mini|Paul Leverkühn (1867–1905) mini|Todesanzeige in Ornithologische Monatsschrift mini|Paul Leverkühn 1898 Paul Leverkühn, vollständig Paul Georg Heinrich Martin Reinhold Leverkühn (* 12. Januar 1867 in Hannover; † 5. Dezember 1905 in Sofia, Bulgarien) war ein deutscher Mediziner und Ornithologe.
Leben Leverkühn war ein Sohn des Geheimen Regierungsrates Carl Leverkühn und seiner Frau Louise, geb. Grisebach, einer Schwester von August Grisebach. Der Jurist August Leverkühn war sein Bruder.
Er besuchte das Lyceum I in Hannover und für ein Jahr das Gymnasium in Clausthal. Ab 1886 studierte er Humanmedizin, an den Universitäten Kiel (bis 1888), Straßburg (1888/89), Freiburg (1889) und von 1889 bis 1891 an der Universität München. In München bestand er im Februar 1891 das medizinische Staatsexamen und wurde am 9. Mai 1891 zum Dr. med. promoviert. Er war zunächst in München als praktischer Arzt und Assistenzarzt tätig, bis er im Juni 1892 von Fürst Ferdinand von Bulgarien engagiert wurde. Vor der Übersiedlung nach Bulgarien machte er noch eine militärische Übung in der bayerischen Armee und wurde Reserve-Sanitäts-Offizier, später Stabsarzt der Reserve.
Im Mai 1893 traf er in Sofia ein, wo er zunächst Privatsekretär des Fürsten war; schon einen Monat später ernannte ihn Ferdinand zum Direktor der wissenschaftlichen Sammlungen. 1897 übernahm er zusätzlich die Aufgaben des fürstlichen Privatsekretärs für die deutschsprachige Korrespondenz und Bibliothekars.
Leverkühns Leidenschaft galt der Sammlung und dem Schutz von Vögeln. Zusammen mit Carl Parrot (1867–1911) gründete er 1889 einen Ornithologischen Lese-Cirkels in Bayern, innerhalb dessen die wichtigsten ornithologischen Fachschriften zirkulieren sollen.Karl Leopold Theodor Liebe: Leverkühns Ornithologischer Lesezirkel. S. 390. Während sich Karl Theodor Liebe (1828–1894) anfangs noch skeptisch über die Erfolgsaussichten äußerte, zeigt er sich später beeindruckt. So schrieb er:
Und weiter bemerkte er…
Gegen einen Jahresbeitrag von 15 Mark wurden 40 Zeitschriften veröffentlicht. 21 der Zeitschriften waren reine ornithologische Zeitschriften, 7 Jagd- und Sportzeitschriften und 12 allgemeine und spezielle zoologische Zeitschriften.Carl Parrot, S. 392 f (mit Liste der einzelnen Zeitschriften)
Später würde Leverkühn der erste Direktor des 1889 von Ferdinand I. gegründeten Naturhistorischen Museums in Sofia, das heute als National Museum of Natural History in Sofia (NMNHS) bekannt ist. Leverkühn organisierte die erste Ausstellung, die 14 Hallen mit zwei Stockwerken umfasste, die aber erst 1907 nach seinem Tod für das Publikum zugänglich gemacht wurde.Homepage NMNHS
1884 publizierte er in der Zeitschrift Ornithologische Monatsschrift des deutschen Vereines zum Schutze der Vogelwelt den Artikel Jagdergebnisse. Darin ging es u. a. über die Ansiedlung des Fasans und den Abschuss des Seeadlers. Es folgte 1887 Der ornithologische Nachlass Adolf Mejer’s im Journal für Ornithologie. Er vollendete damit das Werk Adolf Mejers. Erneut veröffentlichte er 1889 in der Ornithologischen Monatsschrift des deutschen Vereines zum Schutze der Vogelwelt den Artikel Literarisches über das Steppenhuhn. Im Ornithologisches Jahrbuch, welches von Victor Ritter von Tschusi zu Schmidhoffen herausgegeben wurde, publizierte er Eine alte pommersche Vogelfauna. 1892 erschien von Leverkühn in der Stettiner Zeitschrift ein Bericht mit Namen Über eine abnorm gefärbte Ente. 1894 berichtete er Über das Brutgeschäft der Crotophagiden im Journal für Ornithologie. 1901 folgte im Journal für Ornithologie ein Nachruf auf Gustav Hartlaub Zur Erinnerung an Dr. Gustav Hartlaub, mit dem er regelmäßig im Briefkontakt stand. In diesem Nachruf zitiert er einen Brief Hartlaubs, in dem dieser den Vorreiter der ungarischen Ornithologie Salamon János Petényi (1799–1855) diffamierte.Paul Leverkühn (1901) Zur Erinnerung an Dr. Gustav Hartlaub. S. 339 ff. In seinem Nachruf Hofrat Dr. Paul Leverkühn † in der Zeitschrift Falco kritisiert Otto Kleinschmidt diese Hartlaub Zitate Leverkühns, die er gerne gestrichen gesehen hätte. Da Leverkühn eine Reise im Balkan von Freunden Kleinschmidts aus Gründen des Vogelschutzes verhindern wollte, gab es auch zwischen diesen beiden Kollegen Differenzen, die aber später ausgeräumt wurden.Otto Kleinschmidt, S. 102.
