Der Prozess gegen die konterrevolutionäre Hu-Feng-Clique () war ursprünglich ein Streit über Literatur in den 1950er Jahren in der Volksrepublik China, der politische Züge erhielt. In China wird er allgemein als der erste Literaturprozess (文字狱) der Volksrepublik betrachtet.
Benannt ist der Prozess nach dem Hauptangeklagten, dem Schriftsteller und Literaturtheoretiker Hu Feng. Seine Theorie über Literatur sei von der des kommunistischen Führers Maos abgewichen, so dass Hu und seine Anhänger politisch verfolgt wurden.
Darauf folgte eine Kampagne, in der mehr als 2100 Menschen als politisch bedenklich eingestuft wurden. 92 Menschen wurden verhaftet, 62 isoliert, 75 ihrer Ämter enthoben. Bis 1956 wurden 78 Menschen offiziell als „Hu-Feng-Elemente“ gestuft, davon 23 als Kader. Die tatsächliche Zahl der Menschen, die von diesem Prozess betroffen wurden, war jedoch weit höher als die erwähnten 2100, da zum Teil auch Familienangehörige und Leute mit betroffen waren, die nur entfernt mit den Personenkreis zu tun hatten. Auch spätere kulturpolitische Verfolgungen und Kampagnen in der Volksrepublik China bezogen sich immer auf diesen Prozess; er wurde somit zum Vorbild aller späteren Säuberungen.
1980 beschloss das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei, die „konterrevolutionäre Clique des Hu Feng“ zu rehabilitieren. Dieser Beschluss wurde jedoch erst am 18. Juni 1988 mit der Bekanntmachung Nr. 16 des Zentralbüros offiziell.
Hintergrund mini|Links: Hu Feng in den 1950er Jahren; Rechts: Haftbefehl gegen Hu Feng von 1955 Hu Feng war ein bekannter Literaturtheoretiker während der republikanischen Zeit nach 1911. Er unterhielt ein enges Verhältnis mit Lu Xun, von dem er stark beeinflusst wurde. Sie wünschten sich mehr Individualität und Menschlichkeit, während Mao Klassenkampf in der Literatur verarbeitet sehen wollte. Obwohl Hu Feng politisch die kommunistische Partei unterstützte und auch gegen die „realitätsferne“ Strömung der damaligen etablierten Literaten eintrat, zeigte er abweichende Meinung zu den aus der Sowjetunion eingeführten „dialektischen Literatur“ und dem literarischen „Objektivismus“.
Dadurch geriet er bereits vor der Errichtung der Volksrepublik China 1949 mehrfach in Konflikt mit kommunistischen Literaten wie Zhou Yang (周扬) und auch mit Mao. Bereits 1936 gab es innerhalb der Liga linksgerichteter Schriftsteller Chinas einen Richtungsstreit zwischen den Parolen „Verteidigungsliteratur“ (mit Zhou Yang und Guo Moruo als Vertretern) und „Volksliteratur während des nationalen revolutionären Krieges“ („民族革命战争的大众文学“, von Lu Xun und Hu Feng). Zugleich stritten Zhou und Hu auch über die Frage des Realismus. 1938 gab Mao die Vorgabe an die Literatur aus, die „chinesisch, optimistisch und vom chinesischen Volk bevorzugt“ sein sollte. Danach entstand unter linken Literaten eine Diskussion darüber, was die „nationale Form“ der Literatur sei. Auch diese Diskussion zeigte unterschiedliche Ansichten zwischen Hu und Mao. In den 1940er Jahren geriet Hu deswegen ins Abseits. Die 1948 in Hongkong herausgegebene Zeitschrift für Volksliteratur (大众文艺丛刊) wurde zum wichtigsten Forum für Kritik an Hu Fengs Theorie und an seinen Werken. Nach der Gründung der Volksrepublik im Jahr 1949 wurden Hu und seine Anhänger zunehmend zu einer Minderheit. Trotzdem behielt Hu sein Vertrauen in die Politik und vermutete nicht, dass er bald Ziel des „Klassenkampfes“ werden würde.
Vorstufe 1948 fand in Zhengding eine Veranstaltung zum Andenken an Lu Xun statt, an der der Lyriker Ai Qing Hu Fengs Stil kritisierte, ohne ihn jedoch beim Namen zu nennen. Anfang 1952 veröffentlichte die Literaturzeitung (文艺报) Briefe in ihrem internen Korrespondenzkreis, die die Literaturtheorie von Hu Feng ablehnten, und eröffnete damit die Kampagne.
