mini|Denkmal für den Feldherrn Tilly († 1632) auf dem Rathausplatz mini|Hauptstraße in Rain mini|Blick über die Donau auf Rain

Rain ist eine Stadt im schwäbischen Landkreis Donau-Ries und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Rain, der sie seit dem 1. Juli 2021 aber nicht mehr angehört.

Geographie Lage Die Gemeinde liegt etwa 40 Kilometer nördlich von Augsburg, nahe der Mündung des Lechs in die Donau. Vor der Landkreisgebietsreform am 1. Juli 1972 gehörte die Stadt zum Landkreis Neuburg an der Donau.

Gemeindegliederung Die Stadt hat 24 Gemeindeteile auf 10 Gemarkungen:

GemeindeteilSiedlungstypGemarkungEinwohnerzahlzum 31. Dezember 2023BayerdillingPfarrdorfBayerdilling712BrunnenEinödeEtting203EttingKirchdorfKopfmühleEinödeTödtingWeilerGempfingPfarrdorfGempfing402SchlagmühleEinödeÜberackerDorfMittelstettenKirchdorfMittelstetten178NeuhofWeilerOberpeichingKirchdorfOberpeiching184SägmühleEinödeUnterpeichingKirchdorf110RainHauptortRain6516SallachKirchdorfSallach153StaudheimPfarrdorfStaudheim482HausenEinödeWächtering118HolzmühleEinödeNördlingEinödeStrauppenEinödeWächteringKirchdorfAgathenzellEinödeWallerdorf274HagenheimDorfWallerdorfKirchdorf

Die Gemarkung Rain hat eine Fläche von 13,713 km². Sie ist in 3950 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3471,61 m² haben.

Nachbargemeinden

Geschichte mini|Abbildung der Stadt von Matthäus Merian aus dem Jahr 1665 Bis zum 19. Jahrhundert Die erste Erwähnung der Stadt in einer Urkunde des Klosters Niederschönenfeld datiert vom 4. Juli 1257, sie wird dort als „civitas nostra“, als herzogliche Stadt, bezeichnet. Mit großer Wahrscheinlichkeit verdankt Rain seine Gründung zwischen 1248 und 1253 dem bayerischen Herzog Otto II., spätestens aber Herzog Ludwig II. vor 1257. Dazu wurde damals der etwas südlicher in Richtung Bayerdilling gelegene Ort Brucklach umgesiedelt. Heute zeugt nur noch die Brucklacher Straße von diesem abgegangenen Dorf. Wesentlich für die Stadtgründung dürften wirtschaftliche und strategische Gründe wie die Sicherung des Herzogtums Bayern nach Nordwesten gewesen sein. Die Stadt Rain nahm den herzoglichen Zoll an der Lechbrücke ein.

1372 erhielt Rain die niedere Gerichtsbarkeit verliehen und wurde Sitz eines herzoglich-bayerischen Landgerichts.

1394 erhielt die Stadt das Umgeldrecht aus der Salzniederlage. Der Salz-, Wein-, Vieh-, Eisen- und Brückenzoll brachte Rain die dritthöchsten Einnahmen innerhalb Bayerns nach Ingolstadt und Friedberg. Sie gingen durch den Landshuter Erbfolgekrieg 1505 verloren. Während des Krieges erfolgte die Gründung von Pfalz-Neuburg, so wurde Rain Grenzstadt in drei Richtungen. Nur in Richtung Süden und Südosten war kein Ausland.

In der Schlacht bei Rain am Lech im Dreißigjährigen Krieg versuchte am 14./15. April 1632 Graf von Tilly mit dem Heer der Katholischen Liga vergeblich, dem König Gustav Adolf von Schweden den Übergang über den Lech nach Bayern zu verwehren. Der Feldherr des Liga-Heeres wurde am Beginn der Schlacht schwer verwundet nach Ingolstadt transportiert und starb dort am 30. April 1632 infolge der Schussverletzung am Bein. Auch das geschlagene Heer musste sich unter Verlust der Artillerie nach Ingolstadt zurückziehen und das schwedische Heer verwüstete auf seinem Weg nach München Bayern.

1806 wurde Rain und Umgebung dem neuen Altmühlkreis zugeordnet, 1810 dem Oberdonaukreis.

Durch die am 29. November 1837 von König Ludwig I. veranlasste Reform verlor die Stadt ihre niedere Gerichtsbarkeit. Das Landgericht Rain (ab Oktober 1879 durch neue Gerichtsverfassung Amtsgericht) wechselte 1838 zum neuen Regierungsbezirk Oberbayern. Der Gerichtssprengel Rain wurde bei der Trennung von Justiz und Verwaltung am 1. Juli 1862 dem neuen Bezirksamt Aichach zugeordnet. Am 1. Januar 1880 erfolgte wegen der besseren Anbindung durch die Bahnlinie die Umgliederung in das schwäbische Bezirksamt Neuburg an der Donau.

20. und 21. Jahrhundert Das Amtsgericht Rain fiel 1932 Sparmaßnahmen zum Opfer, das Finanzamt (früher Rentamt) war schon 1929 aufgelöst worden.