Im Jahr 1905 starb Leverkühn an Typhus. In Ausführung seines Wunsches wurde sein Leichnam nach einer Trauerfeier in der deutschen evangelischen Kirche in Sofia nach Gotha überführt, um im dortigen Krematorium verbrannt zu werden.
Erstbeschreibungen Leverkühn war für einige Vogelarten und Unterarten der Erstautor. Bei einigen Beschreibungen arbeitete er mit Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch zusammen. Zusammen mit Berlepsch beschrieb er das Taxon für die folgenden Arten und Unterarten:
Arten Zu den Arten, die Leverkühn und Berlepsch beschrieben, gehören chronologisch: Grauflügel-Ameisenschlüpfer (Myrmotherula behni & , 1890) Östlicher Dunkeldickichtschlüpfer (Synallaxis cabanisi & , 1890)
Unterarten Zu den Unterarten, die Leverkühn gehören chronologisch: Unterart des Langschwanz-Soldatenstärlings (Sturnella loyca falklandica (, 1889)) Unterart des Östlichen Dunkeldickichtschlüpfers (Synallaxis cabanisi cabanisi & , 1890) Unterart des Braunschopftyrannen (Myiarchus tyrannulus bahiae & , 1890) Unterart der Purpurtaube (Patagioenas subvinacea bogotensis ( & , 1890)) Unterart des Augenflecken-Baumsteigers (Xiphorhynchus ocellatus lineatocapilla ( & , 1890))
Orden und Ehrungen Leverkühns Nachruf in der Leopoldina bemerkte: An äußeren Ehrenbezeichungen hat es ihm nicht gefehlt; seinem Sarge wurden auf zwei Sammetkissen einundzwanzig hohe Orden vorangetragen. Dazu zählten: 1899: Sankt-Stanislaus-Orden 2. Klasse 1899: Fürstlich Montenegrinischer Tschernagorischer Unabhängigkeits-Orden 2 Klasse 1899: Fürstlich Montenegrinische Tapferkeits-Medai11e in Silber 1900: Zivilverdienstorden (Bulgarien), Komturkreuz 1901: Ordre des Palmes Académiques 1901: Sonnen- und Löwenorden, Großkreuz 24. Juni 1902: Ernennung zum Hofrat 1902: St. Alexander-Orden, Komturkreuz 1904: Wahl in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina 1904: Königlicher Kronen-Orden (Preußen) 3. Klasse
Werke
Hartwig Friedrich Wiese. Nekrolog mit ornithologischen Beiträgen aus seinen Briefen. In: Die Heimat. Monatsschrift des Vereins zur Pflege der Natur- und Landeskunde in Schleswig-Holstein, Hamburg und Lübeck. Bd. 15 (1905), Heft 8, August 1905, S. 173–181 (Digitalisat), Heft 9, September 1905, S. 197–201 (Digitalisat).
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ornithologe Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Sankt-Stanislausordens (Russland) Kategorie:Träger des St. Alexander-Ordens Kategorie:Träger des Preußischen Königlichen Kronenordens 3. Klasse Kategorie:Träger des Ordre des Palmes Académiques (Ritter) Kategorie:Träger des Ordens Danilos I. für die Unabhängigkeit Kategorie:Absolvent der Ludwig-Maximilians-Universität München Kategorie:Person (Sofia) Kategorie:Person (Hannover) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1867 Kategorie:Gestorben 1905 Kategorie:Mann