Am 25. Mai 1952 schrieb ein Freund von Hu Feng, der Schriftsteller Shu Wu (舒芜) in einer regionalen Parteizeitung einen selbstkritischen Artikel, in dem er ganz auf die Linie Maos umschwenkte. Am 8. Juni 1952 übernahm Renmin Ribao den Artikel und fügte ein Vorwort hinzu, in dem „die kleine literarische Clique“ mit „Hu Feng als Führer“ ins Unrecht gesetzt wurde:
Im September des gleichen Jahres veranstaltete die Propaganda-Abteilung des ZK der KPCh vier Treffen, um Hus Theorie zu besprechen. An ihnen nahm auch Hu selbst teil. Die Propaganda-Abteilung bilanzierte seine „Hauptfehler“ und überreichte diese Zusammenfassung dem ZK und Zhou Enlai. Die Hauptfehler seien:
Anfang 1953 erschienen in der Literaturzeitung mehrere Artikel, die Hu öffentlich kritisierten. Hu war damals Vorstandsmitglied des chinesischen Literaturverbands und Abgeordneter zum Nationalen Volkskongress. Er fühlte sich zu Unrecht kritisiert. Mit Hilfe seiner Unterstützer fertigte er einen Bericht über die Praxis und Lage der Kunst und Literatur in den letzten Jahren (关于解放以来的文艺实践情况的报告) an. In der Art traditioneller Gelehrter überreichte er dieses Schreiben der höchsten Stelle der kommunistischen Partei, dem Politbüro. Der Bericht hat vier Abschnitte: Rekapitulation der Ereignisse der letzten Jahre Einige theoretische Klärungen Beispiele aus der Praxis und der Parteipolitik Vorschläge
Einmischung der höchsten Ebene 150px 150pxOben: Vom Jugendverlag ausgegebenes Kritikbuch; unten: Vom Volksverlag herausgegebene Privatbriefe von Hu Feng als Beweis konterrevolutionärer Machenschaften In seinem Bericht leugnete Hu die an ihn geäußerten Kritiken vollständig und betonte seine eigene Ansicht. Er kritisierte auch die Literaturpolitik und -maßnahmen „seit der Befreiung“ und stellte seine eigenen Vorschläge vor. Ende des Jahres gab es eine große Konferenz des Schriftstellerverbands. Ursprünglich sollte diskutiert werden, welche Haltung man zu dem klassischen Werk Der Traum der roten Kammer einnehmen soll, außerdem ging es um eine Bilanz der Arbeit der Literaturzeitung. Mao und das Zentralkomitee kritisierten auf dieser Konferenz die Literaturzeitung und die Führung des Literaturverbandes. Hu nahm fälschlich an, dass dies auf sein Schreiben zurückzuführen war. Er dachte, die Zeit sei reif für einen Generalangriff auf seine Gegner und rechnete in zwei Reden mit der damaligen Führung des Literaturbetriebs ab. Damit stach er in ein Wespennest. Zum Schluss der Konferenz wurde plötzlich Hu selbst Gegenstand des Streits. Zhou Yang widmete in eine Rede (Mao persönlich nickte den Text ab) Wir müssen kämpfen (我们必须战斗) speziell dem „Problem Hu Feng“. Es gehe um die Verteidigung des Marxismus, des sozialistischen Realismus.
Hus Bericht wurde von der Parteizentrale an den Vorstand des Schriftstellerverbandes weitergeleitet. Januar 1955 stimmte die Zentrale dem Bericht über Kritik der Hu Feng Gedanken der Propaganda-Abteilung zu. Im Februar begann der Schriftstellerverband, Hu Feng öffentlich zu kritisieren. Der zweite und vierte Teil von Hu Fengs Schreiben wurden aus dem Zusammenhang gerissen in der Literaturzeitung veröffentlicht. Mao wies den Literaturverband an, Hu Feng und seinen „kapitalistischen Idealismus“ sowie seine „antikommunistische, volksfeindliche“ Literaturtheorie „schonungslos“ zu kritisieren. Die landesweite Kampagne gegen Hu Feng wurde eingeleitet. Am 1. April veröffentlichte Guo Moruo in der Renmin Ribao einen Artikel mit dem Titel Die antisozialistischen Thesen des Hu Feng, in dem er Hu Fengs Schreiben Punkt für Punkt verriss. Kurze Zeit danach gab Shu Wu private Briefe von Hu Feng aus den 1940er Jahren an ihn weiter. Später wurden alle Beteiligten angewiesen, private Briefe von Hu Feng herauszugeben; sollte bei einer Durchsuchung festgestellt werden, dass sich jemand dieser Anordnung widersetzt hätte, würde dies als ein Verbrechen geahndet.
