mini|Lovis Corinth (1887) Lovis Corinth (* 21. Juli 1858 als Franz Heinrich Louis Corinth in Tapiau, Ostpreußen; † 17. Juli 1925 in Zandvoort, Provinz Noord-Holland) war ein deutscher Maler, Zeichner und Grafiker. Er zählt neben Max Liebermann, Max Slevogt, Ernst Oppler und Hans Meid (Druckgraphik) zu den wichtigsten Vertretern des deutschen Impressionismus und der Berliner Secession. Nach seiner Ausbildung in Königsberg, München, Antwerpen und Paris arbeitete er vor allem in Berlin, wo er auch seine Frau Charlotte Berend kennenlernte. Seine späten Werke sind vom Expressionismus inspiriert und wurden zur Zeit des Nationalsozialismus als entartet betrachtet. Aufgrund dieses Stilwandels in seinem Schaffen gehört Corinth zu den wenigen Künstlern, deren museale Bearbeitung zwischen den Sammlungen des 19. und 20. Jahrhunderts aufgeteilt ist.Angelika Wesenberg, Plurale Moderne, in: Birgit Verwiebe (Hrsg.), Die Sammlung der Nationalgalerie zum langen 19. Jahrhundert. Erwerbung, Forschung, Dokumentation, Vermittlung, Heidelberg 2023, ISBN 978-3-98501-109-4, S. 166–189, hier: S. 168.

Leben mini|Corinths Geburtshaus in Tapiau (2016) Die Eltern Heinrich und Wilhelmine Corinth betrieben eine Gerberei sowie einen größeren landwirtschaftlichen Betrieb. Lovis Corinth war das einzige gemeinsame Kind der beiden, er hatte jedoch mütterlicherseits fünf Halbgeschwister, mit denen er aufwuchs. Das Geburtshaus existiert noch, eine Gedenktafel erinnert an den Maler.

Von 1866 bis 1873 ging Corinth auf das Kneiphöfische Gymnasium in Königsberg. Während dieser Zeit lebte er bei seiner Tante in Königsberg. Mit dem Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs 1870 zogen Soldaten in die Wohnung seiner Tante ein. Als seine Mutter 1873 verstarb, ging Corinth zurück auf den Hof seiner Eltern, wenig später erwuchs in ihm der Wunsch, Maler zu werden. Er selbst beschrieb dies in seiner Autobiografie als einen von vielen Wünschen, die regelmäßig wechselten:

Wenig später verkaufte sein Vater das Anwesen in Tapiau und zog mit seinem Sohn nach Königsberg, um ihm dort eine Malerausbildung zukommen zu lassen. Corinth ging an die Kunstakademie Königsberg und lernte als Schüler von Otto Günther die Grundlagen der Malerei sowie die traditionelle Historienmalerei kennen. Mit Günther und dessen weiteren Schülern reiste Corinth nach Berlin und Thüringen und besuchte dort die Ateliers von Albert Brendel, damals Direktor der Weimarer Kunstschule, sowie Friedrich Preller und Karl Buchholz. Corinths eigene Arbeiten konzentrierten sich auf Porträts und Landschaftsbilder.

München, Antwerpen, Paris 1880 ging Corinth auf Empfehlung seines Lehrers Günther an die Kunstakademie nach München, die zu der Zeit als bedeutendstes Zentrum für Malerei neben Paris galt und mit der Kulturszene dieser Stadt in engem Austausch stand. Louis Corinth besuchte zuerst die Klasse von Franz Defregger und wechselte dann zu Ludwig von Löfftz, einem ehemaligen Schüler von Wilhelm von Diez. Zu seinen Mitschülern gehörten unter anderen auch Hans Olde und Bernt Grönvold, mit denen Corinth noch viele Jahre Kontakt hatte. Corinth schloss sich der Strömung des Naturalismus an, der sich gerade gegen die klassische Historienmalerei durchzusetzen begann. Auch die Aktmalerei spielte in seiner Ausbildung eine große Rolle; 1883 entstand auf diese Weise sein Gemälde Schächer am Kreuz, bei dessen Konzeption Einflüsse seines Lehrers Löfftz wie auch dessen ehemaligen Schülers Karl Stauffer-Bern zu erkennen sind. Ein weiterer wichtiger Lehrer in München für Corinth wurde Wilhelm Trübner, für den er 1920 auch einen Nachruf verfasste.Lovis Corinth: Wilhelm Trübner, in: Gesammelte Schriften Fritz Gurlitt, Berlin 1920.

Zwischen 1882 und 1883 unterbrach er das Studium und leistete seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger ab, danach begab er sich mit seinem Vater auf eine Reise, die vor allem nach Italien und an den Gardasee führte. Anschließend nahm er das Studium wieder auf.

