mini|Verteilung der Weltstädte gemäß der vorwiegend wirtschaftlich orientierten GaWC-Studie von 2010 Als Weltstadt werden Städte von überragender weltweiter Wichtigkeit bezeichnet. Eine Weltstadt besitzt zentrale Bedeutung auf politischem, wirtschaftlichem oder kulturellem Gebiet.
Im Gegensatz zum teilweise synonym angewandten Begriff Metropole, der auch in Bezug auf eine bestimmte Region oder Funktion benutzt werden kann, ist beim Weltstadtbegriff der Bezugsrahmen das gesamte Städtesystem der Erde.
Kriterien mini|New York gilt als wichtigster Finanzplatz der Welt und ist der Sitz der Vereinten Nationen. mini|London ist die Hauptstadt der sechstgrößten Volkswirtschaft und das größte europäische Finanzzentrum. mini|Tokio, einwohnerreichste Metropolregion der Welt und bedeutende Metropole Asiens mini|Paris ist die Hauptstadt Frankreichs und das kulturelle, wirtschaftliche und politische Zentrum des Landes.
Eine Weltstadt besitzt oder besaß zentrale Bedeutung für große Teile der Welt auf politischem, wirtschaftlichem oder kulturellem Gebiet. Darüberhinausgehend wird gefordert, dass eine Weltstadt ihre eigene begrenzte Weltökonomie dominiert.Fernand Braudel nach: Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. C.H. Beck, München, 2. Aufl. der Sonderausgabe 2016, ISBN 978-3-406-61481-1, S. 386.
Politische Bedeutung Weltstädte im politischen Sinne sind und waren die Machtzentren der großen Weltreiche und einflussreichen Volkswirtschaften. Historisch bedeutende Weltstädte waren etwa Alexandria, Rom, Madrid, Konstantinopel, London, Berlin, Moskau und Sankt Petersburg, Lissabon und Wien, die ihre Macht auf mehreren Kontinenten ausübten. Die bedeutsamen, politischen Zentren der Gegenwart sind zumeist die Hauptstädte der großen Volkswirtschaften wie Washington, D.C., Paris, Berlin, Tokio oder Peking. Wenn eine Hauptstadt Sitz nennenswerter internationaler Organisationen ist, erhöht dies ihre weltweite Bedeutung.
New York City als Hauptsitz der wichtigsten internationalen Institution, der Vereinten Nationen (UN), kann mit Einschränkungen auch als ein weltweites politisches Zentrum angesehen werden. Eine Reihe von UN-Sonderorganisationen und weiterer internationaler Einrichtungen sind in Genf und Wien ansässig. Brüssel, der Sitz der Europäischen Kommission und der NATO, weist ebenfalls eine internationale politische Bedeutung auf, zumal diese Institutionen nicht nur innerhalb Europas bzw. des transatlantischen Raums, sondern auch weltweit agieren und wahrgenommen werden.
Wirtschaftliche Bedeutung Weltstädte im wirtschaftlichen Sinne sind vorwiegend Metropolen, die eine große Zahl weltweit agierender Unternehmen aufweisen. Es sind zumeist Zentren der unterschiedlichsten Industriezweige und insbesondere der hochbezahlten Finanz- und Dienstleistungswirtschaft. Eine überdurchschnittliche Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung im nationalen und internationalen Vergleichsrahmen ist dafür ein Indiz.
Die drei größten Wirtschaftsregionen der hochentwickelten Welt (Ostasien, Europa, Nordamerika) haben hier jeweils eine führende Metropole herausgebildet (Tokio, London und New York, siehe hierzu Saskia Sassens Global-City-Theorie). Ergänzende Finanzzentren mit immer noch überragender internationaler Bedeutung sind Hongkong, Taipeh, Singapur, Seoul und Sydney im pazifischen Raum; Frankfurt am Main, Paris, Mailand, Madrid, Amsterdam und Zürich in Europa sowie Chicago und Toronto in Nordamerika. Auch in wirtschaftlichen Schwellenländern haben sich wichtige Finanzzentren entwickelt, deren Börsenhandelsvolumen aber mit Ausnahme von Mexiko-Stadt noch nicht an die etablierten Metropolen herankommt, etwa Mumbai, Moskau, Istanbul, Bangkok oder São Paulo.
