+Sozialistische Jugend Österreich (SJÖ)zentriert|rahmenlos|149x149px|Logo der SJ seit November 2020VorsitzendeLarissa ZivkovicSekretärinEmelie WallyGründung4. November 1894 in WienHauptsitzAmtshausgasse 4, 1050 WienAusrichtungDemokratischer Sozialismus / Marxismus Antimilitarismus Antifaschismus Antikapitalismus Feminismus / Antiseximus InternationalismusInternationale VerbindungenInternational Union of Socialist Youth (IUSY) Young European Socialists (YES)Zeitungtrotzdem.atWebsitesjoe.at
Die Sozialistische Jugend Österreich (SJÖ, auch SJ) ist die größte linke Jugendorganisation Österreichs. Gegründet im Jahr 1894 als Verein zum Schutz von Lehrlingen, trug sie ursprünglich den Namen Verein Jugendlicher Arbeiter (VJA). Obwohl sie nicht offiziell Teil der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) ist, gilt die SJÖ als Vorfeldorganisation der SPÖ. Zwischen beiden Organisationen besteht eine enge politische und organisatorische Beziehung – so ist die SJÖ beispielsweise in Gremien der SPÖ aktiv eingebunden und nimmt regelmäßig an parteiinternen Entscheidungsprozessen teil. Zusätzlich ist sie Mitglied der internationalen Dachverbände Young European Socialists (YES; ehemals ECOSY) sowie der International Union of Socialist Youth (IUSY), die ihren Hauptsitz in Wien mit der SJÖ teilt.
Das im Jahr 2004 verabschiedete Grundsatzprogramm der Organisation basiert auf wissenschaftlichem Sozialismus und Marxismus, was die SJÖ politisch linker positioniert als die sozialdemokratische SPÖ.
Struktur Die Sozialistische Jugend ist in allen neun Bundesländern durch Landesorganisationen vertreten, die wiederum in Orts- und Bezirksgruppen (früher auch Betriebsgruppen) unterteilt sind. Ihre politische Arbeit umfasst einerseits Bildungsaktivitäten wie Gruppenabende in Bezirks- und Ortsgruppen sowie politische Seminare (Bildungswerkstatt, Antifaschismusseminar, Feminismusseminar und die Wien-Seminare Marxseminar und Sommerwerkstatt) und andererseits politischen Aktivismus. Bei Wahlen tritt die Sozialistische Jugend häufig mit eigenen Kandidatinnen und Kandidaten an, für die sie Vorzugsstimmen sammelt. Seit der Nationalratswahl 2019 ist die Sozialistische Jugend mit ihrer ersten weiblichen Vorsitzenden Julia Herr im Nationalrat vertreten.
Räumliche Gliederung Auf der untersten Ebene ist die Sozialistische Jugend in Ortsgruppen organisiert, d. h. in einer räumlichen Grundstruktur innerhalb einer Stadt, einer Gemeinde oder auch nur eines Dorfes. Die Mitglieder dieser Ortsgruppen wählen in regelmäßigen Abständen einen Vorstand. Gibt es in politischen Bezirken, die zumeist den Verwaltungsbezirken der einzelnen österreichischen Bundesländer entsprechen, mehrere Ortsgruppen, so können sich diese auch als Bezirksorganisation konstituieren und einen Bezirksvorsitzenden sowie einen Bezirksvorstand wählen.
Auf der Ebene darüber gibt es neun Landesorganisationen, die gemäß den neun österreichischen Bundesländern organisiert sind. Der Landesvorstand wird von der Landeskonferenz für eine bestimmte Periode, meist zwei Jahre, gewählt. Auf der Landeskonferenz wird darüber hinaus über Anträge diskutiert und beschlossen, die die politische Leitlinie der Arbeit des Landesvorstandes vorgeben, wobei die Orts- und Bezirksorganisationen auf der Landeskonferenz gemäß ihrer Mitgliederstärke durch Delegierte vertreten sind.
Eine gewisse Ausnahme in der SJ-Struktur stellt Wien dar, da die größte Stadt Österreichs zugleich ein eigenes Bundesland ist. Das bedeutet, dass die Sozialistische Jugend Wien als Landesorganisation konstituiert ist. Sie setzt sich zusammen aus Bezirksorganisationen, die den einzelnen Wiener Gemeindebezirken entsprechen.
