein Unterschied zwischen einer Kündigung und einer Entlassung.

Europa Die EU-Richtlinie (98/59/EG) „Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Massenentlassungen“ soll den Schutz der von Massenentlassungen betroffenen Arbeitnehmer verbessern. Die Richtlinie legt fest, dass Unternehmen beispielsweise die Arbeitsagentur vorab informieren müssen, wenn Massenkündigungen kurz bevorstehen.

Österreich In Österreich wird der Begriff „Entlassung“ nur im Sinne von vorzeitige Entlassung aus wichtigem Grund (gemäß AngG, zum Beispiel Untreue) verwendet. Daher kann es in Österreich zwar Massenkündigungen, nicht aber Massenentlassungen geben.

Schweiz In der Schweiz spricht man von einer Massenentlassung, wenn ein Arbeitgeber innerhalb von 30 Tagen einer definierten Mindestzahl von Mitarbeitern kündet:

Betriebsgrösse Anzahl Kündigungen mehr als 20 und weniger als 100 10 mindestens 100 und weniger als 300 10 Prozent mindestens 300 30

Bei einer Massenentlassung bestehen folgende Pflichten für den Arbeitgeber: Mitarbeitende vor der Massenentlassung informieren und konsultieren Information des Arbeitsamts Pflicht für einen Sozialplan

Datenerfassung und Studien

USA In den USA wurde um 2004 das sog. Mass Layoff Statistics (MLS) Programm von dem U.S. Bureau of Labor Statistics aktiviert. Das Programm erfasst Datensätze seit ca. 1995. Die Finanzierung des Programms wurde 2013 durch den damaligen Präsidenten Obama reduziert und das Programm terminiert.

IAB Studie 2021 Das IAB hat für den Zeitraum 1996–2017 erstmals die empirische Belege für Unterschiede in den individuellen Kosten des Arbeitsplatzverlustes für Migranten im Vergleich zu Einheimischen in Deutschland erhoben. Es stellt fest, dass Migranten aufgrund höherer Lohn- und Beschäftigungsverluste wesentlich höhere Einkommensverluste hinnehmen müssen als Einheimische. Entlassene Migranten hätten sowohl eine geringere Wahrscheinlichkeit, wieder eingestellt zu werden, als auch weniger Arbeitstage als entlassene Einheimische.IAB-Forum: Zugewanderte haben nach einer Massenentlassung schlechtere Arbeitsmarktperspektiven als Einheimische. IAB, 4. November 2021 (abgerufen am 8. November 2021)

Massenentlassungen in der Geschichte

In den frühen 1990er Jahren In den frühen 1990er Jahren kam es zu einer Wirtschaftskrise, folgenden Massenentlassungen in den USA und auch Deutschland. In einem Report aus dem Jahr 1993 der San Francisco Federal Reserve waren die drei Ursachen für die Rezession: (1) pessimistisches Konsumentenverhalten, (2) der Ölpreisschock durch den Überfall des Irak auf Kuwait (Zweiter Golfkrieg) und (3) die Versuche der Federal Reserve, die Inflationsrate zu senken. In den USA wurde nach dieser Phase der wirtschaftlichen Schwäche auch der Begriff bzw. das Phänomen des Jobless growth geprägt.

Für Deutschland spielte in diesem Zusammenhang die Wiedervereinigung eine überragende Rolle, wobei es auch hier zu Massenentlassungen kam.

Nach dem Jahrtausendwechsel Im Jahr 2001 brach der Enron-Konzern aus Houston zusammen, was weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaft hatte. Auch die renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen musste infolgedessen schließen. Rund 28.000 Mitarbeiter verloren ihre Arbeitsplätze mit begrenztem Schadensersatz. Tragischerweise führte der betrügerische Finanzskandal zur Vernichtung der Rentenfonds vieler Angestellter und schadete zahlreichen Investoren. In Reaktion auf die Situation gründete das Federal Bureau of Investigation (FBI) eine spezielle Enron-Taskforce, um die Unregelmäßigkeiten zu untersuchen. Viele Mitglieder der Unternehmensleitung wurden schließlich angeklagt und verurteilt, was den Skandal zu einem der größten in der Wirtschaftsgeschichte machte.

