Die Atlantik-Brücke e. V. wurde 1952 als Verein mit dem Ziel gegründet, eine wirtschafts-, finanz-, bildungs- und militärpolitische Brücke zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland zu schlagen.
Zu den Mitgliedern der Atlantik-Brücke zählen heute etwa 800 führende Persönlichkeiten aus Bank- und Finanzwesen, Wirtschaft, Politik und Medien. Die Atlantik-Brücke fungiert als Netzwerk und privates Forum für transatlantische Zusammenarbeit. Sitz des Vereins ist das Palais Eger am Tempelhofer Ufer in Berlin.
Verein und Zweck Der Verein hat seinen Sitz in BerlinVereinsregisterblatt Charlottenburg VR 20196 und verfolgt laut Satzung „Bildungs-, wissenschaftliche, kulturelle und mildtätige Zwecke sowie die Förderung der Völkerverständigung. Hierbei will der Verein die Berufs- und Volksbildung auf nationaler und internationaler Ebene, hier insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika, in Kanada und in Europa fördern. Darüber hinaus will der Verein das Verständnis für Deutschland in anderen Staaten, insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika, in Kanada sowie den europäischen Staaten, ebenso das Verständnis für die vorgenannten Staaten in Deutschland fördern und damit einen Beitrag zur Freundschaft zwischen Deutschland und anderen Staaten leisten.“Werner Bloch, Matthias Gebauer, Christoph Schult: Toast auf den Spender – Die feine „Atlantik-Brücke“, ein Club zur Vertiefung der deutsch-amerikanischen Freundschaft, war für einige Beteiligte der CDU-Affäre eine ideale Kontaktbörse. Der Spiegel, Ausgabe 6/2000 vom 7. Februar 2000.
Die Organe des Vereins sind die Mitgliederversammlung sowie der Vorstand (§ 5), der von einem International Advisory Council in der Ausübung seiner Aufgaben unterstützt wird (§ 8).
Der Verein finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge. Einzelne Veranstaltungen werden selektiv gefördert durch Firmen und Institutionen wie die Deutsche Bank, das Privatbankhaus M.M.Warburg & CO, die Nomura Holdings Investment-Bank, die Deutsche Bundesbank, die DZ Bank, den Technologiekonzern IABG, die Volkswagen AG und das Auswärtige Amt., S. 7 (PDF; 6,7 MB)
Regelmäßige Mitglieder- und Young-Leader-Alumni-Treffen finden in Deutschland und den USA statt., S. 43
Geschichte mini|Initiator der Atlantik-Brücke John Jay McCloy mini|hochkant|Gründungsmitglied Gräfin Dönhoff
Der transatlantische Verein wurde 1952 in Hamburg von den Bankiers Eric M. Warburg und Gotthard Freiherr von Falkenhausen, dem Unternehmer und Politiker Erik Blumenfeld, den beiden Publizisten und Herausgebern der Wochenzeitung Die Zeit, Marion Gräfin Dönhoff und Ernst Friedlaender, dem Unternehmer Hans Karl von Borries sowie dem Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages, Albert Schäfer, zunächst als Transatlantikbrücke gegründet. Als Initiator wirkte der ehemalige Präsident der Weltbank, Direktor der privaten US-Denkfabrik für die Gestaltung der US-Außenpolitik Council on Foreign Relations (CFR) sowie Vorstandsvorsitzender von Rockefellers Chase Manhattan Bank, John J. McCloy, entscheidend mit. Als Schirmherren fungierten der Hamburger Bürgermeister Max Brauer und der Oberbürgermeister West-Berlins, Ernst Reuter. Am 18. Januar 1955 wurde der Verein beim Amtsgericht Hamburg eingetragen. Das am 4. Juli 1956 in Atlantik-Brücke umbenannte Elite-Netzwerk gilt als „eine der einflussreichsten und exklusivsten Organisationen der Berliner Republik“. (PDF; 82 kB)Historical Roster of Directors and Officers auf den Seiten des CFRAtlantik-Brücke, Süddeutsche Zeitung vom 30. Juni 2010
