mini|Die Verwaltungsbezirke von Fars mini|Eine der Residenzen der achämenidischen Könige: Persepolis Die Provinz Fars () mit der Hauptstadt Schiras ist die in Süd-Iran gelegeneErika Bleibtreu: Iran von prähistorischer Zeit bis zu den Medern. Kurzer Einblick in sechs Jahrtausende iranischer Kulturgeschichte. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, ISBN 3-85497-018-8, S. 40–53, hier: S. 41 und 48. zentrale Südprovinz des heutigen Iran und war schon vor 3000 Jahren als Persis (bzw. Parsa)Josef Wiesehöfer: Die Geschichte Irans von den Achaimeniden bis in frühislamische Zeit. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, ISBN 3-85497-018-8, S. 54–74, hier: S. 55. das Kernland des Perserreichs. Zwei mächtige altpersisch-antike Königshäuser stammen von hier: die Achämeniden (559 bis 330 v. Chr.) und die Sassaniden (224 bis 651).
In der Provinz leben 4.851.274 Menschen (Volkszählung 2016).City Population: Iran – Städte und Provinzen. Die Provinz umfasst 122.608 Quadratkilometer und hat eine Bevölkerungsdichte von 40 Einwohner pro Quadratkilometer.
Geographie Fars ist zwar nur eine der 31 heutigen Provinzen, nimmt aber etwa 10 Prozent der Fläche Irans ein. Seine Grenzen liegen etwa 400 bis 1000 km südlich von Teheran zwischen dem Kuhrud- und Zagros-Gebirge (bis 4300 bzw. 4500 m hoch), wodurch das Klima relativ mild ist. Den größten Anteil an der Bevölkerung der Provinz stellen Perser, Luren und Qaschqai. Kleinere Anteile entfallen auf Kurden und Bachtiaren sowie Angehörige turkmenischer Stämme.
Das Zagros-Gebirge ist das dominierende geographische Merkmal im Süden Irans. Fars ist durch Ebenen und Täler zwischen Gebirgszügen charakterisiert, die seit dem Neolithikum wegen ihrer Wasserressourcen und geeigneten Landes für die Landwirtschaft besiedelt sind. Die Ebenen und Täler sind über den ganzen Süden Irans verteilt und über Wege, Straßen und Pässe verbunden. Diese spezifische Topographie hat zwangsläufig Auswirkungen auf das menschliche Verhalten, im Besonderen auf die Kommunikation und Interaktion zwischen den Bevölkerungsgruppen, die in den verschiedenen Tälern leben. Die frühen Bewohner waren gezwungen, ihr Verhalten und die Mittel zum Lebensunterhalt an die besondere Landschaft anzupassen. Es handelt sich um eine Umgebung, in der „das Ökosystem die Kultur prägt“.Cameron A. Petrie: „Culture“, Innovation and Interaction Across Southern Iran from the Neolithic to the Bronze Age (c. 6500–3000 BC). In: Benjamin W. Roberts, Marc Vande Linden (Hrsg.): Investigating Archaeological Cultures. Springer 2011, ISBN 978-1-4419-6969-9, S. 151–182, hier 157.
Verwaltungsgliederung Die Provinz Fars gliedert sich in 23 Verwaltungsbezirke (Schahrestan):
Abadeh Arsandschan Bavanat Chorrambid Darab Eqlid Estahban Faraschband Fasa Firuzabad Gerasch Dschahrom Kavar Kazerun Cherameh Chondsch Lamerd Larestan Mamasani Marvdascht Mehr Neyriz Pasargad Qir-o-Karzin Rostam Sarvestan Sepidan Schiras Zarrindasht
Geschichte Die Provinz Fars liegt in unmittelbarer Nähe zu den frühesten Zentren der Domestizierung. Dort wurden Schafe und Ziegen möglicherweise bereits im 9. Jahrtausend v. Chr. domestiziert, während die Nutzung von Getreide ab dem 8. Jahrtausend v. Chr. nachgewiesen ist.Cameron A. Petrie, Lloyd Weeks, Daniel T. Potts, K. Roustaei: Perspectives on the Cultural Sequence of Mamasani. In: Daniel T. Potts, K. Roustaei, Cameron A. Petrie, Lloyd Weeks: The Mamasani Archaeological Project Stage One: A report on the first two seasons of the ICAR - University of Sydney expedition to the Mamasani District, Fars Province, Iran. Oxford 2009, S. 184. Ab dem 8. Jahrtausend v. Chr. sind in Fars an über 20 Orten durch Menschen gefertigte Objekte nachgewiesen. Es handelt sich um Werkzeuge aus Stein und Obsidian, die architektonischen Elemente Chineh (Wand aus Ton mit menschlichen Händen geformt) und Lehmziegel, Keramiken, Tier- und Menschenfiguren, polierte Steine und Objekte aus Ton. Über die verwendeten Werkzeuge kann im späten Neolithikum eine Verschiebung von der Jagd zum Anbau von Getreide und einer zunehmenden Bedeutung der Ziegen-, Schaf- und Rinderhaltung beobachtet werden. Um 5500 v. Chr. war die gesamte Region Fars von Bauern bewohnt, die in kleinen Dörfern in den Ebenen lebten, auf ihren Feldern eine Reihe von domestizierten Getreidesorten anbauten und als Hirten mit ihren Schaf- und Ziegenherden in täglichen und saisonalen Bewegungen umherzogen.Roger Matthews, Hassan Fazeli Nashli: The Archaeology of Iran from the Palaeolithic to the Achaemenid Empire. Routledge London/New York 2022, S. 94–97.
