mini|hochkant=1.3|Im Vogelschauplan von Wolfgang Kilian aus dem Jahre 1626 kann die Befestigung Augsburgs gut nachvollzogen werden. mini|hochkant=1.3|Augsburgs Tore

Die Augsburger Stadtbefestigung entstand in der Römerzeit und sie wurde im Mittelalter um weitere Mauern mit Türmen und Gräben ergänzt. Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Entfestung von Augsburg und damit der Abbruch vieler Bauwerke der Befestigung. Bis in die Gegenwart hinein sind fünf Stadttore, vier Bastionen und lange Abschnitte der Stadtmauer erhalten geblieben.

Übersicht Die Stadtbefestigung der Römerstadt Augusta Vindelicum bestand wohl größtenteils aus Palisaden. Im 8. Jahrhundert ist Augsburg seit 738 als Bischofssitz nachweisbar und wurde ein zentraler Ort fränkisch-karolingischer Königsherrschaft. Als solcher brauchte es ausreichende Verteidigungsanlagen.

Bischofsstadt mini|hochkant=0.8|Springergässchen: Turm am Anschluss der Mauer der Oberen Stadt an die der Bischofsstadt, heute Wohnhaus Die erste mittelalterliche Umwallung war ein mandelförmiger Palisadenring um den Dom. Die so geschützte Bischofsstadt lag etwa zwischen den heutigen Straßen Hafnerberg und Mauerberg im Süden sowie Jesuitengasse und Äußeres Pfaffengässchen im Norden. Bischof Ulrich von Augsburg ließ die Palisaden dieser Domburg durch eine noch nicht sehr hohe Steinmauer ersetzen. Die Mauer hatte drei Tore, von denen zwei im Verlauf der Via Claudia Augusta lagen: Das Südtor stand am „Schwalbeneck“ in der Nähe des späteren Obstmarktes an der Stelle des einstigen römischen Südtores. Im Norden stand der Vorläufer des Frauentors. Ein drittes Tor befand sich an der Westspitze der Bischofsstadt nahe dem späteren fürstbischöflichen Kastenamt (heute Nebengebäude des Finanzamtes). In einer Chronik wird zwar ein „Tor zu den Lechen“ erwähnt, aber archäologisch wurde an der Ostseite der Bischofsstadt kein Tor nachgewiesen, und der alte Weg vom Südtor zu den Lecharmen hat sich bis heute in der Straße Schmiedberg erhalten, die das sanfte Gefälle eines Seitentals nutzt. Von diesem ersten mittelalterlichen Mauerring ist heute nichts mehr äußerlich erkennbar.

Obere Stadt mini|hochkant=0.8|Rotes Tor im Süden der Oberen Stadt, Augsburgs buntestes Stadttor mini|Entwicklungsphasen der Augsburger Altstadt Südlich der Bischofsburg diente die Via Claudia Augusta auch als Prozessionsweg von der Bischofskirche zum Grab der Heiligen Afra. Entlang dieses Abschnitts der alten Handelsstraße bildete sich eine Marktsiedlung. Im 12. Jahrhundert wurde dieses Gebiet bis kurz hinter der Kirche St. Ulrich und Afra mit einer steinernen Mauer und einen tiefen Graben versehen. Die Bezeichnung „Obere Stadt“ bezieht sich auf die Lage flussaufwärts der Bischofsstadt. Sie steht nämlich nicht nur auf der Hochterrasse, sondern ihr Lechviertel im Osten liegt an deren Fuß und wird von drei kleinen Lechkanälen durchströmt. Die Mauer schloss im Norden an die Domburg mit dem Schwalbentor an und hatte darüber hinaus vier Außentore: Das Haunstetter Tor, an dessen Stelle heute das Rote Tor steht, lag im Verlauf der Via Claudia Augusta. Durch das Barfüßertor (einst Sträfingertor genannt, nach dem Dorf Sträfingen, dem Vorläufer der Jakobervorstadt) im Osten führte die Straße über die Lech­arme nach Bayern. Im Westen begann am Göggingertor der Verbindungsweg in das augsburgische Dorf Göggingen, von wo man ins Allgäu gelangte. Das Heilig Kreuzer Tor im Nordwesten führte zu dem zunächst noch außerhalb der Ummauerung gelegenen Kloster Heilig Kreuz und ermöglichte es, an der Bischofsstadt vorbei ins untere Lechtal zu gelangen.

