mini|Abseilübung der Spezialeinheit GSG 9 (2005) Die GSG 9 der Bundespolizei (kurz GSG 9 BPOL oder GSG 9; ehemals Grenzschutzgruppe 9) ist die Spezialeinheit der deutschen Bundespolizei zur Bekämpfung von Terrorismus sowie Schwerst- und Gewaltkriminalität mit Standorten in Sankt Augustin-Hangelar und Berlin. Seit dem 1. August 2017 ist sie der Bundespolizeidirektion 11 nachgeordnet.

Die GSG 9 wurde am 26. September 1972 gegründet und ist auf Geiselbefreiung und Bombenentschärfung spezialisiert. Im April 1973 meldete der Gründungskommandeur der GSG 9, Ulrich Wegener, die Einsatzbereitschaft der ersten beiden Einsatzeinheiten. Ihre Gründung erfolgte als Reaktion auf das Münchner Olympia-Attentat. Beim Attentat auf die Olympischen Sommerspiele 1972 in München konnte die bayerische Landespolizei die Ermordung von elf israelischen Athleten durch die Terrororganisation Schwarzer September nicht verhindern. Seit der Umbenennung des Bundesgrenzschutzes in Bundespolizei hat die Einheit die offizielle Bezeichnung „GSG 9 der Bundespolizei“.

Bekannt wurde die GSG 9 durch die Geiselbefreiung des von palästinensischen Terroristen entführten Lufthansa-Flugzeugs „Landshut“ im Deutschen Herbst 1977.

Bezeichnung und Auftrag Die Bezeichnung GSG 9 erklärt sich aus der Struktur des Bundesgrenzschutzes, der bei Gründung dieser Einheit aus vier Grenzschutzkommandos mit insgesamt acht Grenzschutzgruppen (GSG 1 bis 7 und See) bestand. Da die GSG 9 in keine der vorhandenen Strukturen eingegliedert wurde, erhielt sie die Bezeichnung Grenzschutzgruppe 9. Diese Bezeichnung und den Status einer Grenzschutzgruppe behielt sie auch im Laufe der Umorganisationen beim Bundesgrenzschutz bei, auch nach der Auflösung der Grenzschutzgruppen zu Gunsten der Grenzschutzabteilungen 1981 und der Umgliederung der Grenzschutzkommandos zu Grenzschutzpräsidien 1993. Nach der Umbenennung des Bundesgrenzschutzes in Bundespolizei wurde die Abkürzung wegen ihrer Bekanntheit beibehalten, allerdings wurde der Zusatz der Bundespolizei beigefügt.

Die GSG 9 ist als Antiterroreinheit auf Terrorismusbekämpfung, Geiselbefreiung und Bombenentschärfung spezialisiert. Die Einheit der Bundespolizei wird heute vornehmlich zur Bekämpfung der Schwerstkriminalität eingesetzt, die für Beamte im Streifendienst oft zu gefährlich wäre. Im Jahr 2000 absolvierte die Einheit 26 erfolgreiche Einsätze. Dazu zählen sowohl die der GSG 9 originär zugedachten Einsatzaufgaben als auch Einsätze, bei denen sie andere Sicherheitsbehörden unterstützte. Im Dezember 2018 bezifferte der damalige Kommandeur Jérôme Fuchs die Zahl der Einsätze der Einheit seit ihrer Aufstellung auf annähernd zweitausend, im Mittel um die fünfzig Einsätze jährlich und im Jahr 2018 etwa dreißig.GSG 9 ist die Spezial- und Eliteeinheit der Bundespolizei: Kommandeur Jerome Fuchs. In: SWR1 Leute, 26. Dezember 2018.

Anders als die Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Länderpolizeien, die für ähnliche Aufgaben gebildet werden, ist die GSG 9 eine Einheit des Bundes. Sie kann bei örtlicher Zuständigkeit einer Landespolizei nur mit Zustimmung des jeweiligen Landes eingesetzt werden. Bei Bundesangelegenheiten kann sie außerdem mit dem Einverständnis des Staates außerhalb der Bundesrepublik eingesetzt werden. Im Gegensatz zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr ist hierfür keine Zustimmung des Deutschen Bundestages nach dem Parlamentsbeteiligungsgesetz notwendig. Entscheidungen über den Einsatz der Einheit im Ausland obliegen dem Bundesministerium des Innern..

Die GSG 9 und ihre Spezialkräfte können keine Kriegs- bzw. Militäreinsätze durchführen, da die Bundespolizei keinen Kombattantenstatus hat. Bis zum Inkrafttreten des Bundesgrenzschutzgesetzes 1994 – auch auf Betreiben der Deutschen Polizeigewerkschaft – hatten die Angehörigen des Bundesgrenzschutzes Kombattantenstatus; 1996 wurde das Kommando Spezialkräfte (KSK) als militärische Spezialeinheit der Bundeswehr aufgestellt.Siehe dazu Reinhard Scholzen: KSK. Kommando Spezialkräfte. Motorbuch, Stuttgart 2009. Die vormalige Aufgabe des Schutzes der deutschen Botschaftsangehörigen im Ausland ging 2009 in die Zuständigkeit der im April 2008 aufgestellten Einheit Polizeiliche Schutzaufgaben Ausland der Bundespolizei (PSA BPOL) über.

