Brzeg Dolny [] (deutsch: Dyhernfurth) ist eine Stadt im Powiat Wołowski der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde mit Einwohnern (Stand ).

Geographische Lage mini|links|Dyhernfurth, ostnordöstlich von Liegnitz und südsüdöstlich von Wohlau, auf einer Landkarte von 1905 mini|Kleine Fähre am linken Oderufer, im Hintergrund der Turm der Stadtkirche (2006) Die Stadt liegt in der Region Niederschlesien, am nördlichen Ufer der Oder, etwa 25 Kilometer nordwestlich von Breslau und zehn Kilometer südsüdöstlich der Kleinstadt Wołów (Wohlau).

mini|200px|Eingang zum Gartenpavillon der Schlossanlage, nach 1945 als Sitz der Gemeindeverwaltung genutzt (2008) mini|Bronzeplastik auf der Schlossterrasse an der Oder (2015) mini|Bronzeplastik im Schlosspark (2015) mini|Ehemaliges Kutschenhaus (2013) mini|200px|Ehemaliges Wachhaus auf dem Schlossgelände (2024) mini|Ruinenrest des Mausoleums der Familie von Hoym (2024)

Geschichte

Urkundlich erstmals erwähnt wurde Brsega 1353. Das Dorf und Gut gehörte zum Herzogtum Breslau, das Herzog Heinrich VI. bereits 1327 als ein Lehen an den böhmischen König Johann von Luxemburg vergeben hatte. Nach Heinrichs VI. Tod 1335 fiel es als erledigtes Lehen durch Heimfall an Böhmen. Der ursprüngliche Ortsname ist dem slawische Wort brzeg, für Hochufer (deutsch: Brieg), wurzelverwandt; in Urkunden des 14. und 15. Jahrhunderts wird es auch brzig, brcziegk, przick, im 17. Jahrhundert noch Prsig genannt.Joseph Partsch: Schlesien – Eine Landeskunde für das deutsche Volk auf wissenschaftlicher Grundlage. Teil II: Landschaften und Siedelungen, Hirt, Breslau 1911, S. 372 (Google Books).Hugo von Saurma-Jeltsch (Hrsg.): Wappenbuch der Schlesischen Städte und Städtel. Ill.: L. Clericus, Comm. Goerlich & Coch, Berlin 1870, Sp. 44–45 (Google Books). Nachdem im Jahre 1345 der jüdische Friedhof in Breslau geschlossen werden musste, wurden hier bis 1761 auf dem jüdischen Friedhof Breslauer Juden bestattet. Entsprechend einem Privileg des preußischen Königs Friedrich II. durften die Breslauer Juden ab 1761 wieder in Breslau bestattet werden, wo sie seit 1763 auch einen eigenen Friedhof, ein Lazarett und ein Gemeinhaus kaufen duften.Friedrich Albert Zimmermann: Geschichte und Verfassung der Juden im Herzogthum Schlesien, Verlag Gottlieb Löwe, Breslau 1791, S. 34 (Google Books). Wirtschaftlich eher unbedeutend, verfügte der Ort ab dem 15. Jahrhundert über das Privileg einer Fähre über die Oder.

Im 16. Jahrhundert war dieser Flecken ein Dorf ohne Kirche und gehörte einem Heinrich von Falkenhain. 1573 wurde Georg von Falkenhain Grundherr, 1623 Florian von Falkenhain. Nach dessen Ableben 1659 kaufte 1660 der kaiserliche Oberamtskanzler Schlesiens und Hauptmann zu Glogau, Georg Abraham Freiherr von Dyhrn († 1671), die Grundherrschaft und begann mit dem Ausbau des Ortes.Christian Friedrich Emanuel Fischer, Carl Friedrich Stuckart: Zeitgeschichte der Städte Schlesiens, Band 3, Schweidnitz 1819 (oder später), S. 58 (Google Books). 1663 wurde Brzeg in Dyhernfurth umbenannt. Zugleich verlieh der böhmische Landesherr Leopold I., in seiner Eigenschaft als König von Böhmen, Dyhernfurth das Stadtrecht. 1667 erlangte der Grundherr die kaiserliche Konzession zur Errichtung einer Buchdruckerei. Sein Nachfolger, der Baron von Glaubitz, erlaubte es 1688 dem Rabbiner Sabbatai Ben Josef, amtlich auch Sabatki genannt,Moritz Grünwald: Die Namen der Juden, in: Das Jüdische Zentalblatt, S. 91–100, insbesondere S. 96, Fußnote (7) (Google Books). der auch als Buchhändler tätig war, in Dyhernfurth eine jüdische Buchdruckerei zu gründen.J. Landsberger: Zur Geschichte der jüdischen Buchdruckerei in Dyhernfurth und des jüdischen Buchhandels, in: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums, Neununddreißigster Jahrgang, Breslau 1894/1895, S. 120–133 (Google Books), S. 187–192 (Google Books) und S. 230–238 (Google Books). 1689 kaufte Sabbatai von privat für 17 Schlesische Taler ein bereits in älterer Zeit als Judenfriedhof genutztes Gelände auf und erhielt von der Stadt die Erlaubnis, es wieder als Friedhof nutzen zu dürfen.Moritz Grünwald: Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Dyhernfurth a.O. Breslau 1881 S. 5–6 (Google Books). Er baute die Druckerei auf, überließ deren Leitung aber noch zu seinen Lebzeiten seinem ältesten Sohn, Joseph Sabbatai. Die jüdische Buchdruckerei, die überregionale Bedeutung erlangte,Herbert C. Zafren: More on Dyhernfurth. In: Studies in Bibliography and Booklore, Bd. 10 (1971/1972), Heft 1/2, S. 62–68, hier S. 62. war noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts die einzige dieser Art in Schlesien.