1884 ging Corinth für drei Monate nach Antwerpen und studierte dort bei Paul Eugène Gorge. Im selben Jahr konnte er mit seinem Gemälde Das Komplott seinen ersten internationalen Erfolg verbuchen. Das Bild wurde auf einer Ausstellung in London mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet (wird von Ulrike Lorenz angezweifelt),Ulrike Lorenz: Lovis Corinth (1858–1925). In: Ulrike Lorenz, Marie-Amélie zu Salm-Salm, Hans-Werner Schmidt (Hrsg.): Lovis Corinth und die Geburt der Moderne. Kerber Verlag, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-86678-177-1, S. 210–211. 1885 wurde es im Pariser Salon gezeigt. Im Atelier von Gorge entstand das Gemälde Othello, eine Porträtdarstellung eines schwarzen Mannes, das zu seinen bekanntesten Bildern gehört. Daneben malte er auch sein erstes Porträt des Malers Paul Eugène Gorge, dem 1898 und 1908 zwei weitere folgten.

Im Oktober des Jahres reiste er weiter nach Paris und trat dort in die private Académie Julian ein. Er lernte bei Tony Robert-Fleury und William Adolphe Bouguereau, die ihm vor allem die Praxis der Aktmalerei von Frauen (peinture de la femme) näher brachten. Sie beeinflussten damit sein weiteres Schaffen sehr, vor allem die Gestaltung seiner Frauenbildnisse der nächsten Jahre. Er selbst war in Paris allerdings wenig erfolgreich und kehrte mit etwa 20 großformatigen Bildern zurück, vornehmlich Aktdarstellungen. Obwohl zur selben Zeit auch moderne und prominente Impressionisten in Paris weilten und Bilder wenige Jahre zuvor verstorbener Meister wie Gustave Courbet oder Édouard Manet in Paris zu sehen waren, bekam er von diesen nichts mit. Inspiration fand er dagegen in Ausstellungen von Jean-Louis-Ernest Meissonier, Wilhelm Leibl und vor allem durch eine Retrospektive von Jules Bastien-Lepage.

Im Sommer 1886 reiste Corinth mit Hans Olde an die Ostseeküste, um hier Landschaftsimpressionen und Porträts zu malen (siehe: Im Fischerhaus). 1887 kehrte er nach Königsberg zurück und porträtierte seinen Vater – und auch mit der Ausstellung dieses Bildes in der Königsberger Akademie hatte er keinen Erfolg.

1887 zog Louis Corinth nach Berlin und verbrachte dort den Winter, in dem er unter anderen Max Klinger, Walter Leistikow und Karl Stauffer-Bern kennenlernte. In Berlin entstand wahrscheinlich auch sein erstes Selbstbildnis, dem im Laufe seines Lebens noch etliche folgen sollten. Im darauf folgenden Jahr kehrte er jedoch wieder zurück zu seinem mittlerweile schwerkranken Vater nach Königsberg und porträtierte selbigen dort noch mehrmals, bevor dieser am 10. Januar 1889 starb.

München 1891 bis 1900 1890 bekam das Gemälde Pietà, das er beim Salon de Paris eingereicht hatte, eine Auszeichnung; im gleichen Jahr malte er das Bild der Susanna im Bade, das er ebenfalls erfolgreich zur Präsentation beim Salon einreichte.

In seiner Arbeit bestätigt, entschloss sich Corinth 1891, wieder nach München zurückzukehren. Hier suchte er sich eine Wohnung in Schwabing, nur ein Haus neben der Wohnung seines Kollegen Ernst Oppler. Den Ausblick aus seinem Atelierfenster hielt er im selben Jahr in mehreren Gemälden fest, mit denen er sich, ebenso wie mit Waldinneres bei Bernried, mit dem zu dieser Zeit in München aktuellen Pleinairismus beschäftigte – die Künstler verließen ihr Atelier und fingen Motive „unter freiem Himmel“ ein. Dieser wurde in Deutschland vor allem von Arnold Böcklin, Max Klinger und Hans Thoma verfolgt, die in München zu den populärsten Gestalten der Kunstszene gehörten. Als Münchner Malerfürsten galten Friedrich August von Kaulbach, Franz von Lenbach sowie Franz von Stuck. Neben den genannten Bildern war das Hauptwerk Corinths in dem Jahr der Diogenes, eine Darstellung des Diogenes von Sinope im Großformat. Die Ausstellung des Bildes im Münchner Glaspalast wurde allerdings nicht mit dem erhofften Lob quittiert; vielmehr erntete sie massive Kritik, die Corinth an seinem Schaffen zweifeln ließ. Von seinem Freund Otto Eckmann ließ er sich die Kunst des Radierens beibringen, und bis 1894 erschien sein Radierzyklus Tragikomödien, in dem er auf den Jugendstil auf der einen und das Werk Max Klingers auf der anderen Seite Bezug nahm.

