Die Loschwitzer Kirche ist eine barocke Kirche im Dresdner Stadtteil Loschwitz. Sie war der erste Kirchenbau des Architekten der Dresdner Frauenkirche, George Bähr. Der bis 1907 als Begräbnisstätte genutzte Kirchhof ist eine der wenigen im 18. Jahrhundert neu angelegten Kirchhofanlagen Sachsens, die noch original erhalten sind, und mit rund 400 Quadratmetern der kleinste Friedhof der Stadt. Die Loschwitzer Kirche und der Kirchhof stehen unter Denkmalschutz.
mini|zentriert|August Kotzsch – Die Loschwitzer Kirche um 1875Es handelt sich hierbei um das derzeit älteste bekannte Foto der Loschwitzer Kirche. mini|zentriert|Die Loschwitzer Kirche 2009
Geschichte Die Situation vor dem Bau der Loschwitzer Kirche mini|Die Kirche „Zu unserer Lieben Frauen“, bis 1704 Gebetshaus für das Dorf Loschwitz; undatierter Kupferstich von Moritz Bodenehr
Loschwitz fand erstmals 1315 als Loscuicz urkundliche Erwähnung. Mit der Erweiterung des ursprünglich slawischen Rundweilers unterstanden die Ländereien schon im 14. Jahrhundert dem Maternihospital in Dresden. Zusammen mit 25 weiteren Dörfern gehörte Loschwitz zum Kirchspiel der in unmittelbarer Nachbarschaft des Maternihospitals liegenden Kirche „Zu unserer Lieben Frauen“, der Urpfarrei der späteren Frauenkirche, die zwischen der heutigen Dresdner Frauenkirche und dem Coselpalais lag. Loschwitzer Einwohner mussten sich anlässlich des Gottesdienstes, der Beichte oder einer Trauung stets zu der mehrere Kilometer entfernten Pfarrei begeben,Dubbers gibt die Entfernung mit „mehr als einer halben Meile“ an, vgl. Annette Dubbers (Hrsg.): Loschwitz. Eigenverlag, Dresden 2003, S. 15. was vor allem im Winter beschwerlich war. Taufen fanden in der Kreuzkirche statt. Die Toten des Dorfes Loschwitz wurden auf dem Frauenkirchhof und ab 1571 auf dem alten Johanniskirchhof bestattet.
mini|hochkant|links|Die alte Kreuzkirche, bis 1704 Taufkirche von Loschwitz Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges im Kurfürstentum Sachsen durch den 1645 geschlossenen Waffenstillstand von Kötzschenbroda erlebte Sachsen einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Mit dem steten Anwachsen der Einwohnerzahlen in Dresden und den zum Kirchspiel der Dresdner Frauenkirchgemeinde gehörenden Dörfern wurden die Gottesdienste in der mittelalterlichen Frauenkirche wegen Überfüllung fast unmöglich. Es war nicht ungewöhnlich, dass die Gemeindeglieder aus Loschwitz „bei ungewöhnlich starkem Kirchenbesuche aus der Kirche zur lieben Frauen gedränget und auf den Kirchenboden der kleinen alten Frauenkirche gewiesen“ wurden.Friedrich Wilhelm Pohle: Chronik von Loschwitz. Verlag Christian Teich, Dresden 1883, S. 123. Gleichzeitig konnte der Seelsorger der Frauenkirchgemeinde umliegende Ortschaften nur zeitlich begrenzt besuchen, da Dresden als Festungsstadt seine Tore abends geschlossen hielt. „Es war öfter nicht möglich, in später oder früher Tages oder zur Nachtzeit den Seelsorger zu erlangen, um Kranken oder Sterbenden das heilige Abendmahl zu reichen, Nottaufen zu verrichten, schweren Kranken Trost zu bringen und dergleichen mehr.“
Im Dezember 1702 beim Rat zu Dresden und erneut 1703 beim Oberkonsistorium und dem Kurfürsten beantragten die Dörfer Loschwitz und Wachwitz die Abpfarrung von der Frauenkirche. Nachdem zuerst ein „Lesegottesdienst“ in einem Schulhaus in Loschwitz bewilligt worden war, den schon ab 1702 ein Schulmeister immer sonn- und feiertags im Schulgebäude in Loschwitz gehalten hatte,Friedrich Wilhelm Pohle: Chronik von Loschwitz. Verlag Christian Teich, Dresden 1883, S. 124. stimmte August der Starke 1704 der Auspfarrung und damit der Gründung einer Loschwitzer Kirchgemeinde zu. Neben Loschwitz gehörten auch das nahe liegende Dorf Wachwitz und der Gasthof und Anwesen „Zum Weißen Hirsch“ zur Gemeinde.Eberhard Münzner: Die Kirche zu Dresden Loschwitz. Schnell & Steiner, Regensburg 1994, S. 2.
