Gesellschaft: JR East

Die Shin’etsu-Hauptlinie (jap. ) ist eine Eisenbahnstrecke in Japan. Sie verläuft von Takasaki in der Präfektur Gunma über Nagano nach Niigata in der Präfektur Niigata. Dabei stellt sie eine wichtige Verbindung durch das gebirgige Zentrum der Hauptinsel Honshū her. Sie war einst vor allem für den mit Zahnstange ausgestatteten Gebirgsbahnabschnitt über den Usui-Pass bekannt. Anlässlich der Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke Hokuriku-Shinkansen, die in der südlichen Hälfte nahezu parallel verläuft, wurde die Shin’etsu-Hauptlinie 1997 in betrieblicher Hinsicht dreigeteilt und der Abschnitt über den Usui-Pass stillgelegt. 2015 trat JR East weitere Abschnitte an andere Bahngesellschaften ab. Seither wird die Shin’etsu-Hauptlinie abschnittsweise auch von der Shinano Tetsudō und der Echigo Tokimeki Tetsudō betrieben. Der Name der Strecke setzt sich aus dem jeweils ersten Kanji-Schriftzeichen der alten Provinzen Shinano () und Echigo (), die den heutigen Provinzen Nagano und (teilweise) Niigata entsprechen.

Aufteilung in Sektionen Bis zu ihrer Aufteilung in den Jahren 1997 und 2014 hatte die Shin’etsu-Hauptlinie eine Gesamtlänge von 326,6 km zwischen Takasaki und Niigata. Heute sind die von JR East betriebenen Streckenabschnitte insgesamt 175,3 km lang. Betrieblich ist die Shin’etsu-Hauptlinie in sechs Sektionen geteilt, wobei drei bei JR East verblieben sind. Zwei wurden aufgrund des Parallelverkehrs mit der Schnellfahrstrecke Hokuriku-Shinkansen an die Shinano Tetsudō übertragen und eine an die Echigo Tokimeki Tetsudō. Hinzu kommt die Stilllegung des Abschnitts am Usui-Pass. Dies ergibt folgtende Aufteilung:

Verlauf Länge ursprünglich Datum neuer Betreiber neuer Name Takasaki – Yokokawa 29,7 km JR East JR East Yokokawa – Karuizawa (Usui-Pass) 11,2 km 1. Oktober 1997 stillgelegt (teilweise Usui-tōge Tetsudō Bunkamura) Karuizawa – Shinonoi 65,1 km 1. Oktober 1997 Shinano Tetsudō Shinano-Linie Shinonoi – Nagano 9,3 km JR East Nagano – Myōkō-Kōgen 37,3 km 14. März 2015 Shinano Tetsudō Kita-Shinano-Linie Myōkō-Kōgen – Naoetsu 37,7 km 14. März 2015 Echigo Tokimeki Tetsudō Myōkō-Haneuma-Linie Naoetsu – Niigata 136,3 km JR East Gesamtstrecke 326,6 km

Streckenbeschreibung Das folgende Kapitel befasst sich ausschließlich mit den von JR East betriebenen Streckenteilen. Die übrigen werden in den Streckenartikeln der entsprechenden Bahngesellschaften beschrieben. Allen gemeinsam ist, dass sie in Kapspur (1067 mm) verlegt, mit 1500 V Gleichspannung elektrifiziert und zweigleisig ausgebaut sind.

Der am östlichsten gelegene Abschnitt von 29,7 km Länge befindet sich vollständig auf dem Gebiet der Präfektur Gunma. Ausgangspunkt ist der Bahnhof Yokokawa, ein bedeutender Eisenbahnknoten. Die Strecke folgt zunächst etwa ein Kilometer weit der Trasse der Jōetsu-Shinkansen und der Jōetsu-Linie. Sie biegt anschließend nach Westen ab, überbrückt den Karasu und folgt dem relativ flachen und dicht besiedelten Usui-Tal. Ab Nishi-Matsuida verengt sich das Tal zusehend. Der Streckenabschnitt endet im Bahnhof Yokokawa, wo sich auf dem Gelände des früheren Betriebsbahnhofs der Themenpark Usui-tōge Tetsudō Bunkamura. Hier begann die 1997 stillgelegte Steilstrecke über den Usui-Pass. Der Abschnitt Takasaki–Yokokawa umfasst acht Bahnhöfe und ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h ausgelegt.

