mini|Menschentraube Leute ist ein geschlechtsneutrales Pluralwort (Pluraletantum) für Personen. Auch in Wortzusammensetzungen kann es als Pluralform verwendet werden: Kaufmann/Kauffrau → Kaufleute.
Wortherkunft Abgeleitet ist „Leute“ vom althochdeutschen Wort , mit männlichem, sächlichem oder weiblichem grammatikalischen Geschlecht, zum einen als Plural in der Bedeutung „Leute, Bevölkerung, Menschen“, seltener im Singular für eine Einzelperson „Mensch, Volksgenosse“, im Besonderen steht das Wort im Singular aber für „Volk, Volksgruppe“, d. h. ein Kollektiv in hierarchischer, ethnischer, religiöser, politischer, staatlicher und/oder kultureller Hinsicht, nach Grimm entsprechend. Auch mittelhochdeutsch steht noch und „Volk“, zunehmend aber im Plural „Menschen“, . Der Singular ist dann abgegangen.
Grammatik Der Grammatikduden von 2016 führt Leute als Pluraletantum (Pluralwort ohne Singularform und ohne grammatisches Geschlecht) in der „Klasse A […] Personenbezeichnungen, die nur sexusindifferent gebraucht werden“ (der Mensch, die Person, das Kind). Mit der Endung -leute kann der geschlechterübergreifende Plural von Zusammensetzungen mit -mann gebildet werden: Seemann → Seeleute; Hauptmann → Hauptleute. Auch der Plural von -mann/-frau wird mit der Endung gebildet: Fachmann/Fachfrau → Fachleute; Feuerwehrmann/Feuerwehrfrau → Feuerwehrleute.Angelika Wöllstein, Duden-Redaktion (Hrsg.): Duden: Die Grammatik (= Der Duden. Band 4/12). 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-411-04049-0, S. 158–159, Randnummer 236.
Bedeutung Bis heute bezeichnet es (veraltend) die Bevölkerung eines Gebietes oder Landes,Grimm: Leute 5) leute, die bewohner eines landes oder landstriches, einer gemeinde redensartlich z. B. in „Land und Leute“, in diesem Sinn ist es Titelbestandteil in zahlreichen Werken (so z. B. in Die Leute von Seldwyla von Gottfried Keller) – die exakte Bedeutung der Wendung „Land und Leute“ ist ‚Glieder des Volks‘,Grimm: Leute 3) die ursprüngliche bedeutung von leute, volksgenossen, glieder des volksschon ahd.: Heliand 354; zit. n. Grimm: Leute 3) also ‚das Volk als Ganzes, Volkskörper‘, und das insbesondere in ausdrücklicher Abgrenzung zu einem Herrscher: „das gemeine Volk“.Grimm: Leute 9)
Auch engt sich der Begriff auf die eigene Familie,Grimm: Leute 7) die Nahestehenden (leutselig, leutscheu) oder die AbhängigenGrimm: Leute 10) leute, gesamtheit abhängiger oder dienender ein, veraltend etwa das Gesinde auf Gütern und Höfen (vgl. Leutekaffee), oder Leute ‚Kriegsvolk, Schar‘, wie Leuteschinder, ein ‚erbarmungsloser Vorgesetzter‘. Im heutigen Gebrauch bezeichnet „Leute“ dann allgemein das Gefolge, die Gefolgschaft, moderner die Anhängerschaft und das Team („er und seine Leute“), auch die Belegschaft („zusätzlich Leute einstellen“)Zitatauswahl nach In: wortschatz.uni-leipzig.de, abgerufen am 11. November 2020.
Unspezifisch steht es für Menschen ohne konkretere Angabe, etwa in „die Leute sagen …“, „sich unter die Leute mischen“, daneben findet auch die Pejoration ‚die Anderen, die Fremden‘,Grimm: Leute 8) überspitzt formuliert vom Humoristen:
Oder aber übersteigert positiv ‚die hervorragenden Menschen‘:Grimm: Leute 18 leute, in prägnantem sinne, rechte, hervorragende leute
Außerdem wird es zum Zählwort, als Plural zu einer in Bezug auf Mensch oder Person, und bildet einen Gegensatz zum Zählwort Mann, oder bleibt ganz unspezifisch:Grimm: Leute 12, 13 ein Mann, zwei Mann, zwanzig Mann (militär.), und Platz für zwanzig Personen, drei Menschen starben jeweils für die konkrete Anzahl, während aber ein paar Leute, Platz für viele Leute die Rolle des unbestimmten Numerals einnimmt (Ein paar Leute starben wäre respektlos formuliert)
Veraltet ist der Gebrauch als genereller Plural, der von Jakob und Wilhelm Grimm 1854 aufgeführt wird, etwa bei Frauensleute, Weibsleute. Hier findet sich auch noch ein rückgebildeter Singular: das Weiberleut ist eine Frau. 23: .
Namenkunde Im Sinne ‚Volk‘ in seinen Nuancen findet es sich auch in alten germanischstämmigen Namen, wo es in diesem Sinne interpretiert werden kann, ohne allzu präzisen Bezug zwischen den beiden Silben herzustellen: Liutbald – ‚Volk und kühn‘, daraus etwa Luitpold und Leopold Liutfrid – ‚Volk und Frieden‘ (etwa bei den Etichonen) Liutgard, Luitgard, Lütegard u. ä. – ‚Volk und Schutz‘ Liutger – ‚Volk und Speer‘, daraus über Lutger und Lutgar Formen wie Leodgar, Leodegar, Leodigar, Léger u. v. a. Liuthold, Liutold, Luit(h)old – ‚Volk und Segen‘ Die Vokaltauschung «iu» → «ui» mit Tendenz zum «ü» ist bemerkenswert und findet sich als solche auch in ‚deutsch‘ mhd. etwa tuitsch, dial. tütsch, das aus der rekonstruierten urgerm. Wurzel *Þeudō ebenfalls reich namengutbildend ist – wie auch die Wendung der beiden sinnverwandten Worte deutsche Leute ‚deutsches Volk‘ bis in die Neuzeit beliebt ist.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Personengruppenbezeichnung Kategorie:Suffix