Die Ärzte ist eine deutschsprachige Band aus Berlin. Sie gehört neben der Band Die Toten Hosen zu den kommerziell erfolgreichsten deutschen Musikgruppen mit Wurzeln im Punkrock.
Gegründet wurde die Band im Jahr 1982, im Jahr 1988 wurde sie aufgelöst. Seit der Wiedervereinigung 1993 besteht sie aus Farin Urlaub (bürgerlich Jan Vetter), Bela B (bürgerlich Dirk Felsenheimer) und Rodrigo González.
Bandgeschichte 1982–1986: Gründungsjahre Dirk Felsenheimer („Bela B.“, heute punktlos „Bela B“) und Jan Vetter (Farin Urlaub) lernten sich 1980 in der Diskothek Ballhaus Spandau kennen. Da dem Gitarristen von Felsenheimers damaliger Punkband, Soilent Grün, die Gitarre gestohlen worden war, ersetzte Farin dessen Position. Als sich die Band nur ein Jahr später auflöste, gründeten Felsenheimer und Vetter zusammen mit dem Bassisten Sahnie (bürgerlich Hans Runge) „Die Ärzte“. Nach eigenem Bekunden wählten sie den Bandnamen aus keinem bestimmten Grund. Ihr erstes Konzert gaben die Ärzte im September 1982 in einem besetzten Haus am Heinrichplatz (seit 2022 Rio-Reiser-Platz) in Kreuzberg,M. Wagner: Auf den Spuren der Ärzte und der Toten Hosen. In: Der Tagesspiegel vom 9. August 2013. kleinere Fernsehauftritte und der Gewinn des mit 10.000 DM dotierten Rock-Wettbewerbs des Berliner Senats schlossen sich an.Munzinger-Archiv, Pop-Archiv International, Ausgabe 8/90. Mit Hilfe des Preisgeldes nahmen die Ärzte die Mini-LP Uns geht’s prima… auf, die im Jahr 1984 unter dem Berliner Label Vielklang veröffentlicht wurde. Durch einen Hinweis des damals auch im Bandmanagement arbeitenden Jim Rakete nahm die CBS Schallplatten GmbH die Ärzte unter Vertrag. mini|hochkant|Aktuelles Bandlogo
Die Band sollte erst einmal eine EP aufnehmen. Anhand dieser wollte die Plattenfirma die Konditionen des Vertrags aushandeln. Allerdings nahmen die Ärzte in der ihnen zur Verfügung gestellten Zeit ein ganzes Album, Debil, auf, um damit die Plattenfirma zu beeindrucken.Markus Karg: Die Ärzte. Ein überdimensionales Meerschwein frisst die Erde auf. Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN 3-89602-369-1, S. 41–42. Es stellt den ersten größeren Erfolg der Band dar und gilt heute als ihr Durchbruchsalbum.
Im Frühling 1984 hatten die Ärzte mehrere Konzerte in der Schweiz, organisiert von der Vorband Der böse Bub Eugen (im Totentanz Basel, in der Roten Fabrik Zürich und im Fasskeller Schaffhausen). Um eine anschließende finanzielle Durststrecke zu überwinden, spielten die Ärzte in dem deutschen Spielfilm Richy Guitar mit, in dem Vetter, Felsenheimer und Runge die Rolle einer Band auf der Suche nach Erfolg verkörpern.Bandgeschichte., abgerufen am 12. April 2013.
Im Jahr 1985 veröffentlichten die Ärzte ihr zweites Studioalbum Im Schatten der Ärzte, das auch erstmals die Charts erreichte. Bassist Sahnie steuerte zu diesem Album nur ein einziges Lied bei, Wie ein Kind, das eigentlich Micha Suurbier geschrieben hatte (Sahnie war damals das einzige Mitglied von Frau Suurbier, das in die GEMA eingetreten war, und galt somit als offizieller Autor des Liedes). Sahnie verschwieg dies Felsenheimer und Urlaub. Auch seine Bässe spielte Sahnie immer seltener ein, er überließ die Studioarbeit komplett Urlaub und Felsenheimer und dem damaligen Produzenten Micki Meuser. Das Album enthält zudem lediglich einen Song, auf welchem Bela B. Schlagzeug spielt (Käfer), der Rest wurde von Micki Meuser in seinem Beisein programmiert, was in einem sehr wuchtigen Sound resultierte (bestes Beispiel: Rennen, nicht laufen!).Markus Karg: Die Ärzte. Ein überdimensionales Meerschwein frisst die Erde auf. Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN 3-89602-369-1, S. 54.