Nach dem Schlesischen Krieg 1742 fiel Dyhernfurth mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Ab 1770 war die Herrschaft Dyhernfurth im Besitz der Familie des schlesischen Provinzialministers Carl Georg Heinrich von Hoym, dem der preußische König Friedrich Wilhelm II. 1786 die Grafenwürde verlieh. Er ließ zwischen 1780 und 1785 ein Schloss und verschiedene Bauten für den Schlosspark nach Entwurf des Architekten Carl Gotthard Langhans erbauen. Mit der Dyhernfurther Privilegirten Zeitung (1771–1772) erschien hier die erste jüdische Zeitung im Heiligen Römischen Reich, wobei für den deutschen Text die hebräische Schrift benutzt wurde. Damals waren die in der Druckerei beschäftigten Juden von besonderen steuerlichen Abgaben befreit, und der Druckereibesitzer hatte nur einen bestimmten Geldbetrag unmittelbar an den Domänenfiskus zu entrichten.Friedrich Albert Zimmermann: Geschichte und Verfassung der Juden im Herzogthum Schlesien, bei Gottlieb Löwe, Breslau 1791, S. 91 (Google Books). Die jüdische Druckerei bestand bis 1834 und musste dann wegen Verarmung ihres letzten Besitzers aufgegeben werden.

Nach der Neugliederung Preußens gehörte die Stadtgemeinde DyhernfurthStadt Dyhernfurth (Territoriaal.de) ab 1816 zum Landkreis Breslau und ab 1818 zum Landkreis Wohlau, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. 1860 wurde ein kleines Hospital gegründet. Mit dem Anschluss an das Schienennetz erfolgte ab 1875 ein wirtschaftlicher Aufschwung.

Schloss und Gutsbezirk Dyhernfurth befanden sich um 1893 im Besitz von Marie Antoinette Henriette Hedwig Gräfin von Saurma-Jeltsch, geb. d’Abzac-Hoym (1860–1913),Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser, Justus Perthes, Gotha 1916, S. 825–826 (Google Books). auf Dyhernfurth, die Fideikommissherrin der aus den sechs Rittergütern Bschanz (315 ha, 1937 umbenannt in Schanzberg), Kranz (590 ha, mit Vorwerk Odervorwerk), Dyhernfurth (295 ha), Seifersdorf (461 ha), Klein Sürchen (140 ha) und Wahren (291 ha) bestehenden Majoratsherrschaft Dyhernfurth war.Schlesisches Güter-Adreßbuch, Fünfte Ausgabe, Korn, Breslau 1894, S. 195–196 (Google Books). Ihre Nachfolgerin als Fideikommissherrin wurde 1913 Johanna Maria Antoinette Hedwig D o r o t h e a Gräfin von Saurma-Jeltsch, geb. am 26. Februar 1891 in Dyhernfurth.

