Orlando paladino (Ritter Roland) ist ein „Dramma eroicomico“, eine heroisch-komische Oper, in drei Akten (14 Bildern) von Joseph Haydn, die am 6. Dezember 1782 im Schloss Esterházy uraufgeführt wurde. Das Libretto stammt von Nunziato Porta. Die Handlung geht auf eine Episode aus Ludovico Ariostos Orlando furioso (1516) zurück. Das Stück wurde für einen geplanten, aber nicht erfolgten Besuch des russischen Großfürsten Paul und seiner deutschen Gemahlin Maria Fjodorowna geschrieben, in Anwesenheit Kaiser Josephs II. inszeniert und bald überall in Europa nachgespielt. In Hobokens Gesamtverzeichnis wird es als 11. von 13 Opern gezählt.

Inhalt

Die Königin Angelica von Cattai (China) und der Sarazenen-Kämpfer Medoro lieben sich. Der christliche Ritter Orlando, ein Neffe Karls des Großen, jedoch bedroht die beiden mit dem Tod, da er aus Eifersucht auf Medoro wahnsinnig geworden ist. Der prahlerisch polternde und vor Kraft strotzende Barbarenkönig Rodomonte versucht sie zu schützen, doch nur mit der Zauberkraft der Fee Alcina und des Lethe-Fährmanns Caronte kann Orlando wieder zur Vernunft gebracht und das Paar gerettet werden. Als komische Figuren spiegelt das niedere Paar Eurilla und Pasquale die Handlung auch musikalisch.

Erster Akt

Freies Feld mit Blick auf ein altes Schloss in der Ferne

mini|links|Pietro Travaglia: Szenenskizze zum ersten Bild, 1782

Szene 1. In einer verschneiten GebirgslandschaftLaut Vorwort des Librettos und der Szenenskizze Pietro Travaglias. sitzt die Schäferin Eurilla zusammen mit anderen Schäferinnen an einer langweiligen Routinearbeit (Eurilla: „Il lavorar l’è pur la brutta cosa“). Ihr Vater Licone warnt sie vor einem gefährlichen Krieger, den er in der Nähe gesehen habe. Doch für eine Flucht ist es zu spät. Rodomonte, der König der Barbarei, erscheint mit einer Gruppe Sarazenen und fordert unter Drohungen Auskunft darüber, ob der fränkische Paladin Orlando in der Gegend gesehen wurde. Das ist nicht der Fall, doch Licone teilt Rodomonte mit, dass Angelica und Medoro im Schloss Zuflucht gesucht haben. Eurilla erzählt ihm von der zärtlichen Liebe der beiden (Eurilla: „Il sol Medoro è l’unico pensier della regina“) und zieht sich anschließend zurück.

Szene 2. Rodomonte versichert Licone auf hochtrabende Weise, dass er Angelica vor dem Zorn Orlandos schützen wolle (Rodomonte: „Temerario! Senti e trema“).

Das Innere eines Turms

Szene 3. Angelica sorgt sich wegen der Nachstellungen Orlandos um ihren Geliebten Medoro (Angelica: „Palpita ad ogni istante“). Mit Hilfe ihrer Zauberkräfte und ihres „Buchs der Weissagungen“ beschwört sie die mächtige Zauberin Alcina herbei und bittet sie um Schutz. Alcina verspricht ihr diesen. Angelica solle nur dafür sorgen, dass Medoro nicht von ihrer Seite weiche. Auch Rodomonte werde ihr helfen, doch könne er im Kampf nicht gegen den fränkischen Paladin bestehen. Bevor Alcina wieder verschwindet, beschreibt sie Angelica ihre eigene Macht (Alcina: „Ad un guardo, a un cenno solo“).

Szene 4. Medoro kommt verängstigt zu Angelica. Er hat in der Nähe einen gefährlich aussehenden Krieger gesehen, dem ein übermüdeter Knappe folgte. Der wiederum habe ihm gestanden, in Diensten Orlandos zu stehen. Angelica erzählt Medoro von dem Schutzversprechen Alcinas und fordert ihn auf, sich zu verstecken. Zögernd geht Medoro (Medoro: „Parto. Ma, oh dio, non posso“).

Wäldchen

Szene 5. Orlandos Schildknappe Pasquale zieht singend eine alte Rüstung an (Pasquale: „La mia bella m’ha detto di no“). Er leidet Hunger, da er bei Orlando nie genug zu essen bekommt. Rodomonte erscheint und fordert ihn sogleich zum Kampf heraus, da er ihn für einen Ritter hält.

Szene 6. Eurilla, die im Auftrag Orlandos nach Pasquale sucht, kommt hinzu. Rodomonte entfernt sich in Erwartung des Zweikampfs. Unterdessen bittet Pasquale Eurilla um eine Mahlzeit. Als Gegenleistung verspricht er ihr ein Gewand seines Herrn. Er prahlt mit seinen weiten Reisen als Ritter (Pasquale: „Ho viaggiato in Francia, in Spagna“).

