mini|hochkant=1.4|Urs Graf der Ältere (1530): Stradioten

Stratiot oder Stradiot (, , [Plural: ]) ist die griechische Bezeichnung für Soldat. Stratioten waren Söldnereinheiten aus dem Balkan, die hauptsächlich vom 15. bis Mitte des 18. Jahrhunderts von den Staaten Europas rekrutiert wurden.

Name Der griechische Begriff wurde seit der Antike (800 v. Chr. bis ca. 600 n. Chr.) mit dem Sinn des und später auch verwendet. Das gleiche Wort wurde dann im Römischen (8. Jahrhundert v. Chr. bis 7. Jahrhundert n. Chr.) und Byzantinischen Reich (395–1453) verwendet. In späteren byzantinischen Zeiten verstand man unter Stratiot einen Kavalleristen, dem der Kaiser ein militärisches Lehen zur Belohnung der erbrachten Militärdienste gewährte (Pronoia).

Der adelige dalmatinische Coriolano Cippico beschrieb in seinem Werk De Bello Asiatico, dass die Republik Venedig in allen Städten der Morea, die unter ihrer Herrschaft standen, viele Albaner mit ihren Pferden beschäftigten, die auf Griechisch Stratioten genannt wurden.Coriolano Cippico, S. X.

Ein griechischer Schriftsteller des späten 19. Jahrhunderts, Konstantin Sathas, schrieb den Ursprung des Namens Stratiot dem italienischen Wort Strada („Straße“) zu, in der Annahme, dass die Stratioten in Söldnerkompanien organisiert waren, die die Straße beschritten auf der Suche nach einem Engagement und Beschäftigung. Diese These scheint jedoch unsachgemäß zu sein. Die italienische Bezeichnung „Stradioti“ (Plural) ist eher eine Anlehnung des griechischen Wortes στρατιῶται (stratiótai), d. h. Soldaten.

Herkunft und Abstammung mini|hochkant=1.5|Albanische Auswanderung nach Griechenland zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert mini|hochkant=1.5|Venezianische Besitztümer in der Ägäis in der Mitte des 15. Jahrhunderts.

Ungewiss ist die ethnische Identität der Stratioten. Der italienische Geschichtsschreiber Paolo Giovio nannte sie Spartiaten, Achaier oder einfach Griechen, der italienische Dichter Torquato Tasso in Griechenland geborene Wanderer, der italienische humanistische Gelehrte Pietro Bembo Griechen und Epiroten, der italienische Autor Luigi da Porto Levantiner Albaner mit griechischem Namen, der italienische Historiker und Politiker Francesco Guicciardini Albaner und aus den umliegenden Provinzen Griechenlands KommendeStathis Birtachas, S. 125., der venezianische Chronist und Senator Marin Sanudo berichtete, dass die Stratioten Leute waren, die lateinisch Epiroten, Griechen, Türken oder Albaner genannt wurden.

Nach einer Studie des griechischen Autors Kostas Mpires über die Namen der Stratioten geht hervor, dass etwa 80 % bis 90 % albanischer Herkunft waren, während der Rest slawischen (Kroaten) und griechischen Ursprungs war. Letztere betraf hauptsächlich die Kapitäne der Stratioten. Unter ihnen findet man Namen, wie Alexopoulos, Clada, Comnenos, Klirakopoulos, Kondomitis, Laskaris, Maniatis, Palaiologos (Paleologo), Psaris, Psendakis, Rhalles (Ralli), Spandounios, Spyliotis, Zacharopoulos usw. Andere, wie Soimiris, Vlastimiris und Voicha scheinen südslawischen Ursprungs gewesen zu sein.

Die modernen Autoren sind heute zu dem Schluss gekommen, dass es bei den Stratioten hauptsächlich um Griechen und Albaner aus Morea geht, wohin sie oder ihre Vorfahren zuvor aus nördlicheren Gebieten gezogen waren und Zuflucht im byzantinischen Despotat von Mistra und in den venezianischen Besitzungen in West- und Südgriechenland von Nafpaktos, Argos, Koroni, Methoni, Nauplion und Monemvasia fanden.Stathis Birtachas, S. 126.

