Horchheim [Aussprache , im Dialekt oder gemäßigt ] ist eine Ortschaft im rheinhessischen Eisbachtal. 1942 nach Worms eingemeindet, schließt der Stadtteil südwestlich an die äußere Innenstadt an.
Geographie Überblick Horchheim liegt an der Nordseite des Eisbachtals, kurz bevor das Tal endet und der Bach aus dem Rheinhessischen Hügelland auf die Niederterrasse der Rheinebene hinaustritt. Der Ausläufer des Hügellandes zwischen Eisbachtal im Süden und Pfrimmtal im Norden heißt „Hohensülzener Riedel“. Der Riedel ist eine allmählich zum Rhein abfallende Anhöhe, die mit Löß und Lößlehm bedeckt und sehr fruchtbar ist. An den Rändern des Riedels und in der Eisbachniederung findet man weniger ertragreiche Sand- und Kiesböden.Hartmut Leser: Landeskundlicher Führer durch Rheinhessen. Berlin/Stuttgart 1969, Karte 4 nach S. 62, S. 64 f., S. 117 und S. 136; Rheinland-Pfalz - Landesamt für Geologie und Bergbau - Online-Bodenkarte:. Der Ort erstreckt sich etwa 1800 Meter am Südhang des Riedels, der sich hier nur noch etwa zehn bis 15 Meter über die Talsohle erhebt. mini|hochkant=1.5|Älteste Ortsansicht von Horchheim 1710 (aus dem Gemarkungsplan des Geometers Georg Pabst)
Oberhalb des Ortes, am Rand des Riedels, verlief bereits in vorrömischer Zeit die „Eisenberger Straße“, ein Zweig des wichtigen Fernwegs vom Rhein nach Gallien. Diese alte Fernverbindung von Worms über Kaiserslautern nach Metz hatte im Raum Worms einen Zweig, der durch das Eisbachtal über Eisenberg nach Kaiserslautern ging. Der Weg durchs Eisbachtal auf der Eisenberger Straße verlor erst im Laufe des Mittelalters oder zu Beginn der Neuzeit seine Bedeutung.Dieter Berger: Alte Wege und Straßen zwischen Mosel, Rhein und Fulda. In: Rheinische Vierteljahrsblätter 22 (1957) S. 176–191, darin S. 179 (Römerstraße Nr. 12), S. 181 (Übersichtskarte), S. 182 und 187–189. Theo Uhrig: Pfalz und Bistum Worms in karolingischer Zeit. In: Mittelrheinische Beiträge zur Pfalzenforschung. (Arbeitstagung in Speyer 1963), Mainz 1964, S. 46–70 und Diskussion S. 71–76, darin S. 49 f., 71 f. Michael Gockel, Karolingische Königshöfe am Mittelrhein, Göttingen 1970, S. 13 f., Ramge S. 340. Ein anderer Zweig der Straße von Worms nach Kaiserslautern führte durch das Pfrimmtal, vgl. Ramge S. 338–340, Ernst Christmann, Das fränkische Königshof-System der Westpfalz, in: Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz, 51 (1953) S. 129–180, darin S. 137–139, Heinrich Büttner, Das Bistum Worms und der Neckarraum während des Früh- und Hochmittelalters, in: Archiv f. mittelrhein. Kirchengesch. 10 (1958) S. 9–38, darin S. 20. Hauptverkehrsachse des Ortes ist heute die L 395, die von Nordosten aus Worms kommend Horchheim als „Wormser Straße“, „Untere Hauptstraße“ und „Obere Hauptstraße“ durchquert und vom westlichen Ortsende nach Worms-Heppenheim führt. Als Oberdorf bezeichnen die Einwohner den westlichen Teil des Dorfes an der Oberen Hauptstraße, der etwas höher liegt als das Unterdorf an der „Unteren Hauptstraße“. Das Ortsbild wird beherrscht von drei Kirchen, nämlich von der heute als Friedhofskapelle genutzten alten katholischen Kirche und der evangelischen Gustav-Adolf-Kirche, die das Oberdorf überragen, und von der weithin sichtbaren katholischen Heilig-Kreuz-Kirche auf dem Goldberg über der Ortsmitte. Außer Ober- und Unterdorf gehören heute auch die östlich angrenzenden Wohngebiete Nikolaus-Ehlen-Siedlung und Zollhaussiedlung verwaltungsmäßig zum Stadtteil Horchheim, obwohl sie nicht auf Horchheimer, sondern Wormser Gemarkung liegen. dort: Themen => Bezirke und Grenzen.Das Gebiet der Stadt Worms wurde 1974 in Stadtteile aufgeteilt. Bis zu dieser Neugliederung 1974 dienten die Gemarkungsgrenzen als Grenzen der eingemeindeten Vororte. Beim Zuschnitt der Stadtteile wich man bewusst von den alten Gemarkungsgrenzen ab, wenn andere Trennlinien (Bachläufe, Verkehrswege usw.) als administrative Begrenzung geeigneter erschienen, vgl.
