Süchteln ist ein Stadtteil der Kreisstadt Viersen des gleichnamigen Kreises im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die Mitte der alten Weberstadt bildet die 1856 gebaute katholische Pfarrkirche St. Clemens. Ihr 73 m hoher Turm stammt aus dem Jahr 1481.

Geschichte mini|Turm der katholischen Pfarrkirche St.Clemens an der Hochstraße in Süchteln.mini|Irmgardiskapelle mit Brunnen auf dem Heiligenberg in Viersen-Süchteln mini|Hauswandmalerei in der Innenstadt zeigt den heiligen Florian Als Ort wird Süchteln erstmals 1116 in Büchern der Abtei St. Pantaleon in Köln erwähnt. Die Namensgebung von „Süchteln“ und seinem „Heiligenberg“ weist Spuren der keltischen Menapier auf. Der Bericht des Chronisten Hugo Doergens macht hierzu folgende Angaben: Der bei Süchteln liegende Heiligenberg verweist auf die vorchristliche Verehrung einer Göttin „Heel“. Auch der Name Süchteln, im Mittelhochdeutschen als Suthele, Suphtele überliefert, bezieht sich darauf. Suht, Suft bedeutet im Altgotischen die Sucht, das Siechtum, die Krankheit. Der Name der Göttin Heel findet sich hier in der zweiten Silbe wieder. Hele, altgotisch heiljan oder helian, entspricht unserem Wort für „heilen“.Doergens, Hugo: Dülkener Volkstümlichkeiten, ders.: Chronik der Stadt Dülken, Dülken 1925, S. 338 ff.; S. 349.

Nachdem Süchteln im ausgehenden Mittelalter dem Herzogtum Jülich zugesprochen wurde, erhielt der Ort 1423 die Marktrechte. Seit 1405 besitzt Süchteln urkundlich Stadtrechte. Im Jahr 2005 feierte man „600 Jahre Stadtrechte Süchteln“. Das Original-Dokument mit Süchtelner Siegel befindet sich im Nationalarchiv in Paris.

Von 1798 bis 1814 stand Süchteln unter französischer Herrschaft (Franzosenzeit). Während dieser Zeit bildete die Stadt eine Mairie nach französischem Vorbild und gehörte zum Kanton Neersen im Arrondissement Krefeld des Rur-Departements.GenWiki: Kanton Neersen Nachdem 1814 der gesamte Niederrhein auf dem Wiener Kongress dem Königreich Preußen zugeschlagen wurde, kam Süchteln zunächst 1816 zum Kreis Krefeld und 1818 zum Kreis Kempen. Aus der Mairie Süchteln der Franzosenzeit wurde die preußische Bürgermeisterei Süchteln.

Von Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ende der 1950er Jahre war Süchteln eine florierende Stadt der Webindustrie. In der Reichspogromnacht verwüsteten SA-Männer das Gebetshaus der kleinen jüdischen Gemeinde in Süchteln.Gebetshaus Süchteln

In den Jahren 1941 und 1942 wurden 26 in Süchteln lebende Juden in Konzentrationslager oder Vernichtungslager deportiert und dort ermordet (Liste hier).

Während des Zweiten Weltkriegs warfen britische und amerikanische Bomber nur wenige Bomben auf Süchteln.www.stadtbild-deutschland.orggrößere Städte mit Bahnstrecken, Bahnhöfen und Industriegebieten galten als attraktivere Ziele. Am 1. März 1945 nahmen Soldaten der 84. US-Infanteriedivision von Dülken kommend Süchteln gegen geringen Widerstand ein.Männergesangverein 1853 Süchteln-Vorst: Die Geschichte unserer Fahne, Internetauftritt des Männergesangverein 1853 Süchteln-Vorst, abgerufen am 30. Januar 2013

Im Zuge der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen wurden zum 1. Januar 1970 Süchteln, Viersen, Dülken und Boisheim zur Stadt Viersen. (siehe auch Gesetz zur Neugliederung des Kreises Kempen-Krefeld und der kreisfreien Stadt Viersen).

Als Ortsheilige wird Irmgard von Süchteln verehrt; unter anderem während der Irmgardisoktav, die jährlich auf dem Heiligenberg, einem Teil der Süchtelner Höhen, stattfindet. Zu Süchteln gehören die Ortsteile Clörath, Dornbusch, Hagen, Hagenbroich, Sittard und Süchteln-Vorst.