Der Rat der Stadt Dresden erhielt das Patronatsrecht über die Kirchgemeinde und war daher auch für die Finanzierung und den Bau einer Kirche verantwortlich.Otto R. Wenzel: Die äußere Entwicklung der Kirchgemeinde. In: Ev.-Luth-Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz (Hrsg.): 300 Jahre Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz. Festschrift. Ev.-Luth. Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz, Dresden 2004, S. 9. Zudem setzte sie den Pfarrer ein. Am 4. April 1704 wurde Johann Arnold als erster Pfarrer der neuen Kirchgemeinde berufen und am 21. September 1704 bestätigt. Als Parochie konnte nun mit dem Bau einer Kirche begonnen werden.
Der Bau der Loschwitzer Kirche mini|Der schwedische König Karl XII. auf einem Gemälde von David von Krafft aus dem Jahr 1706. In diesem Jahr schützte er die Loschwitzer Kirche vor der Zerstörung im Nordischen Krieg
Im Jahr 1704 wurde dem Zimmermann George BährGeorge Bähr wurde erst im Herbst 1705 zum Ratszimmermeister ernannt. der Entwurf der Kirche übertragen. Er führte ihn zusammen mit dem Ratsmaurermeister Johann Christian Fehre aus, wobei der Grundriss der zu bauenden Kirche mehrfache Veränderungen erfuhr. Bereits am 3. März 1704 ließ die Gemeinde erste Steine für die Kirche am „Bachhorn“ in Pirna ausschiffen und den Winter über am Schulhaus in Loschwitz einlagern. Das Schulhaus befand sich am Übergang vom Körnerplatz zur Pillnitzer Landstraße und damit mitten im Dorf, wo die Loschwitzer Gemeinde auch die Kirche errichten lassen wollte. Entgegen dem Willen der Gemeinde wählte der Rat der Stadt Dresden den rund 150 Meter entfernten und im Ratsbesitz befindlichen „Materni-Weinberg“ des Maternihospitals als Kirchenstandort. Der Platz am östlichen Rand des Dorfes an der Straße nach Wachwitz war im Gegensatz zum Dorfkern hochwassersicher gelegen und der Weinberg als christliches Motiv bewusst gewählt. „Die eigentlichen Bauarbeiten begannen erst am 27. April 1705, wo der Ratsmaurermeister Fehre aus Dresden zum Steinezuspitzen und -zurichten 6 Maurer herschickte“, unter ihnen sein Sohn Johann Gottfried.
Am 14. Mai 1705 umgingen die ersten Kirchenväter der neuen Parochie und Männer der Ratsgemeinde, der Amtsgemeinde und aus Wachwitz feierlich den Platz der neuen Kirche und sangen dabei drei Kirchenlieder („Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“, „In dich hab ich gehoffet, Herr“, „Es soll uns Gott gnädig sein“Friedrich Wilhelm Pohle: Chronik von Loschwitz. Verlag Christian Teich, Dresden 1883, S. 125.). Daraufhin wurden die Weinpfähle gezogen, die Weinstöcke ausgegraben und der Grund der Kirche gegraben. Am 29. Juni 1705 erfolgte in Gegenwart des fürstlichen Kommissars Graf Friedrich von Schönberg die Grundsteinlegung der Loschwitzer Kirche, dazu sang der Dresdner Kreuzchor. Den Grundstein ergänzte ein Kupferkästchen, in das man die Augsburger Konfession, Luthers Katechismus, einen Abriss des zu bauenden Gebäudes und die Geschichte des Ortes auf Pergament geschrieben beilegte.Friedrich Wilhelm Pohle: Chronik von Loschwitz. Verlag Christian Teich, Dresden 1883, S. 126. Den Bau selbst führte in den folgenden Jahren der Dresdner Ratsherr und Ratsbaumeister Johann Siegmund Küffner aus, der auch für die Einstellung von Arbeitern verantwortlich war.Otto-R. Wenzel: Die Loschwitzer Kirche – Bau, Zerstörung und Wiederaufbau. In: Ev.-Luth-Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz (Hrsg.): 300 Jahre Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz. Festschrift. Ev.-Luth. Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz, Dresden 2004, S. 30.