Im Zuge der Weltfinanzkrise 2007–2008 Als Folge der Weltfinanzkrise 2007–2008 (auch bekannt als die ) kam es zu Massenentlassungen. Ökonomen vergleichen die Muster und Kennzahlen der Krise auch mit der Rezession in den früheren 1990er Jahren.

Seit der Corona-Pandemie

Seit der Corona-Pandemie kommt es weltweit zu anhaltenden Massenentlassungen in verschiedenen Wirtschaftsbranchen und Industrien. Speziell betroffen sind einige Unternehmen aus der Technologiebranche. Die Zusammenhänge werden laufend untersucht.

Auch in Deutschland kommt es in großem Umfang zu Entlassungen bei führenden Unternehmen. Um die Situation der schwachen Wirtschaft zu verbessern, wurde von der Politik eine so genannte Wachstumsinitiative beschlossen.

Im Zusammenhang mit dem Executive Order 14151 Der von Präsident Trump im Januar 2025 aktivierte Befehl mit dem Titel „Ending Radical And Wasteful Government DEI Programs And Preferencing“, betrifft unmittelbar die Mitarbeiter ( oder ) in verschiedenste US-Behörden und Institutionen. In diesem Kontext sei erwähnt, dass auch frühere US-Präsidenten (Reagan, Clinton, Obama) in großem Umfang Personal entlassen haben. Ebenso wurde in diesem Zusammenhang in dem Jahr 2025 das Department of Government Efficiency (DOGE) eingerichtet. Siehe auch das Project 2025.

Kontroversen Es gibt Fälle, in denen Massenentlassungen von Unternehmen mit positiven wirtschaftlichen Ergebnissen, d. h. Gewinnen, einhergehen. Dies ist zum Beispiel der Fall bei der Firma Siemens, die bereits 2024 Massenentlassungen bei ihrer Tochterfirma Gamesa vornahm und im selben Jahr einen Rekordgewinn verbuchte. Ein Jahr später kündigte das Unternehmen weitere Massenentlassungen weltweit an, darunter auch in Deutschland. Betroffen sei das sogenannte Automatisierungsgeschäft.

Ein weiteres Beispiel ist der französische Reifenhersteller Michelin, welcher in dem Jahr 2024 in Deutschland das Werk in Karlsruhe (und weitere Standorte) stillgelegt hat, wenig später auch ein Stammwerk in Frankreich und seine Produktion nach Polen verlegt hat. Aber auch Polen ist von Werksschließungen des Unternehmens betroffen. Dem Unternehmen wird nachgesagt, „seinen Gewinn zu maximieren zu wollen“.

Im Zuge einer möglichen Übernahme der Commerzbank durch Unicredit reagierte die Commerzbank prompt mit einem umfassenden Stellenabbau. Bis Ende 2027 sollen in Deutschland rund 3.900 Stellen wegfallen. Schätzungen des Betriebsrats gehen davon aus, dass im Falle einer Übernahme rund 15.000 Stellen gefährdet sind.

Die rechtsgerichtete Initiative Project 2025 in der US-amerikanischen Politik versucht, eine große Anzahl von Bundesbediensteten auszutauschen. Siehe dort für mehr Informationen.

Siehe auch

Abfindung Arbeitslosenquote Arbeitslosenversicherung Bewerbung Bundesarbeitsgericht Digital Economy Europäischen Gerichtshof (EuGH) Fachkräftemangel Freistellung Gig Economy Kurzarbeit Kündigungsschutz New Economy Outplacement Offshoring Personalbedarfsplanung Phillips-Kurve Race to the bottom Talentabwanderung Volcker-Schock

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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