Lieblicher Garten mit Brunnen

Szene 7. Medoro glaubt, dass Angelica durch seine Anwesenheit gefährdet werde, und teilt ihr mit, dass er bei Einbruch der Dunkelheit das Land verlassen wolle. Sein Herz werde aber immer bei ihr bleiben. Angelica will ihn nicht verlieren (Angelica: „Non partir, mia bella face“). Sie geht enttäuscht fort. Medoro folgt ihr.

Szene 8. Auf der Suche nach Angelica erscheint Orlando am Brunnen und entdeckt dort die eingeritzten Namen des Liebespaares. Er gerät in Raserei und verwüstet den Garten (Orlando: „D’Angelica il nome!“).

Wäldchen

Szene 9. Im Wald trifft Rodomonte auf den phlegmatischen Pasquale. Da er keine Antwort auf seine Frage nach Orlando erhält, macht er sich wieder auf die Suche.

Szene 10. Orlando fordert Pasquale auf, ihn zum bevorstehenden Kampf zu begleiten. Doch Pasquale redet sich heraus: Er sei nicht zum Ritter geboren. Als Eurilla auf der Suche nach Medoro hinzukommt, kann sie Orlando nicht lange verschweigen, dass das Paar hier war. Orlando schwört grausame Rache.

Lieblicher Garten, wie zuvor

Szene 11. Angelica hat böse Vorahnungen. Pasquale und Eurilla warnen sie vor dem sich nähernden Orlando. Als sie verängstigt fliehen will, kommt ihr Rodomonte entgegen.

Szene 12. Rodomonte sucht immer noch nach dem Ritter, den er zuvor zum Kampf herausgefordert hatte. Eurilla, Pasquale, Angelica und Medoro, die sich vor Furcht kaum auf den Beinen halten können, flehen um Hilfe. Da erscheint Alcina, um sie zu trösten, und auch Rodomonte verspricht ihnen Schutz. Eurilla und Pasquale halten nach Orlando Ausschau und bemerken, dass er unaufhaltsam näher kommt. Der großsprecherische Rodomonte wird von Alcina verwandelt.

Szene 13. Orlando stürmt mit gezücktem Schwert herein und bedroht nacheinander alle Anwesenden, ohne irgendeinen von ihnen zu erkennen. Auf ein Zeichen Alcinas wird er in einen eisernen Käfig gesperrt – ein Symbol für seine Geisteskrankheit.

Zweiter Akt

Wäldchen

Szene 1. Rodomonte will Orlando zum Zweikampf herausfordern, wird jedoch von Eurilla unterbrochen, die ihm ihre Liebe erklärt, während Angelica und Medoro die Flucht ergreifen. Rodomonte will nichts davon hören und schickt Eurilla fort.

Szene 2. Rodomonte besingt seine vielfach erprobte Kampfkraft (Rodomonte: „Mille lampi d’accese faville“).

Weites Land am Meer

Szene 3. Medoro ist endlich an einem sicheren Ort angelangt. Doch nun fürchtet er sich vor der Leere des Landes und dem Meer. Außerdem sehnt er sich nach Angelica. Eurilla versucht, ihn zu beruhigen. Als sie einen Krieger nahen sehen, schickt Medoro Eurilla fort. Er sucht vergeblich nach den richtigen Worten, die sie Angelica von ihm ausrichten soll (Medoro: „Dille, che un infelice“). Anschließend versteckt er sich in einer Höhle.

Szene 4. Bei dem sich zu Pferd nahenden „Ritter“ handelt es sich um Pasquale, der prahlerisch seinen eigenen Ruhm besingt (Pasquale: „Vittoria, vittoria!“). Eurilla, die sich hinter einem Gebüsch versteckt hat, macht sich eine Weile mit spöttischen Rufen über ihn lustig, bis sie sich dem nun vor Angst zitternden Knappen zu erkennen gibt. Die beiden kommen sich näher und flirten miteinander (Eurilla/Pasquale: „Quel tuo visetto amabile“). Sie machen sich gemeinsam auf den Weg zur Burg.

Szene 5. Angelica sehnt sich nach Medoro (Angelica: „Aure chete, verdi allori“).

Szene 6. Alcina schwört sich, Angelica zu schützen und ihr Glück zu sichern. Wenn Angelica sich etwas antun sollte, wird sie sich neben ihrem Geliebten wieder finden.

Szene 7. Angelica kann die Abwesenheit Medoros nicht länger ertragen. Sie steigt auf einen Felsen, um sich ins Meer zu stürzen. Plötzlich erscheint Medoro neben ihr.

Szene 8. Das Paar ist glücklich wieder vereint und besingt sein Glück (Duett Angelica/Medoro: „Qual contento io provo in seno“). Die beiden beschließen, gemeinsam das Land zu verlassen. Ihre Liebe bedeutet Angelica mehr als ihre königliche Macht, die sie für Medoro aufgeben will.

