Joachim Hamann (* 18. Mai 1913 in Kiel; † 13. Juli 1945 in Heikendorf) war ein deutscher Kriminalkommissar und SS-Sturmbannführer (1945). Er leitete während des Holocausts in Litauen das sogenannte „Rollkommando Hamann“, dessen Taten im Jäger-Bericht enthalten sind.

Leben Hamann war von Beruf Drogist und während der Weltwirtschaftskrise zeitweise arbeitslos. Zum 1. Februar 1932 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 958.322).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/13271174 Nach 1933 kam er über die Polizei zur Stapo-Leitstelle Berlin und 1940 zum von SS-Standartenführer Karl Jäger geführten Einsatzkommando 3 (EK3) der von SS-Brigadeführer Walter Stahlecker geleiteten Einsatzgruppe A.Jürgen Matthäus: (PDF; 366 kB). In: United States Holocaust Memorial Museum: Center for Advanced Holocaust Studies (Hrsg.): Lithuania and the Jews: The Holocaust Chapter. Juli 2005, S. 27–29. (Abgerufen am 2. Juni 2009.)

Sein „Rollkommando Hamann“ () ermordete einen großen Teil der jüdischen Bevölkerung Litauens: „Als Führer eines Zuges litauischer Hilfskräfte beteiligte er sich an mindestens 62 Massakern, denen etwa 60.000 Juden zum Opfer fielen.“Gerhard Paul: Die Täter der Shoah: fanatische Nationalsozialisten oder ganz normale Deutsche? Wallstein, 2002, ISBN 3-89244-503-6, S. 51–52. Von Stubenkameraden wurde der Zugführer als ‚fanatischer Judenhasser‘ geschildert, der geglaubt habe, ‚mit diesen Maßnahmen eine Pflicht seinem Volk gegenüber‘ erfüllt zu haben.”

Später war Hamann im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) als Referent der Abteilung A3 „Rechte Opposition“ tätig (SS-Nummer 314.267). Nach Kriegsende, am 13. Juli 1945, beging Hamann Suizid.Wolfgang Scheffler: Die Einsatzgruppe A. In: Peter Klein (Hrsg.): Die Einsatzgruppen in der besetzten Sowjetunion 1941/42. Edition Hentrich, Berlin 1997, ISBN 3-89468-200-0, S. 48, Fußnote 30.

Rollkommando Hamann

Für das Rollkommando Hamann rekrutierte Joachim Hamann auf Befehl von Franz Walter Stahlecker mit Einverständnis von Karl Jäger zunächst 8 Mitglieder aus dessen Einsatzkommando. Die Zusammensetzung des Kommandos wechselte, bestand im Kern jedoch aus Hamann, seinem Stellvertreter Helmut Rauca, weniger als 10 anderen deutschen und je nach Bericht 50 bis 58 Mitgliedern, die er aus einer litauischen Einheit auswählte.Jürgen Matthäus: (PDF; 366 kB). In: United States Holocaust Memorial Museum: Center for Advanced Holocaust Studies (Hrsg.): Lithuania and the Jews: The Holocaust Chapter. Juli 2005, S. 29. (Abgerufen am 2. Juni 2009.) Das Rollkommando hatte keine permanente Struktur, sondern wurde für die einzelnen Einsätze zusammengerufen. Hamann beauftragte jeweils die örtlichen Polizeikräfte, die Opfer zu konzentrieren, den Tatort auszuwählen und vorzubereiten und die nötigen Hilfskräfte zusammenzuziehen. Erst dann rückte, meist aus Kaunas, eine Abteilung des Rollkommandos an und führte die Exekutionen durch (siehe Einsatz in Litauen).

Von Ende Juni bis Anfang Oktober 1941 ermordete das Kommando mit Unterstützung litauischer Kräfte fast die gesamte jüdische Bevölkerung der litauischen Landgemeinden (Panevėžys, Ukmergė, Zarasai, Kėdainiai, Kaišiadorys, Utena, Marijampolė, Jonava, Raseiniai, Alytus, Žagarė u. a.).Darstellung der Arbeitsweise des Rollkommandos nach Rüdiger Ritter: Arbeitsteiliger Massenmord: Kriegsverbrechen in Litauen während des Zweiten Weltkriegs. In: Timm C. Richter (Hrsg.): Krieg und Verbrechen. Situation und Intention: Fallbeispiele. (= Aktuell / Villa ten Hompel. 9). Meidenbauer, München 2006, ISBN 3-89975-080-2, S. 59f.; vgl. Knut Stang: Kollaboration und Massenmord. Die litauische Hilfspolizei, das Rollkommando Hamann und die Ermordung der litauischen Juden. Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 1996, ISBN 3-631-30895-7. Zwischen Juli und August 1941 ermordete das Rollkommando außerdem 9102 Juden im Ghetto von Daugavpils, Lettland.

Siehe auch Holocaust in Litauen

Literatur Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. 2., akt. Auflage. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8. Peter Klein (Hrsg.): Die Einsatzgruppen in der besetzten Sowjetunion 1941/42. Edition Hentrich, Berlin 1997, ISBN 3-89468-200-0. Knut Stang: Kollaboration und Massenmord: die litauische Hilfspolizei, das Rollkommando Hamann und die Ermordung der litauischen Juden. Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-631-30895-7. Vincas Bartusevičius, Joachim Tauber, Wolfram Wette (Hrsg.): Holocaust in Litauen. Krieg, Judenmorde und Kollaboration im Jahre 1941. Köln/Weimar 2003, ISBN 3-412-13902-5.

Einzelnachweise

Kategorie:Person der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD Kategorie:Holocaust in Litauen Kategorie:NS-Kriegsverbrechen Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Person (Reichssicherheitshauptamt) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1913 Kategorie:Gestorben 1945 Kategorie:Mann