thumb|Russell Garcia in Kerikeri, 2009 Russell „Russ“ Garcia (* 12. April 1916 in Oakland, Kalifornien; † 20. November 2011 in Kerikeri, NeuseelandComposer Russ Garcia, 95, dies (englisch)) war ein US-amerikanisch-neuseeländischer Komponist, Arrangeur und Dirigent auf den Gebieten des Jazz, des Pop und der Filmmusik.
Leben und Werk Dem musikalischen Autodidakten Russ Garcia gelang der Durchbruch, als er während einer Radiosendung für einen kranken Kollegen einspringen musste. Danach wurde Garcia als Komponist und Arrangeur unter anderem von den NBC Studios verpflichtet. Zu seinen bekannteren Werken gehören die Melodien zu den Fernsehserien Laredo und Tausend Meilen Staub. Er hat auch für die MGM- und Universal-Studios gearbeitet. Garcias vielfältigste und wohl auch noch heute bekannteste Filmmusik entsprang der Zusammenarbeit mit George Pal für Die Zeitmaschine aus dem Jahr 1960. Garcia arbeitete in Hollywood für die verschiedensten Sänger und Musiker, wie Ella Fitzgerald, Louis Armstrong, Anita O’Day, Mel Tormé, Julie London, Oscar Peterson, Stan Kenton, Maynard Ferguson. Im Filmbereich zählten Walt Disney, Orson Welles, Jane Wyman, Ronald Reagan, Andy Williams, Judy Garland, Henry Mancini und Charles Chaplin zu seinen Auftraggebern; im Jazzbereich war er insbesondere für Norman Granz und dessen Label The Verve Music Group tätig. Insbesondere arrangierte er für sie Musik oder dirigierte das Orchester.Charmed Life: Shaynee Rainbolt Sings Russell Garcia Begleitheft zu Charmed Life: Shaynee Rainbolt SINGS Russell Garcia (englisch)
Russell Garcia hat bei vielen Filmen an der Musik in der einen oder anderen Funktion (Arrangeur, Komponist oder Dirigent) mitgewirkt, ohne offiziell in den Credits genannt worden zu sein. So ist seine Mitwirkung als Arrangeur bei Charlie Chaplins Film Rampenlicht von 1952 bis heute weitgehend unbekannt geblieben. Als die Musik 1972 einen Oscar in der Kategorie „Beste Filmmusik“ erhielt, ging die Auszeichnung an Chaplin, Ray Rasch und Larry Russell, aber nicht an Garcia, was bis heute zu einer nicht vollständig geklärten Kontroverse geführt hat. (englisch)
Seit 1955 war Garcia Anhänger der Bahai-Religion. 1966 verkaufte er sein Hab und Gut und zog mit seiner Frau Gina von Hollywood weg, obwohl er dort eine erfolgreiche Karriere aufgebaut hatte. Sie kauften sich ein Segelboot, mit dem sie den Pazifischen Ozean durchquerten. 1969 ließen sie sich in Neuseeland nieder. Ab 2008 lebte das Ehepaar Garcia in Tangitu Bay, einige Kilometer von Kerikeri entfernt, wo Russell Garcia immer noch als Musiker arbeitete. Im Rahmen einer Welttournee trat er am 29. August 2008 in Ried in Österreich auf. Charmed Life: Shaynee Rainbolt Sings Russell Garcia war eine seiner letzten CD-Veröffentlichungen (2009) und enthält Neuaufnahmen einiger seiner älteren Titel. 2013 veröffentlichte Garcias Witwe Gina seine Erinnerungen unter dem Titel I Have Hundreds of Stories, Some of Them True.
Ehrungen Am Memorial Day Wochenende 2003 war Garcia mit Buddy Childers Ehrengast bei der Veranstaltung Contemporary Concepts Presented - A 4 Day Jazz Festival Celebrating The West Coast Big Band Sound in Concert in Los Angeles.Russell Garcia and Buddy Childers in Concert (englisch)
Am 27. Mai 2005 ehrte das Los Angeles Jazz Institut Garcia für seine Verdienste um die Jazz-Musik während der vergangenen 60 Jahre.L. A. Jazz Institute honors Russell Garcia (englisch)
Zusammen mit seiner Ehefrau Gina erhielt Garcia im Jahr 2009 The Queen’s Service Medal (Q. S. M.) in Anerkennung ihrer Verdienste um die Musik in Neuseeland. (englisch)Beck Vass: Honours List. Kids' smiles outshine Tinseltown. In: The New Zealand Herald. 31. Dezember 2008. (englisch)2009 Investitures at Government House Auckland (englisch)
Musikalben (Auswahl) 1955: Wigville 1955: Four Horns and a Lush Life 1956: The Johnny Evergreens 1956: Peggy Connelly with Russ Garcia – That Old Black Magic 1956: The Complete Porgy and Bess 1957: Louis Armstrong/Ella Fitzgerald: Porgy and Bess 1957: The Warm Feeling 1957: Listen to the Music of Russell Garcia 1957: Julie London: Make Love to Me 1958: Anita O’Day: Anita Sings the Winners 1959: Ella Fitzgerald: Get Happy! 1959: Jazz Music for Birds and Hep Cats 1959: Fantastica: Music From Outer Space 1960: Stan Getz: Cool Velvet 1960: Swingin' On the Moon 1960: Soubrette Sings Broadway Hit Songs 1979: Variations for Flugelhorn, String Quartet, Bass & Drums 1986: Jazz Variations 2002: The Unquenchable Flame 2009: Charmed Life: Shaynee Rainbolt Sings Russell Garcia
Filmmusik (Auswahl)
Schriften The Professional Arranger Composer. 2 Bände. Criterion Music Corporation, New York 1954. (englisch)
Literatur Randall D. Larson: Past, Present and Future. The Film Music of Russell Garcia. (englisch, Interview erstmals in Soundtrack! erschienen) Matthias Büdinger: Russell Garcia. The Man For All Seasons. Part I: The Time Machine. In: Soundtrack! Vol. 6 (1987) No. 23. S. 25–27. (englisch) Matthias Büdinger: Russell Garcia. The Man For All Seasons. [Part II.] In: Soundtrack! Vol. 11 (1992) Nr. 44. S. 18–21. (englisch) Janet McAllister: The immortal Russ Garcia. In: New Zealand Listener (2006).
Weblinks
Marc Myers: Interview: Russ Garcia. Part 1. In: Jazz Wax (17. September 2008) (englisch) Marc Myers: Interview: Russ Garcia. Part 2. In: Jazz Wax (18. September 2008) (englisch) Marc Myers: The Case of the Misplaced Oscar. In: Jazz Wax (19. September 2008) (englisch) Russel Garcia. In: The Time Machine Project. Offizielle Website von Don und Mary Coleman zum Film The Time Machine von 1960 (englisch) SoundTrackNet (englisch) Interview (englisch) LA Jazz Institute (englisch)
Einzelnachweise
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