Die Schlacht (franz.: La Bataille) ist ein preisgekrönter historischer Roman des französischen Schriftstellers Patrick Rambaud aus dem Jahr 1997 (deutsche Ausgabe: 2000). Er beschreibt aus französischer Sicht, sehr wirklichkeitsnah und weitgehend an den historischen Fakten orientiert, die Schlacht bei Aspern zwischen napoleonischen und österreichischen Truppen im Jahr 1809. Der Roman wurde unter anderem mit dem renommierten französischen Literaturpreis Prix Goncourt ausgezeichnet.

mini|Karte vom Stand der Schlacht bei Aspern am 21. Mai 1809 nachmittags

Historischer Hintergrund Die Schlacht bei Aspern am 21. und 22. Mai 1809 war Teil der militärischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich sowie seinen Verbündeten mit Österreich im Fünften Koalitionskrieg. Nachdem die Truppen Napoléon Bonapartes am 13. Mai in Wien eingerückt waren, sollten sie die Donau überqueren, um am linken Flussufer weiter gegen die Armee des österreichischen Erzherzogs Karl vorzurücken.

Als Übergangspunkt wählte Napoléon eine Stelle etwa eine Meile unterhalb von Wien bei der Donauinsel Lobau. Den Franzosen gelang es zwar zunächst, dort am 20. Mai 1809 die Donau über Pontonbrücken mit einem Teil ihrer Armee zu überqueren und die beiden Orte Aspern und Eßling (heute Teile von Wien) zu besetzen. Den Österreichern gelang es aber mehrfach, diese Brücken zu zerstören, sodass die Truppen Napoléons von Nachschub und Verstärkung abgeschnitten waren. In den beiden folgenden Tagen kam es in Aspern und Eßling sowie auf der Ebene des Marchfeldes zu erbitterten und äußerst verlustreichen Kämpfen. Die französischen Truppen mussten sich schließlich wieder auf die Insel Lobau und die rechte Donauseite zurückziehen.

Die Schlacht bei Aspern und Eßling war mit mehr als 50.000 Verwundeten, Vermissten und Gefallenen eine der blutigsten der bisherigen Geschichte. Außerdem gilt sie als erste Niederlage Napoléons an Land. Der französische Kaiser konnte seine Schlappe aber bereits mit seinem Sieg in der Schlacht bei Wagram am 5. und 6. Juli 1809 wieder wettmachen, die für beide Seiten noch verlustreicher war. Dieser Sieg Napoléons führte am 14. Oktober 1809 zum Friedensvertrag von Schönbrunn, der den Fünften Koalitionskrieg zu Gunsten Frankreichs beendete.

Handlung Die Schlacht schildert die Geschehnisse um die Kämpfe bei Aspern und Eßling aus rein französischer Sicht. Die Handlung des Romans setzt am 16. Mai 1809 ein und endet am 30. Mai, umfasst also auch die Tage vor und nach der Schlacht. Das Buch ist in sieben Kapitel und einen Anhang gegliedert. Die ersten beiden Kapitel schildern die Vorbereitungen auf die Schlacht, die Kapitel drei bis sechs die Kämpfe und das letzte Kapitel die Tage danach. Als zentrale Figur dient Patrick Rambaud dabei der Oberst Louis-François Lejeune, bei dem es sich um eine authentische historische Person handelt. Lejeune ist Verbindungsoffizier im Generalstab, somit viel zwischen den einzelnen Orten des Geschehens unterwegs und verzahnt die einzelnen Handlungsebenen miteinander. Im Anhang schildert Rambaud, wie er die Idee zu dem Roman hatte (er griff eine Idee von Honoré de Balzac auf), welche Quellen er benutzt hat und was aus einigen, in dem Roman verarbeiteten historischen Personen geworden ist.

miniatur|Napoléon Bonaparte auf einem Gemälde von Jacques-Louis David aus dem Jahr 1812. Erstes Kapitel: Wien 1809 Der Roman beginnt damit, dass der französische Kaiser Napoléon Bonaparte am 16. Mai 1809 gemeinsam mit seinem Generalstabschef, Marschall Louis-Alexandre Berthier, an der Donau unterhalb von Wien die Stelle auswählt, an der sie mit ihren Truppen den Strom überqueren wollen. Napoléon ordnet an, innerhalb von vier Tagen zwei Pontonbrücken über den Hauptstrom der Donau zur Insel Lobau und von dort über einen Nebenarm zum linken Flussufer zu errichten. Berthier schickt daraufhin einen seiner Adjutanten, den Oberst Louis-François Lejeune, zu Marschall André Masséna, um alles Weitere zu veranlassen. Lejeune informiert Masséna, der sein Quartier in einem Sommerschloss in einem Wiener Vorort bezogen hat, über die Befehle Napoléons. Masséna wiederum schickt Lejeune ins Hauptquartier nach Schloss Schönbrunn zum Chef der Intendantur, Pierre Daru, um ihn mit der Beschaffung des Materials für den Brückenbau zu beauftragen.

