Głuchołazy [] (deutsch: Ziegenhals, auch Bad Ziegenhals; schlesisch Ziegahols; schlonsakisch Gůchołazy, ) ist eine Stadt im Powiat Nyski der Woiwodschaft Opole in Polen. Sie ist zugleich Sitz der Stadt- und Landgemeinde Głuchołazy mit etwas mehr als 24.000 Einwohnern.

Geographie Die Stadt liegt am rechten Ufer der Biele auf 275 m ü. NHN am Fuß des Zuckmanteler Berglandes, etwa 21 Kilometer südlich von Neisse und 65 km südwestlich von Oppeln. In der Nähe verläuft die Staatsgrenze zu Tschechien. Stadtteile sind: Głuchołazy-Zdrój, Kamieniec und Kolonia Jagiellońska.

Nachbarorte sind im Norden Bodzanów (Langendorf), im Osten Charbielin (Ludwigsdorf), im Süden Konradów (Dürr-Kunzendorf) und jenseits der Grenze zu Tschechien Mikulovice (Niklasdorf).

Geschichte mini|Blick von der Bischofskoppe auf Bad Ziegenhals mini|links|Panorama Ziegenhals – Zeichnung aus der Mitte des 18. Jahrhunderts mini|Ring mini|hochkant|St.-Laurentius-Kirche; ihre ältesten Teile stammen aus dem 13. Jahrhundert mini|hochkant|St.-Franziskus-Kirche, 1865–1866 für die evangelische Gemeinde erbaut mini|hochkant|Oberer Torturm

Um 1220 holte der Breslauer Bischof Lorenz deutsche Siedler in die Gegend im Vorland des Altvatergebirges, um das Bistumsland Neisse vor dem Eindringen des Markgrafen Vladislav Heinrich, eines Bruders Ottokars I., nach Norden zu schützen. 1241 durch die Mongolen zerstört, hatte das wiederaufgebauteIvan Stupek: Josef Lowag (1849–1911), vor 100 Jahren ein populärer Schlesier. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 23, 2004, S. 499–504; hier: S. 499. Ziegenhals 1263 bereits das Stadtrecht. Im gleichen Jahr wurde der Ort als Cigenals erwähnt. Die Siedler waren vor allem Bergleute, die Nachrichten über Goldfunde in den Bergen bei Ziegenhals in die Gegend lockten. Goldbergbau ist aus dem 16. und 17. Jahrhundert belegt, ebenso Eisenerzbergwerke der Thurzo und Fugger. Jedoch war der Goldbergbau nicht so bedeutsam wie im benachbarten Zuckmantel. Das Mundloch des Stollens Heilige Drei Könige, der der Wasserhaltung der Zuckmantler Gruben diente, ist nahe der Stadt zu finden. Sein Wasser wurde auch für den Aufschlag einer Mühle genutzt.

Am 20. März 1428 brannten die Hussiten die Stadt nieder, wobei die Pfarrkirche aus dem 13. Jahrhundert zerstört wurde. An das Hochwasser der Biele von 1472 erinnerte die jährliche Prozession zu Mariä Heimsuchung. 1627 wütete die Pest in der Stadt; daran wurde in der bis 1945 abgehaltenen Pestprozession erinnert. 1635 suchte erneut die Pest die Stadt heim.

Im Ersten Schlesischen Krieg war die nahe der Festung Neisse gelegene Stadt mehrfach Schauplatz von Kampfhandlungen. Nach der Übernahme fast ganz Schlesiens durch Preußen wurde Ziegenhals 1742 zu einer preußischen Grenzstadt, während Zuckmantel bei Österreich verblieb. Dies führte zu einem wirtschaftlichen Niedergang; erst mit dem Anbau von Flachs entwickelte sich Ziegenhals zu einer Weberstadt. Die 1428 zerstörte Pfarrkirche wurde zwischen 1729 und 1733 im Stil des Barocks wieder aufgebaut. 1860 wurde die mittelalterliche Stadtmauer geschleift, wobei einige Stadttore wie das Obertor erhalten blieben. 1874 erhielt Ziegenhals einen Bahnhof an der Strecke von Deutsch Wette, wodurch sich Zelluloseindustrie im Ort etablierte. Ab 1875 erfolgte der Anschluss an die Mährisch-Schlesische Centralbahn nach Österreich Schlesien. Ende des 19. Jahrhunderts wurden Heilquellen im Stadtgebiet gefunden, wodurch sich der Ort zu einem bekannten Kurort entwickelte. Zur gleichen Zeit entstanden die ersten Sanatorien.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Ziegenhals eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche, ein katholisches Schullehrerseminar, eine Präparandenanstalt, ein preußisches Nebenzollamt, ein österreichisches Hauptzollamt, Zellulose-, Wollwaren-, Zwirn-, Maschinen-, Steinwaren-, Knochenmehl- sowie Zündwarenfabrikation und war Sitz des Amtsgerichts Ziegenhals.

