mini|Auf der Glastür befinden sich die Namen bekannter ehemaliger Schüler und Lehrer mini|Ansicht Stubentor Blickrichtung Braunbastei mit daraufgebautem Palais Coburg – Situation vor Abriss der Basteien 1858. Bei den kleinen Häusern dazwischen wo die Bäume sichtbar sind, ist etwa der heutige Schulstandort mini|hochkant|Eingangsbereich innen mini|hochkant|Das in einem Schülerprojekt verhängte Kriegerdenkmal
Das Bundesgymnasium Stubenbastei, auch GRG Wien 1 genannt, ist ein seit 1872 bestehendes Gymnasium im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt. Das Schulgebäude steht unter .
Geschichte Vorläufiges Quartier in der Hegelgasse 3/Schellinggasse Eröffnet wurde die Schule durch kaiserliche Entschließung vom 13. Februar 1872 als Staatsgymnasium in der Inneren Stadt im Oktober des gleichen Jahres – provisorisch noch untergebracht im staatlichen Pädagogikum (= Lehrerbildungsanstalt) in der Schellinggasse 11, also nicht weit von ihrem heutigen Standort.die folgenden Daten sind alle entnommen aus Nowotny E. (1972): 100 Jahre Gymnasium Stubenbastei. S. 21 ff. Allerdings verzögerte die wirtschaftliche Entwicklung aufgrund des Wiener Börsenkrachs von 1873, dass ein weiterer Ausbau sofort stattfinden konnte. 1875 wurde dann die Schule als Verlängerung dieses Provisoriums und bis zur Errichtung ihres späteren eigenen Schulgebäudes in der Hegelgasse 3 in ein Wohnhaus eingemietet. Für die nun zur Verfügung stehende etwas größere Nutzfläche war ein Jahresmietzins von 13.000 Gulden (etwa 158.209 Euro) veranschlagt.
Der Ursprung der Schule liegt damit in der prosperierenden Epoche der Gründerzeit und des Baus der Wiener Ringstraße. Deren Bebauungszone beginnt mit ihrem geplanten StraßenrasterLage der Basteien auf heutigen Stadtplan projiziert geradewegs vor dem heutigen Schulstandort/Schultor auf der anderen Straßenseite der Stubenbastei.„Die Stubenbastei“ war eigentlich eine 1561 errichtete Kurtine, die von der Dominikanerbastei – durchbrochen vom Stubentor – bis zur Braunbastei reichte, bzw. gab es davor seit 1660 ein freistehendes Ravelin namens „Stubenschanze“ – demoliert 1821. In Stadtbeschreibungen ab etwa 1795 taucht diese Bezeichnung auch für die innerhalb der Mauern gelegene Häuserzeile auf. Die Demolierung dieser Mauer bis hin zum heutigen Palais Coburg und dem Wasserglacis erfolgte zwischen 9. April und 9. September 1862, der Graben wurde planiert und der Straßenzug dann so benannt. Aus: Czeike F.: Historisches Lexikon Wien. Band 5, 1997, S. 386. Die Schule erhielt 1879 den Namen k. k. Franz-Joseph-Gymnasium. Von Anfang an waren – wie die alten Kataloge (= Schülerakten / Notenbögen) zeigen – Schüler katholischen und mosaischen Glaubensbekenntnisses etwa gleich stark vertreten. Die Knaben entstammten dem Bürgertum. Die meisten Eltern der mosaischen Schüler waren überwiegend aus den Städten der benachbarten Kronländer zugezogen. Gerade in den ersten Jahrzehnten war die Schule daher ein Katalysator in dem Assimilationsprozess einer Migrantenschicht, der es sehr stark daran gelegen war, dass ihre Kinder – oft auch unter Entbehrungen – die Aufstiegschancen durch Bildung ergriffen.John Bunz, in Ratzenböck, Morawk, Amman: Die zwei Wahrheiten. Wien 1989. Bei der ersten Maturitätsprüfung Anfang Juli 1879 bestanden 12 der 17 angetretenen Knaben. 1886 wird die „Location“ (= Reihung und Sitzplatz der Schüler nach ihrer Gesamtleistung) aufgehoben (Anm.: aus dieser Zeit stammen Bezeichnungen wie „Primus“ für den Klassenbesten, oder der Begriff „Eselsbank“ für die letzte Bankreihe).
