Die Samtgemeinde Suderburg ist eine Samtgemeinde inmitten der Lüneburger Heide im Landkreis Uelzen, Niedersachsen. In ihr haben sich drei Gemeinden mit insgesamt 17 Dörfern zur Erledigung ihrer Verwaltungsgeschäfte zusammengeschlossen. Der Sitz der Verwaltung der Samtgemeinde befindet sich in Suderburg.
Geografie Geografische Lage Das Gebiet der Samtgemeinde Suderburg liegt im südwestlichen Teil des Landkreises Uelzen im Städtedreieck Hamburg–Hannover–Braunschweig. Tangiert wird das Gebiet von den Bundesstraßen 4, 191 und 71 sowie von der Bahnlinie Hannover–Hamburg.
Südwestlich von Gerdau befindet sich das knapp 398 Hektar große Naturschutzgebiet Mönchsbruch und südwestlich von Eimke das 440 Hektar große Naturschutzgebiet Kiehnmoor. Als Landschaftsschutzgebiete wurden das Hardautal zwischen Holdenstedt und Holxen (242 Hektar), Unteres Gerdautal (634,30 Hektar), Oberes Gerdautal (2239,50 Hektar) sowie Blaue Berge mit Hardautal (6096,80 Hektar) ausgewiesen.
Die westlichen Grenzen der Samtgemeinde münden in den Lüßwald. Dieser ist ein ca. 7500 Hektar großer Mischwald in der Gemeinde Südheide. Er trägt seinen Namen vom Lüß und ist Teil eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands.
Gewässer mini|Der Häsebach bei Bargfeld Die Gerdau und die Hardau durchfließen die Samtgemeinde. Daneben gibt es mehrere kleinere Bäche als Zuläufe. Die Bachläufe sind weitgehend naturnah. Der in die Gerdau mündende Häsebach wird überwiegend von Dauergrünland begleitet. Die Niederung des Kolkbachs wird von großflächigen Auen- und Bruchwäldern geprägt. Dazwischen sind Gründland und vereinzelt Äcker zu finden. An den Rändern der Niederung und den Talkanten finden sich Übergänge zu Laubmischwäldern. Weiterhin sind Röhrichte, Rieder, Hochstaudenfluren und Sümpfe zu finden.
Der bei Holxen in die Hardau mündende Stahlbach wird aus der in Bahnsen entspringenden Böddenstedter AueHeinrich D. Sonne: Beschreibung des Königreichs Hannover. Band 4: Spezielle Chorographie. Cotta, München 1830. und dem im westlich von Böddenstedt gelegenen Moor entspringenden Wehrbach gespeist. Er wird in seinem Verlauf von Fischteichen und eher flacheren Wiesen- und Weidengebieten begleitet.
Im vor allem durch landwirtschaftliche Nutzflächen gekennzeichneten Norden des Ortes Räber fließt der Olmsbach, durch Räber selbst die Räber Spring; beide münden ebenfalls südlich in die Hardau.
Nachbargemeinden
Geschichte mini|St.-Remigius zu Suderburg mit über 1000 Jahre altem Glockenturm aus Feldsteinen Die Samtgemeinde Suderburg mit ihren drei Gliedgemeinden Eimke, Gerdau und Suderburg wurde im Rahmen der niedersächsischen Gemeindereform 1972 gegründet. Das Gebiet umfasst insgesamt 17 Dörfer, deren Geschichte sich bisweilen über eintausend Jahre zurückverfolgen lässt.
Der heutige Kirchturm von St.-Remigius in Suderburg ist dabei der erhaltene Rest der namensgebenden Burg, die bereits im Jahre 1004 urkundlich bezeugt ist, früher zum Schutz gegen die Slawen im Osten genutzt worden ist und wohl bis zum 13. Jahrhundert aktiv war. Nach Aufgabe der Burg begann die Nutzung des Burgturms als Kirchturm. Später wurde ein frei stehender Holzturm in das Bauwerk gestellt, um das Feldsteinmauerwerk vor Schäden durch die Schwingungen der Glocke zu schützen. Ein hölzerner Glockenturm steht auch in Eimke, dort jedoch ohne Steinhülle. Der Suderburger Turm wurde dendrochronologisch auf 1370 datiert und ist somit der älteste seiner Art. Eine in Lüneburg gegossene Bronzeglocke trägt die Inschrift „Dorch dat für bin ick geflaten Pawel Vos hat mi dorch Gottes Hülpe gegaten Anno 1607“ (Durch das Feuer bin ich geflossen, Paul Voss hat mich durch Gottes Hilfe gegossen). mini|links|Findling zum tausendjährigen Bestehen des Ortsteils Bahnsen im Jahre 2004 Suderburg und Bahnsen tauchen 1004 im Verzeichnis der Besitzungen auf, mit denen das Kloster Kemnade an der Weser bei seiner Gründung ausgestattet wurde.Tilman Grottian: Geschichte der Gemeinde Suderburg. Suderburg 2004, 212 Seiten, ISBN 3-931824-33-0 Daneben wird auch Gerdau bereits im Jahre 1004 erwähnt, als Herzog Bernhard von Sachsen die curtis gerdauge an das Michaeliskloster in Lüneburg abtrat. Die erste urkundliche Nennung des Ortes Eimke stammt wiederum aus dem Jahre 1148. Auf dem Gebiet der Samtgemeinde liegen aber Zeugnisse aus der Stein- und Bronzezeit vor, wie z. B. Funde von Feuersteingeräten, Äxte aus Felsgestein und Dutzenden Hügelgräbern, die eine weitaus frühere Besiedlung der Gegend belegen.
