mini|Hemsbach (1890)
Hemsbach ist eine Stadt mit ungefähr 12.000 Einwohnern im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg. Sie gehört zur europäischen Metropolregion Rhein-Neckar. Zusammen mit Laudenbach bildet Hemsbach die Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft Hemsbach.
Geographie Lage und Naturraum mini|links|Rohrwiesen Die Gemarkung Hemsbachs erstreckt sich in 85 bis 340 Metern Höhe an der Bergstraße, also im Übergangsbereich zwischen Odenwald und Oberrheinischer Tiefebene, am gleichnamigen Bach, der seit 1951 verdolt ist.
Das Gemeindegebiet grenzt im Norden an Laudenbach, im Osten an die hessischen Orte Heppenheim, Mörlenbach und Birkenau, im Süden an die Stadt Weinheim und im Westen an die wiederum zu Hessen gehörenden Viernheim, Lampertheim und Lorsch.
Die Hemsbacher Gemarkung weist eine starke West-Ost-Dehnung auf und erstreckt sich über 1286 Hektar. Davon sind 25,7 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 48,5 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt und 22,8 Prozent sind bewaldet.
Stadtgliederung Zur Stadt Hemsbach gehören die Weiler Balzenbach und Weschnitzsiedlung, der Ort Am Mühlweg (Judenfriedhof), Schloss und die Höfe Schafhof (Waldnerhof) und Watzenhof.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 365–366
Geschichte mini|links|Steinerner Gaul, Grenzmarke der KarolingerDietrich Lutz: (PDF; 10,6 MB)
Im Jahr 795 wurde der Ort als Hemmingisbach im Lorscher Codex erstmals urkundlich erwähnt. Es ging dabei um eine Grenzbereinigung zum Besitz des Klosters Lorsch in der „Mark Heppenheim“, einschließlich Hemsbach.
Nach Auflösung der Fürstabtei im Jahre 1232 war das Dorf ein Jahrhundert lang Zankapfel zwischen der Kurpfalz und den Erzbischöfen von Mainz, bis die Pfalz 1344 die Dörfer Hemsbach, Laudenbach und Sulzbach durch einen Schiedsspruch zugesprochen bekam. Bei der Landesteilung 1410 wurde der Ort Pfalz-Mosbach zugeteilt. Herzog Otto von Mosbach verpfändete ein Großteil der Rechte 1449 an das Hochstift Worms. Die Zollrechte allerdings fielen nach dem Aussterben der Linie Pfalz-Mosbach 1499 wieder an die Kurpfalz, die auch die Landeshoheit beanspruchte. Die Streitfrage blieb ungeklärt, bis im Rahmen eines Austauschvertrags mit dem Bischof von Worms Hemsbach 1705 endgültig an die Kurpfalz fiel.
Bei der Auflösung der Kurpfalz kam Hemsbach 1803 zu Baden und wurde dort dem Amt Weinheim angegliedert. In der Nacht zum 1. Mai 1811 wurde auf der Bergstraße kurz vor Hemsbach eine Postkutsche mit zwei Schweizer Kaufleuten vom Hölzerlips und seiner Bande überfallen. Hans Jacob Rieter aus Winterthur starb an seinen dabei erlittenen Verletzungen. 1812 wurde die im Süden auf Hemsbacher Gemarkung befindliche Siedlung Sulzbach abgetrennt und selbständig.
Während der „Badischen Revolution“ trafen hessische Truppen und badische Aufständische 1849 bei Hemsbach aufeinander und lieferten sich schwere Gefechte. Eine Kanonenkugel in der Außenmauer des Hemsbacher Bahnhofsgebäudes erinnert daran noch heute.
Politisch waren seit der Reichsgründung 1871 die Nationalliberalen dominierend, bis sie 1907 von den Sozialdemokraten verdrängt wurden, die auch während der Weimarer Republik meist die stärkste Partei stellten. Bei der Reichstagswahl 1933 erhielt die NSDAP 30 Prozent und die KPD 21 Prozent der Stimmen.
Der Cäsar-Oppenheimer-Platz erinnert mit seinem Namen an einen jüdischen 91-jährigen Greis, der 1940 an den Folgen seiner Deportation in das Camp de Gurs starb.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd.I, Bonn 1995, S. 48, ISBN 3-89331-208-0Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge. Bei alemannia-judaica.de Durch die Judenverfolgungen in der Zeit des Nationalsozialismus kamen von den 1933 in Hemsbach wohnenden 54 jüdischen Einwohnern bis 1945 mindestens 15 Personen ums Leben.