Siedlungsgeographie Ortsform Horchheim ist ein Straßendorf. Hauptachse des Ortes ist die auf halber Hanghöhe über der Bachniederung verlaufende Hauptstraße, an der die Hofreiten zu beiden Seiten in dichter Folge aufgereiht sind.Typus des dichten Straßendorfs: Dadurch entstand der langgestreckte Umriss des Wohnplatzes. Das Dorf liegt auf dem schwach geneigten Riedelhang an der Grenze zwischen den trockenen Ackerflächen und der feuchten Bachniederung. Der schmale Saum zwischen trockenem und feuchtem Ökotop am halben Hang ist eine besonders begünstigte Siedlungslage, die ein gemäßigtes Klima aufweist, hochwassersicher ist und zugleich einfachen Zugang zum Wasser bietet.Der Bach liegt nicht weit vom Dorf. Brunnen benötigen nur eine geringe Tiefe. Außerdem sorgt die Mittellage für kurze Wege einerseits zur Feldflur und andererseits zu den Gärten und Nachtweiden im Wiesengrund. Auf der ältesten Karte von Horchheim aus dem Jahre 1710 gab es erst wenige Anwesen an den Nebengassen. Am westlichen Ortsende bog die Dorfstraße vor dem Fronberg ab und führte durch die „Hohl“ („Wilhelm-Röpcke-Straße“) auf die Höhe zur „Eisenberger Straße“. Der Durchstich am Fronberg, den die Hauptstraße heute nutzt, wurde erst 1838/39 angelegt.Heuser 1978 S. 57 f. Die Bebauung schob sich seit dem 18. Jahrhundert entlang der Hauptstraße immer weiter auf die Stadt Worms zu. Seit dem 19. Jahrhundert wurden zuerst die Quergassen und dann auch die zur Hauptstraße parallelen Gassen nach und nach mit Häusern bebaut. Dadurch entwickelt sich die Ortsform in Richtung auf ein Haufendorf mit durchlaufender Hauptstraße. Durch den Zuzug von Nachsiedlern entstanden ab Mitte des 20. Jahrhunderts am östlichen Ortsende mit der Nikolaus-Ehlen-Siedlung und der Zollhaus-Siedlung zwei nicht-lineare, geschlossene Ortsteile, wodurch die Entwicklung zum Haufendorf weiter vorangetrieben wurde.Zu Straßendorf und geschlossenem Dorf bzw. Haufendorf vgl. Zur zeitlichen Abfolge der Bebauung vgl. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz S. 234.
Flurform Die landwirtschaftlich genutzte Fläche („Flur“) der Horchheimer Gemarkung liegt vorwiegend nördlich des Dorfs. Es handelt sich um eine Gewannflur, d. h. die Flur besteht aus einer Anzahl von Gewannen und jede Gewann aus streifenförmigen, gleichlaufenden Parzellen mit verschiedenen Besitzern.Zu Flurformen allgemein und zur Gewannflur: Das Besitzgemenge spiegelt sich nicht mehr durchgängig in der unterschiedlichen Bepflanzung benachbarter Parzellen. Die wenigen noch aktiven Landwirte fassen heute Flurstücke von verschiedenen Besitzern durch betriebliche Zusammenarbeit und Nutzungstausch, z. B. mittels Unterpacht, zu größeren Ackerschlägen zusammen. Der größte Teil der Flur, der auf der Riedelhochfläche liegt, ist ziemlich gleichmäßig in blockförmige Gewanne von 350 – 500 m Länge und 160–190 m Breite eingeteilt, die jeweils quer in streifenförmige, von Süden nach Norden ziehende Flurstücke parzelliert sind. Am Riedelabhang, in unmittelbarer Ortsnähe und an den Gemarkungsgrenzen im Westen und Osten sind die Gewanne wegen des Gefälles und der Begrenzungen der Flur ungleichmäßig zugeschnitten und in wechselnden Richtungen parzelliert. Auf der ältesten Gemarkungskarte von 1710 war die Krummgewann noch ein riesiger quer parzellierter Breitstreifen, was vielleicht auf eine frühere Besitzeinheit, z. B. als Herrenland hinweist.Vgl. Die Westgrenze der Gemarkung nahmen 1710 zwei quer parzellierte langgestreckte Flurteile ein, im Süden begrenzt durch die „Anthaupten“, was „Pflugwendestelle“ bedeutet.Ramge, S. 62. Hier handelt es sich offenbar um Spuren eines Langstreifen-Komplexes mit einer Ackerlänge von mehr als 1000 m.Das Wenden des mit Zugtieren bespannten Pfluges war