Von den Mauern der Oberen Stadt ist neben dem Roten Tor die vorgelagerte Rotetorbastion erhalten und die nördlich an den Torkomplex anschließende Mauer bis kurz vor der Margaretenstraße überwiegend in angrenzende Gebäude verbaut. Von der Brücke am Schwall bis zum Vogeltor erstreckt sich ein Abschnitt der oberstädtischen Mauer mit Anschluss an das jenseits des (alten) Stadtgrabens stehende Vogeltor. Dort zweigt auch der äußere Stadtgraben vom Stadtgraben ab.

Untere Stadt mini|180px|Lueginslandbastion Von den letzten Jahren des 13. Jahrhunderts bis 1308 wurde ein weiteres Gebiet ummauert. Es liegt im Gegensatz zur Oberen Stadt ganz auf der Hochterrasse. Es schloss nördlich und damit flussabwärts an die Bischofsstadt mit dem Frauentor und ganz im Westen auch an die Obere Stadt mit dem Heilig Kreuzer Tor an und erhielt darum die Bezeichnung Untere Stadt. Die neue Mauer erhielt vier Außentore: Vom Klinkertor führte der Weg über die Wertach hinweg nach Pfersee im Westen. Durch das Wertachbrucker Tor führten die Handelswege nach Ulm und Donauwörth. Durch das Fischertor im Norden gelangte man auf die Landspitze zwischen Wertach und Lech. Das Stephingertor (nach dem benachbarten Stift St. Stephan) im Osten bildete die kürzeste Verbindung zum Lech.

Erhalten sind von dieser Ummauerung die östliche Mauer am Schwedenweg, dem Gallusbergle und der Herwartstraße bis zum Lueginsland, der Turm Lueginsland, die nördliche Mauer von diesem bis zum Fischertor, das Wertachbrucker Tor, die Mauer am Katzenstadel von der Wertachbruckertorstraße nach Süden und die Mauer An der Blauen Kappe vom alten Zeughausgässchen bis zur Klinkertorstraße. Das heutige Fischertor ist ein dem modernen Straßenverkehr angepasster Bau von 1924.

Jakobervorstadt mini|180px|Südöstliche Bastion am Jakoberwall Im Jahr 1340 wurde das Stadtgebiet nach Osten um die Jakobervorstadt erweitert. Wie das Lechviertel der Oberen Stadt liegt sie auf der Niederterrasse. Parallel zum Inneren Stadtgraben, der sie von den älteren Stadtteilen trennt, wird sie vom Sparrenlech durchflossen. Zunächst erhielt sie nur eine schwache Befestigung aus Palisaden und kleinen Gräben. Erst gut hundert Jahre später, 1450, wurde eine starke Ziegelmauer mit Türmen und Toren errichtet. Davor verläuft der Äußere Stadtgraben. Die Straße nach Bayern passierte die neue Mauer durch das heute noch bestehende Jakobertor. Nahe den Anschlüssen an die alte Stadtmauer entstanden das Oblattertor im Norden und das Vogeltor im Süden. Von den übrigen Türmen dieser Mauer ist der Fünfgratturm erhalten, der wohl letzte verbliebene Turm der Scharwächter, die durch Augsburg patrouillierten, um die Nachtruhe zu gewährleisten.

Außer dem Vogeltor mit einem kurzen Stück der östlich anschließenden Vogelmauer, dem Jakobertor und dem Fünfgratturm ist am äußeren Stadtgraben die Bastion an der Nordostecke erhalten, und die daran anschließende nördliche Mauer ‚Oblatterwall‘ bis zur Franziskanergasse. Nördlich des Jakobertors ist ein Stück Stadtmauer in auf der Außenseite angebauten Häusern verbaut. Von der Bastion an der Südostecke stehen noch Wachgebäude.

