Die Burg Neulengbach war eine Höhenburg auf einem freistehenden und rund 80 m hohem Bergkegel über der niederösterreichischen Stadt Neulengbach im Bezirk St. Pölten, die im 16. und 17. Jahrhundert zu einem Schloss umgebaut wurde. Die Schlossanlage ist ein dreigeschoßiger Vieleckbau mit zweifachem Wehrring und acht Rundtürmen, einem Vorbau mit prachtvollem Renaissanceportal und einem Hof mit toskanischen Doppelsäulen und steinernem Brunnenbecken.

Geschichte

Die Gründung durch die Lengenbacher (um 1190–1236) Die Burg Neulengbach wurde gemeinsam mit dem Markt von den Hochfreien von Lengenbach um das Jahr 1189 gegründet.

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts verlegten die Lengenbacher ihren Herrschaftssitz von Altlengbach nach Neulengbach. Auf dem weithin sichtbaren, gut zu verteidigenden Schlossberg entstand eine neue Burg, die zum Mittelpunkt ihrer Herrschaft wurde.

Die ursprüngliche Burg war wesentlich kleiner als die heutige Anlage. Sie bestand aus einem Palas, einem mächtigen Bergfried und einem kleineren Turm, die durch eine Ringmauer miteinander verbunden waren.

In einer Urkunde vom 31. Jänner 1197 bestätigte Bischof Wolfger von Passau unter anderem Schenkungen Otto IV. von Lengenbach († 1192/95) und seines Sohnes Hartwig III. zugunsten des Stiftes St. Andrä an der Traisen. Darin wird auch eine Verfügung Ottos über die Zollfreiheit für Waren aus dem Wald oder dem Markt Lengbach bestätigt.

Hartwig III. von Lengenbach (ca. 1150–1219) war Domvogt zu Regensburg, er erbte über 20 Burgherrschaften, die durch Ministerialen und Burgmannen verwaltet wurden. Teilnehmer am Dritten Kreuzzug unter Kaiser Friedrich Barbarossa.

1219 übernahm Otto V. von Lengenbach die Herrschaft über den umfangreichen Familienbesitz. Die Zeit unter dem letzten Lengbacher war eine Glanzperiode der Burg. Unter den zahlreichen Gästen waren Minnesänger wie Ulrich von Liechtenstein, Neithart von Reuenthal und Gottfried von Totzenbach. Otto geriet schließlich in Konflikt mit Herzog Friedrich II. dem Streitbaren und beteiligte sich 1235 an einem Aufstand gegen den Landesfürsten. Bei diesen äußerst hart geführten Auseinandersetzung fand der letzte Lengenbacher im Jänner 1236 den Tod, er wurde erschlagen. Mit seinem Tod erlosch das hochfreie Geschlecht der Lengenbacher.

Landesfürstliche Burg und Verwaltungssitz (1236–1565) Herzog Friedrich II. zog den Großteil den beachtlichen Besitzes der Lengenbacher ein. So kam Neulengbach in den Besitz der Babenberger, später an König Ottokar II. Przemysl und an die Habsburger.

Die jüngeren Lengenbacher (1236–1310) Nach dem Aussterben der hochfreien Lengenbacher gelang es ihren ehemaligen Ministerialen, den Truchsessen von Lengenbach, große Teile des Familienbesitzes zu übernehmen, sie besaßen die Güter als Lehen des Landesherren. Unter ihrer Herrschaft wurde die Aufstockung des Palas und die Erhöhung der Türme um zwei Stockwerke sowie einige Zubauten veranlasst.Rudolf Büttner: Die Ministerialen von Lengbach unter Ottokar und den ersten Habsburgern

In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, Neue Folge, Bd. 44/45 (1979), S. 405–426.

Im Laufe des 13. Jahrhunderts stiegen sie zu einem der führenden Landherrengeschlechter Österreichs auf. Heinrich Truchsess von Kreuzenstein-Lengenbach behauptete seine Stellung unter König Ottokar II. Přemysl und nahm 1251 an dessen erstem Landtaiding in Korneuburg teil.

Nach Heinrichs Tod übernahm um 1270 sein Sohn Friedrich Truchsess von Lengenbach die Führung der Familie. Zu ihrem umfangreichen Besitz gehörten neben Neulengbach auch die Burgen Aichberg, Asperhofen, Purkersdorf, Reinsberg und Randegg. Als Rudolf von Habsburg 1276 gegen König Ottokar nach Österreich zog, schloss sich Friedrich dem neuen Herrscher an. Unter den Habsburgern gehörte er zum Kreis der Ratgeber Herzog Albrechts I. und bekleidete ab 1289 das Amt des österreichischen Kämmerers.