Aufgrund der großen wechselseitigen Verflechtung der Weltwirtschaft sind die Finanzmetropolen meist auch bedeutende Verkehrsknotenpunkte, vor allem im Flugverkehr. Eine erste Definition von Weltstädten im wirtschaftlichen Sinne unter Berücksichtigung und Miteinbeziehung der Erkenntnisse anderer Geografen und Ökonomen lieferte 1986 John Friedmann, der hierbei seine World City Theorie erstellte, die er seither mehrmals aktualisierte.
Kulturelle Bedeutung Weltstädte im kulturellen Sinne sind wesentlich schwerer objektiv zu identifizieren, da es wenig quantifizierbare Indikatoren gibt (wie Regierungs- oder Konzernspitze, Fluggastzahlen oder das Handelsvolumen der Wertpapierbörse). Kulturmetropolen haben z. B. zentrale Funktionen für das Verbreitungsgebiet einer Weltsprache wie London, New York und Los Angeles für große Teile der anglophonen Welt, Mexiko-Stadt, Buenos Aires und Madrid für Lateinamerika, Paris für große Teile des frankophonen Afrikas und Kairo für die arabische Welt. Weltstädte mit kulturellem Schwerpunkt sind Anziehungspunkte für Künstler, Wissenschaftler, Firmengründer und Kulturschaffende oder Wegbereiter kreativer Entwicklungen wie zum Beispiel Berlin. Orte hoher touristischer Attraktivität wie z. B. Wien sind Standorte von Bauwerken, Museen, Festivals von überragender Bedeutung.
Zu den Städten mit kulturellem Fokus zählen insbesondere Zentren, in denen Kulturgüter wie Medien, Mode, Film, Musik, Kunst, Architektur oder auch Videospiele produziert werden. Hierzu können Mailand als Modezentrum oder Mumbai als Filmstadt (Bollywood) beispielhaft genannt werden. Übergreifende Sportereignisse wie Olympische Spiele und Weltmeisterschaften sowie ansässige Sportvereine von internationaler Bedeutung (Real Madrid, Los Angeles Lakers) tragen zum kulturellen Renommee einer Stadt bei.
Eine besondere Gruppe bilden religiöse Zentren weltweiter Bedeutung wie Jerusalem, Rom oder Mekka. Metropolen von weltweiter Bedeutung weisen nicht selten eine hohe Konzentration an Hochschulen, Universitäten und Forschungsinstitutionen auf.
Die internationale Präsenz einer Weltstadt spiegelt sich in ihrem hohen Bekanntheitsgrad, der auf eine wiederkehrende mediale Verbreitung rückschließen lässt. Der Bekanntheitsgrad einer Weltstadt wird zudem durch die historische Bedeutung abgeleitet. So sind das „alte Rom“ oder das „antike Athen“ weltweit bekannte Begriffe der Geschichtsschreibung.
Definitionen
Global City
mini|Hongkong ist einer der bedeutendsten Finanz- und Handelsplätze in Asien
In der Humangeographie wird häufig der erstmals 1991 von Saskia Sassen geprägte Begriff der Global City benutzt. Hier wird er eher als weltweites wirtschaftliches Zentrum verstanden. Der deutsche Begriff „Weltstadt“ hingegen wird als ein traditionell politisch-kulturelles, kosmopolitisches Zentrum von weltweiter Bedeutung gesehen. Beide Stadttypen schließen sich nicht gegenseitig aus, Städte sind oftmals beides.
Die Methodik zur Erforschung von Global Cities wird seit Anfang der neunziger Jahre durch das Globalization and World Cities Research Network (GaWC) entwickelt.
Metropole
Der Begriff Metropole wird häufig synonym zu „Weltstadt“ benutzt, aber auch in Bezug auf kleinere Städte, die in einem bestimmten Teilraum oder einer bestimmten Branche wichtige zentrale Funktionen innehaben. Der Begriff (griechisch für „Mutterstadt“) ist also doppeldeutig und bezieht sich nicht unbedingt auf das weltweite Städtesystem.
