mini|Topographie des Fulda Gap mini|Mögliche Einfallsrouten der Sowjetarmee bei Fulda durch das Fulda Gap mini|Skizze Gefechtsstreifen V. US-Korps mit Führungslinien CONCORD – FARGO mini|Gelände um Fulda mini|Gelände der Rhön mini|Gelände der Rhön im Winter mini|Gelände der Rhön im Nebel mini|Panorama des Hessischen Kegelspiels mini|Umgebung von Hattenbach mini|DDR-Grenzturm bei Geisa mini|Museum Point Alpha, ehemaliger Beobachtungsturm der US-Streitkräfte an der innerdeutschen Grenze mini|US Appellplatz bei Point ALPHA mini|Blackhorse Panzeraufklärer mini|Gedenkstein des 11 ACR

Fulda Gap, ,Marco Evers: Unbekannte Kalter-Krieg-Episode: Als die US-Armee gegen Strauß mobilmachte. In: einestages, 14. Januar 2013, abgerufen am 20. Juli 2017. Lücke von Fulda oder auch Einfallstor Fulda, „Hessische Pazifisten haben 200 Atom-Sprengschächte in Osthessen, einer Region, die so stark militarisiert war, wie keine andere in Europa, mit Beton zugeschüttet und damit unbrauchbar gemacht“. ist ein Begriff, mit dem die US-Streitkräfte während des Kalten Krieges das Gebiet um Fulda nahe der innerdeutschen Grenze bezeichneten.

Strategische Lage Der Begriff Fulda Gap tauchte erstmals in den 1970er Jahren in einem TaktiklehrbuchUS Army Command and General Staff College: Reference Book Conventional Nuclear Operations, USAC GSC RB 100-30. Band 1, Fort Leavenworth Kansas, 6. August 1976. über Conventional-Nuclear-Operations (konventionelle-atomare Operationen) für Generalstabsoffiziere in Fort Leavenworth auf. Daneben wurde diese Begrifflichkeit auch für das Würzburg Gap und Hof Gap „Ein Brettspiel made in USA simuliert die Eroberung West-Berlins durch Truppen des Warschauer Paktes“. verwendet.

Das Fulda Gap war charakterisiert durch die Waldgebiete der deutschen Mittelgebirgslandschaft, wie auch durch rasch urbanisierte Räume, die in den 1970er und 1980er JahrenDieter Krüger (Hrsg.): Schlachtfeld Fulda Gap. Strategien und Operationspläne der Bündnisse im Kalten Krieg (= Schriftenreihe Point Alpha. Band 2). Parzeller, Fulda 2014, ISBN 978-3-7900-0486-1, S. 141. stark anwuchsen und somit möglicherweise auch Ortskampf verlangt hätten.

Das Fulda Gap erstreckte sich von Herleshausen bis Bad Neustadt an der Saale.Planspiele im Fulda Gap. Der Kalte Krieg veränderte auch Hessen. FR Frankfurt, 21. November 2008. An der fragilen und „strategisch verletzlichen“Verteidigung. Ende des Vertrauens. 25 Jahre nach dem Kalten Krieg steigen in vielen europäischen Ländern wieder die Rüstungsausgaben. Die Nato verspricht eine „Trendwende“, die Jahre des Schrumpfens seien vorbei. Doch den Mitgliedstaaten fällt es schwer, die internen Vorgaben zu erfüllen. In: Spiegel Online. 21. Mai 2016 (spiegel.de). „Politiker und Militärs trommeln für eine Aufrüstung der Nato in Osteuropa. Eine Gegenrede“. Fulda-Lücke befürchtete die NATO einen Vorstoß der Truppen des Warschauer Pakts zwischen zwei ihrer Armeegruppen auf Frankfurt am Main und weiter in das Hinterland der Bundesrepublik Deutschland hinein. Paul Kohl beschreibt in Fulda Gap. Eine Reportage über die Militarisierung in Deutschland aus ziviler Sicht die Vorverlegung amerikanischer Truppen in die Nähe der Grenze und die Auswirkungen einer Schlacht gemäß der Air-Land-Battle-Doktrin (Air-Land-Battle. Field Manual 100-5, Master Restationing Plan),Wenn die Abschreckung doch versagt… Binnen Stunden wäre alles zerstört. Die beschwörenden Friedensappelle aus dem vorigen Jahr wirken jetzt schon abgestanden. In: Die Zeit 41/1984. Ausgabe vom 5. Oktober 1984 (zeit.de) inklusive des Einsatzes von C-Waffen wie VX (NATO) und Soman (Warschauer Pakt).