Nicht alle Landesorganisationen sind unter dem Namen „Sozialistische Jugend“ konstituiert: Die Landesorganisation von Salzburg trägt die Bezeichnung „Junge SozialistInnen“ kurz „Jusos“, die Landesorganisation von Kärnten nennt sich „SJG – Die junge Sozialdemokratie“. Der Begriff „SJG“ entstand durch die Zusammenlegung von Sozialistischer Jugend und Junge Generation (SPÖ) in Kärnten. Auch die Landesorganisationen in Tirol und Salzburg sind Zusammenlegungen von SJ und JG. Ähnlich war es von 1995 bis 2002 im Burgenland, wo auf Betreiben der SPÖ SJ und JG zur „Juso Burgenland“ („Junge Sozialdemokratie“) zusammengelegt wurden. Seit 2002 heißt die Landesorganisation wieder SJ Burgenland, die burgenländische JG gibt es nicht mehr. In der Steiermark erfolgte im Zuge der Landeskonferenz 2005 die Rückbenennung von „Jusos“ in „Sozialistische Jugend Steiermark“, in Tirol schließlich auf der Landeskonferenz 2013.
Bundesweit sind die Landesorganisationen durch den „Verband der Sozialistischen Jugend“ mit Sitz in Wien zusammengefasst. Verbandsvorsitzende der Sozialistischen Jugend ist seit dem Jahr 2025 Larissa Zivkovic. Die Verbandsvorsitzende sowie die anderen Mitglieder des Verbandsvorstandes werden alle zwei Jahre auf dem Verbandstag gewählt. Auf dem Verbandstag sind, analog zu den Landeskonferenzen, die Landesorganisationen und die Orts- und Bezirksgruppen proportional zur Mitgliederzahl mit Delegierten vertreten, um über inhaltliche Leitlinien zu diskutieren.
Vorsitzende der einzelnen Landesorganisationen sind:
Wien: Lena Stern Niederösterreich: Amelie Muthsam Oberösterreich: Eva Reiter Tirol: Liv Grüner Steiermark: Jonathan Kaspar Salzburg (Jusos): Benjamin Baierhofer Kärnten (SJG): Paul Kofler Burgenland: Vanessa Wiener Vorarlberg: Benjamin Gunz
Frauen*politische Kommission Die Frauenpolitische Kommission (FPK) agiert als eigenständiger Teil innerhalb der Organisation und ermöglicht es allen Frauen (oder FLINTA* Personen), sich in der Sozialistischen Jugend zu organisieren. Dabei nutzt sie teilweise eine geschlechtersensible und inklusive Schreibweise, wie zum Beispiel FLINTA*. Die FPK organisiert verschiedene Aktivitäten, darunter frauenpolitische Kampagnen, separate Seminare wie das FEMSEM, setzt sich mit politischen Themen auseinander und hat die Möglichkeit, Anträge auf Landeskonferenzen oder beim Verbandstag zu stellen. Die derzeitige Sprecherin der FPK in der Sozialistischen Jugend Österreich ist Fiona Schindl.
Weitere Strukturen Die Sozialistische Jugend gründete darüber hinaus 1974 eine Schülerorganisation, die Aktion kritischer Schüler_innen (AKS). Inzwischen arbeitet diese von der SJ unabhängig, aber dennoch in enger Kooperation. Die Sozialistische Jugend verfügt über einen eigenen Verlag, den „Trotzdem-Verlag“, in dem auch das Zentralorgan der SJ, die Zeitung „Trotzdem“, seit 1948 erscheint. Neben der Publikation der Bundesorganisation geben auch die einzelnen Landesorganisationen ihrerseits Printmedien heraus, so zum Beispiel die SJ Niederösterreich das „Direkt“, die SJ Burgenland die „Signale“, die SJ Oberösterreich den „Extradienst“, die Salzburger Jusos die „Rotschrift“ oder die SJ Wien den „Faktor“. Neben dem „Trotzdem-Verlag“ befindet sich das „Europacamp“ in Weißenbach am Attersee, wo größere Freizeitveranstaltungen und Seminare der SJÖ abgehalten werden, ansonsten aber ein normaler Campingplatz- und Jugendherbergs-Betrieb herrscht, im Besitz der SJÖ sowie der SJ Oberösterreich.
Wiener Struktur Die SJ Wien ist in 17 der 23 Wiener Bezirken vertreten. Diese sind:
ist jedoch in den folgenden 6 Bezirken nicht vertreten:
Innere Stadt (1. Bezirk) Alsergrund (9. Bezirk) Penzing (14. Bezirk) Währing (18. Bezirk) Döbling (19. Bezirk) Rudolfsheim-Fünfhaus (15. Bezirk)
Mitte November 2023 beschloss der Vorstand der SJ Wien gemeinsam mit allen Bezirken einstimmig, die SJ9 (Alsergrund) aufzulösen, die Teil der „Der Funke“ (RKI; ehemals IMT) Fraktion war. Laut offizieller Seite der SJ wurde diese Entscheidung teilweise aufgrund langjährig unsolidarischen Verhaltens und Versuch, SJ Mitglieder für den Funken zu rekrutieren, getroffen. Zusätzlich erfolgte die Auflösung, da die SJ9 bzw. der Funke an Aktionen entweder ausschließlich als Funke oder als SJ teilnahm und somit den Namen und die Plattform der SJ ausnutzte. Laut SPÖ jedoch erfolgte diese Auflösung aufgrund vermeintlich anti-israelischer Äußerungen während Aktionen und Forderungen für Freiheit in Palästina.
