Die Kongresshalle ist ein Berliner Gebäude für Veranstaltungen und Ausstellungen an der John-Foster-Dulles-Allee im Großen Tiergarten und Regierungsviertel. Bis heute bewirkt die Kongresshalle Aufsehen und Anziehung mit ihrem Dach, das sich in einem weiten und hohen Bogen über das Auditorium spannt. Das Dach besteht aus einem Netz von Stahlseilen, das an zwei Stahlbögen aufgehängt ist und hier mit Beton abgedeckt wurde.

In den ersten Jahrzehnten war die Kongresshalle ein prominentes Symbol für die deutsch-amerikanische Allianz und wurde während der Ära des Kalten Krieges und darüber hinaus politisch instrumentalisiert.Steffen de Rudder: Ein Haus macht Propaganda. Die Berliner Kongresshalle und der Kalte Krieg. In: Bernd M. Scherer (Hrsg.), Das Haus. Die Kulturen. Die Welt. 50 Jahre: Von der Kongresshalle zum Haus der Kulturen der Welt. Nicolai, Berlin 2007, ISBN 978-3-89479-430-9, S. 28–41. Nach dem Teileinsturz 1980 und dem Wiederaufbau 1987 änderte sich die kulturpolitische Agenda, der deutsch-amerikanische Schwerpunkt wird seitdem durch ein multikulturelles Programm im Haus der Kulturen der Welt (HKW) erweitert. Das Auswärtige Amt beaufsichtigt das HKW als eine von fünf beauftragten und finanzierten Mittlerorganisationen im Bereich der Auswärtigen Kulturpolitik. Das HKW erhält eine Regelförderung vom Auswärtigen Amt und vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien.

Gebäude mini|Hauptzugang über den Bassinsteg

Das gewölbte Dach überspannt das Auditorium, das Sitzplätze für rund 1000 Teilnehmer bietet. Unterhalb des schräg abfallenden Auditoriums ist ein hoher Raum für das Foyer, in das ein umlaufendes Fensterband Tageslicht hereinlässt. Der frühere Haupteingang zum Foyer führte über die Dachterrasse, die 92 m × 96 m Fläche umfasst.Baubeschreibung: In: Bürgerverein Hansaviertel, abgerufen am 29. Mai 2016. Das Außendach hat eine maximale Spannweite von 61 m Luftlinie und einen Scheitelradius von 77,3 m zwischen den Tiefpunkten;Helmut Bomhard, Udo Kraemer, Jürgen Mainz: Wiederaufbau der Kongreßhalle – Konstruktion und Bau. In: Bauingenieur, 1986, S. 570. die beiden Spannbetonbögen erstrecken sich über einen Radius von jeweils 110 m Länge. Unterhalb der Dachterrasse liegen noch einmal zwei Geschossebenen, dort befinden sich weitere Funktionsbereiche wie eine Ausstellungshalle mit rund 1000 m², Konferenzräume, Theatersaal, Restaurant, Buchladen.Grundrisse der Kongresshalle. (PDF; 514 kB) In: HKW, August 2012 (PDF; 333 kB) HKW; abgerufen am 26. Mai 2016.

Straßenseitig ist ein rechteckiges, 60 m × 90 m großes Wasserbecken („Spiegelteich“) mit Springbrunnen angelegt, darin ist seit 1987 eine Bronzeplastik von Henry Moore aufgestellt: Large Divided Oval: Butterfly. Einer der Spiegelteiche wurde zu Ehren der chilenischen Folkloremusikerin Violeta Parra genannt. Ein mit Zierpflanzen gesäumter Betonsteg und eine Freitreppe führen über den Teich zum früheren Haupteingang auf der Dachterrasse. Heute befindet sich der Haupteingang unterhalb der Freitreppe. Wasserseitig befindet sich das ehemalige Kongressrestaurant, das 2020 neu gestaltet und als „Weltwirtschaft“ wieder eröffnet wurde, sowie das zugehörige Sommer-Café unter Zelten am Ufer der Spree mit einer Schiffsanlegestelle. Der Berliner Senat stellte das Gebäude sieben Monate nach Fertigstellung unter Denkmalschutz.

Baugeschichte Aufbau mini|Briefmarke (1957), Modellzeichnung anlässlich der Interbau

Auf dem Gelände befand sich vor dem Zweiten Weltkrieg das Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld. In Erinnerung daran befindet sich im Haus der Kulturen der Welt die Magnus Hirschfeld-Bar und der Lili-Elbe-Garten.