Die Stratioten, die im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert nach Italien kamen, waren schon auf Morea geboren worden und die Vorfahren dieser Stratioten waren dort im späten 14. und frühen 15. Jahrhundert aus dem Epirus eingewandert und lebten dort in Sippengemeinschaften. Angesichts der mageren und schlechten Bedingungen der Erde arbeiteten sie als Hirten und Pferdezüchter. Im 15. Jahrhundert gehörte zu dieser ethnischen Zugehörigkeit etwa ein Drittel der Bevölkerung von Morea.Paolo Petta, S. 42. Seit 1402 gibt es Hinweise in venezianisch-levantinischen Dokumenten von Albanern auf der Insel Euböa. In einem Dokument von 1414 erscheint erstmals die Bezeichnung Stratiot, mit der Mitglieder der auf der Insel lebenden albanischen Gemeinschaften gemeint waren, die mit einem Pferd ausgestattet in der Lage waren, die Insel im Falle eines Angriffs zu verteidigen.Paolo Petta, S. 41. (Siehe: Die Albanische Besiedelung Griechenlands)

mini|hochkant=1.6|Chiesa dei Santi Pietro e Paolo dei Greci in Neapel Es muss auch beachtet werden, dass die aus dem venezianischen Griechenland kommenden Stratioten nach zwei Generationen hellenisiert oder sogar italianisiert waren. Da viele unter griechischen Kommandanten und zusammen mit griechischen Stradioten dienten, dauerte dieser Prozess weiter an. Ein weiterer Faktor in diesem Assimilationsprozess war die aktive Beteiligung der Stradioten und ihrer Familien an den griechisch-orthodoxen oder griechisch-byzantinischen Kirchengemeinden in Neapel, Venedig und anderswo. In Venedig wandten sich die Griechen an die griechisch-orthodoxe Kirchengemeinschaft, die sich zuerst in der Chiesa San Biagio und ab 1561 in der Chiesa San Giorgio dei Greci traf und die Albaner an die katholische griechisch-byzantinische Kirchengemeinde, die sich in der Kirche San Maurizio versammelte. In Neapel kam die griechisch-albanische Bevölkerung in der Chiesa dei Santi Pietro e Paolo dei Greci zusammen.

Der französische Historiker Philippe de Commynes berichtete wiederum, dass die Stratioten von Anfang an alle Griechen waren und von jenen Orten kamen, die den Venezianern gehörten; die einen von Nafplio auf Morea, die anderen aus Albanien in der Nähe von Durrës und, dass die Signoria von Venedig großes Vertrauen in sie hatte und sie sehr benutzte. Venedig machte sich keine großen Probleme daraus, was ethnische Unterschiede oder Herkunftsgebiete anging. Sie qualifizierten sie einfach als Stratioten. Bemerkenswert war allerdings die Rivalität und Intoleranz zwischen den Griechen und den Albanern, was oft zu Gehorsamsverweigerung führte, besonders im Hinblick auf Kommandanten, die der rivalisierenden Nationalität angehörten, was für Venedig eine ständige Sorge war.

Als die Republik Venedig 1534 die letzte der oben genannten griechischen Besitzungen, Koroni, an die Osmanen verlor, wurden Stradioten aus den dalmatinischen Besitzungen angeheuert.Andrea Gramaticopolo, S. 28.

Geschichte Zum ersten Mal taucht die Bezeichnung Stratiot im Zusammenhang mit der tiefgreifenden Reform des byzantinischen Militärwesens im 7. Jahrhundert auf als die Verteidigung der östlichen und afrikanischen Provinzen (Ägypten, Syrien und Africa) unter dem Ansturm der Sarazenen innerhalb kurzer Zeit zusammenbrach und sich herausstellte, dass die spätrömische Heeresorganisation, die sich vor allem auf Söldner stützte, den Anforderungen nicht gewachsen war.

Als die Kreuzfahrer während des Vierten Kreuzzuges (1204) in die Gebiete des Byzantinischen Reiches vordrangen und Konstantinopel durch französisch-flämische Kreuzfahrer und Venezianer geplündert und erobert wurde, wurde der Begriff Stratiot auch bei den westlichen Völkern bekannt. Seine Bedeutung hatte sich jedoch im 12. und 13. Jahrhundert entscheidend geändert. Stratioten hießen nun einheimische Söldner, die zu verschiedensten in der Romania beheimateten Völkern gehörten. So gab es in den Balkanländern griechische, albanische, walachische und slawische Stratioten. Auch muslimische Soldaten osmanischer Herkunft, die sich in Kleinasien angesiedelt hatten, wurden als Stratioten bezeichnet. Diese Söldner unterschiedlichster Herkunft dienten zumeist als leichte Reiter in den Fürstentümern und Herrschaften des ägäischen Raumes, später auch in europäischen Ländern. Als „Heimatvertriebene“, die im Kampf gegen die Osmanen Heimat und Familie verloren hatten, führten sie am liebsten Rachekriege gegen die Osmanen, kämpften aber für jeden, der sie bezahlte. Ihre Tapferkeit war sprichwörtlich und ihre Grausamkeit berüchtigt.