In Ziegenhals entstand eine Landesheilstätte Oberschlesien, deren Direktor in den 1930er Jahren der Internist und Ober-Medizinalrat Ludgar Rickmann war, welcher sich auch als Mitarbeiter am Lexikon der gesamten Therapie beteiligte.Walter Marle (Hrsg.): Lexikon der gesamten Therapie mit diagnostischen Hinweisen. 2 Bände, 4., umgearbeitete Auflage. Urban & Schwarzenberg, Berlin/Wien 1935 (Verzeichnis der Mitarbeiter).

Im Jahr 1945 gehörte Ziegenhals zum Landkreis Neisse im Regierungsbezirk Oppeln der Provinz Oberschlesien. Bad Ziegenhals blieb bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs von Kriegshandlungen verschont. In der gesamten Kriegszeit fiel nur eine Bombe im Stadtgebiet. Erst nach der Kapitulation zogen sich die deutschen Truppen am 9. Mai 1945 zurück und die Rote Armee besetzte die Stadt. Sie unterstellte sie unter die zunächst wenig durchsetzungsfähige Verwaltung der Volksrepublik Polen, die den Ort in Głuchołazy umbenannte. Im Mai 1946 konnte sie mit der systematischen Vertreibung der Einwohner beginnen, die sich bis 1950 hinzog.Włodzimierz Borodziej, Hans Lemberg: Die Deutschen östlich von Oder und Neiße 1945–1950. Dokumente aus polnischen Archiven. Band 2.: Zentralpolen. Wojewodschaft Schlesien (Obererschlesien). Herder-Institut, Marburg 2003, ISBN 3-87969-294-7, S. 682; zu den Anfangsschwierigkeiten der polnischen Verwaltung vor Ort S. 427–430. Sie war verbunden mit der Ansiedlung von Polen, die teils aus Großpolen, teils aus der Gegend um Myszków sowie den Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen. Viele der Vertriebenen kamen nach Goslar.. Auf Glucholazy.pl (polnisch), abgerufen am 18. Mai 2022. Im Jahr 1950 kam der Ort zur Woiwodschaft Opole.

Im Zuge eines Gebietsaustausches wurde 1959 im Austausch gegen Krasów die zu Zlaté Hory gehörende Ansiedlung Skřivánkov (Lerchenfeld) von der Tschechoslowakei abgetreten und unter dem Namen Skowronków an Głuchołazy angeschlossen. Der westlich der Stadt in das tschechoslowakische Gebiet hineinragende Zipfel wurde hälftig der Gemeinde Kolnovice zugeschlagen, die dafür die östlichen Fluren von Vysutá an die Gemeinde Gierałcice abtrat.

Im Jahr 1997 war die Stadt vom Oderhochwasser betroffen.

Im Jahr 1999 kam der Ort zum wiedergegründeten Powiat Opolski. Am 4. Juli 2018 wurde im Kurpark (ul. Lompy 2) ein 15 Meter hohes Sole-Gradierwerk aus Lärchenholz eröffnet, das auch als Aussichtsturm dient.

Beim Hochwasser in Mitteleuropa im September 2024 wurde die Stadt erneut überflutet.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1748 962 Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1865, S. 1019. 1756 1097 Katholiken 1768 1285 1776 1393 1783 1297 1784 1291 Katholiken, in 233 Privathäusern Friedrich Gottlob Leonhardi: Erdbeschreibung der preussischen Monarchie, Band 3, Teil 1, Halle 1792, S. 131–132. 1790 1426 1803 1869 1810 1793 1816 1940 davon 41 Evangelische, 1899 Katholiken, keine JudenAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 418–419, Ziffer 844. 1821 2020 1825 2256 in 304 Wohnhäusern, davon 44 Evangelische, 2197 Katholiken, 15 JudenJohann Georg Knie: Alphabethisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Breslau 1830, S. 1044. 1828 2363 1843 3417 am Jahresende (ohne Militär), davon 92 Evangelische, 3305 Katholiken, 20 JudenJohann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage, Breslau 1845, S. 952–953. 1852 3533 Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 708. 1855 3348 Zivileinwohner 1861 3762 Zivileinwohner, davon 95 Evangelische, 3641 Katholiken, 26 JudenFelix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1865, S. 967, Ziffer 103. 1867 4329 am 3. Dezember 1871 4922 mit der Garnison (eine Schwadron Husaren Nr. 6), darunter 100 Evangelische;Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 183–185, Ziffer 15. nach anderen Angaben 4918 Einwohner (am 1. Dezember), davon 153 Evangelische, 4740 Katholiken, 25 JudenKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Berlin 1874, S. 398–399, Ziffer 3. 1905 8673 darunter 599 Evangelische und 47 JudenMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 20, Leipzig und Wien 1909, S. 917. 1910 8975 am 1. Dezember 1933 9913 1939 9737