Als 1550 die Pest in der Hansestadt Uelzen grassierte und ein Viertel der Stadtbevölkerung verstarb, legte Heinrich von Meltzing, damaliger Hauptmann von Bodenteich, in den pestfreien Dörfern Böddenstedt und Suderburg amtliche Waagen an (eigentlich ein Stadtprivilegium). Da beide Orte an der wichtigen Heerstraße von Hamburg nach Braunschweig (Hessenkarrenweg) lagen, konzentrierte sich der regionale Handel fast zwanzig Jahre lang in diesen beiden Orten. Erst im Jahre 1569 wurde dem Treiben auf Bitten der mittlerweile pestfreien Stadt Uelzen durch die Herzöge Heinrich und Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg ein Ende bereitet.
Am Rande des südlich von Suderburg gelegenen Ortes Hösseringen befindet sich der Landtagsplatz, der in der Frühen Neuzeit von 1532 bis 1652 Versammlungsstätte des Landtags des Fürstentums Lüneburg war. mini|links|Das Rittergut Eimke (Gutshaus von 1800) war seit dem 16. Jahrhundert im Besitz derer von Weyhe mini|Das Herrenhaus Tannrähmhaus in Suderburg (von 1891) Die wenige Kilometer nordwestlich von Suderburg gelegene Burg des Gutes Bahnsen wurde im Jahre 1636 während des Dreißigjährigen Krieges von schwedischen Truppen verwüstet. Zu den Besitzern des Gutes zählten u. a. die von Jettebrock, von Ompteda, von Spörcken, von Bobart und von Hammerstein. Die Linien der einzigen beiden aus dem Raum Suderburg stammenden Adelsgeschlechter derer von Böddenstedt und von Hösseringen sind zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert erloschen. In Suderburg bestand ein Allodialgut, das u. a. denen von Dahlen (1587–1623), von der Wense, von Plato (1775–1817) und von Stralenheim (1817–1935) gehörte.Tilman Grottian: Geschichte der Gemeinde Suderburg. Suderburg 2004, 212 Seiten, ISBN 3-931824-33-0 In Eimke existiert heute noch das ehemalige Gutshaus der Familie von Weyhe sowie in Suderburg das Tannrähmhaus, welches 1891 vom Rittmeister a. D. William Schmidt aus Coswig erbaut wurde.
Nachdem die Bahnstrecke Lehrte–Uelzen-Harburg im Jahre 1847 in Betrieb genommen worden war, erhielt Suderburg 1850 einen vom hannoverschen Architekten Hubert Stier geplanten Bahnhof, der bereits 1859 erweitert wurde. mini|Korporationshaus Erica an der Burgstraße in Suderburg 1853 wurde die Wiesenbauschule Suderburg gegründet. Sie war eine der ältesten landwirtschaftlichen Bildungseinrichtungen in Norddeutschland. Durch die Entwicklung des „Suderburger Rückenbaus“, eines damals neuartigen Bewässerungssystems, wurde sie auch überregional bekannt. Die Schule wurde später zur staatlichen Ingenieurschule aufgewertet und ging 1971 in der Fachhochschule Nordostniedersachsen auf. Seit 2009 gehört der Standort Suderburg, der bis heute einen Schwerpunkt im Wasserbau hat, zur Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften.
Samtgemeindegliederung mini|Hardausee im Ortsteil Hösseringen Die Samtgemeinde Suderburg besteht aus drei Gemeinden (insgesamt 17 Dörfer): Eimke mit den Ortsteilen Dreilingen Ellerndorf Wichtenbeck Gerdau mit den Ortsteilen Bargfeld Barnsen Bohlsen Groß Süstedt Holthusen II Suderburg mit den Ortsteilen Bahnsen Böddenstedt Hamerstorf Hösseringen Holxen Räber
Politik mini|Rathaus in Suderburg Samtgemeinderat Der Samtgemeinderat Suderburg besteht aus 18 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 6.001 und 7.000 Einwohnern. Die 18 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Stimmberechtigt im Rat der Samtgemeinde ist außerdem der hauptamtliche Samtgemeindebürgermeister Wolf-Dietrich Marwede (parteilos).