mini|hochkant=4.0|center|Berlin ist die Hauptstadt und größte Metropole der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt
Millionenstadt Die genannten Kriterien werden durch eine hohe Einwohnerzahl begünstigt. In älterer Literatur werden deshalb Städte mit mehr als einer Million Einwohner (Millionenstädte) gelegentlich pauschal als Weltstädte bezeichnet. Diese Gleichsetzung ist unter heutigen Umständen nicht mehr haltbar. Zum einen steigt die Zahl der Millionenstädte durch das weltweite Bevölkerungswachstum stetig an, ohne dass sich dadurch zusätzliche weltweite Zentren herausbilden würden – vor allem in den Entwicklungsländern entstanden teilweise riesige Städte ohne funktionierende Infrastruktur und ohne nennenswerte internationale Zentralfunktionen. Zum anderen ist durch die Suburbanisierung jeglicher Zusammenhang zwischen den politischen Grenzen einer Stadt und ihrer tatsächlichen Ausdehnung verloren gegangen, so dass eine seriöse Angabe genauer Einwohnerzahlen und damit die Zuordnung des Prädikats „Millionenstadt“ kaum noch möglich ist.
Die früher übliche Angabe der Einwohner innerhalb der Stadtgrenzen führt heute zu absurden Ergebnissen: so leben im Stadtgebiet von Brüssel nur 140.000 Menschen, während das international wenig bekannte Chongqing mit 32 Mio. Einwohnern (auf einer Fläche so groß wie Österreich) die größte Stadt der Welt wäre. Es gibt sogar Stadtgemeinden, die mehr als eine Million Einwohner zählen, aber nicht einmal als eigenständiges Zentrum, sondern nur als sekundärer Teil einer Metropolregion um eine noch größere Stadt angesehen werden können, etwa Yokohama (3,5 Mio. Einwohner) bei Tokio oder Nezahualcóyotl (2 Mio. Einwohner) bei Mexiko-Stadt.
mini|São Paulo, größte Megastadt Südamerikas und der südlichen Hemisphäre
Megastadt
Unter einer Megastadt versteht man eine Stadt oder Stadtregion mit einer sehr großen Einwohnerzahl (die Schwelle wird meist bei fünf oder zehn Millionen Einwohnern festgelegt). Der Begriff ist eine rein quantitative Beschreibung ohne Berücksichtigung der weltweiten Bedeutung einer Stadt. Der Begriff wird häufig sogar ausdrücklich auf die international wenig bedeutenden, schnell wachsenden Städte in der „Dritten Welt“ bezogen, oft im Zusammenhang mit den durch dieses enorme Wachstum ausgelösten Problemen.
Indizes Städte sind komplexe Gebilde mit ebenso komplexen Beziehungen untereinander. Deshalb ist die Definition objektiver, messbarer Weltstadt-Kriterien, für die es genügend der Forschung zugängliche und vergleichbare Daten gibt, schwierig. Nicht zuletzt darum konzentrierte sich die Forschung bislang hauptsächlich auf ökonomische Kriterien, denn hier sind objektiv messbare Daten am ehesten verfügbar und vergleichbar. Die Verfasser räumen denn auch ein, dass die Weltstadt-Forschung erst im Anfangsstadium steht und sowohl die Methoden als auch die verwendeten Daten erheblicher Verfeinerung bedürfen. Daher besitzen auch die daraus resultierenden Rangfolgen der Weltstädte keinen abschließenden Charakter und können bloß Hinweise auf die Stellung einzelner Städte im weltweiten Städtenetzwerk geben.
Gemischte Indizes
Global Cities Index mini|Sydney ist die größte Stadt Australiens und das Hauptfinanzzentrum des Südpazifiks
Im Oktober 2008 veröffentlichte das amerikanische Journal Foreign Policy mit Sitz in Washington, D.C. in Zusammenarbeit mit Saskia Sassen, Witold Rybczynski und anderen eine Rangliste von 60 weltweit führenden Städten. Diese beruht auf fünf verschiedenen Kategorien: Geschäftsaktivität, Humankapital, Informationsaustausch, kulturelle Erfahrung und politisches Engagement. 2010, 2012, 2014, 2015 und 2016 wurden aktualisierte Ranglisten veröffentlicht. mini|Istanbul
Stadt Land GCI 2016 London 01 New York City 02 Paris 03 Tokio 04 Hongkong 05 Los Angeles 06 Chicago 07 Singapur 08 Peking 09 Washington, D.C. 10 Seoul 11 Brüssel 12 Madrid 13 Sydney 14 Melbourne 15 Berlin 16 Toronto 17 Moskau 18 Wien 19 Shanghai 20 Buenos Aires 21 Amsterdam 22 San Francisco 23 Boston 24 Istanbul 25 … Frankfurt am Main 29 … München 33 … Genf 36 … Düsseldorf 67
Global Power City Index