Im osthessischen Raum um den sogenannten „NATO-Park“ um Rhön (heute Biosphärenreservat Rhön), Vogelsberg, Spessart und Kinzigtal ragte das Territorium des Warschauer Paktes am weitesten Richtung Westen vor und wurde daher oft als „heißeste Stelle des Kalten Krieges“Wo die Rote Armee nach Westen durchbrechen wollte. Die „Lücke von Fulda“ zwischen Hessen und Thüringen galt als „gefährlichster Punkt des Kalten Krieges“. In: Die Welt. 24. September 2013 (welt.de). bezeichnet, da Kriegshandlungen in Form einer großen Panzerschlacht dort besonders wahrscheinlich waren:

Auf wenigen hunderten Quadratkilometern standen sich mehr als 150.000 Soldaten und etwa 4.000 Kampfpanzer und andere gepanzerte Gefechtsfahrzeuge gegenüber. Mit nur 150 Kilometern Tiefe von Geisa in Thüringen bis Frankfurt am Main und wenigen natürlichen Hindernissen für Panzer stellte das Fulda Gap die „Wespentaille“ und damit eine besondere strategische PfortensituationDieter Krüger (Hrsg.): Schlachtfeld Fulda Gap. Strategien und Operationspläne der Bündnisse im Kalten Krieg (= Schriftenreihe Point Alpha. Band 2). Parzeller, Fulda 2014, ISBN 978-3-7900-0486-1, S. 14–15. in Westdeutschland dar. Das Gelände galt im Allgemeinen als schwierigDieter Krüger (Hrsg.): Schlachtfeld Fulda Gap. Strategien und Operationspläne der Bündnisse im Kalten Krieg (= Schriftenreihe Point Alpha. Band 2). Parzeller, Fulda 2014, ISBN 978-3-7900-0486-1, S. 28. zu verteidigen. Der Verlust dieses Raumes hätte die beiden Armeegruppen NORTHAG und CENTAG voneinander getrennt und die Gesamtverteidigung Westeuropas ins Wanken gebracht. Man ging davon aus, dass sich in der Zone zwischen Bad Hersfeld und Fulda entschieden hätte, ob ein konventioneller Dritter Weltkrieg zu einem Atomkrieg eskaliert wäre. Unter US-Präsident Ronald Reagan entwickelte die NATO unter der Bezeichnung General Defense Plan 31001 allgemeine Verteidigungspläne für die Bundesrepublik und Westeuropa für den Fall einer Invasion durch Streitkräfte des Warschauer Pakts. Als wahrscheinlichster Angriffspunkt des Gegners wurde das Gebiet östlich von Fulda angenommen. Besondere Aufmerksamkeit richtete sich dabei auf die im Südraum der DDR stationierte 8. Gardearmee der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Südlich und nördlich befinden sich mit dem Thüringer Wald und dem Harz für Panzer nur schwer zu bewältigende Mittelgebirge als natürliche Hemmnisse. Der Angriff wäre dem Gebiet entsprechend zunächst aus Osten in die Fuldaer Senke geführt worden, von dort ausgehend hätten sich zwei Verläufe, der eine nördlich, der andere südlich des Vogelsberges in Richtung Frankfurt am Main mit Nebenstößen über Meiningen und Würzburg auf Mannheim und über Hof-Bayreuth-Bamberg auf Karlsruhe angeboten.

Mögliche AngriffskorridoreDieter Krüger (Hrsg.): Schlachtfeld Fulda Gap. Strategien und Operationspläne der Bündnisse im Kalten Krieg (= Schriftenreihe Point Alpha. Band 2). Parzeller, Fulda 2014, ISBN 978-3-7900-0486-1, S. 139–141. des Warschauer Paktes im Fulda Gap zwischen Fulda, Rhön, Spessart, Gelnhausen und Hanau waren folgende: Hessischer Wetterau-Korridor: Grenze zwischen III. deutschem Korps und V. US-Korps. Der breiteste Korridor im Nordsektor des Fulda Gap, der aufgrund seiner geographischen Lage für einen Flankenangriff einer Operativen Manöver-Gruppe (OMG) des Warschauer Paktes sehr wahrscheinlich gewesen wäre. In der Mitte befindet sich der Vogelsberg als Basaltmassiv und höchste Geländeformation im Einsatzgebiet. Dieser begrenzt und kanalisiert Panzervorstöße. Der Oberwald des Vogelsberg ist schwieriges Gelände (dicht bewaldet, starke Nebelbildung und Tiefschnee im Winter) und daher nur von Infanterie (Jägertruppe) zu halten. Er hätte mögliches Ziel einer sowjetischen Luftlandung sein können. Kinzigtal in der Fuldasenke: natürlicher Korridor zwischen Vogelsberg und Rhön-Spessart. Bundesstraße 84 von Geisa, Vacha durch Rasdorf nach Alsfeld. Die Zone liegt im Sektor der US-Panzeraufklärer. Dort und um die grenznahen Ortschaften Rasdorf und Eiterfeld erwartete man mit die schwersten Kämpfe. Der östlichste Punkt lag in der sogenannten „Tann-Tasche“ (→ Stadt Tann (Rhön)).