Um die Jahrhundertwende fanden mit dem wirtschaftlichen Strukturwandel auch die Auseinandersetzungen um die Monopolstellung der humanistischen Gymnasien mit großer Heftigkeit statt. Neben diesem Typ entstanden daher Gymnasien neuen Typs – die sogenannten Realgymnasien. 1908 wurden als Resultat der probeweisen Einführung dieser Gymnasien neuen Typs die Schule in ein Realgymnasium (k. k. Franz-Joseph-Realgymnasium) umgewandelt. Anstelle des Griechischen wurde Französisch unterrichtet, mathematisch-naturwissenschaftliche Gegenstände bekamen mehr Gewicht, Geometrie kam dazu. Das brachte der Schule einen Zustrom neuer Schüler. 1909 erfolgte die erstmalige Durchführung einer Schülerreise als Bildungsfahrt (für die die Stubenbastei später legendär sein wird) mit dem Ziel Rom – 1911/1912 dann ein erster Schulschikurs in Hütteldorf. 1913 gewinnt die Schulmannschaft beim „Ersten Mittelschulmannschafts-Ski-Abfahrtsrennen“ am Semmering den 1. Preis.
Eigenes Schulgebäude Stubenbastei 6–8 Im Jahr 1912 übersiedelte die Schule nach 40 Jahren Untermiete vom ursprünglichen Standort an der Hegelgasse in das nicht weit davon im 1. Bezirk gelegene neue Gebäude auf den heutigen Standort an der Stubenbastei 6–8 nahe dem Stubentor, wo sie sich trotz wechselvoller Ereignisse auch heute noch befindet. Dieser Umzug war besonders den Bemühungen von Direktor Weihrich zu verdanken. Er finanzierte auf eigene Kosten Planstudien, bemühte sich um geeignete Baugründe und wies das k. k. Ministerium immer wieder auf die unerträgliche Unterrichtssituation hin. Er argumentierte aber auch damit, dass die bisherig angelaufenen Mietskosten die Kosten eines Schulneubaus bereits übertroffen hätten. Laut NOWOTNY (1972, S. 11) wurde er daraufhin von der Schulbehörde gemaßregelt und ihm jede weitere Bemühungen untersagt. Direktor Weihrich zog die Konsequenzen und trat in den Ruhestand. 1911 aber wurde dann doch auf den Gründen des ehemaligen Jakoberhofes der erste Spatenstich getan. Verzögerungen hatte es auch gegeben, weil das Justizministerium dieses Grundstück eigentlich für eine Erweiterung des Handelsgerichtsgebäudes auf der Baublockrückseite in der Riemergasse ins Auge gefasst hatte. Diese und eine dazugekaufte Parzelle Ecke ZedlitzgasseAnm.: Zedlitzgasse 2 war die Parzelle der Kirche des 1783 von Josef II aufgehobenen Klosters, vis-à-vis der Schule wurde an ihr die Zedlitzhalle errichtet. Eine 1871 eröffnete Markthalle, die ab 1899 von der Künstlervereinigung Hagenbund genutzt wurde. Zedlitzgasse 7 ist das Haus, in dem am 21. Juli 1914 Bertha von Suttner starb. waren jedoch noch immer so eng, dass weder Pausenhof, noch Turnplatz errichtet werden konnten, wie ihn andere Gymnasien auch im dichtverbauten Stadtgebiet von Wien haben. Bei den Bauarbeiten fand man nicht nur Reste (Kasematten) der alten Stadtmauer, sondern auch Waffen- und Knochenreste, die auf die Zeit Zweite Wiener Türkenbelagerung datiert wurden. Nach nur 13-monatiger Bauzeit (Architekt: Gustav Sachs) war das neue Schulhaus auf der Stubenbastei bezugsfertig. Modern ausgelegt für 12 Klassen, zusätzlich einer Reihe von Lehr- und Übungsräumen und einem großen Erholungsraum im fünften Stock.
Eine „Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläumsstiftung“ (1898) konnte über die Zinsen ihres beträchtlichen Vermögens (1917 etwa lt. Novotny 1972 S. 12 – waren es 35.562 Kronen) jährlich auch einige Stipendien an Schüler verleihen. Dieses Vermögen zerbröselte im wahrsten Sinn des Wortes nach dem Krieg in der Inflationszeit die Deutschösterreich traf. Sie wurde – inaktiv geworden seit 1919 – 1932 aufgelöst, nachdem ihr Vermögen nur mehr 1 Schilling und 20 Groschen betrug.Anm.: zum Vergleich: 1914 bekam man für 1 Silberkrone 1 Gulasch mit 2 Gebäck und ¼ Liter Wein und 2 Zigarren. Schon 1919 nur mehr für eine Papierkrone einen halben Laib Brot dazu 2 Zigaretten und ein Glas Wasser! 1903 kostete ein 4 Teilstrecken Straßenbahnfahrschein 48 Heller, 1920 3 Kronen und 1929 64 Groschen – 1934 kostete 1 Kg Reis 69 Groschen, 1 Ei 11 Gr., 1 l Milch 47 Gr., 1 kg Butter 4 Schilling und 86 Gr. Margarine 1,83 S. – Dazu: Wochenlöhne Buchdrucker 70 Schilling, Maler 68 S., Bauhilfsarbeiter 50 S. – (Qu.: Rückblicke, Hrsg. Initiative für Kulturpädagogik Wien o. J., S. 7)
Erster Weltkrieg In den Kriegsjahren September 1914 bis Jänner 1918 fand in der Schule Wechselunterricht statt: Grund ist die Unterbringung der Klassen des nahegelegenen Akademischen Gymnasiums, dessen Haus als Notlazarett diente, im Gebäude der Stubenbastei. Der Krieg zeigte sich auch 1915/16 mit der Einführung militärischer Übungen für die Schüler der Oberstufe. Wegen einer schweren Grippeepidemie musste der Unterricht zwischen 4. Oktober und 6. November 1918 ausgesetzt werden.
