mini|Pawel Melnikow; Abbildung aus der russischen Illustrierten Vsemirnaja Illjustracija (Band 29.1883, № 735; S. 153) mini|Pawel Melnikow – Gemälde von Iwan Kramskoj mini|Pawel Melnikow Pawel Iwanowitsch Melnikow (, wiss. Transliteration , Pseudonym: Andrei Petscherski, ; * in Nischni Nowgorod; †  ebenda) war ein russischer Schriftsteller, der für seinen zweiteiligen Roman In den Wäldern und Auf den Bergen bekannt ist, der das Leben von russischen Altgläubigen im Wolgagebiet Sawolschje beschreibt. Der Roman In den Wäldern hatte großen Einfluss auf Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow und dessen Oper Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und von der Jungfrau Fewronija.Fiona Jane Schopf: Music on Stage, S. 166

Von der Wahl seiner Stoffe her wird Melnikow häufig mit Nikolai Leskow verglichen. Viele Werke erschienen unter seinem Pseudonym Andrei Petscherski, weshalb er in einigen Literaturgeschichten auch Pavel Melnikow-Petscherski genannt wird.

Leben und Werk Melnikow studierte zunächst Lehramt und unterrichtete mehrere Jahre in einem Gymnasium in Perm, später in Nischni Nowgorod. Abseits seiner beruflichen Tätigkeit betrieb er ethnologische und kulturgeschichtliche Studien, insbesondere unter den Nachkommen der Altgläubigen oder Raskolniki, die in den 1860er Jahren im Russki Westnik erschienen. Aufgrund dieser Spezialkenntnisse wurde er in die Distriktverwaltung des Wolgagebiets versetzt, auf dienstliche Erkundungsreisen in die Gebiete der Altgläubigen geschickt und arbeitete so auch mit der russischen Geheimpolizei zusammen, die brutal gegen die religiösen Sektierer vorging, da sich diese Bestrebungen der Missionierung erfolgreich, vor allem aber auch argumentativ schwer zu entkräften, entgegensetzte.

Über die Betätigung des dem Staatssicherheitsdienst (Ochrana) eng verbundenen Melnikow in der ethnographischen Sektion der Russischen Geographischen Gesellschaft berichtet der Baer-Biograph Raikov:

Seine erste literarische Arbeit, eine Novelle, erschien im Jahr 1840 in einer Petersburger Zeitschrift. Melnikow selbst war von seiner Arbeit wenig überzeugt und veröffentlichte über ein Jahrzehnt nichts weiter. Erst 1852 erschien in der slawophilen Zeitschrift Moskwitjanin seine Novelle Die Krasilnikows, die das Thema Väter und Söhne zum Inhalt hatte. 1857 erschien im Russki Westnik seine Novelle Aus alten Zeiten, ein »Kultur- oder Unkulturbild« aus dem 18. Jahrhundert über einen Gutsbesitzer namens Fürst Andrej Saborowskij, der auf seinen Gütern sich wie Iwan der Schreckliche im Kleinen gebärdet, für den es »keine andern Gesetze gibt als seine Launen«. 1858 folgte eine Reihe weiterer Erzählungen (Großvater Polykarp, Der Bärenwinkel u. a.) ebenfalls im Russki Westnik. Als der Verfasser diese Novellen auch in Buchform veröffentlichen wollte, wurde die Sammlung von der Zensur verboten. Daraufhin publizierte Melnikow ganze zehn Jahre keinen literarischen Text.

1868 erschien eine erste längere Erzählung aus dem Leben der Altgläubigen unter dem Titel Jenseits der Wolga (Za Volgoj, За Волгой). Dieser Roman ist gleichsam eine Vorstudie zu seinen zwei großen, inhaltlich eng miteinander verbundenen Romanen In den Wäldern (W ljesach, В лесах; 1872) und In den Bergen (Na gorach, На горах; 1875-80). In diesen beiden Romanen, die zusammen acht Bände umfassen, hat Melnikow den gesamten Stoff, den er über die Jahre gesammelt und bisher nur in seiner beruflichen Tätigkeit genutzt hatte, künstlerisch, ethnographisch, kulturgeschichtlich und psychologisch vergleichbar instruierend wie fesselnd aufbereitet.

Werke Die alten Zeiten : Erzählungen (1857) (Dt. von Johannes von Guenther. Hamburg ; München : Ellermann 1962) In den Wäldern (1868–1874) In den Wäldern : Ein russischer Volksroman aus dem Leben der Altgläubigen von A. Petscherski. Bearbeitet nach dem Original von L. v. d. Oelsnitz. Berlin : Otto Janke 1878 (Romane des Auslandes : belletristische Zeitschrift ; enthaltend die besten Romane des Auslandes in guten Übersetzungen 1878 Bd. I) Berlin : Union-Verl. VOB 1970. Der dt. Text wurde unter d. Mitarb. von Irene Quaassdorff auf d. Grundlage d. von Eva-Maria Bachmann u. Gisela Schröder angefertigten Übers. hergestellt Auf den Bergen (1875–1881) (2021: keine Übersetzung nachweisbar) Die Namenstagspastete : zwei Erzählungen. Aus dem Russ. von Johannes von Guenther. Göttingen : Steidl 1997

Literatur Boris Evgen'evič Raikov: Karl Ernst von Baer (1792–1876). Sein Leben und sein Werk. (= Acta historica Leopoldina; Nr. 5). J. A. Barth, Leipzig 1968. (russ. 1961) Arthur Luther. Geschichte der russischen Literatur. Bibliographisches Institut, Leipzig 1924, S. 274–275

Weblinks

Hanns-Martin Wietek: Pawel Iwanowitsch Melnikow – Chronist der Altgläubigen

Einzelnachweise

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