Nur ein Jahr später, während der Produktion des dritten Albums Die Ärzte, verließ Sahnie wegen persönlicher Differenzen die Band. Urlaub und Felsenheimer hatten ihm immer häufiger den Vorwurf gemacht, er kümmere sich nicht ausreichend um die Musik und spiele nur noch der Groupies und des Geldes wegen in der Band. Zudem galt er als sehr unzuverlässig, da sein BWL-Studium viel Zeit verschlang und er darauf bestand, die Termine der Band deswegen nach ihm auszurichten. Als er Urlaub gegenüber Felsenheimers Rauswurf forderte und den Standpunkt vertrat, die Band brauche sein Gesicht, entbrannte ein Streit unter den Mitgliedern, in dessen Folge Sahnie im Juni 1986 aus der Band entlassen wurde.
1986–1988: Indizierungen, DDR und Auflösung Bereits 1986 folgte die Veröffentlichung des dritten Studioalbums Die Ärzte, die Bass-Sequenzen des Albums wurden vom Produzenten Manfred Praeker eingespielt. Als Live-Bassist stieß Hagen Liebing alias „The Incredible Hagen“ zur Band. Am 27. Januar 1987 wurde das Album wegen des darauf enthaltenen Liedes Geschwisterliebe durch die BPjS indiziert. Außerdem wurde am 10. Juni 1987 das damals schon drei Jahre alte Debütalbum Debil wegen der Texte zu Claudia hat ’nen Schäferhund und Schlaflied indiziert. Der Karstadt-Konzern nahm nach der Indizierung der beiden Alben das ganze Programm der Band aus dem Sortiment; Fernsehauftritte gestalteten sich für die Ärzte in dieser Zeit zunehmend schwieriger. Ein finanzielles Desaster zeichnete sich ab, so dass bereits zu diesem Zeitpunkt in der Band erstmals über eine Auflösung nachgedacht wurde: Die Mitglieder besaßen keinerlei finanzielle Polster und sowohl die Einnahmen aus den CD- und LP-Verkäufen als auch die Erträge der GEMA-Rechteverwertung waren stark zurückgegangen.
Als Reaktion auf die Indizierung der Stücke veröffentlichten die Ärzte 1987 die Mini-LP Ab 18, die, neben einigen anderen, alle bislang indizierten Lieder enthielt, und forcierten somit (erfolgreich) eine erneute Indizierung eines ihrer Alben. Annähernd gleichzeitig versuchten sie sich auch wieder an einem regulären Studioalbum.
Mit Gehn wie ein Ägypter, einer Coverversion von Walk Like an Egyptian von The Bangles, erschien eine Single, die auch des Öfteren im Radio gespielt wurde. Doch die Aufnahmen zum nächsten Album liefen alles andere als erfolgreich, die Band schien ausgebrannt zu sein und kam nur mit mittelmäßigen Songs ins Studio. Als Reaktion darauf entschieden sie, ein Album aus vorwiegend alten Stücken zu produzieren und lediglich zwei von insgesamt sieben neuen Stücken und Gehn wie ein Ägypter aufzunehmen. So wurden einige nicht indizierte Lieder der Alben Debil und Die Ärzte auf dem Album erneut als Remixe und in anderen Versionen veröffentlicht.
Produzent war erstmals Uwe Hoffmann, der bis zum 2003er-Doppelalbum Geräusch alle weiteren Alben der Band produzieren sollte. Das Album nannten sie auch entsprechend einer Kompilation Ist das alles?Ist das alles? – 13 Höhepunkte mit den Ärzten auf diebestebandderwelt.de.
Allerdings missachteten die Ärzte auch die Indizierungsentscheidung der BPjM: Anlässlich eines Konzertes 1988 in Kleve spielten sie eine Instrumentalversion des Liedes Geschwisterliebe und wurden daraufhin durch das örtliche Amtsgericht in einem Strafverfahren wegen Verstoßes gegen die Indizierungsentscheidung zu einer Geldstrafe in Höhe von jeweils 1000 DM verurteilt. Tatsächlich hatten die Ärzte lediglich in der letzten Zeile des Stückes das Wort „Liebe“ mitgesungen. Nicht zuletzt ein inoffiziell gefertigtes Bootleg (und heute begehrtes Sammlerstück unter Ärzte-Fans) eines Konzertbesuchers in Kleve widerlegte die These des Amtsgerichts. Dennoch hatte die Band vorher die Zuschauer in ironischer Weise darum gebeten, den Text nicht mitzusingen, und ist wohl auch daher nicht gegen das Urteil vorgegangen. Live hatten die Ärzte zudem das Lied Claudia III gespielt, das als Provokation für die Bundesprüfstelle gedacht war: „Claudia“ hatte nun, anders als im indizierten Claudia hat ’nen Schäferhund, „christlichen Verkehr“. bei hardharderheavy.de. Generell lieferten sie zu Geschwisterliebe nur das Playback und ließen das Publikum singen, nicht ohne es vorher aufzufordern, Gegenteiliges zu tun.