Szene 9. Orlando entdeckt die beiden und droht, Medoro zu töten. Die dazwischentretende Alcina ermöglicht jedoch die Flucht des Paares. Dem sich ihr gegenüber kleinmütigen zeigenden Orlando gibt sie eine letzte Chance und belässt es bei einer Ermahnung, die beiden nicht länger zu verfolgen.

Szene 10. Orlando fühlt sich gedemütigt. Von einem Weib will er sich nichts befehlen lassen. Plötzlich treten ihm Ungeheuer und Furien entgegen. Orlando ist verwirrt (Orlando: „Cosa vedo! Cosa sento!“).

Zimmer im Schloss

Szene 11. Bei ihrem Stelldichein im Schloss präsentiert sich Pasquale Eurilla als französischer Gesangsmeister. Er prahlt mit seiner Schönheit, die schon zum Tod mehrerer Frauen geführt habe. Deshalb habe ihm der Richter befohlen, immer das Gesicht zu verschleiern. Dann verabschiedet er sich mit einem Beispiel seiner Gesangskunst (Pasquale: „Ecco spiano. Ecco il mio trillo“).

Szene 12a. Auf seiner Suche nach Angelica hat Rodomonte den Weg in Eurillas Zimmer gefunden. Auch Alcina taucht dort auf und versichert ihm, dass das Liebespaar in Sicherheit sei. Alle sollen sich in ihrer Zaubergrotte einfinden, wo sie Näheres erfahren werden.

Szene 12b. Da sich Eurilla vor dem Weg in die Höhle fürchtet, bittet sie Rodomonte, sie mitzunehmen. Doch der weist sie grob ab.

Die verzauberte Grotte

Szene 13. Vor Alcinas Höhle haben sich zuerst Orlando und Pasquale eingefunden. Nach einem kurzen Streit zwischen Orlando und seinem furchtsamen Knappen ruft Orlando die Zauberin heraus, um sie zu schmähen und für die Unterstützung seiner Gegner zu strafen. Alcina verwandelt ihn kurzerhand in einen Stein. Pasquale wird übel.

Szene 14. Schließlich erscheinen auch Angelica, Medoro, Eurilla und Rodomonte – die drei ersteren ängstlich, letzterer wie üblich in drohender Haltung. Während Pasquale vergeblich versucht, sich fortzuschleichen, zeigt Alcina den anderen den versteinernden Orlando. Da Angelica großmütig auf eine weitere Strafe verzichtet, verwandelt Alcina ihn zurück. Doch Orlando ist unverändert gefährlich und fällt augenblicklich in seine üblichen Drohungen zurück. Alcina lässt einen Teil der Höhle einstürzen, um ihn einzusperren.

Dritter Akt

Dunkler Wald mit Blick auf den Fluss Lethe und die Elyseischen Felder

Szene 1. Alcina hat Orlando in die Unterwelt gebracht. Dort schläft er auf einem Felsblock, als sich Caronte (Charon, der Fährmann der Unterwelt) in seiner Barke nähert (Caronte: „Ombre insepolte“). Alcina befiehlt ihm, dem durch ihre Magie erst teilweise geheilten Orlando die Stirn zu beträufeln, damit er Angelica vergisst. Nachdem sie sich zurückgezogen hat, erwacht Orlando verwirrt (Orlando: „Miei pensieri, dove siete?“).

Zimmer im Schloss

Szene 2. Pasquale und Eurilla sind erleichtert, dass die Gefahr vorbei ist und sie endlich heiraten können.

Szene 3. Doch plötzlich erscheint Orlando und fordert seinen Knappen auf, ihm zu folgen. Glücklicherweise verhält er wieder völlig normal, erinnert sich nicht mehr an Angelica und will das Land verlassen. Da Eurilla ihren Geliebten Pasquale nicht gleich wieder verlieren will, geht sie ihnen nach.

Wald

Szene 4. Angelica wird von wilden Waldbewohnern bedroht. Medoro versucht sie zu verteidigen, fällt aber im Kampf. Da tauchen Orlando und Rodomonte auf und bekämpfen die Angreifer gemeinsam.

Mit Loggien geschmückter Hof

Szene 5. Angelica klagt über das Schicksal Medoros. Sie will ihm in den Tod folgen. Im Delirium erlebt sie seine letzten Minuten erneut (Angelica: „Dell’estreme sue voci dolenti“).

Szene 6. Alcina kommt mit der Nachricht, dass sie Medoro wieder geheilt habe. Rodomonte meldet, dass er sich mit Orlando versöhnt habe und sie die Barbaren gemeinsam bezwingen konnten. Von Orlando gehe keine Gefahr mehr aus. Alcina erklärt Orlandos Heilung durch das Bad im Fluss Lethe. Die Moral der Geschichte bestehe darin, dass jede echte Liebe unsterblich sei, wenn sie nicht durch von einer Welle des Schicksals ausgelöscht werde. Orlando wundert sich über ihre Rede – er hat seine vorigen Handlungen vergessen.