Sehenswürdigkeiten Stadtgarten Süchteln mit Figurengruppe Neugotische katholische Pfarrkirche St. Clemens mit altem Turm Evangelische Kirche Hindenburgstraße Pfarrkirche St. Franziskus (Süchteln-Vorst) Irmgardiskapelle mit Brunnen auf den Süchtelner Höhen Königsburg Weberbrunnen in der Hochstraße Weberhaus und Tendyckhaus Irmgardisstift Kreiskriegerdenkmal von Architekt August Hartel St. Maria Hilfe der Christen Kirche Süchteln-Dornbusch

Persönlichkeiten In Süchteln geboren Matthias Nethenus (1618–1686), Theologe Karl Matthias Schiffer (1867–1930), Gewerkschaftsfunktionär, Reichstagsabgeordneter (Zentrum) Karl Müller (1884–1964), Politiker Emil Flecken (1890–1981), Porträt-, Figuren- und Landschaftsmaler der Düsseldorfer Schule Max Clevers (1894–1955), Kommunalpolitiker (CDU) Wilhelm van Kempen (1894–1981), Kunsthistoriker Albert Vigoleis Thelen (1903–1989), Schriftsteller (Die Insel des zweiten Gesichts) und Übersetzer Hermann Schmitz (1904–1931), Künstler Peter Van Vlodrop (1928–2023), Kommunalpolitiker (CDU) Gerd Rohmann (* 1940), Anglist Hans Jürgen Kerkhoff (* 1956), Präsident und Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Stahl Thomas Druyen (* 1957), Soziologe

Mit Süchteln verbunden Irmgard von Süchteln (um 1013–um 1085), Heilige, die der Legende nach als Einsiedlerin in Süchteln lebte Heinrich von Rosenthal (1808–1865), war bis 1843 Bürgermeister von Süchteln Peter Norrenberg (1847–1894), Pfarrer, Historiker und Sozialpolitiker Gerhardt Bosch (* 1918), Chefarzt der Jugendpsychiatrie in Süchteln von 1962 bis 1980 Christian Grefkes-Hermann (* 1977), Ordinarius für Neurologie an der Goethe-Universität Frankfurt und Klinikdirektor, DGKN-Präsident, in Süchteln aufgewachsen Hellmut Trienekens (1938–2025), Entsorgungsunternehmer Felix Thönnessen (* 1980), Keynote-Speaker u. Referent Dieter Könnes (* 1971), Journalist Frank Rehfeld (* 1962), Fantasy-Schriftsteller Julian Paul Schmit (* 1982 oder 1983), deutscher Sänger

Verkehr

Eisenbahn Süchteln erhielt 1870 einen Bahnhof im Bereich der heutigen Freudenbergstraße, als die Crefeld-Kreis Kempener Industrie-Eisenbahn-Gesellschaft ihre Strecke von Hüls über Krefeld, St. Tönis und Vorst nach Viersen samt eines (1916 bereits wieder stillgelegten) Abzweiges in Süchteln nach Grefrath eröffnete, um die boomende Krefelder Samt- und Seidenweberindustrie mit Heimarbeitern im Umland zu verbinden. 1871 kam eine in Süchteln-Vorst abzweigende Industriebahn über Oedt nach Kempen hinzu. Der Personenverkehr wurde, nachdem er bereits in den 1930er Jahren einige Jahre unterbrochen worden war, mit dem Winterfahrplan 1949 auf der Verbindung Kempen–Oedt–Süchteln–Viersen und 19. Mai 1951 auf der Verbindung Krefeld–St. Tönis–Süchteln–Viersen endgültig eingestellt. Der Güterverkehr folgte 1961 auf dem Teilstück nach Viersen, 1975 auf dem nach Süchteln-Vorst und 1978 auf dem Richtung Krefeld. Auf der ehemaligen Trasse verläuft heute bis St. Tönis ein Fahrradweg, jenseits davon verkehrt der Schluff.

Busverkehr +Linien, die den Busbahnhof Süchteln anfahrenLinieVonÜberNach019VinkrathGrefrath/Süchteln/ViersenMönchengladbach066KempenGrefrath/OedtSüchteln074KaldenkirchenBracht/Brüggen/DülkenSüchteln083Süchteln ViersenDülken064TönisvorstSüchteln/ViersenBrüggen/Bracht

Sonstiges

Bekannt ist der Ort Süchteln unter anderem durch die dort angesiedelte LVR-Klinik Viersen (im Johannistal). Diese vom Landschaftsverband Rheinland getragene Einrichtung hat zahlreiche Abteilungen, unter anderem die LVR-Klinik für Orthopädie, Sucht- und Drogentherapie, Gerontologie, Ergo- und Beschäftigungstherapie, das heilpädagogische Heim (HPH) sowie zahlreiche psychiatrische Einrichtungen, z. B. Kinder- und Jugendpsychiatrie und forensische Klinik. Daneben gibt es das St. Irmgardis-Krankenhaus Süchteln.

Literatur Süchteln 1558–1958. Eine Festschrift der Stadt, Schriftenreihe des Landkreises Kempen-Krefeld 1958 600 Jahre Stadt Süchteln – Streiflichter. 1405–2005. Viersen 2005. Geschichte der Stadt Süchteln – Norrenberg, Peter; Viersen : Baedeker, 1874 (Digitalisat) Franz Möllemann: Spuren der Vergangenheit. Buchh. Pütz, 2012. Heimatbuch des Kreises Kempen-Krefeld. bis 1974, danach Heimatbuch des Kreises Viersen

Weblinks

Süchteln auf der Website der Stadt Viersen Stadtgeschichte Süchteln aus der Luft

Einzelnachweise

Kategorie:Stadtbezirk von Viersen Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Kreis Viersen) Kategorie:Gemeindeauflösung 1970