Die älteste keramische neolithische Besiedlung in Fars ist Tall-e Mushki. Bei der Keramik handelt es sich um eine dicke, niedrig gebrannte und mit Spreu gemagerte Keramik (englisch chaff-tempered ware) mit auffälligen Dekorationen, die auch an anderen Orten in Fars gefunden wurde. Nach dem kurzen Übergang der Mushki/Baschi-Periode, die nach dem Fundort Tall-e Baschi benannt ist, folgt die Jari-Periode. Sie ist nach der Keramik von Tall-i Jari definiert, die sich durch die Dekorationen unterscheidet. Traditionell wird die letzte neolithische Phase in Fars Shamsabad genannt, die über die Stätte Tall-i Bakun definiert ist und zur Bakun-Zeit in die Kupfersteinzeit des 5. Jahrtausend v. Chr. führt. Alle Definitionen für den neolithischen Zeitraum stammen aus archäologischen Forschungen von der Flussebene des Kur und wurden für andere Regionen in Fars als Grundlage für die Erstellung einer neolithischen Chronologie genommen.Daniel T. Potts, K Roustaei, Cameron A. Petrie, Lloyd Weeks: The Mamasani Archaeological Project Stage One: A report on the first two seasons of the ICAR - University of Sydney expedition to the Mamasani District, Fars Province, Iran. Oxford, 1. Auflage 2006, ISBN 964-421-088-3; 2. Auflage 2009, ISBN 978-1-4073-0620-9 (Print); eBook ISBN 978-1-4073-3573-5, S. 7–8.
mini|zentriert|hochkant=4.0|Neolithische archäologische Perioden in Fars 6400–5000 v. Chr.Zusammengestellt aus: ; Daniel T. Potts, K Roustaei, Cameron A. Petrie, Lloyd Weeks: The Mamasani Archaeological Project Stage One: A report on the first two seasons of the ICAR - University of Sydney expedition to the Mamasani District, Fars Province, Iran. Oxford, 1. Auflage 2006, ISBN 964-421-088-3; 2. Auflage 2009, ISBN 978-1-4073-0620-9 (Print); eBook ISBN 978-1-4073-3573-5, S. 231, Figur 1.3.
Die Wirtschaft der Siedlung in Fars in der frühen Kupfersteinzeit war im Wesentlichen eine Konsolidierung des Systems, das im vorangegangenen Neolithikum entstanden war. Es ist umstritten, ob die Bewohner von Fars im 5. Jahrtausend v. Chr. sesshaft waren oder sich als Nomaden den saisonalen Bedingungen anpassten. Es ist durchaus möglich, dass die Siedlungen eine flexible wirtschaftliche Strategie verfolgten, die sich den Umwelt- und Klimabedingungen anpassten. In manchen Jahren hatte der Ackerbau mehr Gewicht, der einen Überschuss generierte, während in anderen Jahren die Menschen mehr Zeit und Energie auf saisonale Wanderungen mit ihren Herden aufwandten.Roger Matthews, Hassan Fazeli Nashli: The Archaeology of Iran from the Palaeolithic to the Achaemenid Empire. Routledge London/New York 2022, S. 173 und 176.