Organisation mini|Ausbildung von GSG-9-Mitgliedern, 1978 in Hangelar

Personal und Standorte Die genaue Personalstärke der GSG 9 wird geheim gehalten. 1980 gliederte sie sich in eine Führungsgruppe, vier Einsatzeinheiten mit je 32 Mann, drei technische Gruppen und eine Versorgungseinheit. Nach Angaben des ehemaligen Kommandeurs Ulrich Wegener umfasste die Einheit im Jahr 2017 rund 400 Mann.Ulrich Wegener: GSG 9 – Stärker als der Terror. Hrsg. von Ulrike Zander und Harald Biermann. Lit, Münster 2017, ISBN 978-3-643-13762-3, S. 129.

Im Jahr 2007 gab es folgende Einsatzeinheiten:GSG 9 der Bundespolizei: Informationsblatt Die GSG 9 der Bundespolizei sucht Nachwuchs! 28. Juni 2007. Präzisionsschützen (See-Boarding)-Einsatztaucher in der maritimen Gruppe (Luft-)Boarding-Spezialisten in der Luftlandeeinheit (Spezialisten für die Erstürmung von entführten Flugzeugen nach Military Freefall) Sprengstoff- und Kampfmittelexperten Beobachtungs- und IT-Techniker in der Dokumentationseinheit. Aktuell (Stand 2021) gliedert sich die GSG 9 in folgende Einheiten:

Präzisionsschützen Kampftaucher/Boardingkräfte bzw. Bootsführer taktische Fallschirmjäger Schnelle Einsatzeinheit Berlin Unterstützungskräfte Operative Technik Öffnungstechnik/Entschärfung Aufklärung/Dokumentation Operative Einsatzmedizin

Am 1. März 2013 wurde die Dienststelle Personenschutz Ausland (PSA) der GSG 9 organisatorisch angegliedert, um Synergieeffekte zu nutzen. Die Dienststelle wurde 2008 eingerichtet, um die GSG 9 von den Personen- und Objektschutzaufgaben bei deutschen Auslandsvertretungen in Krisengebieten zu entlasten. 2014 waren insgesamt 145 Kräfte an fünf Standorten im Einsatz (Afghanistan, Irak, Jemen, Libanon, Libyen). Bundespolizei, 13. Juli 2015, S. 35.

Seit dem Jahr 2015 verfügt die GSG 9 zudem über eigene Zugriffshunde.

Anfang 2018 wurde bekannt, dass die GSG 9 neben dem Hauptsitz in Sankt Augustin-Hangelar einen zweiten Standort in Berlin plant und dafür ihre Personalzahl um ein Drittel erhöhen möchte. Eine der vier vorhandenen Einheiten soll dauerhaft in der Hauptstadt stationiert werden. Der Berliner Teil des Verbandes soll ab 2026 in der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Berlin-Spandau untergebracht werden. Bis dahin werden die Beamten in einem Provisorium in der Julius-Leber-Kaserne im Stadtteil Wedding stationiert.

Der zweite Standort solle insbesondere dem Schutz der Bundeshauptstadt dienen.GSG 9 soll um ein Drittel vergrößert werden. In: Welt Online, 15. Januar 2018. Im Oktober 2024 wurde bekannt, dass die GSG 9 einen zusätzlichen Standort in Neustadt in Holstein an der Ostsee bekommen soll, wo sich bereits eine der Bundespolizeiinspektionen der Bundespolizeidirektion See und ebenfalls das Maritime Schulungs- und Trainingszentrum (MaST) der Bundespolizei befindet.

Dienst Alle Einheiten können Einsätze absolvieren. Die Polizeivollzugsbeamten der GSG 9 sind, wie alle Angehörigen des öffentlichen Dienstes, zur Verschwiegenheit bezüglich des Inhaltes ihrer Tätigkeit verpflichtet. Ihre Dienstpläne sind als Verschlusssache eingestuft. Durch Verwendung bei der GSG 9 haben Beamte Anspruch auf eine Zulage für besondere Einsätze ( Abs. 1 Nr. 1 Erschwerniszulagenverordnung, 500 Euro monatlich seit 1. Januar 2017, zuvor 400 Euro ab 2008).

Die GSG 9 übt auch im Ausland, wenn dort geeignetere Trainingsmöglichkeiten bestehen (beispielsweise Wüste oder Packeis).