Das Hauptaugenmerk des Vereins liegt seit seiner Gründung auf der Förderung persönlicher Begegnungen zwischen deutschen und amerikanischen Führungskräften aus Wirtschafts- und Geistesleben. Gräfin Dönhoff benannte bereits kurz nach Vereinsgründung das Fernziel, politikberatenden Privatinstitutionen wie dem britischen Chatham House und dem US-amerikanischen Council on Foreign Relations zu ähneln. Die Atlantik-Brücke sah sich im Zeitalter von Massendemokratie und Medienwirksamkeit als ein Teil der öffentlichen Meinung, die es mit allen Möglichkeiten des Vereins zu beeinflussen galt. Die Atlantik-Brücke hatte demzufolge den Anspruch, als privater, nichtstaatlicher Think Tank zu fungieren und mit Lösungsvorschlägen meinungsbildend zu wirken. 1981 widmete die FAZ diesem Grundansatz der Atlantik-Brücke ausführlichen publizistischen Raum. In Anspielung auf das in den USA verbreitete System privater Gesellschaften, „die nicht zu entscheiden haben, aber dennoch zum Entscheidungshintergrund gehören“ und daher in Deutschland eine unerhört neue Erfahrung bilden, hieß es, „ein Purist der Demokratie könnte Bedenken gegen derartige elitäre Mitbestimmungsgruppen haben“.Ludger Kühnhardt: Atlantik-Brücke: Fünfzig Jahre deutsch-amerikanische Partnerschaft. S. 11.Ludger Kühnhardt: Atlantik-Brücke: Fünfzig Jahre deutsch-amerikanische Partnerschaft. S. 37.Ludger Kühnhardt: Atlantik-Brücke: Fünfzig Jahre deutsch-amerikanische Partnerschaft. S. 71.
Von 1957 bis 1970 gab der Verein das englischsprachige Informationsblatt Meet Germany für in Deutschland stationierte US-Soldaten heraus. 1963 wurde dies durch Seminare für US-Offiziere ergänzt, die bis heute fortgesetzt werden. Seit 1990 finden im Magnus-Haus jährliche Expertengespräche mit dem United States European Command statt, bei denen deutsche und amerikanische Generäle mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Medien zusammenkommen. Bis zum fünfzigjährigen Jubiläum der Atlantik-Brücke im Jahre 2002 hatten über neuntausend amerikanische Offiziere an diesen Seminaren teilgenommen.Ludger Kühnhardt: Atlantik-Brücke: Fünfzig Jahre deutsch-amerikanische Partnerschaft, S. 81
Weitere Seminare, Konferenzen, Young-Leader-Treffen, Round-Table-Diskussionen und Ehrungen werden regelmäßig in Räumlichkeiten des Vereins freundschaftlich verbundenen Institutionen und Konzernen abgehalten. Die Atlantik-Brücke ist Gründungsmitglied des New Traditions Network, einem Netzwerkzusammenschluss von 60 in Deutschland ansässigen pro-amerikanischen Think Tanks, Stiftungen und Regierungsorganisationen, der von der US-Botschaft Berlin koordiniert wird.New Traditions Network-Homepage der US-Botschaft in Berlin
Als 2002/2003 die Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten belastet waren, schaltete die Atlantik-Brücke am 16. Februar 2003 die Solidaritätsanzeige A Message from Germany – Eine Botschaft aus Deutschland für 140.000 US-Dollar in der Sonntagsausgabe der New York Times. Die ganzseitige Botschaft wurde zudem in deutscher Sprache in der FAZ, Die Welt und der Financial Times Deutschland abgedruckt.Der Spiegel am 13. Februar 2003: Deutsch-amerikanische Beziehung „Message from Germany“. (PDF; 1 MB) (PDF; 1,9 MB)