Geschichte Altertum mini|hochkant=0.7|Altar aus Augusta Vindelicorum Bereits in der frühen römischen Kaiserzeit wurde unter den Stiefsöhnen Kaiser Augustus, Drusus und Tiberius, ein Legionslager im heutigen Oberhausen errichtet, welches um 15 v. Chr. gegründet wurde und schon damals über eine kleine provisorische Befestigung verfügte. Erst 30 Jahre später entstand Augusta Vindelicorum auf einer Höhenschwelle zwischen den beiden Flüssen Wertach und Lech. Nach der Fertigstellung deren Befestigung, die fast nur aus Holzpalisaden bestand, wurde sie von Kaiser Hadrian zum Municipium erhoben. Dieses Municipium reichte südlich nur so weit wie später die Bischofsstadt, aber nördlich weiter als die Untere Stadt des Mittelalters, dessen südliches Gebiet später von der Bischofsstadt und der Unterstadt überdeckt wurde. Von der Stadtbefestigung dieser Zeit ist heute nichts mehr erhalten.

Mittelalterliche Bedingungen Augsburg war im Laufe seiner Geschichte wiederholt in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt, bereits um die Zeit des Römischen Reichs sah sich Augsburg immer wieder kleineren Angriffen ausgesetzt, weshalb sich die gut aufgerüstete Stadtbefestigung in den letzten Jahrhunderten zusehends gelohnt hatte. An die Grenzen der Augsburger Stadtbefestigung kam es, als sich die Verteidiger der Stadt 955 den herannahenden Ungarn zur Zeit der Ungarneinfälle stellen mussten. Unter der Führung von Bischof Ulrich, der für die Befestigung der Stadt mitverantwortlich war, stellten sich die Augsburger zusammen mit einem Heer von Sachsen, Schwaben, Bayern, Franken und Böhmen auf und gewannen die sogenannte Schlacht auf dem Lechfeld. Zu dieser Zeit wurde die ohnehin schon schlecht gerüstete Stadtverteidigung besonders in Mitleidenschaft gezogen, überstand aber die ständigen Angriffe der Ungarn.

mini|Die Schweden eroberten 1632 unter Gustav Adolf die Stadt

Auch während des Dreißigjährigen Krieges war Augsburg mehreren Angriffen ausgesetzt, war jedoch stets in der Lage, sich zu verteidigen, obgleich die Stadt oftmals chronisch unterbesetzt war. Zu einer Extremsituation kam es im Winter der Jahre 1634 und 1635, bei dem ein katholisch-bayerisches Heer versuchte, die Stadt auszuhungern, und es den ganzen Winter lang belagerte. Ziel der Belagerer war es, die Stadt von den protestantischen Schweden zurückzuerobern, die Augsburg bereits längere Zeit besetzt hielten. Dabei kam ein Großteil der Bevölkerung um und starb den Hungertod. Im selben Krieg nur zwölf Jahre später, im Jahr 1646, wurde der Stadt mit schwerem Kanonenbeschuss schlimm zugesetzt. Der "Steinerne Ma", eine Augsburger Legende, erinnert ebenso wie die Schwedenstiege, eine nach den Besatzern benannte Treppe, noch an diese Zeit. Einige Jahre darauf, im Jahr 1703, wurde Augsburg erneut Zeuge einer Belagerung, als diesmal ein französisch-bayerisches Heer im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges die Stadtbefestigung durch schweres Bombardement beschädigte und die Stadt schließlich im Februar 1704 einnahm. Die Franzosen sorgten in Augsburg für eine weitere Welle der Auf- bzw. Umrüstung, wobei die Bayern zuerst befahlen, weite Teile der Befestigung zu schleifen, ehe sie die zerstörten Bastionen doch noch ausbauen ließen. So wurde insbesondere das Lueginsland an der Nordostspitze der Altstadtmauer zu einer Zitadelle ausgebaut.

Auffallend war bisher, dass im Falle einer Belagerung die Stadt nie mittels Waffengewalt eingenommen wurde, sondern durch freiwillige Übergabe in die Hände des Feindes fiel. Bis hin zu den Befreiungskriegen am Anfang des 19. Jahrhunderts, als selbst Napoleon Bonaparte die Stadt besuchte, herrschte stets reges Interesse an der mittlerweile gut gerüsteten Stadt. Einen Tiefpunkt aber erlebte nicht nur die Befestigung, sondern vor allem die Stadt selbst, als viele Menschenleben und Gebäude in großer Zahl den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg zum Opfer fielen.

Mittelalterliche Baugeschichte mini|hochkant=0.7|links|Der „Dohlenturm“ an der östlichen Mauer der Unteren Stadt mini|Oblatterwall im Osten der Jakobervorstadt mini|Vogelmauer und Vogeltor im Süden der Jakobervorstadt