Nachdem Lejeune mit Daru gesprochen hat, trifft er im Schloss seinen alten Freund Henri Beyle, der als Militärbeamter der Intendantur an dem Feldzug teilnimmt und Jahre später unter dem Pseudonym Stendal als Schriftsteller berühmt wird. Lejeune und Beyle beschließen nach Wien zu reiten, wo sich Lejeune mit seinem Freund Edmond de Périgord in einem beschlagnahmten Bürgerhaus einquartiert hat. Dort angekommen stellen sie fest, dass französische Kürassiere gerade das Haus plündern. Lejeune prügelt die Plünderer wütend aus dem Haus hinaus, wobei er mit einem Soldaten namens Fayolle besonders aneinandergerät.

Lejeune reagierte auch deshalb so wütend, weil er sich um die Sicherheit der 17-jährigen, ältesten Tochter der Familie, Anna Krauss, sorgte. Sie ist allein mit ihren jüngeren Schwestern und einer Gouvernante in Wien zurückgeblieben, und Lejeune hat sich in den wenigen Tagen seines bisherigen Aufenthalts in Wien in die junge Frau verliebt. Auch Beyle, der auf Wunsch von Lejeune ebenfalls in das Haus zieht, verliebt sich augenblicklich in sie. Während Lejeune nach Schloss Schönbrunn zurückkehrt, schauen sich Beyle und Périgord am Abend das von französischen Soldaten wimmelnde Wien an, wobei sie auch kurz dem Füsilier Vincent Paradis begegnen. Unterdessen teilt Napoléon in Schönbrunn Berthier und Lejeune seinen Schlachtplan mit und befiehlt, die Insel Lobau noch vor Fertigstellung der Pontonbrücken zu besetzen.

Zweites Kapitel: Wovon Soldaten träumen Die Insel wird zwei Tage später durch eine Vorhut besetzt, zu der auch der Füsilier Paradis gehört. Weitere zwei Tage später, am 20. Mai 1809, überquert Marschall Masséna mit seinen Truppen die erste Pontonbrücke über den Hauptstrom der Donau zur Insel Lobau. Dort trifft Paradis auf Oberst Lejeune, der ihn vorübergehend als Aufklärer unter seinen direkten Befehl stellt und mitnimmt. Anschließend verhört Lejeune, der aus dem Elsass stammt und deutsch spricht, einige gefangene österreichische Soldaten.

Unterdessen haben die französischen Pioniersoldaten auch die zweite Pontonbrücke von der Insel zum linken Donauufer fertiggestellt und die ersten Truppen werden nach dort verlegt – unter ihnen der Kürassier Fayolle. Dieser ist auch Teil der berittenen Vorhut, die zuerst Aspern und dann Eßling erkundet. Beide Dörfer sind fast menschenleer, allerdings stoßen Fayolle und sein Kamerad Pacotte im Obergeschoss eines Hauses in Eßling auf eine junge Frau und einen Mann, der sie mit einem Messer angreift. Fayolle tötet den Mann mit seinem Säbel und wirft die Leiche demonstrativ aus dem Fenster auf die Straße, als sein General Espagne und weitere Truppen eintreffen. Anschließend fesseln und knebeln sie heimlich die Frau, mit der Absicht sie bei späterer Gelegenheit zu vergewaltigen, wenn keine Offiziere in der Nähe sind.

Auch Lejeune hat mit gemeinsam mit Paradis zu Pferd die Umgebung erkundet und erstattet nun Masséna Bericht, der sich wiederum in Eßling umgesehen hat. Dort war ihm ein massives Speichergebäude aufgefallen, in dem man sich gut verschanzen kann. Masséna schickt Lejeune mit Informationen über den Speicher zum Generalstab auf die Insel Lobau, wo sich auch Napoléon und einige hochrangige Offiziere für die Nacht eingerichtet haben. Lejeune, sein Freund Edmond de Périgord und Paradis verbringen die Nacht ebenfalls auf der Insel. Fayolle und Pacotte dagegen kehren im Schutz der Dunkelheit in das Haus in Eßling zurück, in dem sie die junge Frau gefesselt zurückgelassen haben. Sie finden sie tot vor (offenbar ist die Frau an dem Knebel erstickt), was Fayolle aber nicht daran hindert, sich an dem Körper zu vergehen. Angewidert verlässt Pacotte das Haus allein und wird auf der Straße von Soldaten eines österreichischen Spähtrupps überrascht und getötet.