Mao persönlich las in diesen Briefen und gab Anweisung an die Propaganda-Abteilung und an das Innenministerium, einen Prozess gegen die „konterrevolutionäre Clique um Hu Feng“ zu führen. Am 13. Mai veröffentlichte Renmin Ribao diese privaten Briefe als Beweis für konterrevolutionäre Tätigkeiten. Später wurden sie als Buch veröffentlicht; Mao schrieb persönlich ein Vorwort dafür. In einem Artikel der Renmin Ribao hieß es etwa, die „Hu-Feng-Elemente“ seien „getarnte Konterrevolutionäre“ und schon früher Handlanger der Kuomintang von Chiang Kai-shek gewesen, jetzt arbeiteten sie für eine Untergrundorganisation der Kuomintang, die wieder zur Herrschaft strebe.
In den 20 Tagen vom 18. Mai bis 8. Juni wurde täglich in der Renmin Ribao auf Seite 3 über zwei Drittel des Platzes, manchmal sogar die gesamte Seite, dazu benutzt, um Artikel, Leserbriefe und Karikaturen gegen Hu Feng zu veröffentlichen. Manchmal wurden noch weiteren Seiten hinzugefügt. Auf der Schlagzeile hieß es mit großem Schriftzeichen: Seid wachsam, entlarvt Hu Feng. Im Folgemonat wurden weitere 15 ganzseitige Artikel veröffentlicht, unter dem Titel Die konterrevolutionäre Hu-Feng-Clique entschlossen und vollständig vernichten. Die gesamte Propagandamaschinerie des Landes wurde mobilisiert, hunderttausende Propagandabücher, -comics, -karikaturen wurden in kurzer Zeit gedruckt und verteilt.
Der Druck, der durch die offiziellen Propagandaeinrichtungen erzeugt wurde, war immens. Bald wurde Hu Feng langsam auch im Kreise der Literaten isoliert (划清界限, Klar die Grenze ziehen). Ein typisches Beispiel war der von Ba Jin geschriebene und in der Renmin Ribao veröffentlichte Artikel Hu Fengs konterrevolutionäre Clique muss vollständig vernichtet werden (必须彻底打跨胡风反党集团).
Verhaftungen Am 16. Mai 1955 wurde Hu Feng verhaftet. Der Haftbefehl wurde jedoch erst am 18. vom Volkskongress ausgestellt. Hu wurde zuerst drei Monate lang in einer Polizeistation interniert, danach in ein Gefängnis in Beijing gesteckt. Erst Ende 1965 wurde er offiziell verurteilt. Viele weitere Menschen wurden seinetwegen als Konterrevolutionäre verurteilt. Nach einem Bericht des Innenministeriums, der Obersten Volksstaatsanwaltschaft und des Obersten Volksgerichts wurden in den Jahren 1955 bis 1956 insgesamt über 2100 Menschen als politisch verdächtig eingestuft, 92 Menschen verhaftet, 62 interniert, 73 des Amtes enthoben. Bis 1956 wurden insgesamt 78 Menschen offiziell als „Hu-Feng-Elemente“ eingestuft, davon 23 als Kader. Unter ihnen waren zahlreiche bekannte Schriftsteller und Intellektuelle.
Nach der Verurteilung 1965 Erst am 26. November 1965 verurteilte ein Gericht Hu Feng zu 14 Jahren Gefängnis. Zu dieser Zeit hatte Hu bereits über 10 Jahre im Gefängnis verbracht. Die restlichen vier Jahre wurden ihm auf Bewährung erlassen.
Nach der damaligen Parteilinie wurde alles, was mit Hu Feng zu tun hatte, verboten. Selbst Bücher von Friedrich Engels und Maxim Gorki, sofern sie von „Hu-Feng-Elementen“ übersetzt worden waren, wurden von dem Verbot erfasst.
1966 begann die Kulturrevolution. Das Ehepaar Hu Feng wurde nach Sichuan zur Arbeit verbannt. Im November 1967 wurde Hu Feng grundlos inhaftiert. Da er auf Zeitungspapier Gedichte schrieb, wurde er im Januar 1970 zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er auf ein Bild von Mao konterrevolutionäre Gedichte geschrieben habe.
Während der Kulturrevolution wurden auch die damaligen Gegner von Hu Feng verfolgt. Zhou Yang wurde verhaftet. Shu Wu wurde bereits davor in der Hundert-Blumen-Bewegung als „rechtes Element“ eingestuft und musste in der Kulturrevolution Verfolgung und Erniedrigung aller Art erdulden.
Rehabilitierung