Die Konsolidierung des Feudalismus im Hochmittelalter (Anfang/Mitte des 11. Jahrhunderts bis ca. 1250) und die Interessenkämpfe zwischen den Feudalherren hatten Westeuropa in ein Feld lokaler Kämpfe verwandelt. Die Organisation der Truppen beruhte hauptsächlich auf der Ausbildung der Militäraristokratie und auf die Bindung der Herren mit ihren Vasallensoldaten. Der Aufstieg der Regionalstaaten und die allmähliche Konzentration der Macht in den Händen der großen dynastischen Monarchien veränderten die Kriegsverfahren grundlegend.Stathis Birtachas, S. 124.

Niccolò Machiavelli wies in seinem Buch Il principe (Der Fürst) darauf hin, dass Debbe adunque uno principe non avere altro obietto né altro pensiero, né prendere cosa alcuna per sua arte, fuora della guerra […] e per avverso si vede che, quando e’ principi hanno pensato piú alle delicatezze che alle arme, hanno perso lo stato loro […]

Unabhängig von Machiavellis Theorie wurden die oben erwähnten steigenden Bedürfnisse der Staaten durch die Umwandlung in Militärtechnologie und mit dem Einsatz neuer Waffen (Kanonen, mobile Artillerie und später Gewehre und Pistolen) gedeckt. Dazu kamen die Rekrutierung von Söldnern, Experten in der Kunst des Krieges, mit neuen militärischen Taktiken und eine allmähliche Bildung von dauerhaften Armeen.

mini|Paolo Uccello: John Hawkwood, Fresko im Dom von Florenz (ca. 1397 ) In Italien entstand ein florierender Kriegsmarkt. Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts war Italien ein großzügiger Söldnerimporteur, der vor allem aus Deutschland aber auch aus anderen europäischen Ländern, wie z. B. die Soldaten der Schweizerischen Eidgenossenschaft (Reisläufer) rekrutierte. 1360 stand der englische Condottiere John Hawkwood im Hundertjährigen Krieg im Dienst der Stadt Pisa gegen Florenz.

Das Aufkommen von organisierten modernen Staaten, die über neue Instrumente verfügten und deren Ambitionen sich nicht nur auf die Durchsetzung ihrer Souveränität ihrer Territorien beschränkten, sondern auch versuchten, ihre Vorherrschaft über ganz Europa auszuweiten, machten es ab dem Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500) notwendig, besser ausgebildete und organisierte Armeen zu bilden. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts behaupteten sich in Italien die Condottieri (Plural von Condottiere), die sogenannten „Capitani di ventura“ (Kommandeure einer privaten Söldnerkompanie), die in kurzer Zeit die unumstrittenen Protagonisten des Krieges auf der Italienischen Halbinsel wurden.

Wer es sich leisten konnte, rekrutierte die teuren westeuropäischen Söldner, wie Italiener, Deutsche, Schweizer usw. Bei den Schweizern war es wegen eines Solidaritätskodexes innerhalb der Schweizerischen Eidgenossenschaft nicht immer einfach diese anzuheuern, da sie nie zu den Waffen griffen, wenn ein Kontingent von Landsleuten bereits in den Reihen der Feinde war. Ansonsten begnügte man sich mit „Surrogaten“, wie den Stratioten, die sich wegen ihrer besonderen Kriegstaktik (wie weiter unten beschrieben) im Laufe der Jahrzehnte als ebenso tüchtig erwiesen.

Diese Stratioten galten als „meistens“ getreu dem Herrn, der sie bezahlte. Marin Sanudo unterstrich in seinem Werk La spedizione di Carlo VIII in Italia ihre Treue der Republik Venedig gegenüber: La spedizione di Carlo VIII in Italia, S. 509.

Andere Faktoren, die die Stratioten von anderen Söldnern unterschieden, waren ihre Kondition als Flüchtlinge; in der Tat wurden sie von ihren Familien und ihrem Geistlichen an die Einsatzorte begleitet und an oder in der Nähe ihres Dienstortes angesiedelt.