Lediglich 9,3 km lang ist der zweite Abschnitt von JR East, der vollständig auf dem Gebiet der Präfekturhauptstadt Nagano liegt. Durch das Nagano-Becken verlaufend, verbindet er den Bahnhof Shinonoi mit dem Bahnhof Nagano; er kann auch als Fortsetzung der von Matsumoto her kommenden Shinonoi-Linie betrachtet werden. Es werden fünf Bahnhöfe bedient, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 120 km/h.

Der mit Abstand längste bei JR East verbliebene Abschnitt der Shin’etsu-Hauptlinie ist 136,3 km lang und verbindet Naoetsu mit Niigata. Zusammen mit der in Naoetsu endenden Hokuriku-Hauptlinie bildet er einen wichtigen Abschnitt der Eisenbahnachse entlang des Japanischen Meers. Nach der Überbrückung des Seki folgt die Strecke der Küste in nordöstlicher Richtung und in einem Abstand von etwa einem halben Kilometer. Zwischen Kakizaki und Kujiranami, wo das Yoneyama-Massiv bis ans Meer reicht, verläuft die Trasse unmittelbar der Küste entlang. Bei Kashiwazaki wendet sie sich vorübergehend nach Osten ins Landesinnere und durchquert zwei Hügelzüge, ehe sie den Shinano quert und bei Nagaoka die Echigo-Ebene erreicht. Die Shin’etsu-Linie folgt danach dem östlichen Rand der weitläufigen Ebene bis Niitsu. Nahe am Agano vorbei wird schließlich Niigata erreicht. Es werden 42 Bahnhöfe bedient, die Strecke ist auf Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h ausgerichtet.

Zugangebot

Personenverkehr Der Intercity-Verkehr von der Hauptstadtregion zu den Städten entlang der Shin’etsu-Hauptlinie in der Präfektur Nagano wurde mit der Eröffnung der Hokuriku-Shinkansen und der Teilung der Strecke eingestellt. Auf dem Abschnitt zwischen Takasaki und Yokokawa fahren Nahverkehrszüge im Stundentakt, der morgens und abends zu einem Halbstundentakt verdichtet wird. An Wochenenden und Feiertagen verkehrt zwischen beiden Bahnhöfen der Sonderzug SL Gunma Yokokawa, der von einer Dampflokomotive der Baureihe D51 oder C61 gezogen wird.

Der kurze Streckenabschnitt der Shin'etsu-Hauptlinie zwischen Shinonoi und Nagano verblieb vor allem deswegen bei JR East, um die Züge der Shinonoi-Linie nach Nagano durchbinden zu können. Diese halten mehrheitlich nur in Shinonoi und Nagano, wenige Züge auch in Kawanakajima. Auch der zwischen Nagano und Nagoya verkehrende Schnellzug Shinano nutzt diesen Streckenabschnitt. Den Nahverkehrs übernimmt hier die Shinano Tetsudō, deren Züge an allen Zwischenstationen halten.