+ Anzahl Einwohner nach dem Zweiten Weltkrieg Jahr 1946 1957 1970 2005 Einwohnerzahlfür 2005 Główny Urząd Statystyczny 7.500 10.300 13.400 15.003

Sehenswürdigkeiten mini|St.-Rochus-Kirche

Die St.-Laurentius-Kirche (Kościół Św. Wawrzyńca) geht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Der erste Bau wurde 1428 von den Hussiten niedergebrannt. Erhalten hat sich hiervon lediglich das gotische Portal. Von 1729 bis 1733 wurde ein Neubau im Stil des Barock errichtet. Die neubarocken Turmhelme wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut. Die St.-Franziskus-Kirche wurde 1865–1866 für die evangelische Kirchengemeinde erbaut. Der gemauerte Altar wurde 1890 geschaffen. St.-Rochus-Kirche – erbaut 1626 bis 1627 Der Obertorturm am südlichen Ausgang der Altstadt entstand in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. 1795 sowie 1899–1902 erfolgten Sanierungen am Bau. Der Turm steht auf quadratischen Grundriss mit einem sich nach oben verjüngenden Turm. Bekrönt ist der Turm mit einem Pyramidendach.Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 316. Die Ringmauer entstand um 1350 und wurde 1632 erweitert. Deren Schleifung erfolgte zwischen 1838 und 1860. Im Bereich des ehemaligen Vogtssitzes an der ul. Magristracka haben sich Reste erhalten. Ring mit Bürgerhäusern im Stil der Renaissance und des Barock Kurbezirk südwestlich der Altstadt mit Kurpark

Wappen

Blasonierung: In Silber ein schwarzer goldgehörnter Ziegenbock.

Verkehr mini|Bahnhof Głuchołazy (2025) Durch die Stadt verlaufen die Landesstraße Droga krajowa 40 und die Woiwodschaftsstraße 411.

Der Bahnhof Głuchołazy (bis 1945: Ziegenhals Hbf) ist ein Knotenpunkt der Strecken Nowy Świętów–Głuchołazy Zdrój, Krnov–Głuchołazy und Hanušovice–Głuchołazy. Einen regelmäßigen, täglichen Personenverkehr gibt es nur in der Relation Krnov–Jeseník. Auf der Strecke von Opole und Nysa verkehren nur an den Wochenenden einige Personenzüge nach Głuchołazy Miasto.

Der ÖPNV in Głuchołazy ist kostenfrei nutzbar.

Gemeinde Die Stadt- und Landgemeinde Głuchołazy umfasst ein Territorium von 168 km². Neben der Stadt sind eine Reihe von Dörfern mit Schulzenämtern der Gemeinde zugehörig.

Partnerstädte und -gemeinden mini|Kuranlagen (1900) Jeseník (Freiwaldau), Tschechien Mikulovice (Niklasdorf), Tschechien Verbandsgemeinde Nieder-Olm, Deutschland Zlaté Hory (Zuckmantel), Tschechien

Sport Die Sportstätten sind das Städtische Stadion (ul. Konopnicka), die Sporthalle (ul. Skłodowska), der Freizeitkomplex „Nad Białką“ (ul. Kościuszki), die Eisbahn „Biały Orlik“ (ul. Bohaterów Warszawy), die Sportplätze ORLIK 2012 (ul. Bohaterów Warszawy) sowie Tennisplätze (al. Johannes Paul II.)

Sportvereine: MULKS Juvenia Głuchołazy (Leichtathletik), GKS Głuchołazy (Fußball), MUKS Chrobry Basket Głuchołazy (Basketball), Juve Głuchołazy (Volleyball), Głuchołaski Victoria Cycling Club (Radsport), KŁ Chrobry Głuchołazy (Bogenschießen) sowie UKS Hattrick Głuchołazy (Fußball).

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Seraphinus Melcher (1693–1763), 42. Generalminister der Kapuziner