Zu Beginn der 1290er-Jahre geriet Friedrich in Konflikt mit Herzog Albrecht I. und verlor vermutlich um 1293 die Burg Neulengbach an den Landesfürsten. Der einst wohlhabende Landherr, der nach der Dichtung Seifried Helblings ein Aufgebot von 200 Rittern stellen konnte, geriet zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten. Er starb vermutlich vor dem 23. Mai 1297 und hinterließ beträchtliche Schulden.

Landesfürstliche Pfleger und Pfandherren Spätestens 1310 befand sich die Burg wieder unter unmittelbarer landesfürstlicher Verwaltung. Am 4. Juli dieses Jahres wird Marquart von Schellenberg urkundlich als Burggraf von Neulengbach bezeichnet. Die jüngeren Lengenbacher behielten weiterhin Besitzungen in der Umgebung, hatten ihre Stellung als Burgherren jedoch verloren.Rudolf Büttner: Die Ministerialen von Lengbach unter Ottokar und den ersten Habsburgern. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, NF 44/45 (1978/79), S. 405–426, insbesondere S. 411–425. 1314 wird Konrad von Kyburg als Pfleger der Burg Neulengbach erwähnt.

Die Herrschaft Neulengbach gehörte später zur Morgengabe Herzog Friedrichs des Schönen an seine Gemahlin Isabella von Aragón, die nach ihrer Eheschließung den Namen Elisabeth annahm.Archiv Im Jahr 1383 hatte Alber von Puchheim die Herrschaft Neulengbach inne, während Rudolf von Baumgarten als Burggraf amtierte.Stiftsarchiv Herzogenburg, St. Andrä an der Traisen, Urkunde vom 24. April 1383, Signatur A.1.-n.114, Archivverzeichnis S. 23.,Rudolf von Baumgarten, Burggraf von Neulengbach; Alber von Puchheim, Herrschaftsinhaber. Weitere namentlich bekannte Amtsträger waren Reinhard von FriesingEveline Brugger / Birgit Wiedl: Regesten zur Geschichte der Juden in Österreich. Band 4.,Regest Nr. 1891, S. 29: Urkunde vom 20. Mai 1388, Lengbach.,Original: Österreichisches Staatsarchiv, HHStA, AUR 1388 V 20., der 1388 als Burggraf erscheint und 1392 bekleidete Jörg von Seebeck (1386–1401 Herr von Unterthurm) das Amt des Pflegers auf der Burg. Auch sein Sohn Georg wird als Pfleger von Neulengbach genannt. Am 29. September 1416 erscheint Paul Matseber in einer Urkunde des Stiftes St. Andrä an der Traisen ausdrücklich als Pfleger zu (Neu-)Lengbach.Stiftsarchiv Herzogenburg, Bestand: St. Andrä an der Traisen, Signatur: A.1.-n.141, Datum: 29. September 1416, Archivverzeichnis: S. 27 Im 15. und 16. Jahrhundert verpfändeten die immer unter Geldmangel leidenden Habsburger Neulengbach mehrfach.

Im Jahr 1528 war der Ritter Blasius Natlitsch zum Wasen († 1547) als Pfleger der Herrschaft Neulengbach tätig. Am 3. Juni 1528 berichtete er der Regierung in Wien über die Gefangennahme von 33 Angehörigen der Täuferbewegung und ersuchte um Anweisungen für das weitere Vorgehen. König Ferdinand I. ordnete daraufhin an, entsprechend den bestehenden Mandaten gegen die Gefangenen vorzugehen. Wenige Wochen später wurden 18 der Gefangenen hingerichtet.Gedenkfahrt zur Täufergeschichte, 2023, S. 21. Zur Gefangennahme der Täufer in Neulengbach und zur Nennung des Pflegers Blasius Natlitsch.

Während der Ersten Wiener Türkenbelagerung im Jahr 1529 drangen osmanische Streiftruppen bis in das Gebiet von Neulengbach vor. Während die Burg uneingenommen blieb, wurden der Markt und zahlreiche Ortschaften der Umgebung schwer verwüstet.

Im Jahr 1549 befand sich die Burg Neulengbach als Pfandschaft im Besitz des Freiherrn Johann Hofmann von Grünbühel und Strechau (um 1492–1564), eines Schatzmeisters und Geheimen Rates König Ferdinands I.

Spätestens 1554 befand sich die Pfandherrschaft im Besitz Christophs von Tannhausens (um 1520–1565), der von 1557 bis 1565 als Landeshauptmann von Kärnten amtierte.1564 zog er sich auf seine niederösterreichischen Besitzungen zurück.

Die Khuen von Belasy mini|Wappen Im Jahr 1565 gelangte die Herrschaft Neulengbach an Rudolf Khuen von Belasy (1533–1581), den älteren Bruder des Salzburger Fürsterzbischofs Johann Jakob Khuen von Belasy. Rudolf stand als Geheimer Rat und Oberstallmeister in kaiserlichen Diensten und wurde 1573 in den Freiherrenstand erhoben. 1572/1573 gelang es ihm, die bisher landesfürstliche Herrschaft Neulengbach als freies Eigen zu erwerben.