Kommandeure Öffentlich treten lediglich die Kommandeure namentlich in Erscheinung, die bisher (Stand 2023) ausnahmslos vormals selbst im aktiven Dienst der GSG 9 standen:Holger Schmidt: Wie sicher sind wir? Terrorabwehr in Deutschland. Eine kritische Bilanz. Orell Füssli, Zürich 2017, ISBN 978-3-280-03988-5 (E-Book), Kapitel 6 (2. Abschnitt: Wem gehört die GSG 9?). 1972–1980 Ulrich Wegener 1980–1982 Klaus BlätteKommandeure der GSG 9, GSG 9: Im Einsatz bewährt, Die GSG 9 – 40 Jahre nach der Befreiung der Landshut, ISBN 978-3-934401-41-9, PDF-Datei, S. 7 auf behoerden-spiegel.de 1982–1991 Uwe DeeJosef Hufelschulte: GSG 9 intern: Helden oder Versager?, Focus 28/1993: „Seine Nachfolger, wie Uwe Dee, hatten es schwer. Dee mußte 1991, nach Verstimmungen und Trouble in der Truppe, seinen Stuhl räumen. Seit Mai 1991 ist der Leitende Polizeidirektor Jürgen Bischoff Chef der Sondereinheit.“ 1991–1997 Jürgen BischoffBrandenburg: GSG-9-Kommandeur bald Berliner BGS-Einsatzchef, nd-aktuell.de, 16. Oktober 1997 1997–2005 Friedrich EicheleNeuer Vizepräsident Friedrich Eichele besuchte Bundespolizei-Abteilung, osthessen-news.de, 7. März 2006 2005–2014 Olaf LindnerJosef Hufelschulte: Terror-Bekämpfung: Ex-GSG9-Chef Olaf Lindner wird Chef der neuen "Direktion Spezialkräfte", focus.de, 20. August 2016 2014–2023 Jérôme FuchsBPOLP Potsdam: Neuer Vizepräsident in der Bundespolizeidirektion 11, Bundespolizeipräsidium, 23. August 2023 seit 2023: Robert HemmerlingBPOLP Potsdam: Kommandeurswechsel bei der GSG 9 der Bundespolizei, Bundespolizeipräsidium, 18. Oktober 2023

Ehemalige Die GSG-9-Kameradschaft e. V. ist ein eingetragener Verein ehemaliger Beamter der GSG 9, der am 31. Oktober 1982 in Sankt Augustin-Hangelar gegründet wurde.Amtsgericht Siegburg, VR 1289;

Rekrutierung und Ausbildung mini|Abseilübung an einer Gebäudefassade Zur Versetzung in die GSG 9 können sich ausgebildete Polizeivollzugsbeamte der Bundespolizei, anderer Polizeien des Bundes und der Polizeien der Länder bewerben und einem Eignungsauswahlverfahren unterziehen. Als Höchstalter zu Beginn der Basis- und Spezialausbildung sind 34 Jahre festgesetzt.

Auswahl der Bewerber Das viertägige Eignungsauswahlverfahren (EAV) findet jeweils im Frühjahr eines jeden Jahres statt, zeitnah vor dem Ausbildungsbeginn im Mai (Stand 2016). Die Bewerber werden von dem für sie zuständigen ärztlichen Dienst auf ihre gesundheitliche Eignung überprüft. Ein Ausschlusskriterium für die Verwendung ist u. a. das Tragen jeglicher Sehhilfen, sofern diese nicht operativ behandelt werden. So ist seit 2019 die Korrektur der Augenwerte mittels Laseroperation zugelassen. Zum Zeitpunkt der Bewerbung muss die Behandlung jedoch zwei Jahre zurückliegen.

Das EAV umfasst ein Auswahltraining, bei dem die Bewerber unter anderem auf ihre körperliche Leistungsfähigkeit, motorischen Fähigkeiten und Ausdauer getestet werden. Die Bedingungen sind:

Cooper-Test (12 Minuten Ausdauerlauf) mindestens 3000 Meter 100-Meter-Sprint in maximal 13,4 Sekunden Standweitsprung mindestens 2,40 Meter Klimmzüge mindestens 10 Bankdrücken: mindestens 10 Wiederholungen mit 75 % des eigenen Körpergewichtes (mindestens 50 kg) Bewältigung einer Hindernisbahn und eines Geschicklichkeitsparcours

Zudem werden mittels psychologischer Tests unter anderem die geistige Leistungsfähigkeit, Konzentration, Teamfähigkeit und das Persönlichkeitsprofil der Bewerber ermittelt. Diese müssen auch ihre Schießleistungen und die Fähigkeit zur sicheren Handhabung von Schusswaffen unter Beweis stellen. Das EAV endet mit einem persönlichen Abschlussgespräch in Form eines multimodalen Interviews. In der Regel bestehen 10 bis 15 % der Bewerber.

Basis- und Spezialausbildung mini|Fallschirmspringer der GSG9 in Essen Die erfolgreichen Teilnehmer beginnen jährlich im Mai (Stand 2016) die insgesamt zehnmonatige Basis- und Spezialausbildung. Diese umfasst die Basisausbildung (vier Monate), eine Härtewoche, die Spezialausbildung (entsprechend der geplanten taktischen Verwendung des jeweiligen Beamten) und die abschließende Ausbildungslaufbahnprüfung. Hat der Aspirant alle diese Stationen erfolgreich durchlaufen, bekommt er das Tätigkeitsabzeichen des Verbandes verliehen und wird als Polizeivollzugsbeamter/-in für besondere Verwendung einer der Einsatzeinheiten zugeteilt.