aufwändig, besonders bei mehrfacher Bespannung, mit der bei steinigem, schwerem oder steilem Feld zu rechnen ist. Im Mittelalter waren daher Langstreifen-Äcker oftmals praktikabler als kurze Felder, vgl. Auch die Gewanne „Im Mondschein“, „Untere Langgewann“ und „Obere Langgewann“ könnten ehemals zu einem zusammenhängenden Langstreifen-Verbund gehört haben. Im Umland von Worms zeigen sich auch bei anderen Gemarkungen Überbleibsel früherer Langstreifen-Komplexe, u. a. in Weinsheim, Wiesoppenheim, Heppenheim, Pfeddersheim und Pfiffligheim., dazu: Es gibt die These, die Langstreifen seien Spuren einer planmäßigen Flureinteilung des Reichsguts aus dem frühen Mittelalter. Obwohl eine wesentliche Grundlage dieser Theorie, nämlich die Vorstellung, es habe einen Stand von „Königsfreien“ gegeben, heute kaum noch Zustimmung findet, ist die Vermutung weiterhin plausibel, dass die Relikte von Langstreifenfluren im Wormser Umland auf frühmittelalterliche Strukturen großer Grundherrschaften, insbesondere des Reichsguts, zurückzuführen sind. und Gerlich, Geschichtliche Landeskunde, S. 180.
Hausformen Das Ortsbild im alten Dorfkern an der Oberen und Unteren Hauptstraße wird bestimmt durch kleine und mittlere landwirtschaftliche Anwesen vom Typ des Kleingehöfts. Es handelt sich vorwiegend um Zweiseithöfe und Hakenhöfe. Dazwischen liegen einige Dreiseithöfe. Die quererschlossenen Wohngebäude sind meist giebelständig zur Straße ausgerichtet und die Hofeinfahrt ist oft durch ein hohes Hoftor mit Dach abgeschlossen. Dadurch entsteht das Straßenbild der „halboffenen Giebelzeile“. Den rückwärtigen Abschluss des Gehöfts bildet die quergestellte Scheune. Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe wurden in den letzten Jahrzehnten stillgelegt. In der Ortsmitte wechselt das Straßenbild. Hier zeigen viele Gebäude mit der Traufseite zur Straße. Es handelt sich zum einen um Sonderbauten ohne landwirtschaftliche Vorgeschichte, nämlich um ehemalige Gemeinde- und Schulhäuser und das alte Postamt, und zum anderen um frühere Handwerkerhäuser und eine ehemalige Gastwirtschaft. Die Ortserweiterungen des 19. Jahrhunderts sind geprägt durch landwirtschaftliche Kleinbetriebe und Arbeiterhäuser. Es gibt im Dorf nur noch eine kleine Zahl von Gebäuden aus dem 18. Jahrhundert; die meisten Häuser stammen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Charakteristisch für die Bauten des 19. Jahrhunderts sind Fassaden aus roten und gelben Backsteinen. Im 20. Jahrhundert wurde bevorzugt an den Seitenstraßen und in den beiden Siedlungen gebaut; typisch für die modernen Anwesen sind die zur Straße offenen Grundstücke.Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz S. 234 ff. Die älteste Ortsansicht von 1710 zeigt den baulichen Zustand wenige Jahre nach den Zerstörungen des Pfälzischen Erbfolgekriegs. Das Pfarrhaus war damals das einzige zweistöckige Gebäude. In der Nähe der Obermühle gab es zwei größere Gehöfte, einen Dreiseithof und einen Hakenhof. Ansonsten bestimmten kleinbäuerliche EinfirsthöfeZum Haustyp "Einfirsthof" vgl. Ellenberg S. 42 ff. und Kleinhäuser das Bild.Zu Haustyp "Kleinhaus" vgl. Wie auf den meisten derartigen Bildplänen wurden Nebengebäude wie Ställe und Scheunen nicht eingezeichnet. Bei einigen Häusern waren die Strohdächer mit Giebelpfählen verziert.Der Giebelpfahl kommt schon im 17. Jh. im Raum Worms vor: auf der Ansicht von Hochheim auf dem Bildplan vom Lager des Regiments von Waldmannshausen von 1621/1622 (Stadtarchiv Worms: Sammlungen - Graphische Sammlung - Stadtansichten - Inv-Nr. 6/54) sind bei vielen Häusern Giebelpfähle erkennbar. Vgl. Ein vergrößerter Ausschnitt mit der Ansicht von Hochheim abgedruckt bei: gerahmt|zentriert|Blick auf die drei Kirchen
Geologie