Die letzte Kommunalwahl am 12. September 2021 ergab das folgende Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 12. September 2021 CDU: 34,7 % – 6 Sitze WSL: 17,7 % – 3 Sitze SPD: 15,1 % – 3 Sitze Grüne: 12,1 % – 2 Sitze WfE (Wählergruppe Wir für Eimke e. V.): 7,2 % – 1 Sitz FWS (Freie Wählergemeinschaft Suderburg): 3,8 % – 1 Sitz FWG (Freie Wählergemeinschaft Gerdau): 3,7 % – 1 Sitz Wählergruppe Wir für Suderburg: 3,1 % – 1 Sitz
Samtgemeindebürgermeister Hauptamtlicher Samtgemeindebürgermeister der Samtgemeinde Suderburg ist der Wolf-Dietrich Marwede (parteilos). Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 12. September 2021 erhielt er 35,7 % der Stimmen und musste sich einer Stichwahl stellen, die er schließlich mit 67,3 % gegen einen CDU-Bewerber gewann. Die Wahlbeteiligung lag bei 67,7 % und bei der Stichwahl bei 76,1 %.Ergebnis der Samtgemeindebürgermeisterwahl am 12. September 2021, abgerufen am 9. November 2021
Wappen Das Wappen der Samtgemeinde Suderburg setzt sich aus den Wappen der drei Mitgliedsgemeinden Eimke, Gerdau und Suderburg zusammen. Es besteht aus einem Schild mit eingebogener Spitze, auslaufend in einer Spaltung. Im oberen linken goldenen Feld ein roter Wehrturm, im oberen rechten Feld ein goldbewehrter schwarzer Heidschnucken-Widderkopf, im unteren grünen Feld eine rechtsgerichtete goldene Lanzenspitze.
Religion
Zur Ausübung des Glaubens sind mehrere Kirchengemeinden zuständig: Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Marien zu Eimke. Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Michaelis zu Gerdau. Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Remigius zu Suderburg.
Die um 1960 gegründete Pfarrvikarie Holxen mit der katholische Kapelle „Maria Rast“ gehörte zur Pfarrei Uelzen und wurde am 1. Juli 1997 wieder aufgelöst. Seit 2006 ist die Kapelle für den Pfarrdienst offiziell geschlossen und dient nun als Seminar- und Meditationsraum. Maria Rast wird heute für verschiedene Jugendveranstaltungen genutzt sowie für die alljährliche Bauernrechnung.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|Die Ellerndorfer Wacholderheide
Museen Überregional bekannt ist das Museumsdorf Hösseringen. Auf einem Gelände von etwa 100.000 m² werden wesentliche Bautypen des niederdeutschen Hallenhauses gezeigt. Das Museumsdorf ist auch Ausgangspunkt des Waldgeschichtspfades Schooten, der durch das gleichnamige Waldgebiet führt und an zehn Stationen den Wandel von Ackerbau und Forstwirtschaft in der Lüneburger Heide beschreibt.
Theater In der Kulisse in Eimke finden regelmäßig Konzerte und Theateraufführungen sowie Musicals, Kabaretts oder interaktive Bühnenshows statt.
Tourismus Der Tourismusverein Suderburger Land e. V. wirbt mit landschaftlichen und touristischen Attraktionen im Gerdau- und Hardautal. Regelmäßige Veranstaltungen wie der Gerdautaler Bauernmarkt, das Bohlsener Mühlenfest, Erntedank im Museumsdorf Hösseringen oder verschiedene Weihnachtsmärkte ziehen sich durch das Jahr.
In unmittelbarer Nähe zum Museumsdorf befindet sich der Landtagsplatz, der in der Frühen Neuzeit von 1532 bis 1652 Versammlungsstätte des Landtags des Fürstentums Lüneburg war. Die Lüneburger Ritterschaft stellte hier im Jahr 1902 einen Gedenkstein auf. In den 1930er Jahren wurde der Platz in seine heutige Form umgestaltet. Er besteht seitdem aus zahlreichen Findlingen aus den Orten und mit den Ortsnamen des damaligen Kreises Uelzen. Hösseringen ist Ausgangspunkt des 26 Kilometer langen Wassererlebnispfades, der sich bis nach Uelzen erstreckt. Stationen dieses Pfades sind die am Dorfteich gelegene Wassertretanlage und der künstlich angelegte Hardausee, in dessen Nähe sich auch ein Camping- und Grillplatz befindet. An der Niedersächsischen Mühlenstraße gelegen, befinden sich in den Orten Bohlsen, Böddenstedt, Hösseringen, Holxen und Suderburg Wassermühlen, die sich jedoch bis auf die Bohlsener Mühle nicht mehr in Betrieb befinden.