Auf dem Streckenabschnitt zwischen Naoetsu und Niigata bietet JR East trotz des auch hier bestehenden Konkurrenzverhältnisses zu Shinkansen-Strecken zwei Schnellzug-Gattungen an. Ihre Aufgabe besteht hauptsächlich darin, größere Orte innerhalb der Präfektur Niigata miteinander zu verbinden. Den Shirayuki betreibt JR East gemeinsam mit der Echigo Tokimeki Tetsudō. Vier Zugpaare täglich verbinden Niigata mit Nagaoka, Naoetsu und Myōkō-Kōgen; davon fahren zwei weiter bis nach Arai. Die Kaisoku (Rapid) verkehren je Richtung bis zu fünfmal Mal täglich, aufgeteilt auf die Verbindungen Naoetsu–Niigata, Naoetsu–Nagaoka und Nagaoka–Niigata. Der Nahverkehr wird in Nagaoka fast vollständig getrennt. Von dort nach Nagaoka fährt ungefähr alle in bis zwei Stunden ein Zug, in Richtung Niitsu etwa einmal stündlich (morgens und abends jedoch häufiger). Auf dem Abschnitt Niitsu–Niigata wird tagsüber ein 20-Minuten-Takt angeboten, während der Hauptverkehrszeit fährt etwa alle 10 bis 15 Minuten ein Nahverkehrszug.

Güterverkehr Der durchgehende Schienengüterverkehr zwischen der Hauptstadtregion und der Präfektur Nagano sowie von und nach Niigata wird auf der Jōetsu-Linie abgewickelt.

Ab dem Bahnhof Annaka (auf halbem Weg zwischen Takaski und Yokokawa gelegen) fahrt einmal täglich ein Express-Güterzug der Bahngesellschaft Fukushima Rinkai Tetsudō für den Transport von Erzen zum Güterbahnhof Onahama bei Iwaki in der Präfektur Fukushima, wo unter anderem die Tōhō Aen eine Zinkhütte betreibt.貨物時刻表 平成27年3月ダイヤ改正. Tetsudō Kamotsu Kyōkai, 2015, S. 135–136. Werktäglich verbinden zwei Express-Güterzüge von JR Freight den Containerbahnhof Kita-Nagano mit den Ballungsräumen von Tokio und Nagoya, wobei sie den Abschnitt Nagano–Shinonoi befahren.貨物時刻表 平成27年3月ダイヤ改正. Tetsudō Kamotsu Kyōkai, 2015, S. 118.

Der Abschnitt Naoetsu–Niigata ist Teil einer durchgehenden Schienenverbindung entlang des Japanischen Meeres, die von JR Freight rege genutzt wird. Die meisten hier verkehrenden Güterzüge sind Containerzüge, die von Elektrolokomotiven der Baureihe EF510 gezogen werden. Abgefertigt werden die Container in den Bahnhöfen Kuroi, Kashiwazaki und Minami-Nagaoka sowie im Güterbahnhof Niigata.貨物時刻表 平成27年3月ダイヤ改正. Tetsudō Kamotsu Kyōkai, 2015, S. 58–59.

Bilder

Geschichte

Streckenbau Inoue Masaru, der erste staatliche Eisenbahndirektor des Landes, plante in den 1870er Jahren eine Schienenverbindung zwischen Kantō und Kinki, den beiden bedeutendsten Regionen des Landes. Sie sollte ursprünglich nicht der Küste entlang führen (entsprechend der heutigen Tōkaidō-Hauptlinie), sondern im Landesinnern der alten Poststraße Nakasendō folgen. Sie sollte in Takasaki an die Takasaki-Linie der Nippon Tetsudō anschließen und danach durch das Gebirge bis Ōgaki führen, wo Anschluss an die bestehende Strecke nach Kōbe bestand. Vorgesehen war auch eine Zweigstrecke von Naoetsu nach Ueda, um den Transport von Baumaterial vom Japanischen Meer her zu erleichtern. Die Pläne änderten sich mehrmals, bis die konkreten Streckenführungen der Shin’etsu-Hauptlinie und der später gebauten Chūō-Hauptlinie schließlich feststanden.Free: Early Japanese Railways 1853–1914, 110–111.

