Die Burg Lochstedt, auch Burg Lochstädt geschrieben, war eine kunsthistorisch bedeutende Ordensburg des Deutschen Ordens in dem damals ostpreußischen Dorf Lochstädt, heute Pawlowo, gelegen in der Oblast Kaliningrad, dem heute zu Russland gehörenden Teil Ostpreußens. Mit ihr sollte die Zufahrt zum Frischen Haff kontrolliert werden, sie fiel aber bald in die Bedeutungslosigkeit. Nur durch den ständigen Gebrauch der Burgkapelle Lochstedt blieb die Burg anfänglich vom Abriss verschont. Obwohl ihre Innenausstattung durch Krieg und Fremdnutzung gelitten hatte, blieb sie bis zu ihrer Zerstörung 1945 und in den 1960er Jahren weitgehend unverändert erhalten.

Geschichte mini|Lochstädt, auf dem nördlichen Ausläufer der Frischen Nehrung und südwestlich der Stadt Fischhausen am Nordufer des Frischen Haffs, auf einer Landkarte von 1910.

siehe auch Burgkapelle Lochstedt

Nachdem der Deutsche Orden die Burg Balga erreicht und als Stützpunkt eingerichtet hatte, brauchte er noch eine Weile, bis er mit Hilfe von Ottokar II. Přemysl auf dem Samland Fuß fassen konnte. Vorher stand dort, am Anfang der Frischen Nehrung die prußische Burg Luxete. Der Name Lochstedt leitete sich daher möglicherweise vom samländischen Landedlen Laucstiete ab. Eine weitere Möglichkeit ist die Gründung an einem Tief, d. h. Loch = Tief.Karl-Heinz Clasen: Die Deutschordensburg Lochstedt, Königsberg 1927 S. 9. Unweit der Burg wurde ebenfalls am Haffufer die Bischofsburg Schönewik errichtet, das spätere Fischhausen.

Die Burg bestand bis 1270 als Holz-Wall-Anlage und wurde 1275 bis 1285 in Stein ausgeführt. Der Südflügel mit der Burgkapelle ist der älteste Teil. Westlich davon schloss sich ein schmaler Vorraum an, und dann folgte für den Rest des Flügels der Remter. Der Westflügel enthielt kleinere spätgotisch gewölbte Räume. Als aber schon 1311, als man das Konventhaus errichtete, begann das Lochstädter Tief zu versanden und das Pillauer Tief bildete sich. Damit verlor auch die Burg ihre strategische Bedeutung; einzig das Bernsteinamt des Bernsteinmeisters, der dem Großschäffer in Königsberg unterstand, maß der Burg noch einen gewissen Wert zu. Die Komturei wurde aufgegeben, und fortan war Lochstädt Sitz eines Pflegers der Kommende Königsberg, der bis zum Ende der Ordenszeit das Bernsteinregal innehatte.

Der wohl berühmteste Pfleger war Heinrich von Plauen, der hier nach seinem Sturz als Hochmeister die letzten Jahre seines Lebens von 1422 bis zu seinem Tod 1429 verbrachte. 1429, ein halbes Jahr vor seinem Tod ernannte man ihn zum Pfleger über Lochstedt.

Kurz vor dem Ende des Ordenstaates wurden im Reiterkrieg 700 schwedische Söldner, die dem Hochmeister Albrecht zur Hilfe eilten, in Lochstedt untergebracht. Danach verfiel die Burg mehr und mehr. Schon 1512 wurde dem Hochmeister eine starke Baufälligkeit gemeldet, und 1603 stellte ein Kapitän Paul zwar noch die dicken Mauern und die Festigkeit des Turmes fest, dem allerdings schon das Dach fehlte. Er hielt die Burg immer noch für eine starke Festung, wenn die Schäden beseitigt werden würden.Karl-Heinz Clasen: Die Deutschordensburg Lochstedt, Königsberg 1927, S. 14–15.

Als Gustav Adolf am 6. Juli 1626 im Polnisch-Schwedischer Krieg in Pillau gelandet war, wurde in diesem Zug, die Burg von den Schweden im als Stützpunkt genutzt, wobei vieles von der rauen Soldateska zerstört wurde. Als dieser dann abzog, legte man in Lochstedt zur Verteidigung Erdwälle an, worauf Gustaf Adolf bei seiner Rückkehr im Folgejahr Lochstedt angriff. Es kam jedoch zu keinem Blutvergießen; die preußischen Truppen zogen rechtzeitig ab. Die Burg diente jetzt den Schweden im Dreißigjährigen Krieg und bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts als Stützpunkt.