Im Jahr 2021 wurde die SJ7 offiziell aufgelöst, da die Mitgliedschaft in den letzten Jahren zurückgegangen war. Im Jahr 2023 traf der Vorstand der SJ Wien jedoch die Entscheidung, bei ihrer Wiedergründung zu helfen, und seitdem ist die SJ7 wieder aktiv. Mitte 2024 wurde beschlossen, die zwei neu gegründeten SJ-Bezirke SJ6 und SJ8 mit dem ebenfalls noch im Aufbau befindlichen SJ7 zu vereinen. Die Zusammenlegung führte zur Schaffung der temporären Organisation SJ6,7,8. Mit dieser Maßnahme sollen die Gruppen gestärkt werden. Sobald die Mitgliederzahlen ausreichend gewachsen sind, sollen die drei SJ-Bezirke offiziell in ihre eigenen bezirksorganisationen konstituiert werden.
Die SJ11 trifft sich in ihrem historischen Lokal in der Drischützgasse 4. Dieser Ort ist am 16. Oktober 1932 als Simmeringer Blutsonntag in die Geschichte eingegangen, als eine Gruppe bewaffneter Nationalsozialisten das Arbeiterheim und das damalige Bezirkssekretariat der SDAP Simmering überfiel. Dieser Angriff führte zu vier Todesopfern – zwei Wiener Nationalsozialisten, dem sozialistischen Polizisten und Mitglied des Republikanischen Schutzbundes Karl Tlasek und der zufällig vorbeikommenden Passantin Therese Scherbaum. Der Ort war bereits im Vorfeld durch Gerüchte über einen möglichen Angriff bekannt geworden und wurde von einer Kompanie des Schutzbundes besetzt, die die Angreifer zurückdrängen konnte. Allerdings stürmte dann die eintreffende Polizei das Arbeiterheim und schützte dabei den Rückzug der Nazis. Sie verprügelten die verschanzten Verteidiger im Arbeiterheim und verhafteten über 100 Personen, darunter auch den Simmeringer Bezirkssekretär Georg Medwed. Ein Großteil der Verteidiger wurde anschließend zu 9 Monaten Kerker verurteilt. Heute gedenkt die SJ11 dieses Ereignisses mit ihrem 16. Oktober-Gedenken.
Die Sozialistische Jugend Wien ist außerdem Organisatorin des traditionellen Fackelzugs, einer Demonstration die jährlich am 30. April, dem Vorabend des 1. Mai stattfindet und zumeist von der Wiener Staatsoper zum Rathaus führt, wo seit einigen Jahres ein kostenloses Abschlusskonzert stattfindet. Der Fackelzug fand erstmals 1926 statt. Zum 100. Jubiläum wurde eine Broschüre (Ausarbeitung SJ-Wien, Vorwort Lena Stern und Samuel Schillhammer) und ein Dokumentarfilm veröffentlicht. Außerdem fand am 17. und 18. April 2026 eine Festveranstaltung und Ausstellung im WUK statt.
Trennung 2024 und Neugründung 2025 der SJ Vorarlberg Am 6. Oktober 2024 beschloss die Landeskonferenz der Sozialistischen Jugend Vorarlberg (SJV), die Verbindungen zur SPÖ sowie zur Bundesorganisation der Sozialistischen Jugend Österreich (SJÖ) zu kappen. Als Begründung wurden politische Differenzen und Kritik an der Ausrichtung der Sozialdemokratie genannt, insbesondere die Forderung nach einer stärker klassenorientierten Politik.
In der Folge agierte die Gruppe unter der Bezeichnung „Revolutionäre Sozialistische Jugend“ (RSJ), die nicht mit der historischen RSJ (1934–1938) zu verwechseln ist.
Am 3. November 2025 wurde die Sozialistische Jugend Vorarlberg im Umfeld der SPÖ neu gegründet. Bei der Gründungskonferenz im Landesbüro der SPÖ Vorarlberg wählten die Delegierten Benjamin Gunz zum Vorsitzenden. Gunz kündigte an, die Organisation in Vorarlberg neu aufzubauen, bekannter zu machen und als Jugendorganisation verstärkt für soziale Gerechtigkeit, Solidarität und Chancengleichheit einzutreten. Die Vorsitzende der Sozialistischen Jugend Österreich, Larissa Zivkovic, begrüßte die Neugründung als Signal für eine wieder stärkere organisatorische Präsenz der SJ in allen Bundesländern; auch der SPÖ-Klubobmann im Vorarlberger Landtag, Mario Leiter, gratulierte und betonte die Bedeutung politischer Jugendorganisationen für die linke Bewegung sowie eine enge Zusammenarbeit mit der SPÖ in Vorarlberg.
Politische Ausrichtung