Um 1577 ließ Rudolf die mittelalterliche Burg durch einen heute unbekannten Baumeister zu einem ausgedehnten Spätrenaissanceschloss umbauen. Da der Burgfelsen für die wesentlich größere Anlage nicht genügend Platz bot, mussten an der Westseite mächtige Stützmauern und Unterkonstruktionen errichtet werden, wodurch mehrstöckige Kasematten entstanden.

Nach dem Tod Rudolfs von Khuen im Jahr 1581 übernahm sein Sohn Johann Eusebius Khuen von Belasy die Herrschaft Neulengbach. Er gehörte zu den wenigen bedeutenden katholisch gebliebenen Grundherren im östlichen Niederösterreich, während sich große Teile des dortigen Adels dem Protestantismus zugewandt hatten. Johann Eusebius nahm eine führende Stellung innerhalb des katholischen niederösterreichischen Herrenstandes ein und stand als Geheimer Rat, Gesandter und Kriegskommissar im Dienst des Kaisers. Im Jahr 1618 erwarb er außerdem die benachbarte Herrschaft Baumgarten. und um 1620 ließ er ein neues Gerichtsgebäude im Markt errichten.

Bedeutend für die Geschichte Neulengbachs ist seine testamentarische Stiftung von 30.000 Gulden zur Errichtung eines Franziskanerklosters. Johann Eusebius’ Witwe Maria Khuen von Belasy lebte noch bis 1632. Sie führte die Stiftung ihres verstorbenen Mannes aus und gründete 1623 das Franziskanerkloster in Neulengbach. Die Franziskanerkirche wurde später zur heutigen Pfarrkirche von Neulengbach.

Grafen Pálffy von Erdöd Seine Tochter und Erbin Maria Franziska Khuen (1610–1672) heiratete Paul Graf Pálffy von Erdöd, der ab 1625 Präsident der Ungarischen Hofkammer war und 1649 zum Palatin von Ungarn aufstieg. Maria Franziska wird noch 1644 als Besitzerin der Herrschaft Neulengbach genannt. Über ihre Nachkommen gelangte die Burg an die Familie Pálffy. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor. mini|249x249px|Johannes Karl Graf Palffy Nach dem Tod Maria Franziskas Khuen von Belasy im Jahr 1672 übernahm ihr jüngerer Sohn Johann Karl Pálffy von Erdőd (1645–1694) die Herrschaft Neulengbach. Der kaiserliche Heerführer war seit 1669 mit Sidonia Agnes von Liechtenstein verheiratet, wurde 1694 zum Feldmarschall ernannt und starb noch im selben Jahr in Mailand.

Während der osmanischen Einfälle von 1683 organisierte Sidonia Agnes die Verteidigung der Burg, in der zahlreiche Einwohner des von osmanischen Streifscharen verwüsteten Marktes Zuflucht fanden. Sagenhafte Überlieferung der Geschehnisse von 1683Verdichtete Wiedergabe der Erzählung „Die Heldenfrauen von Neulengbach“ von Hermann F. Bönisch, erschienen im Neuen Wiener Journal am 27. August 1933. Die geschilderten Einzelheiten der Verteidigung sind als spätere sagenhafte Überlieferung und nicht als gesicherter zeitgenössischer Bericht zu verstehen. Als im Jahr 1683 osmanische Truppen in die Gegend von Neulengbach einfielen, suchten Hunderte Menschen Zuflucht hinter den Mauern der Burg. Da die wehrfähigen Männer zum Schanzenbau nach Purkersdorf befohlen worden waren und sich Schlossherr Johann Karl Pálffy im kaiserlichen Kriegsdienst befand, übernahm seine Gemahlin Sidonia Agnes von Liechtenstein die Verteidigung.

Als im benachbarten Anzbach die Flammen aufloderten, ließ sie die Tore schließen und rief die Frauen zur Verteidigung auf. Sie unterwies sie im Umgang mit den Geschützen, während die wenigen zurückgebliebenen Männer mit Schwertern und Hellebarden bewaffnet wurden. Selbst mit Säbel, Pistole und Dolch gerüstet, organisierte die Gräfin die Versorgung der Flüchtlinge und sprach den Verteidigern Mut zu.

Bald näherten sich angeblich drei- bis viertausend osmanische Reiter und Soldaten. Sie setzten den Markt samt dem Kloster in Brand und stürmten gegen die Burg. Doch die Frauen bedienten geschickt die Geschütze, während Knaben und Mädchen siedendes Pech und Steine gegen die Angreifer herbeitrugen. Sidonia Agnes soll selbst in vorderster Reihe gestanden und mit ruhiger Hand auf die heranstürmenden Soldaten geschossen haben.