Am 12. März 2010 wurde in Kooperation mit dem Fernsehsender Phoenix erstmals eine Veranstaltung des Vereins im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gesendet. Die Atlantik-Brücke veranstaltete am 10. März 2010 ein Gespräch in der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg mit den Mitgliedern Bundeskanzler a. D., Helmut Schmidt, und dem Bundesminister der Verteidigung, Karl-Theodor zu Guttenberg, zu dem Thema „Bundeswehr im Einsatz: Krisenherd Afghanistan“. Die Diskussion moderierte der Vorsitzende der Atlantik-Brücke Friedrich Merz. am 12. März 2010 Diskussion steht zum freien Download zur Verfügung. Dauer: 1h43min.Altkanzler und Verteidigungsminister diskutierten in Hamburg, BILD-Zeitung am 11. März 2010 alternativtext=Friedrich Merz|mini|hochkant|Friedrich Merz, deutscher Rechtsanwalt, Manager und Politiker der CDU und Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland hier am 1. Februar 2017 im internationalen Münchner Presseclub Anlässlich der 60-Jahr-Feier des Vereins im Deutschen Historischen Museum in Berlin am 2. Juli 2012 hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel die entsprechenden Festreden an „den lieben Friedrich Merz, der Familie Warburg, Bundeskanzler Helmut Schmidt, Exzellenzen und lieben Freunden und Mitgliedern der Atlantik-Brücke“. Unter dem Motto 60 Years of Transatlantic Relations kamen rund 170 Young-Leaders-Alumni der Atlantik-Brücke am Morgen des 2. Juli 2012 in Berlin zusammen. Anlass der Konferenz war ebenfalls das 60. Gründungsjubiläum der Atlantik-Brücke. Der damalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach vor den Young Leaders zum Thema „Partner in Verantwortung“. Gastgeber war die European School of Management and Technology.; Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (PDF; 183 kB)„Partner in Verantwortung“ – Rede von Außenminister Westerwelle bei der Atlantik-Brücke; Pressestelle Auswärtiges Amt Zum 60. Geburtstag veröffentlichte die Atlantik-Brücke auf YouTube 14 Interviews mit Henry Kissinger, Angela Merkel, Guido Westerwelle, Kai Diekmann, Richard von Weizsäcker, Walther Leisler Kiep und anderen langjährigen Mitgliedern.60 Jahre Atlantik-Brücke: 14 Interviews mit führenden Atlantik-Brücke-Mitgliedern
Die Geschäftsstelle des Vereins befand sich anfangs in Hamburg, zog 1983 nach Bonn in die Villa Adenauerallee 131, um den unmittelbaren Kontakt zur Politik zu suchen, und sitzt demzufolge seit Juli 1999Jahresbericht der Atlantik-Brücke, 2000, S. 25. in Berlin. mini|Sigmar Gabriel, Bundesaußenminister a. D., bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2018. 2010 waren mehrere Vorstandsmitglieder, darunter zunächst auch der Vorsitzende Friedrich Merz, von ihren Ämtern zurückgetreten, nachdem der Ehrenvorsitzende Walther Leisler Kiep heftige Kritik an Merz geübt hatte und ihn in einem Schreiben zum Rücktritt aufforderte. Merz hatte zum Missfallen Kieps öffentlichkeitswirksam „der politischen Klasse, insbesondere Angela Merkel, mangelnde politische Führung“ vorgeworfen. Merz, der als Modernisierer der „in Ehren ergrauten Institution“ Atlantik-Brücke angetreten ist, stellte sich erneut zur Wahl und wurde mit großer Zustimmung wiedergewählt. Der neue Kurs von Merz sah u. a. eine Emanzipation von wirtschafts- und finanzpolitischen Zukunftsstrategien amerikanischer Think Tanks vor.Merz wieder am Steuer Süddeutsche Zeitung, 30. Juni 2010„Die Atlantik-Brücke ist eine in Ehren ergraute Institution“, Walther Stützle zum Stand der transatlantischen Beziehungen Deutschlandradio„Friedrich Merz spricht auf dem Podium beim „Atlantik-Gespräch der Berliner Young Leaders Alumni“ in der Staatskanzlei Niedersachsen“Atlantik-Brücke: Kalter Krieg – In der vornehmen Atlantik-Brücke streiten Friedrich Merz und Walther Leisler Kiep wie die Kesselflicker Die Zeit Nr. 26/2010 vom 24. Juni 2010, online abgerufen am 10. April 2012
Seit 2019 ist Sigmar Gabriel Vorsitzender der Atlantik-Brücke.
Strukturen Der Verein wird vom Vorstand geleitet, dem ein internationales Beratergremium zur Seite steht.
Vorstand Stand: Juli 2025https://www.atlantik-bruecke.org/neubesetzung-im-vorstand-atlantik-bruecke-stellt-sich-fuer-die-zukunft-auf/