Mit der Auflösung des Landkreises Mannheim im Rahmen der Kommunalreform von 1973 kam die Gemeinde zum neuen Rhein-Neckar-Kreis. 1979 wurde der Gemeinde Hemsbach die Bezeichnung Stadt verliehen. Im Jahr 1983 wechselte der Hemsbacher Ortsteil Rennhof das Bundesland: er wurde an Hüttenfeld, Ortsteil des hessischen Lampertheim, angegliedert.
Jahr 1496 1777 1818 1852 1905 1939 1950 1961 1967 1970 1991 1995 2005 2010 2015 2020 EinwohnerKreisbeschreibung Bd. 3 S. 517: Einwohnerzahlen bis 1967, incl. Rennhof, ohne Sulzbach und Angaben des Statistischen Landesamtes 320 1.319 1.508 1.701 2.255 3.039 4.238 4.786 7.252 9.677 12.725 12.689 12.400 12.290 12.050 11.706 Nach dem aktuellen Gemeindeverzeichnis (Stichtag 31.12.2023) ist Hemsbach mit seinen 11.884 Einwohnern die 1076. größte Stadt und die 1352. größte Gemeinde Deutschlands.Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 31.12.2023
Religionen mini|Jüdischer Friedhof
Während der Reformationszeit wurde in Hemsbach wie in der gesamten Pfalz die Reformation eingeführt. 1653 wurde auch die katholische Konfession wieder zugelassen und die damals einzige Kirche der Stadt Sankt Laurentius von beiden Glaubensgemeinschaften als Simultankirche genutzt. Das Simultaneum wurde in der Kurpfalz schon bald wieder abgeschafft, bestand indes aber in Hemsbach weiter, bis 1936 eine neue evangelische Kirche eingeweiht wurde.
Seit dem 17. Jahrhundert sind Familien jüdischen Glaubens nachgewiesen. Sie hatten schließlich seit 1845 eine eigene Synagoge mit rituellem Bad (Mikwe) und einen Friedhof, der als Verbandsfriedhof genutzt wurde. Von 1836 bis 1872 gab es eine jüdische Elementarschule. Beim Novemberpogrom 1938 brachten auswärtige SA-Leute am 10. November 1938 in der Synagoge eine Sprengladung zur Explosion, wodurch beträchtliche Zerstörungen angerichtet wurden. Eine Inbrandsetzung des Gebäudes wurde durch Nachbarn verhindert, die ein Übergreifen der Flammen auf andere Gebäude befürchteten. Daraufhin wurden Gebetbücher, Ritualgegenstände und andere Einrichtungsgegenstände in den Hof geworfen und dort angezündet.Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge, auf alemannia-judaica.de Heute dient sie als überkonfessionelle Begegnungs- und Gedenkstätte.
In Hemsbach existiert eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten), das Evangelische Bonhoeffer-Gemeindezentrum, die Evangelische Luthergemeinde, die Katholische Pfarrgemeinde St. Laurentius sowie eine Neuapostolische Gemeinde.
Politik mini|hochkant=1.1|Im Rothschild-Schloss befindet sich heute das Rathaus mini|hochkant=0.6|Altes Rathaus
Gemeinderat Der Gemeinderat hat 22 Mitglieder. Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Vorsitzender des Rats.
Die Kommunalwahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
Partei/Wählergruppe Stimmen Sitze Ergebnis 2019 CDU 24,81 % 6 25,8 %, 6 Sitze SPD 20,27 % 4 18,3 %, 4 Sitze FDP 14,51 % 3 – Freie Wähler 14,47 % 3 25,2 %, 6 Sitze Pro Hemsbach 14,63 % 3 15,1 %, 3 Sitze Grün-Bunte-Liste 11,30 % 3 15,7 %, 3 Sitze Wahlbeteiligung 62,7 % 63,0 %
Bürgermeister Der Bürgermeister wird alle acht Jahre direkt gewählt. Bei der Wahl 2011 setzte sich der parteilose Jürgen Kirchner durch. Er wurde von der SPD, der Wählergemeinschaft Pro Hemsbach und der Grün-Bunten-Liste unterstützt und trat sein Amt 2012 an.