Um 1910 hatte die Stadt eine evangelische Pfarrkirche, eine Synagoge, ein Krankenhaus, ein Bankhaus, Krammärkte, Wollwaren- und Tonwarenfabrikation, Bierbrauerei, eine Molkerei, Mühlen und ein Holzsägewerk. Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 164,2 Hektar großen Gemarkungsfläche der Stadt Dyhernfurth 68 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 52 Pferde, 97 Stück Rindvieh, acht Schafe, 152 Stück Borstenvieh, 32 Ziegen sowie 178 Gänse, 28 Enten, 958 Hühner, ein Truthuhn und 64 Bienenstöcke hielten. Am 1. Dezember 1913 standen im Stadtbezirk 821 Apfelbäume, 718 Birnbäume, 1440 Pflaumen- und Zwetschgenbäume, 147 Kirschbäume, 14 Aprikosenbäume, 117 Pfirsichbäume und 70 Walnussbäume. Zu den gleichen Zeiten wurden im 287,2 Hektar umfassenden Gutsbezirk Dyhernfurth sechs viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 17 Pferde, 41 Stück Rindvieh, 16 Stück Borstenvieh, neun Ziegen sowie acht Gänse, acht Enten, 164 Hühner und sieben Truthühner hielten. Im Gutsbezirk Dyhernfurth standen 89 Apfelbäume, 118 Birnbäume, 103 Pflaumen und Zwetschgenbäume, 25 Kirschbäume, vier Aprikosenbäume, 38 Pfirsichbäume und vier Walnussbäume.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat – Auf Grund der Ergebnisse der Vieh- und Obstbaumzählung vom 1. Dezember 1913, der Viehzählung vom 2. Dezember 1912 und anderer amtlicher Quellen, Heft 6: Provinz Schlesien, Berlin 1915, 1. Regierungsbezirk Breslau, 8. Kreis Wohlau, S. 52–53, Ziffer 2 (Google Books), und S. 56–57, Ziffer 137 (Google Books). Am 2. Dezember 1913 und am 13. März 1926 wurden Teile des Gutsbezirks Dyhernfurth in die Stadtgemeinde Dyhernfurth eingegliedert.Stadt Dyhernfurth (Territorial.de) Am 1. April 1927 wurde der Gutsbezirk Dyhernfurth nicht mehr unter den Gutsbezirken des Kreises Wohlau aufgeführt.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1928, S. 344–477, insbesondere S. 414, 23. Kreis Wohlau (Google Books).

Um 1935 hatte Dyhernfurth unter anderem zwei Hotels, vier Gasthöfe, eine Städtische Sparkasse, drei Baugeschäfte, eine Buchdruckerei, einen Destillationsbetrieb, eine Eisenwarenfabrik, drei Getreidehandlungen, ein Holzsägewerk, eine Molkerei, drei Mühlen, eine Ofen- und Tonwarenfabrik, zwei Viehhandlungen, einen Zeitungsverlag, zwei Zementwarenfabriken und drei Ziegeleien.Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs für Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe, Band 1 B, Berlin 1935, 2. Teil, Provinz Schlesien, S. 1521 (Google Books). Die I.G. Farben und die Schickert-Werk Bad Lauterberg errichteten in den 1930er Jahren in Dyhernfurth eine Produktionsstätte für chemische Kampfstoffe wie Tabun und Sarin.

1939 hatte Dyhernfurth 2013 Einwohner. Während des Zweiten Weltkrieges entstanden die beiden Außenlager Dyhernfurth I und II des KZ Groß Rosen in der Stadt.

Im Jahr 1945 gehörte die Stadt Dyhernfurth zum Kreis Wohlau im Regierungsbezirk Breslau der preußischen Provinz Niederschlesien im Deutschen Reich.

Am 26. Januar 1945 erreichte die Rote Armee den Ort. Am 5. Februar gelang der deutschen Kampfgruppe Sachsenheimer im Rahmen der Niederschlesischen Operation ein Gegenangriff. Während der Kämpfe brannte das Schloss aus, das chemische Werk überstand sie unzerstört. Im März 1945 übergab die Rote Armee Dyhernfurth zusammen mit fast ganz Schlesien der Verwaltung der Volksrepublik Polen. Anschließend wurde Dyhernfurth in Brzeg Wołowski und 1947 in Brzeg Dolny umbenannt. Die Einwohner wurden 1945/46 vertrieben und der Ort mit Polen besiedelt, die teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen waren, das an die Sowjetunion gefallen war. Durch den Rückgang der Bevölkerung verlor Brzeg Dolny das Stadtrecht. 1947 nahm das chemische Werk die Produktion wieder auf. Es entwickelte sich unter der Bezeichnung Rokita-Werk zu einem der größten polnischen Chemiehersteller. 1954 erhielt Brzeg Dolny das Stadtrecht zurück, und bei einer Zählung 1959 lebten etwa 9000 Menschen in der Stadt. Das Schloss wurde wieder aufgebaut, jedoch ging dabei seine ursprüngliche Gestalt verloren.

Einwohnerentwicklung