mini|Die Loschwitzer Kirche um 1820 Im Jahr 1706 kam es an der Kirche, deren Grundmauern bereits standen, zu einer Bauunterbrechung, da während des Großen Nordischen Krieges das schwedische Heer auch in Sachsen eindrang. In der Folge flohen die Loschwitzer Einwohner und Bauleute.Otto-R. Wenzel: Die Loschwitzer Kirche – Bau, Zerstörung und Wiederaufbau. In: Ev.-Luth-Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz (Hrsg.): 300 Jahre Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz. Festschrift. Ev.-Luth. Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz, Dresden 2004, S. 29. Der Rat der Stadt Dresden beauftragte den 1704 zum Pfarrer für Loschwitz berufenen Johann Arnold, dem König von Schweden eine Bittschrift um Schonung des Kirchenbaus zu überbringen. Mit den Kirchenvätern von Loschwitz und Wachwitz ging Arnold nach Radeberg, wo Karl XII. mit seinem Heer lagerte, und ließ ihm die Bittschrift der Gemeinde überbringen. Graf Carl Piper, der Berater des Königs, richtete der kleinen Abordnung schließlich aus:
Nachdem den Handwerkern im September 1706 so vom schwedischen König Sicherheit versprochen worden war, konnten die Bauarbeiten fortgesetzt werden. Ab dem 1. Mai 1707 folgte eine erneute Pause, da infolge der Brandschatzungen der Schweden kein Geld für einen Weiterbau vorhanden war. Auch in diesem Fall konnte nach Intervention Arnolds noch im selben Monat mit dem Bau fortgefahren werden. Am 3. August 1708, dem Namenstag Augusts des Starken, erfolgte die feierliche Weihe der Loschwitzer Kirche. Entstanden war ein achteckiger, barocker Saalbau, der äußerlich in Altrosa verputzt auffällig, im Inneren jedoch eher schlicht gehalten war. Zwei Jahre später beendeten die Bauleute auch die Außenarbeiten auf dem Kirchhof.
Die Renovierung 1898/99 In den folgenden Jahren fanden immer wieder kleinere Renovierungen der Kirche statt,Im 19. Jahrhundert erfolgten Reparaturen 1801, 1824, 1841 und 1863. Vgl. M. J. Nestler: Gesammtüberblick über die Loschwitzer Kirchenerneuerung. In: Sachsens Elbgau-Presse, 2. Beilage. 14. Jahrgang, Nummer 87, 16. April 1899, S. 9. vor allem die 1753 gebaute Leibner-Orgel musste wiederholt Wartungen unterzogen werden. Ende des 19. Jahrhunderts war die Einrichtung und der grundlegende Standard der Kirche, der in weiten Teilen dem Ursprungsbau aus dem Jahr 1708 entsprach, nicht mehr zeitgemäß. Sie hatte weder eine Wasserleitung innerhalb des Gebäudes noch eine Gasleitung, über die zum Beispiel Leuchter hätten entzündet werden können. Die Gemeinde entschloss „sich endlich nach vielen, vorsichtigen Erwägungen, alle die gestellten Forderungen in einer großen und gründlichen, für viele Jahrzehnte alle Reparatur-Arbeiten ausschließenden Gesammterneuerung zusammenzufassen und mit einem Male zu erledigen.“ Der Loschwitzer Architekt Karl Emil Scherz leitete die 1898 und 1899 erfolgte Renovierung der Kirche. Ihr eher schlichter Innenraum erfuhr dabei eine Neugestaltung mit Goldverzierungen und Ausschmückungen. Die langen Fenster erhielten Glasmalereien, hinzu kamen ein erneuertes Gestühl und Ergänzungen am Altar. Während der Innenraum olivgrün gestrichen wurde, bekam die Fassade statt des ursprünglichen Altrosa einen grauen Anstrich. Die Wiederweihe der Loschwitzer Kirche fand am 12. März 1899 statt. Bis auf kleinere Erneuerungen – so mussten zwei im Ersten Weltkrieg eingeschmolzene Glocken ersetzt werden – blieb die Loschwitzer Kirche bis 1945 unverändert.
Zerstörung der Kirche 1945 und Wiederaufbau mini|Der restaurierte Nosseni-Altar der zerstörten Sophienkirche wurde 2002 in der Loschwitzer Kirche geweiht