In einem Gutachten von 1664 wird Lochstedt nun schon als sehr baufällig beschrieben. Als am 24. November 1669 die St.-Adalberts-Kirche von Tenkitten wegen Baufälligkeit einstürzte, wurde daraufhin der Gottesdienst von Tenkitten in die naheliegende Burgkapelle Lochstedt verlegt, um fortan bis 1945 dort gefeiert zu werden. Dieser Umstand dürfte die Burg vor dem völligen Abriss bewahrt haben, denn nach der ruinösen Königskrönung Friedrichs III. von Brandenburg Friedrich I zum König in Preußen, verfügte dieser im März 1705, dass die Ämter Fischhausen, Balga und Lochstedt Ringmauern und unbrauchbare Gebäude abreißen sollten, um so das Baumaterial für die Festung Pillau zu gewinnen. Nach allgemeiner Ansicht fielen dieser Anordnung in Lochstedt der Nord- und Ostflügel sowie der Turm zum Opfer, deren Abbruch sich nach den Amtsbüchern schon zwischen 1701 und 1702 ereignet haben muss. Gleichwohl beschreibt John von Collas in seiner preußischen Landeskunde von 1713 die Burganlage noch als vierflügeliges Haupthaus mit Turm und Vorburg. Es wird angenommen, dass er seine Aufnahme kurz vor dem Abbruch angefertigt hat.Karl-Heinz Clasen: Die Deutschordensburg Lochstedt, Königsberg 1927, S. 16.

Als Ostpreußen im Siebenjährigen Krieg von den russischen Truppen besetzt wurde, war es Nikolaus Friedrich von Korff, der in seiner Eigenschaft als russischer Generalgouverneur von Königsberg, der Lochstedt für den Staat zurück erwarb und die Kapelle 1760 im Innern – nicht grade glücklich – neu gestalten ließ. Am Ende des Vierten Koalitionskrieges von 1807 bis 1809 bezog dort der französische General Louis-Vincent-Joseph Le Blond, Comte de Saint-Hilaire mit seinen Besatzungstruppen Quartier, wobei vieles wieder zu Bruch ging. Den Rest verkaufte der preußische Staat nach dem Frieden von Tilsit an einen Privatmann, um die Kontributionen bedienen zu können. Etwa nach einem halben Jahrhundert konnte Preußen wieder durch Rückkauf in den Besitz der Immobilie gelangen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die freien Räume als königliche Forstbeamtenwohnung (1888) in den Räumen des Bernsteinmeisters, als Schule (1891) und als Ostpreußisches Heimatmuseum genutzt. Nach einer Bestandsaufnahme der Anlage durch Conrad Steinbrecht erkannte dieser den hohen kunsthistorischen Wert der Anlage. Auch Adolf Böttinger stimmte damit überein – noch bevor die Fresken entdeckt wurden – und bemerkte weiter:

1895 befreite man die Fresken der Gebietigergemächer von der darüberlagernden Kalkschicht: Einzigartige Bildwerke kamen nach Jahrhunderten wieder zum Vorschein. Aber erst 1937 erfolgten Sicherung und Restaurierung. Auf der Hofseite wurde eine hölzerne Galerie mit einem Teil des Kreuzganges rekonstruiert.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs blieben der halbhohe Südflügel mit Torweg und Sakristei sowie der Westflügel intakt, was Fotos von 1948 beweisen.Bilder von Lochstedt In den 1960er Jahren erfolgte der Abriss bis zu den Grundmauern. Es wird vermutet, dass man nach dem Bernsteinzimmer suchte.Ostpreussen.net Im Kellergewölbe fand man noch Schriften von Kristijonas Donelaitis und andere Dokumente. Einige Backsteine sind im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, ausgestellt und auch einige Kapitellreste in dem Lapidarium der Marienburg. Auch das Bildarchiv Foto Marburg besitzt noch einige Aufnahmen der mittelalterlichen Ordensburg.