Die Kongresshalle wurde 1956/1957 auf Initiative der damaligen Berlin-Verantwortlichen des amerikanischen Außenministeriums, Eleanor Dulles, als Beitrag der USA zur Internationalen Bauausstellung Interbau 1957 errichtet. Eleanor Dulles hatte mit ihren Brüdern Allen Dulles, CIA-Direktor seit 1953, und John Foster Dulles, US-Außenminister seit 1953, einen unmittelbaren Zugang zum Machtzentrum der US-Politik. Willy Brandt bezeichnete sie bei ihrer Verabschiedung vom Amt der Berlin-Beauftragten als „Mutter von Berlin“. Steffen de Rudder: Der Architekt Hugh Stubbins, S. 111. Für den Bau gründete Dulles die „Benjamin-Franklin-Stiftung“ als Bauherr und übergab am 26. April 1958 die „Benjamin-Franklin-Halle“ als „Geschenk“ an die Stadt Berlin.

Im Oktober 1955 genehmigte der Berliner Senat das Bauvorhaben, für das Kosten in Höhe von 16,4 Millionen Mark veranschlagt wurden (15,8 Millionen DM Baukosten sowie 600.000 DM für die Grundstücke), davon übernahm die Stadt 9 Millionen DM und somit die Mehrheit der Kosten, während die Stiftung den Rest in Höhe von 7,4 Millionen DM tragen sollte. Am Ende stiegen die Kosten auf insgesamt 19 Millionen Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund  Millionen Euro). In den Nachkriegsjahren wurde das Bauen in Berlin zu einem Wettstreit der politischen Systeme. Die Interbau war die Antwort des Westens auf die großzügig gestaltete Stalinallee in Ost-Berlin.Reinhard Schneider: In: rbb, 14. Oktober 2015, abgerufen am 26. Mai 2016.

Bei der Grundsteinlegung am 3. Oktober 1956 bezeichneten der Architekt Hugh Stubbins und Eleanor Dulles das Bauwerk als ein „Leuchtfeuer der Freiheit, das seine Strahlen nach Osten sendet“. Eine intensive Nachtbeleuchtung war von Anfang an ein Bestandteil des Baukonzepts. Außerdem wurde Weiß als Dachfarbe ausgewählt, um bei Sonneneinstrahlung intensiv zu reflektieren.Steffen de Rudder: Der Architekt Hugh Stubbins, S. 156. Die Kongresshalle wurde nicht nur nahe vor die Grenze zum Sowjetischen Sektor gesetzt, sondern auch noch auf einen aufgeschütteten Hügel, um ihre Konturen in Ost-Berlin sichtbar werden zu lassen. Später bekannte Stubbins: „Das war in Wirklichkeit ein Propagandabau, der sich an die Sowjets richtete, die nur einen knappen Kilometer entfernt waren.“Zitiert in: Stadtwandel Verlag, 2016; abgerufen am 26. Mai 2016. Originalzitat in Steffen de Rudder: Der Architekt Hugh Stubbins, S. 66: „I knew at once, this was essentially a propaganda building aimed at the Soviets just half a mile away.“ Anmerkung von de Rudder: „Hugh Stubbins, Handschriftliche Erinnerungen, 1993“. Übersetzt in: Steffen de Rudder: Ein Haus macht Propaganda, 2007, ISBN 978-3-89479-430-9, S. 29. Für die Wahl des Bauplatzes war nicht nur die Nähe zur sowjetischen Sektorengrenze – noch ohne Mauer – entscheidend, sondern auch zum zukünftigen deutschen Regierungsviertel, dessen Errichtung man dort erwartete. Der damals abgeholzte Tiergarten gab noch den Blick frei für das gegenüberliegende Reichstagsgebäude, ein Teil des Grundstücks befindet sich auf dem Gelände der früheren Kroll-Oper.Steffen de Rudder: Der Architekt Hugh Stubbins, S. 124, 129. Im Bauvertrag wurde die Unverbaubarkeit und Alleinstellung der Kongresshalle fixiert.Steffen de Rudder: Der Architekt Hugh Stubbins, S. 128.

mini|Dorton Arena, Fertigstellung 1952

Stubbins’ Projektpartner war der New Yorker Bauingenieur Fred Severud, der ihm empfahl, sich an der Dorton Arena in Raleigh (North Carolina) nach der Konzeption des polnischen Architekten und US-Immigranten Maciej bzw. Matthew Nowicki zu orientieren.Steffen de Rudder: Ein Haus macht Propaganda. Die Berliner Kongresshalle und der Kalte Krieg. In: Bernd M. Scherer (Hrsg.): Das Haus. Die Kulturen. Die Welt. Nicolai, Berlin 2007, ISBN 978-3-89479-430-9, S. 35. Severud hatte die Statik der Dorton Arena berechnet, die das erste große Bauwerk in der Architekturgeschichte mit einem frei hängendem Dach ist.Rainer Barthel: TU München, Fakultät für Architektur, 25. Mai 2005, 10 S.; abgerufen am 26. Mai 2016. Zwei große gebogene Randträger/Randbalken tragen die sattelförmig geschwungene Dachfläche, eine hyperbolische Paraboloidschale, also eine doppelt gekrümmte Fläche, die von einem Netz aus Spannstahl-Seilen gespannt wird. Bei der Dorton Arena wird die Zugkraft der beiden sich kreuzenden Randbögen an den Enden der Bögen durch horizontale Spannseile im Erdboden miteinander verbunden. Stubbins dagegen konzentrierte und fixierte die Zugkraft der beiden Stahlbögen über der Kongresshalle auf jeweils einem Widerlager und Fundament im Erdboden.