Wie in den anderen Regionen Irans zeigt sich in Fars während der Kupfersteinzeit eine stetig ansteigende Komplexität in sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen der Gesellschaft. Sie äußert sich in den Siedlungsformen, in neuen Technologien und Produktionen, dem Handel auf weite Distanzen und den Anfängen von Verwaltungen. Das 5. Jahrtausend v. Chr. wird für Fars traditionell als Bakun-Periode (frühe, mittlere und späte) aufgeführt, benannt nach den ersten Ausgrabungen in Tall-i Bakun. Seitdem gab es im Flussgebiet des Kur weitere archäologische Grabungen (Tall-i Bakun A und B, Tall-i Jari, Tall-i Gap, Tall-i Baschi und Rahmatabad). Verbunden mit regionalen Erhebungen liefern sie eine Chronologie und ein soziales und wirtschaftliches Bild vom Flussgebiet im 5. Jahrtausend v. Chr. In Fars scheint es keine Standorte gegeben zu haben, deren Besiedlung sich über das gesamte fünfte Jahrtausend v. Chr. erstreckte. Das archäologische Bild zeigt ein erhebliches Maß an Siedlungsunterbrechungen und/oder Mobilitäten. Allerdings ist es bemerkenswert, dass nicht weniger als 108 untersuchte Fundstellen im Flussgebiet des Kur eine Siedlungskontinuität vom Neolithikum in die Kupfersteinzeit zeigen. Innerhalb der Siedlung von Tall-i Bakun A mit den Schichten III und IV gibt es Belege für Metallverarbeitung, Keramikproduktion und die umfangreiche Verwendung von Zeichen in Ton, Stempelsiegeln und etwa 140 Tonsiegeln, die mehrheitlich an Türpfosten von Lagerräumen gefunden wurden. Das weist auf die Existenz eines Verwaltungsviertels hin.Roger Matthews, Hassan Fazeli Nashli: The Archaeology of Iran from the Palaeolithic to the Achaemenid Empire. Routledge London/New York 2022, S. 172–173.
Im 4. Jahrtausend v. Chr. fanden wichtige soziale, wirtschaftlichen und politische Entwicklungen statt. Gegen Ende des Jahrtausends zeigen sich Veränderungen in der Keramikproduktion, der Verteilung und dem Verbrauch, der Herstellung von Nahrungsmitteln und dem Tausch und Handel. Während der Lapui-Periode (4000–3500 v. Chr.) waren die Siedlungen mit weniger als 2 Hektaren relativ klein. Die Periode ist nach den ungefärbten roten Keramiken eines Dorfes im Verwaltungsbezirk Zargan benannt, die an über 100 Orten im Flussgebiet des Kur gefunden wurden. Insgesamt ist aber während der Lapui-Periode ein stetiger Niedergang der Siedlungen im Flussgebiet des Kur zu beobachten, der einen Höhepunkt mit dem Kollaps der Siedlungen in der Bronzezeit um 2800 v. Chr. erreichte. Das Verlassen der Siedlungen kann durch einen erhöhten Salzgehalt des Bodens aufgrund übermäßiger Bewässerung verursacht worden sein, so dass die Nahrungsgrundlagen fehlten. In Tal-i Malyan entwickelte sich dagegen eine komplexe Siedlung im Hochland gegen Ende des Jahrtausends. Der Aufstieg von Malyan fällt mit einem starken Rückgang der ländlichen Besiedlung zusammen. Es ist wahrscheinlich, dass die Bevölkerung von Malyan sich aus den ländlichen Siedlungen der Umgebung zusammensetzte. Dort bestimmte zunehmend eine elitäre Gruppe über das gesamte Spektrum des Handwerks und der Tätigkeiten der Bevölkerung.Roger Matthews, Hassan Fazeli Nashli: The Archaeology of Iran from the Palaeolithic to the Achaemenid Empire. Routledge London/New York 2022, S. 177–178. Malyan war das erste städtische Zentrum im südwestlichen Hochland Irans.Cameron A. Petrie: The Chalcolithic in southern Iran. In: Daniel T. Potts (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Iran. Oxford University Press, Oxford 2013, S. 120–158, hier: S. 136.
Für die archäologischen Perioden aus der Kupfersteinzeit vom 5. und 4. Jahrtausend v. Chr. waren ursprünglich nur Daten aus der Flussebene des Kur vorhanden. Erst durch jüngere Ausgrabungen konnte die Verbreitung der Besiedlungen der Bakun-Zeit (500–4000 v. Chr.), der Lapui-Zeit und der Banesh-Periode (3500–2600 v. Chr.) für die ganze Provinz nachgewiesen werden.Cameron A. Petrie: The Chalcolithic in southern Iran. In: Daniel T. Potts (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Iran. Oxford University Press. Oxford 2013, S. 120–158, hier S. 123–124 und 139.