Im Kalten Krieg Es wurde davon ausgegangen, dass die Armeen des Warschauer Pakts im Westen Thüringens – dem sogenannten Thüringer Balkon – aufmarschieren, die Grenze in Richtung Fulda durchbrechen und innerhalb von zwei Tagen bis zum Rhein-Main-Gebiet vorstoßen könnten. Damit wäre Westdeutschland in zwei Hälften geteilt und die Rhein-Main Air Base, der wichtigste NATO-Luftwaffenstützpunkt in Europa, ausgeschaltet worden. Das zentrale Thüringen war ein Stationierungsschwerpunkt der Sowjetischen Streitkräfte in der DDR.

Im Rahmen des General Defense Plan wären massiv US-amerikanische Truppenverbände um Fulda konzentriert worden, um einen solchen Angriff zu bremsen, bis Nachschub eingetroffen wäre. Zu diesem Zweck wurde auch der Einsatz taktischer Kernwaffen in Betracht gezogen, im Bereich um Fulda herum wären beispielsweise 141 taktische Atomwaffen im Rahmen des so genannten „Zebra-Pakets“ eingesetzt worden. Außerdem wurden in vielen Straßen – vermehrt innerhalb eines etwa 50 Kilometer breiten Gürtels entlang der Grenze – Sprengschächte angelegt, die nach ihrer Zündung die Bewegungen der feindlichen Armeen verlangsamen sollten. Der SACEUR Bernard W. Rogers bekräftigte noch im Jahr 1984, dass nur wenige Tage lang hätte konventionellDieter Krüger (Hrsg.): Schlachtfeld Fulda Gap. Strategien und Operationspläne der Bündnisse im Kalten Krieg (= Schriftenreihe Point Alpha. Band 2). Parzeller, Fulda 2014, ISBN 978-3-7900-0486-1, S. 15. verteidigt werden können. Danach wäre der Einsatz von Kernwaffen unumgänglich geworden. Dennoch wurde in den 1980er Jahren die Panzerabwehrfähigkeit des NATO-Heeres durch einen kombinierten Einsatz von Luftwaffe (Fairchild-Republic A-10 Erdkampfflugzeugen und General Dynamics F-16 Jagdbombern), moderner Panzerabwehrminen (AT-2 Panzerabwehr-WurfminenPanzerabwehrmine DM-21 AT (Deutschland)), Panzerabwehrhubschraubern und Panzerabwehrlenkraketen (MILAN, HOT und TOW „Balkan, Afghanistan, Afrika und jetzt der Nahe Osten – die Bundeswehr wird zum globalen Dienstleister deutscher Außenpolitik. Doch die Truppe ist auf die neuen Aufgaben nicht eingestellt. Unterfinanziert, falsch und unzureichend ausgerüstet zieht sie in ihren nächsten Auslandseinsatz“.) massiv erhöht. Diese Verteidigungspläne am Fulda Gap behielten ihre Gültigkeit bis zum Ende des Kalten Krieges und zur Deutschen Wiedervereinigung 1990, auf dem Papier bis ins Jahr 1994.

Eine ähnliche strategische Situation bestand nördlich des Harzes entlang der Grenze vom heutigen Sachsen-Anhalt zu Niedersachsen. In der Norddeutschen Tiefebene standen vier mechanisierte Korps der NATO-Armeegruppe Nord (NORTHAG) einem panzerstarken und hochbeweglichen Gegner (sowjetische 2. Garde-Panzerarmee, 3. Armee und 5. NVA-Armee) gegenüber. Der Warschauer Pakt hatte 1981 das Konzept der Operativen Manövergruppen eingeführt. Dies sind voll mechanisierte Panzerverbände, um in einem schnellen und mobil geführten Begegnungsgefecht in der Anfangsphase die Entscheidung zu suchen, noch bevor der Gegner die Möglichkeit bekommt, sich zur Verteidigung einzurichten. „Die Nato entwickelt neue Methoden zur Abwehr eines konventionellen Angriffs des Warschauer Pakts – und richtet damit möglicherweise Waffen von morgen auf Ziele von gestern“. Daher standen sich auch in diesem Bereich auf beiden Seiten der Grenze massive Truppenkonzentrationen gegenüber (Lüneburger Heide, Colbitz-Letzlinger Heide). Weiter nördlich bildete die Unterelbe ein gewisses natürliches Hindernis und trennte die Armeegruppen NORTHAG und LANDJUT.

1976 übernahm Generalleutnant Donn A. StarryDieter Krüger (Hrsg.): Schlachtfeld Fulda Gap. Strategien und Operationspläne der Bündnisse im Kalten Krieg (= Schriftenreihe Point Alpha. Band 2). Parzeller, Fulda 2014, ISBN 978-3-7900-0486-1, S. 137–139. den Befehl über das V. Korps und leitete folgende Änderungen ein: