thumb|Myrmecia gulosa Myrmecia ist eine Gattung der Bulldoggenameisen (Myrmeciinae) innerhalb der Familie der Ameisen (Formicidae). Die Arten von Myrmecia sind ausschließlich in Australien verbreitet, die einzige Ausnahme hierzu bildet Myrmecia apicalis, die in Neukaledonien vorkommt. Myrmecia-Arten zählen zu den ursprünglichsten Ameisenarten der Welt.
Merkmale Ameisen der Gattung Myrmecia können zwischen 6 und 40 Millimeter lang werden. Sie unterscheiden sich von den anderen Ameisengattungen durch ihre langen, geraden Mandibeln, ihre relativ großen Augen und ihre hellrote oder orange Farbgebung. Ähnlich wie bei Knotenameisen (Myrmicinae) besteht bei ihnen das Stielchenglied (Petiolus), welches Mesosoma und Hinterleib verbindet, aus zwei Teilen (Petiolus und Postpetiolus), statt einem Teil wie sonst bei Ameisen üblich.
Die meisten Arten von Myrmecia besitzen große, geflügelte Königinnen, die nach dem Hochzeitsflug an geeigneter Stelle einen eigenen neuen Staat bilden. Manche Arten besitzen jedoch ergatogyne Königinnen, die sich morphologisch wenig von den Arbeiterinnen unterscheiden. Wieder andere Arten sind zeitweise Sozialparasiten und bauen einen neuen Staat durch Invasion eines Nestes einer anderen Art und Töten der ansässigen Königin auf. Eine Art hat ihre Arbeiterkaste völlig verloren und Königinnen sowie Männchen finden sich permanent in Nestern anderer Arten.
Verbreitung Neuere Studien vermuten, dass die ersten Arten von Myrmecia vor mindestens 100 Millionen Jahren mit der Vermehrung von Blütenpflanzen erstmals aufgetreten sind. Anhand von fossilen Funden ist bekannt, dass die Arten dieser Gattung einst über den gesamten Erdball verbreitet waren, heute kommen sie aber nur mehr in Australien und Neukaledonien vor. Die Art Myrmecia brevinoda wurde in den 1940er Jahren in Neuseeland eingeschleppt, aber vor Ort seit 1981 nicht mehr gesichtet und gilt dort als ausgestorben.
Verhalten Die Individuen der Gattung Myrmecia zeigen für Ameisen einige archetypische und zum Teil etwas primitive Verhaltensweisen. Die Arbeiterinnen jagen einzeln und zeitweise unkooperativ. Sie besitzen jedoch ein vergleichsweise sehr gutes Sehvermögen, was ihnen Vorteile bei der Jagd verschafft. Die Ameisen jagen meist am Boden oder in niedriger Vegetation und hauptsächlich tagsüber, einige Arten sind aber auch nachtaktiv. Sie sammeln sowohl Nektar und Pflanzensäfte, als auch kleine Wirbellose, wobei letztere an die Larven verfüttert werden.
Das Sozialverhalten der Ameisen ist im Vergleich zu fortschrittlicheren Arten wenig ausgeprägt. Eine Rekrutierung findet nicht statt, die Ameisen können auch keine chemischen Signale (Pheromone) für ihre Nestkollegen absondern und reagieren auch nicht auf solche.
Die Nester sind unterirdisch angelegt und haben oft kleine und versteckte Eingänge, die typischerweise mit trockenem Pflanzenmaterial und Erde bedeckt sind. Ein paar Arten bauen ihre Nester in verrotteten Baumstämmen, eine Art, die in den nördlichen Regenwäldern Australiens einheimisch ist, auch auf Bäumen in epiphytischen Farnen. Die meisten Nester sind klein mit einigen Hundert Arbeiterinnen, manche Gemeinschaften können aber auch Tausende von Individuen umfassen. Die Nester werden sehr aggressiv verteidigt.
Ihr Gift produzieren die Ameisen im Hinterleib in speziellen Drüsen. Beim Stich krümmt die Ameise den Bauch und injiziert so das Gift durch den Stachel. Meist wird das Opfer dabei mit Hilfe der Mandibeln festgehalten. Manchmal wird dem Opfer durch einen Biss erst eine Wunde beigebracht, in die daraufhin das Gift gespritzt wird. Die Ameisen können mehrere Stiche hintereinander verabreichen, was auch oft geschieht. Der Stich kann beim Menschen zu starken Schmerzen führen. In manchen Fällen können auch allergische Reaktionen (anaphylaktischer Schock) auftreten, die sogar zum Tod führen können. Im Zeitraum zwischen 1980 und 1999 gab es in Australien sechs Todesfälle durch Insektenstiche der Gattung Myrmecia.