1. Republik Im Schuljahr 1919/20 wurden erstmals auch Mädchen an der Stubenbastei aufgenommen. 1921 erstmalige Konstituierung eines Elternvereins an der seit diesem Jahr auch in „Bundesrealgymnasium Wien 1“ benannten Schule. Sie stand unter der Leitung des Sozialdemokraten Radnitzky, einem engen Mitarbeiter des Schulreformers Otto Glöckel. Daher wurde er nach den Februarereignissen 1934 zwangspensioniert.
1922/23 wurde in der Schule das Gaslicht durch eine elektrische Beleuchtung ersetzt und im Zuge dieser Umbauarbeiten auch der große Festsaal mit Bühne im 5. Stock ausgebaut. Am Flachdach entstand auch ein Garten. 1928/29 wurden die 1. und 2. Klassen (= 5. bzw. 6. Schulstufe) aufsteigend nach den neuen Lehrplänen auf Grund des Mittelschulgesetzes vom 2. August 1927 unterrichtet. Die Klassengrößen der Unterstufen lagen laut Katalogseintragungen in den 1930er Jahren weit über 40 Schüler.
Anschluss Schon am 17. März 1938 kurz nach dem Anschluss Österreichs (und noch vor der sogenannten Volksabstimmung am 10. April 1938 dazu!) wurden per Erlass (Zl.: 2213/1-IIa-1938) Direktor Jungwirth sowie vier Professoren ihres Amtes enthoben, drei weitere Lehrer wurden versetzt und ein kommissarischer neuer Leiter (Tschernach – Lehrer für M, Geometrie) eingesetzt.Daten und folgende Zitate entnommen aus Jahresbericht über das 66. Schuljahr 1937/38, Selbstverlag des Staats-Realgymnasiums im 1. Bezirk Am 19. März wurde der Lehrkörper auf den Führer und Reichskanzler vereidigt. Am 25. März regelte ein Erlass die Einführung des „Deutschen Grußes“ jeweils am Beginn und Ende jeder Stunde! Bis Pfingsten 1938 absolvierten acht willfährige Lehrkräfte im Sinne der Umerziehung NS-Führerschullehrgänge. Das Vorwort des Jahresberichts 1938 (die Schule hatte damals 16 Klassen) ist ein Zeitdokument: Dort schrieb der neu eingesetzte Direktor „... wurden zunächst alle jüdischen Lehrer enthoben, wodurch der beschämende und widernatürliche Zustand, daß Juden arische Kinder unterrichten, ein Ende gesetzt war, so folgte in kürzester Zeit die Trennung der arischen von den jüdischen Schülern; damit strömte auch in unsere Anstalt, die wohl seit ihrem Bestand zum erstenmal judenfrei war, förmlich fühlbar reine, frische Luft ein. Schon am 29. April konnten wir die uns neu zugewiesenen arischen Schüler aus dem II. Bezirk empfangen, die Bahn war frei gemacht für jene großen Aufgaben, die die Schule im nationalsozialistischen Staat zu erfüllen hat. … Unsere neue Schule muß ferner die ihr anvertraute Jugend so früh als möglich mit den aus der besonderen Lage Deutschlands sich ergebenden Problemen, die durch den Mangel an Raum und Rohstoffen bedingt sind, bekanntmachen und den jungen Leuten immer wieder vor Augen führen, welche schweren Aufgaben später an sie herantreten werden. Die Zeiten, wo viele junge Menschen lediglich studierten, um eine sogenannte allgemeine Bildung zu erwerben und dann glaubten, voll Bildungsdünkel auf alle Schaffenden herabsehen zu können, sind endgültig vorbei!“