1988–2011: Volker Pauli (CDU) Seit 2012: Jürgen Kirchner (parteilos)
Wappen Die Blasonierung des Wappens lautet: In Silber ein schwarzes Schulterjoch, begleitet oben und unten von je einer roten Rose mit grünen Kelchblättern. Es geht zurück auf ein Gerichtssiegel aus dem Jahre 1490. Dass Hemsbach bereits vergleichsweise früh ein Siegel führte, lag an seiner Funktion als Zollstelle an der Bergstraße. Die Tingierung des Wappens wurde 1910 vom Generallandesarchiv festgesetzt. Das Joch ist das alte Fleckenzeichen Hemsbachs. Die Bedeutung der Rosen ist nicht geklärt, vermutlich handelte es sich früher aber nur um eine Verzierung.Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis. Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4, S. 65 Über die Bedeutung und die Herkunft der Symbole im Wappen ist sich die Hemsbacher Geschichtsforschung jedoch noch nicht endgültig im Klaren. In seinen Forschungsergebnissen hat Altstadtrat Edwin F. Höhn im Jahr 1992 überzeugend dargelegt, dass das geschwungene Symbol in der Mitte des Wappens einen Spannhaken darstellt. Ein Spannhaken, der auch als Schulterjoch bezeichnet wird, wurde früher in dieser Weinbaugegend genutzt, um Lasten an den steilen Bergabhängen bequem transportieren zu können. An den Haken der beiden Enden wurde je ein Korb oder Eimer angehängt und die Behälter somit durch den Spannhaken zusammengespannt. Bei der Traubenernte waren die Behälter Traubenkörbe; bei der Verteilung von Dung waren es Mistkörbe. Die Aufteilung der Last auf zwei Behälter war sehr vorteilhaft. Das Gesamtgewicht konnte auch bequem auf eine Schulter aufgelastet werden, wobei ein Behälter vorne und einer hinten sich befinden konnte. Hierdurch konnte der Träger ungehindert durch die engen Weinstockreihen gehen und hatte dabei noch eine Hand frei zum Tragen eines weiteren Gegenstandes, zum sich Festhalten oder zum Bahnen des Weges. Ein Symbol aus dem Umfeld des Weinbaus ist auch in den Wappen der Nachbargemeinden zu finden. So führt die Gemeinde Laudenbach die Hippe in ihrem Wappen. Eine Hippe ist ein sichelförmiges Messer, das zum effizienten Schneiden der Trauben und Reben noch bis in unsere Zeit eingesetzt wurde. Im Wappen von Weinheim befindet sich das Symbol der Weinleiter. Mit ihrem Einsatz wurden früher die schweren Weinfässer transportiert. Im Hemsbacher Wappen befinden sich oberhalb und unterhalb des Spannhakensymbols, wie schon erwähnt, jeweils das Symbol einer fünfblättrigen Rose. Auch für die historisch wohl richtige Deutung hat Edwin F. Höhn den Weg gewiesen. Bevor das Hemsbacher Gerichtssiegel zur Bestätigung von Urkunden verwendet wurde, wurden Urkunden mit den Siegeln der Ortspfarrer und wohl auch mit Siegeln der Dorfherren von Hemsbach bestätigt. Das Hemsbacher Wappen ist zum ersten Mal in einem Abdruck des Hemsbacher Gerichtssiegels auf einem Dokument aus dem Jahr 1476 zu finden. Zu dieser Zeit war der Besitz am Dorf und der Burg von Hemsbach bereits vom Kurfürsten der Kurpfalz auf den Bischof von Worms übergegangen. Der Bischof von Worms war damals Reinhard von Sickingen und sein Bruder Dietrich von Sickingen war Dorfherr von Hemsbach. Die Familie von Sickingen führte in ihrem Wappen fünf silberne Kugeln. Die fünfblättrige Rose im Hemsbacher Wappen könnte eine Übernahme der fünf Kugeln aus dem Wappen derer von Sickingen sein, wobei die Kugeln zu Rosenblättern und sie anders angeordnet wurden. Mit dieser Deutung der geschichtlichen Zusammenhänge wäre die reine Zierart der Rose im Hemsbacher Wappen auf einen realen machtpolitischen Hintergrund seiner Entstehungszeit zurückgeführt.
Partnerstädte Hemsbach unterhält seit 1972 partnerschaftliche Beziehungen zu Bray-sur-Seine im Département Seine-et-Marne in Frankreich, seit 1986 zu Wareham westlich von Bournemouth in Großbritannien und seit 1990 zu Mücheln im Saalekreis in Sachsen-Anhalt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen In der ehemaligen Synagoge ist heute ein Museum zur Geschichte der Juden in Hemsbach untergebracht.Förderverein Ehemalige Synagoge in Hemsbach
Bauwerke mini|hochkant|St.-Laurentius-Kirche Von der um 1421 schon bestehenden Tiefburg ist lediglich der Wohnturm erhalten, heute „Zehntscheuer“ genannt. Auf der Rückseite des Wohnturmes ist noch ein mittelalterlicher Erker, der als Abort genutzt wurde, vorhanden. Es ist das älteste Gebäude Hemsbachs.