mini|Josef Gangl mini|Gedenktafel für Josef Gangl in der Schönbrunner Straße in Wien-Meidling mini|Gedenktafel für Josef Gangl in der Linzer Straße 226
Josef Gangl (* 25. August 1868 in Deutsch-Beneschau, Böhmerwald; † 6. September 1916 in Wien) war ein österreichischer Schauspieler und Schriftsteller. Er wurde vor allem als Böhmerwald-Dichter bekannt.
Leben Josef Gangl wurde am 25. August 1868 als Sohn des Bauernwirtes zu Deutsch-Beneschau im südlichen Teil des Böhmerwaldes geboren. Zunächst von seinen Eltern für ein Studium bestimmt, besuchte er nach der Absolvierung seiner Volksschulzeit das Gymnasium in Budweis. Aber schon nach zwei Jahren musste er wegen Erkrankung seines Vaters seine Schulkarriere beenden und seine Eltern bei der heimatlichen Wirtschaft unterstützen. Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1896 übernahm Josef das verschuldete Erbe. Doch nach zwei Jahren musste er das Gasthaus verkaufen und begab sich im Jahre 1903 nach Wien, wo er eine Karriere als Schauspieler anstrebte.
Nach dem Besuch einer Schauspielerschule trat er in den folgenden Jahren in kleineren Wiener Theatern hauptsächlich in Nebenrollen auf, die aber nur schlecht dotiert waren. Schließlich gab er auf Anraten seiner Freunde den Schauspielerberuf auf, um sich ganz dem Beruf eines Schriftstellers zu widmen.
Schon während seiner Zeit in Deutsch-Beneschau hatte Josef Gangl eine Anzahl von kleineren Erzählungen verfasst, die er in verschiedenen Zeitungen und Kalendern veröffentlichte. 1895 waren in Budweis die „Geschichten aus dem Böhmerwald“ erschienen. Auch während seiner Auftritte als Schauspieler blieb Gangl der Feder treu. Doch waren die Einnahmen daraus nicht hoch genug, dass er damit einen angemessenen Lebensunterhalt bestreiten hätte bestreiten können. Doch durch Unterstützung von zwei Förderern, einem Hamburger Kaufmann namens Fred Lau und dem Professor für Literatur an der Universität Prag, August Sauer, war es ihm möglich, seine Schriftstellerei unter dürftigen Verhältnissen weiter zu betreiben. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges verschlechterte sich seine wirtschaftliche Lage dramatisch. Am des 6. September 1916 verstarb er in seiner Wiener Wohnung an einem Schlaganfall.
Gangl wurde in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Baumgartner Friedhof beigesetzt (Gruppe 22, Nummer 360). Eine Gedenktafel an seinem ehemaligen Wohnhaus in der Schönbrunner Straße in Wien-Meidling erinnert an ihn. Die Josef-Gangl-Gasse in Wien-Hietzing wurde 1932 nach ihm benannt.Nach Deutsche Böhmerwald-Zeitung, Jg. 1931, Nr. 15
Werke
Geschichten aus dem Böhmerwald. Budweis 1895. Heirat und rasche Scheidung. 1899. Die ihn liebten und andere Erzählungen. Verlag J. Singer, Berlin 1908. Neudruck Henricus, Berlin 2018, ISBN 978-3-7437-2808-0. Am Ende der Welt und andere Geschichten aus dem Böhmerwalde. Verlag J. Singer, Berlin 1907. Der letzte Baum. Roman. Habbel, Regensburg 1908. Neuauflage Ohetaler Verlag, Grafenau 2017. Und sie liebten sich doch. Verlag Habbel, Regensburg 1909. Die deutsche Himmelmutter. Roman, Verlag Habbel Regensburg 1909. Die Wunderflur und andere Geschichten. Verlag Habbel Regensburg 1912. Mein Berg. Verlag Hecht, München 1912. Mein Amsellied. Verlagsanstalt Dr. Ed. Rose, Neurode, Leipzig 1913. Markus der Tor. Roman. Verlag Habbel, Regensburg 1913. Neudruck: Henricus, Berlin 2018, ISBN 978-3-7437-2861-5. Mutters Bett. Verlag Hausen, Saarlouis 1916. Das Schwabenhaus im Buchenland. Verlag Hausen, Saarlouis 1916. Ein deutscher Sieg. Sammlung Kriegsnovellen, Gladbach 1916. Das Glück im Bettelsack. Hrsg. von Heinrich Mohr, Paulinus-Druckerei, Trier 1940. Der zertrümmerte Pflug. Hrsg. von Heinrich Mohr, Herder, Freiburg 1942. Sammelband: Mein Berg, Verdächtig, Der zertrümmerte Pflug, Neudruck Henricus, Berlin 2018, ISBN 978-3-7437-2863-9. Der letzte Tanz, Dreißig Erzählungen aus dem Böhmerwald, Henricus, Berlin 2018, ISBN 978-3-7437-2806-6.
Erzählungen Losgesagt Unerhört Die Welt des Weisen Die Belagerung von Lochwitz Liserls Wallfahrt Der Trutzball Allermanns Lies (Erschienen 1911 in der Anthologie deutschböhmischer Dichter Sprossende Saat, Hrsg. Johann Pilz und Hans Hajek, Wien)
Namensvetter Josef Gangl, Major in der Wehrmacht, fiel am 5. Mai 1945 am Tor von Schloss Itter.
Literatur
Berta Lahm: Der Böhmerwalddichter Josef Gangl. Eine Monographie. Dissertation, Wien 1937. Alois Groszschopf: Josef Gangl, ein Lebensbild und das bäuerliche Volkstum in seinen Werken. Dissertation, Prag 1939. Hans Giebisch, Ludwig Pichler, Kurt Vancsa (Hrsg.): Kleines österreichisches Literaturlexikon. Brüder Hollinek, Wien 1948. Jiří Záloha: Der vergessene Schriftsteller Josef Gangl. In: Václav Maidl (Hrsg.): Literárni Sympozium Znovuobjevená Šumava - na Tradice Bohatá Evropská Kulturni Oblast. Dragon Press, Klatovy 1996 Erhard Joseph Knobloch. Kleines Handlexikon Deutsche Literatur in Böhmen-Mähren-Schlesien von den Anfängen bis heute. München 1976 (Zweite, ergänzte und erweiterte Auflage) Josef Mühlberger (Hg.). Erzählungen aus dem Sudetenland. Himberg bei Wien 1974 (Neu- und Lizenzauflagen 1980 + 1989): S. 299
Weblinks
Josef Gangl. In: kohoutikriz.org, Des Waldes Widerhall (Fotos mit tschechischen Kommentaren).
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Österreich) Kategorie:Heimatliteratur Kategorie:Schriftsteller (Wien) Kategorie:Person (Böhmerwald) Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Person (Königreich Böhmen) Kategorie:Geboren 1868 Kategorie:Gestorben 1916 Kategorie:Mann