Systematik Es gibt etwa 90 Arten innerhalb der Gattung Myrmecia. Der Gattungsname leitet sich vom altgriechischen Wort μυρμήκος („myrmecos“) für Ameise ab.
Myrmecia aberrans Forel, 1900 Myrmecia acuta Ogata & Taylor, 1991 Myrmecia analis Mayr, 1862 Myrmecia apicalis Emery, 1883 Myrmecia arnoldi Clark, 1951 Myrmecia athertonensis Forel, 1915 Myrmecia auriventris Mayr, 1870 Myrmecia borealis Ogata & Taylor, 1991 Myrmecia brevinoda Forel, 1910 Myrmecia browningi Ogata & Taylor, 1991 Myrmecia callima (Clark, 1943) Myrmecia cephalotes (Clark, 1943) Myrmecia chasei Forel, 1894 Myrmecia chrysogaster (Clark, 1943) Myrmecia clarki Crawley, 1922 Myrmecia comata Clark, 1951 Myrmecia croslandi Taylor, 1991 Myrmecia cydista (Clark, 1943) Myrmecia desertorum Wheeler, 1915 Myrmecia dichospila Clark, 1938 Myrmecia dimidiata Clark, 1951 Myrmecia dispar (Clark, 1951) Myrmecia elegans (Clark, 1943) Myrmecia erecta Ogata & Taylor, 1991 Myrmecia esuriens Fabricius, 1804 Myrmecia eungellensis Ogata & Taylor, 1991 Myrmecia exigua (Clark, 1943) Myrmecia fabricii Ogata & Taylor, 1991 Myrmecia ferruginea Mayr, 1876 Myrmecia flammicollis Brown, 1953 Myrmecia flavicoma Roger, 1861 Myrmecia forceps Roger, 1861 Myrmecia forficata (Fabricius, 1787) Myrmecia formosa Wheeler, 1933 Myrmecia froggatti Forel, 1910 Myrmecia fucosa Clark, 1934 Myrmecia fulgida Clark, 1951 Myrmecia fulviculis Forel, 1913 Myrmecia fulvipes Roger, 1861 Myrmecia fuscipes Clark, 1951 Myrmecia gilberti Forel, 1910 Myrmecia gratiosa Clark, 1951 Myrmecia gulosa (Fabricius, 1775) Myrmecia harderi Forel, 1910 Myrmecia hilli (Clark, 1943) Myrmecia hirsuta Clark, 1951 Myrmecia infima Forel, 1900 Myrmecia inquilina Douglas & Brown, 1959 Myrmecia loweryi Ogata & Taylor, 1991 Myrmecia ludlowi Crawley, 1922 Myrmecia luteiforceps Wheeler, 1933 Myrmecia mandibularis Smith, 1858 Myrmecia maura Wheeler, 1933 Myrmecia maxima Moore, 1842 Myrmecia michaelseni Forel, 1907 Myrmecia midas Clark, 1951 Myrmecia minuscula Forel, 1915 Myrmecia mjobergi Forel, 1915 Myrmecia nigra Forel, 1907 Myrmecia nigriceps Mayr, 1862 Myrmecia nigriscapa Roger, 1861 Myrmecia nigrocincta Smith, 1858 Myrmecia nobilis (Clark, 1943) Myrmecia occidentalis (Clark, 1943) Myrmecia pavida Clark, 1951 Myrmecia petiolata Emery, 1895 Myrmecia picta Smith, 1858 Myrmecia picticeps Clark, 1951 Myrmecia piliventris Smith, 1858 Myrmecia pilosula Smith, 1858 Myrmecia potteri (Clark, 1951) Myrmecia pulchra Clark, 1929 Myrmecia pyriformis Smith, 1858 Myrmecia queenslandica Forel, 1915 Myrmecia regularis Crawley, 1925 Myrmecia rowlandi Forel, 1910 Myrmecia rubicunda (Clark, 1943) Myrmecia rubripes Clark, 1951 Myrmecia rufinodis Smith, 1858 Myrmecia rugosa Wheeler, 1933 Myrmecia simillima Smith, 1858 Myrmecia subfasciata Viehmeyer, 1924 Myrmecia swalei Crawley, 1922 Myrmecia tarsata Smith, 1858 Myrmecia tepperi Emery, 1898 Myrmecia testaceipes (Clark, 1943) Myrmecia tridentata Ogata & Taylor, 1991 Myrmecia urens Lowne, 1865 Myrmecia varians Mayr, 1876 Myrmecia vindex Smith, 1858
Quellen Einzelnachweise
Literatur
Weblinks
Kategorie:Ameisen Kategorie:Formicidae