Die Kongresshalle wich in einer weiteren Hinsicht entscheidend von dem Vorbild ab, da der Prüfingenieur Werner Koepcke den ursprünglichen Entwurf einer freitragenden Decke nicht genehmigte. Eine freitragende Konstruktion dieser Spannweite auf nur zwei Fußpunkten ruhend galt in den 1950er Jahren als nicht ausführbar. Koepcke bot jedoch eine Alternative an, die dann von den beiden Berliner Kontaktarchitekten Werner Düttmann und Franz Mocken unter Zeitdruck übernommen und gegen den Willen, aber mit Duldung von Stubbins umgesetzt wurde.Steffen de Rudder: Der Architekt Hugh Stubbins, S. 58. Innerhalb des ursprünglichen Hängedachs hängte man noch ein zweites Dach in der Mitte ein und stützte dieses über einen „Ringanker“ mit der Wand des Auditoriums am Boden ab. Das überkragende Gesamtdach mit den Tragseilen und Randträgern wurde nun zusätzlich vom inneren „Ringanker“ im Gleichgewicht gehalten. Bei der „Kongreßhallen-Debatte“ in den Zeitschriften Bauwelt und baukunst und werkform stieß diese komplizierte Aufhängung auf scharfen Protest. Frei Otto, der die Dorton Arena im Büro des New Yorker Bauingenieurs Fred Severud kennengelernt und daraufhin 1954 das erste Gesamtwerk über zugbeanspruchte Bauten veröffentlicht hatte, meinte 1956: „Lasten werden in die Luft gehängt. […] Noch nie hat es ein hängendes Dach mit einer solch teuren und umständlichen Konstruktion gegeben.“ Der Architekt Pier Luigi Nervi äußerte 1959: Das Dach „verstößt gegen die naturgegebenen Prinzipien der Statik und Konstruktion“. Unter Fachleuten ist es bis heute eine offene Frage geblieben, ob es mit den Mitteln der 1950er Jahre möglich war, eine stabile Konstruktion zu erreichen.Steffen de Rudder: Ein Haus macht Propaganda. Die Berliner Kongresshalle und der Kalte Krieg. 2007, ISBN 978-3-89479-430-9, S. 40.

Verbaut wurden laut Pressemitteilung über 79.000 Sack Zement, 1.000 Tonnen Betonstahl, 560.000 Mauersteine, 1.000 Quadratmeter Glas und beispielsweise 10 Tonnen Nägel.H. E.: Kongreß-Halle feierlich eröffnet. In: Berliner Blätter, , 7. Jg. Nr. 10, Oktober 1957, S. 42–43, hier: S. 43.

Einsturz des Außendachs mini|Kongresshalle nach dem Einsturz am 21. Mai 1980 Am Vormittag des 21. Mai 1980 stürzte der südliche Teil des Dachrandes während einer Pressekonferenz zu einer Tagung des Rings Deutscher Makler ein, die am nächsten Tag stattfinden sollte. Dabei wurden fünf Menschen verletzt, ein 27-jähriger Wirtschaftsredakteur des Senders Freies Berlin erlag seinen Verletzungen.

Nach dem Einsturz wurden Karl Kordina, TU Braunschweig, Hans-Jürgen Engell, Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH, Düsseldorf, und Jörg Schlaich, Universität Stuttgart, mit der Begutachtung der Ursachen dieses schweren Bauschadens betraut. Kordina behandelte dabei betontechnologische und konstruktive Gesichtspunkte, Engell untersuchte Fragen der Korrosion und Schlaich vorwiegend die rechnerisch-theoretischen Aspekte. Daneben beauftragte die Staatsanwaltschaft Berlin eine Untersuchung der Schadensursachen durch die Bundesanstalt für Materialprüfung, die von Arno Planck geleitet wurde.Über die Ursachen des Teileinsturzes der Kongreßhalle Berlin., "Abhandlungen der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft Band 34, 1982, S. 111-123", in: Digitale Bibliothek der TU Braunschweig, abgerufen am 24. Dezember 2022.