Die staatliche Eisenbahnbehörde eröffnete am 15. Oktober 1885 als erstes den Abschnitt vom Bahnhof Takasaki durch das Usui-Tal nach Yokokawa. Weitere Teilstrecken entstanden von Norden her. Zunächst ging am 15. August 1886 das Teilstück zwischen dem Bahnhof Naoetsu und Sekiyama in Betrieb. Am 1. Mai 1888 reichte die Strecke bis Nagano, am 15. August 1888 bis zum Bahnhof Ueda und am 1. Dezember 1888 bis Karuizawa.Sone: 信越本線, S. 20. Ausstehend war der Abschnitt Yokokawa–Karuizawa, wobei der steile Anstieg zum Usui-Pass mit einem Höhenunterschied von 569 Metern auf zehn Kilometern Luftlinie eine technische Herausforderung für die Ingenieure darstellte. Um die Zeit bis zur Fertigstellung des Gebirgsbahnabschnitts zu überbrücken, entstand eine Pferdebahn entlang der Nationalstraße 18, die den Betrieb am 5. September 1888 aufnahm. Der Verkehr entwickelte sich gut, aber die Pferde wurden stark beansprucht und mussten auf der zweieinhalb Stunden dauernden Fahrt jeweils zweimal ausgewechselt werden. Ebenso war die Kapazität insbesondere beim Güterverkehr bei weitem nicht ausreichend.

Eine reine Adhäsionsbahn auf den Usui-Pass wäre für die damaligen Lokomotiven zu steil gewesen. Deshalb begann im April 1891 der Bau einer Zahnradbahnstrecke des Systems Abt mit dreilamelliger Zahnstange, nach dem Vorbild der Harzbahn in Deutschland. Auf einer Länge von 11,2 km entstanden 18 Brücken und 26 Tunnel, die Steigung betrug vielerorts bis zu 66,7 Promille. Hinzu kam ungefähr in der Mitte der Betriebsbahnhof Kumanotaira mit Kohle- und Wasserstation. Nach fast zwei Jahren Bauzeit ging der Abschnitt Yokokawa–Karuizawa am 1. April 1893 in Betrieb; damit war auch die Verbindung Takasaki–Naoetsu durchgehend befahrbar. Am selben Tag wurde die Pferdebahn eingestellt. Für den Zahnradbahnbetrieb waren Lokomotiven der Maschinenfabrik Esslingen importiert worden, doch bald stellte sich heraus, dass sie nur etwa zwei Drittel der versprochenen Leistung erbrachten. 1895 wurden sie deshalb durch weitere Lokomotiven von Beyer, Peacock & Co ergänzt.Free: Early Japanese Railways 1853–1914, 164–165.

Die Eisenbahnbehörde konzentrierte sich nach der Bewältigung des Usui-Passes auf den Bau der Chūō-Hauptlinie und vertröstete wiederholt die Präfektur Niigata, die auf einen Weiterbau nordostwärts in Richtung der Hafenstadt Niigata gedrängt hatten. Aus diesem Grund erfolgte Ende 1895 die Gründung der privaten Bahngesellschaft Hokuetsu Tetsudō. Diese begann kurz darauf mit dem Streckenbau und eröffnete am 13. Mai 1897 den Abschnitt Kasugashinden–Yoneyama. Es folgten Yoneyama–Kashiwazaki am 1. August 1897, Kashiwazaki–Kitajō und Nuttari–Higashi-Sanjō am 20. November 1897, Higashi-Sanjō–Nagaoka am 16. Juni 1898, Kitajō–Nagaoka am 27. Dezember 1898 und Naoetsu–Kasugashinden am 5. September 1899. Die fehlenden 1,9 km von Nuttari zum ersten Bahnhof Niigata ließen bis zum 3. Mai 1904 auf sich warten.Sone: 信越本線, S. 21.

Weitere Ausbauten mini|links|Zug am Usui-Pass mit zwei E-Loks (1914) mini|links|Unfall in Kumanotaira (1918)