Ab 1892 entstand eine Reihe von Gemälden, die Schlachthausszenen wiedergeben und die Kritiker wieder überzeugen konnten. Die Bilder waren realistisch dargestellt und bestachen durch ihre Motive. Corinth hatte Anschluss gefunden an die „Revolutionäre“ der Münchner Kunstszene, die nicht im etablierten Glaspalast ausstellten, sondern sich in der Künstlergesellschaft Allotria trafen. 1892 gründete sich aus dieser Vereinigung die Münchener Secession, der sich neben Corinth auch Max Liebermann, Otto Eckmann, Thomas Theodor Heine, Hans Olde, Hans Thoma, Wilhelm Trübner, Franz von Stuck und Fritz von Uhde anschlossen. 1893 wollte Corinth zusammen mit Otto Eckmann, Trübner, Heine, Max Slevogt, Ernst Oppler, Hermann Obrist und Peter Behrens die Freie Vereinigung der XXIV gründen, um die Ausstellungssituation zu verbessern. Daraufhin kam es zum Streit in der Sezession, die Gründung scheiterte, und die Beteiligten wurden von der Münchner Sezession ausgeschlossen. Sie fanden als Freie Vereinigung der XXIV / Münchner 24 in der Galerie Eduard Schulte in Berlin eine Ausstellungsmöglichkeit.

1895 malte Corinth mit seiner Kreuzabnahme das erste Bild, das er überhaupt auch verkaufen konnte. Es wurde noch im selben Jahr im Glaspalast ausgestellt und mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Zwischen 1895 und 1900 stellte er dort eine Reihe weiterer Gemälde aus, die jedoch kein größeres Aufsehen erregen konnten. Über einen Freund kam Corinth um 1895/96 in Kontakt mit der Münchner Literatengruppe Die Nebenregierung, der unter anderen die Schriftsteller Max Halbe, Graf Eduard von Keyserling, Frank Wedekind und Otto Erich Hartleben angehörten. 1896 gehörte Corinth auch zu den Gründungsmitgliedern der Freimaurerloge In Treue fest, die noch heute besteht und der er 1898 das Gemälde Die Logenbrüder malte, auf der zwölf Mitglieder seiner Loge abgebildet sind. In den Folgejahren entstanden eine Reihe seiner erfolgreichsten und bis heute bekanntesten Gemälde. So schuf er 1896 sein Selbstporträt mit Skelett. 1897 porträtierte Corinth seinen Freund Otto Eckmann in der Nass-in-Nass-Technik, die besonders für spontanes, temperamentvolles Arbeiten geeignet ist.Bernd Fäthke, Jawlensky und seine Weggefährten in neuem Licht, München 2004, S. 60f. Diese Art der Malerei empfahl er in seinem Lehrbuch Das Erlernen der Malerei, weil man in sie „immer wieder hereinmalen und korrigieren“ kann.Lovis Corinth: Das Erlernen der Malerei. Berlin 1909, S. 57. Ebenfalls 1897 entstand der Schlachterladen in Schäftlarn an der Isar als Fortführung seiner Schlachthausszenen sowie durch die Aktmalerei geprägte Historienbilder wie Die Hexen und Die Verführung des heiligen Antonius. Als Corinth 1899 zum Besuch der ersten Ausstellung der Berliner Secession in Berlin war und Max Liebermann einen Besuch abstattete, porträtierten sie sich gegenseitig. Zeugnis sind das Bildnis des Malers Lovis Corinth und ein Porträt von Max Liebermann aus dem Jahr 1899.

Nach einem Umzug innerhalb Münchens malte er 1900 die Salome, ein Bild, in das er selbst große Hoffnungen legte, das aber für eine Ausstellung der Münchner Sezession abgelehnt wurde. Dieser Misserfolg bestärkte Corinths Absicht, München zu verlassen und nach Berlin zu gehen. Dort hatte er weiterhin Kontakt zu Walter Leistikow, der 1898 mit Max Liebermann und Paul Cassirer die Berliner Secession gegründet hatte. Salome wurde in Berlin mit der zweiten Secessionsausstellung im Juli 1900 ein Erfolg und Corinth wurde nach eigenen Worten „in Berlin eine Kapazität“.Lovis Corinth: Selbstbiografie. Hirzel, Leipzig 1926, S. 143. Auch seine Bilder Susanna und die beiden Alten sowie die Kreuzigung wurden auf dieser Ausstellung gezeigt. Von Leistikow erhielt Corinth seine ersten Porträtaufträge in Berlin.

Berliner Jahre mini|Berliner Gedenktafel am Haus Klopstockstraße 25 in Berlin-Hansaviertel