In dieser Zeit entschieden Farin und Bela während eines Zypernurlaubs, die Band aufzulösen, auch wegen der Unzufriedenheit bei Ist das alles? – 13 Höhepunkte mit den Ärzten.Lasse redn: Die Ärzte exklusiv. In: Zitty Berlin, 11/2008, S. 19.
Obwohl die Ärzte aus dem damals geteilten Berlin stammen, haben sie erst spät versucht, auf dem ostdeutschen Musiksektor Fuß zu fassen. Wesentlichen Einfluss auf das Engagement in der DDR hatte der erklärte DDR-Freund und Neu-Bassist Hagen Liebing im Jahre 1986. So heißt es beispielsweise in der Danksagung des Albums Das ist nicht die ganze Wahrheit… ausdrücklich: „… alle Fans und Freunde in der DDR …“ Hagen war es auch, der erste Kassetten mit Musik der Band bespielte und in Ost-Berlin in Kaufhäusern, Restaurants und Jugendclubs vorführte. Aus diesem Engagement heraus wurde der damalige Jugendradiosender DT64 auf die Ärzte aufmerksam und arrangierte ein Interview, das zunächst jedoch nicht ausgestrahlt wurde. Bei einem zweiten Besuch in Ost-Berlin besuchten die Ärzte ein Konzert der Band ‚Die Anderen‘Die Anderen bei RockinBerlin.de, und der Wunsch reifte, eine eigene Tournee durch die DDR zu veranstalten. Der damalige Manager der Band, Conny Konzack, arrangierte schließlich mit der staatlichen Plattenfirma Amiga die Veröffentlichung einer LP und einer Kurztournee, die insgesamt zehn Auftritte umfassen sollte. Im Einvernehmen mit Amiga wurde die LP Ist das alles? zur Veröffentlichung ausgewählt, einzelne Lieder wurden jedoch ausgetauscht. Den Regeln der Planwirtschaft folgend prognostizierte Amiga eine Auflage für die LP von 2000 Stück. Zur Veröffentlichung sollte es allerdings zunächst nicht kommen, da das erwähnte Radiointerview mit DT64 kurz darauf ausgestrahlt wurde und die Kulturbehörde daraufhin Album und Tour kurzerhand aussetzte. Im Jahr 1987 erschien dann jedoch, ohne Wissen der Ärzte, im Rahmen der sogenannten Quartett-Reihe eine EP mit dem Titel Die Ärzte auf Amiga, welche die vier Songs Zu spät, Gehn wie ein Ägypter, Radio brennt und Du willst mich küssen enthielt. Mit dem Fall der Berliner Mauer brach der Kontakt zwischen Columbia Records und Amiga ab. Aus späterer Sicht resümierte Bela B. 2001:
Die Auflösung der Band war zu diesem Zeitpunkt bereits beschlossen, Das ist nicht die ganze Wahrheit… sollte das letzte Studioalbum des Trios sein. Die Gerüchte um eine mögliche Trennung der Gruppe heizten erwartungsgemäß den Album- und Konzertticketverkauf stark an, die Singleauskopplung Westerland wurde ihr zunächst kommerziell größter Erfolg. Es folgte die Abschiedstour der Band, auf der die Mitschnitte zur Live-LP Nach uns die Sintflut aufgenommen wurden. Am 9. Juli 1988 schließlich fand in Westerland auf Sylt das vorläufig letzte Konzert der Ärzte statt. Noch im selben Jahr erschien das Dreifach-Livealbum als vorerst letzte geplante Veröffentlichung mit insgesamt 37 Stücken. Gegen den Willen der Plattenfirma wurde es zum Preis eines Doppelalbums verkauft.
1988–1993: Getrennte Wege Nach der Auflösung erschien 1989 die LP Die Ärzte früher!, die neben alten Sampler-Beiträgen und Liedern der ersten Platten zwei zuvor unveröffentlichte Titel enthielt.
Von 1988 bis 1993 versuchten sich Farin und Bela mit den Bands King Køng und Depp Jones (erst „S.U.M.P.“), doch der kommerzielle Erfolg blieb in beiden Fällen aus. Dagegen verkauften sich die Platten der Ärzte in der Zeit der Trennung besser als in den Jahren zuvor, als die Band noch existierte, was sich laut Bela B. unter anderem mit den Fans aus der ehemaligen DDR erklären lässt, die nach der Wiedervereinigung die verpassten Platten nachkauften.
1990 trafen sich Bela und Farin noch einmal im Studio. Unter dem Pseudonym „Bela B. & Jan“ nahmen sie das Lied Wir brauchen… Werner als Soundtrack zum Film Werner – Beinhart! auf.
1993–2000: Neugründung 1993 beschlossen Bela B. und Farin Urlaub zusammen mit dem Depp-Jones-Gitarristen Rodrigo González am Bass die Neugründung der Band.