Unterdessen kann der Militärbeamte Henri Beyle, der an Syphilis leidet, dank eines ärztlichen Attests in Wien bleiben. Am Nachmittag trifft er sich am Prater mit seiner Geliebten, der französischen Schauspielerin Valentina, die ihm aus Paris gefolgt ist. Beyle ist ihrer (nicht zuletzt durch die Begegnung mit Anna Krauss) überdrüssig geworden und will mit ihr brechen, bringt dies aber nicht fertig. Nachdem sie sich wieder getrennt haben, kehrt er in sein Quartier im Kraussschen Haus zurück und lernt dort einen neuen Mieter kennen – den mysteriös wirkenden Deutschen Friedrich Staps aus Erfurt, der unbedingt Napoléon treffen will.

Drittes Kapitel: Der erste Tag Am Morgen des ersten Tages der zweitägigen Schlacht, dem 21. Mai 1809, gibt Napoléon die letzten Befehle für die französische Schlachtaufstellung. Marschall Masséna bekommt mit seinen Truppen den linken Flügel in Aspern zugewiesen und Marschall Jean Lannes den rechten Flügel mit Eßling. Im Zentrum zwischen beiden Dörfern befehligt Marschall Jean-Baptiste Bessières die Kürassiere und die leichte Kavallerie.

Unterdessen beobachten Oberst Lejeune und der Füsilier Paradis auf der Insel Lobau, wie weitere Truppen über die beiden Pontonbrücken die Donau überqueren – darunter auch Einheiten der Kaiserlichen Garde. Lejeune muss seinen Aufklärer Paradis schweren Herzens wieder in dessen ursprüngliches Regiment zurückschicken, wo die Gefahr verwundet oder getötet zu werden deutlich größer ist als im Generalstab. Kurz darauf bricht die größere der beiden Behelfsbrücken, nachdem es den Österreichern gelungen war, sie mit Hilfe von mit Steinen beladenen Kähnen zu beschädigen. Die französischen Truppen bei Aspern und Eßling sind somit von Nachschub und Verstärkung abgeschnitten.

Während Lejeune die Reparatur der Brücke in die Wege leitet, beginnt die Schlacht. Die österreichischen Truppen unter Erzherzog Karl greifen die französischen Stellungen an, wobei der Schwerpunkt der Angriffe zunächst bei Aspern liegt. Vor dem Dorf erlebt der Füsilier Paradis nahe dem Donauufer seine ersten Schusswechsel. Nach einem Überraschungsangriff österreichischer Husaren muss sich seine bereits stark dezimierte Kompanie nach Aspern zurückziehen. Marschall Masséna erkennt von seinem Beobachtungsposten im Kirchturm von Aspern aus, dass die Österreicher versuchen, nahe der Donau nach Aspern durchzubrechen, um die französischen Truppen von hinten zu umfassen. Er lässt die Österreicher daher mit Kanonen beschießen, woraufhin diese wiederum Aspern unter Beschuss nehmen und in Brand setzen. Außerdem befiehlt Masséna trotz deutlicher zahlenmäßiger Unterlegenheit mehrere Gegenangriffe, um den österreichischen Aufmarsch in Unordnung zu bringen und zu verzögern. Vorher lässt er an seine Soldaten Wein ausgeben, weil sie im angetrunkenen Zustand weniger Angst und Hemmungen haben.

Im nahe gelegenen Wien beobachten unterdessen zahlreiche Schaulustige von Dächern, Türmen und der alten Stadtmauer das Geschehen östlich der Stadt. Auch Henri Beyle hat sich mit Anna Krauss und deren Schwestern einen Aussichtspunkt gesucht. Er ärgert sich, als er dort zufällig seine Geliebte Valentina und einige ihrer Schauspieler-Kollegen trifft. Unterdessen hat sich Friedrich Staps in einer Eisenwarenhandlung ein großes Küchenmesser gekauft. Später beobachtet Beyle, wie Staps im Kraussschen Haus in seiner Kammer am Boden kniet und mit dem Messer in der Hand betet.