Grabungen im Dezember 1989 Kurz nach dem Fall der Mauer erhielt das Nachrichtenmagazin Der Spiegel die Information eines ehemaligen Feuerwehrmanns aus Königsberg, er habe in der Zeit der sowjetischen Invasion in Ostpreußen im Januar 1945 mit einem Lastwagen etwa 25 große lange Kisten vom Königsberger Schloss zur Ordensburg Lochstedt transportiert. Der Inhalt: die ausgebauten Wandtteile des Bernsteinzimmers, das während der deutschen Belagerung Leningrads aus dem unweit gelegenen Zarenschloss nach Königsberg verbracht worden waren. Die Informanten gaben an, die Kisten seien im unteren Geschoss eines doppelstöckigen Kellers der Burg versteckt worden. Im Zuge der Liberalisierung durch Glasnost und Perestroika sei nun die Gelegenheit denkbar, danach zu suchen. Der Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein versprach eine Belohnung von einer Million DM, wenn der verschollene Schatz dort tatsächlich gefunden werde und erwirkte durch Kontaktaufnahme mit dem Gorbatschow-Vertrauten Valentin Falin die Genehmigung, dass die Hinweisgeber zusammen mit einem Team von Spiegel-TV mit den Journalisten Stefan Aust, Jörg R. Mettke und Fritjof Meyer, begleitet von einem Dolmetscher in das seinerzeit für westdeutsche Staatsbürger gesperrte Königsberger Gebiet einreisen durften, um mit Unterstützung örtlicher Stellen von Staat, Partei und Sowjetarmee sowie ortskundigen Heimatforschern nach den Artefakten zu suchen. Bagger, Bergepanzer und anderes schweres Gerät kamen zum Einsatz, durchwühlten den Schutt der Kellergewölbe, die von Gestrüpp und Bäumen sowie Hinterlassenschaften aus den letzten Kämpfen vermüllt waren. Bis unter die Grundmauern des Kellergeschosses drang man vor, fand aber kein weiteres unteres Kellergeschoss und auch keine Spur der Kisten mit den Wandpaneelen. Einzig eine verrostete deutsche Maschinenpistole sowie eine Tube Wehrmachtsleberwurst, die Meyer kostete und für essbar befand, sind als Beute dieser Grabungsaktion dokumentiert. Die weitere Suche wurde daraufhin eingestellt.Stefan Aust: Zeitreise. Die Autobiografie. Piper Verlag, München 2021, ISBN 978-3-492-07007-2, S. 286 ff.

Die dekorative Ausgestaltung

Fresken

Kleiner Komturremter Der Erzengel Michael erschlägt den Drachen Mariä Verkundigung Christus und die Ehebrecherin Die Auferstehung Abrahams Opfer und die Übergabe der Gesetzestafeln an Mose Der Heilige Christophorus Die Kreuzigung Christi

Das Stübchen nebenan Der Heilige Georg Die Anbetung der Heiligen drei Könige

Der Rechteckige Remter Die neun guten Helden Die Ordensbanner

Bilder

Weblinks

Ostpreussen.net Bilder von Lochstedt

Literatur Friedrich Borchert: Burgenland Preußen. Die Wehrbauten des Deutschen Ordens und ihre Geschichte. Mahnert-Lueg, München/Wien 1987, ISBN 3-922170-65-X, S. 129–136. Karl-Heinz Clasen: Die Deutschordensburg Lochstedt. Gräfe und Unzer, Königsberg 1927. Christofer Herrmann: Burgen im Ordensland. Deutschordens- und Bischofsburgen in Ost- und Westpreußen. Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn, Würzburg 2006, ISBN 978-3-87057-271-6, S. 155–160. Christofer Herrmann: Mittelalterliche Architektur im Preußenland. Untersuchungen zur Frage der Kunstlandschaft und -geographie (= Studien zur internationalen Architektur- und Kulturgeschichte. Band 56). Michael Imhof, Petersberg 2007, ISBN 978-3-86568-234-5, S. 571–573. Conrad Steinbrecht: Die Baukunst des Deutschen Ritterordens in Preußen. Band 3: Schloss Lochstedt und seine Malereien. Springer, Berlin 1910 (Digitalisat). Tomasz Torbus: Die Konventsburgen im Deutschordensland Preußen. Oldenbourg, München 1998, ISBN 3-486-56358-0, S. 111–116, 476–486, doi:10.11588/diglit.43361.

Einzelnachweise

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