Am 1. Juli 1972 fand mit der Gebietsreform in Bayern die letzte Veränderung in der Landkreiszugehörigkeit statt. Die ursprünglich altbayerische Stadt Rain und ihr Umland wurden schwäbisch und gehörten zum neuen Landkreis Nördlingen-Donauwörth, der am 1. Mai 1973 seinen jetzigen Namen Landkreis Donau-Ries erhielt.

Mit ganzjährigem Programm, Konzerten, Ausstellungen, Vorträgen, Unterhaltung, Festen und Aktionen beging Rain im Jahr 2007 das 750-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung.

Eingemeindungen

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Juli 1972 die Gemeinden Gempfing, Oberpeiching, Sallach und Staudheim eingegliedert. Am 1. Januar 1975 kamen Bayerdilling, Etting, Wächtering und Wallerdorf hinzu. Mittelstetten wurde am 1. Januar 1977 eingemeindet. Unterpeiching folgte am 1. Mai 1978. Die Stadt vergrößerte sich durch die Eingemeindung dieser Orte beträchtlich.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 6805 auf 8836 um 2031 Einwohner bzw. um 29,9 %.

Politik Stadtrat Die Kommunalwahl am 8. März 2026 führte zu folgendem Ergebnis für die Zusammensetzung des Stadtrats:

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze +/− Christlich-Soziale Union in Bayern e.V. (CSU) 24,06 % 5 ± 0 Parteilose Wählergemeinschaft Rain (PWG Rain) 18,86 % 4 + 1 Jungbürger – Unabhängige Rain (JBU) 17,11 % 4 + 1 Freie Wähler und Freie Wähler Rain (FREIE WÄHLER und FW Rain) 12,14 % 2 ± 0 Wählervereinigung Rainer Stadtteile (WVRST) 11,18 % 2 − 2 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 10,69 % 2 - 1 BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (GRÜNE) 6,00 % 1 + 1 Gesamt 100 % 20 Wahlbeteiligung: 62,49%

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Karl Rehm (Parteilose Wählergemeinschaft), der bei der Bürgermeisterstichwahl am 29. März 2020 mit 55,54 % der gültigen Stimmen gewählt wurde. Er folgte damit Gerhard Martin (SPD), der seit 1990 dieses Amt innehatte. Rehms Mitbewerberin, Claudia Marb (CSU), kam auf 44,46 % der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 68,03 %.Bürgermeisterstichwahl 29. März 2020 Stadt Rain 2020, abgerufen am 25. Mai 2020

Am 8. März 2026 wurde Rehm mit 54,87 % der gültigen Stimmen wiedergewählt. Die Mitbewerber Manuel Paula (CSU) und Daniel König (SPD) erhielten 26,23 % bzw. 18,90 % der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,55 %.

Bürgermeister seit 1945: Otto Spreitler, kommissarisch (1945) Josef Müller (1945–1948) Carl Faig (1948–1966) Karl Würmseher, PWG (1966–1990) Gerhard Martin, SPD (1990–2020) Karl Rehm, Parteilose Wählergemeinschaft (seit 2020)

Wappen 100px|Wappen von Rain Blasonierung: „Geteilt; oben in Schwarz der herschauende, rot gekrönte Kopf eines goldenen Löwen, unten geweckt von Silber und Blau.“

Städtepartnerschaften : Rain unterhält seit dem 18. Januar 1974 eine Partnerschaft mit der Stadt Tougan in Burkina Faso (früher Obervolta). Tougan ist eine Provinzhauptstadt nahe der Sahelzone. : Am 20. Mai 2012 wurde die Partnerschaft mit der Gemeinde Taksony in Ungarn offiziell besiegelt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen In der Stadt befinden sich das Gebrüder-Lachner-Museum, das Jean-Daprai-Museum und ein Heimatmuseum.

Baudenkmäler

Das Rokoko-Rathaus steht exponiert in der Stadtmitte und wurde 1759 bis 1762 errichtet. Unter Leitung des Münchener Architekten Erwin Schleich und des örtlichen Architekten Anton Fuchs wurde durch den Erweiterungsbau (1985–1987) und die Generalsanierung des Rokoko-Gebäudes sowie des sogenannten Altherr-Hauses (1987–1989) der heutige Rathaus-Komplex geschaffen. Sehenswert sind außerdem die katholische Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer mit spätgotischen Fresken (um 1480), das Schwabtor, das Spital mit Allerheiligenkapelle und das ehemalige Schloss. In Rain steht auch das Tilly-Denkmal, das von der Augsburger Bürgerkongregation gestiftet und am 19. Juli 1914 auf dem Rathausplatz enthüllt wurde.

Bodendenkmäler

Natur Als Teil des Projektes Lebensraum Lechtal wurde der Naturerlebnispfad Fohlenweide angelegt. Künstlich angelegt wurde auch der Dehner-Blumen-Park. Vom 29. Mai bis 23. August 2009 fand die bayerische Regionalgartenschau Natur in Rain statt.

Regelmäßige Veranstaltungen Jedes zweite Wochenende im Juli findet das Rainer Stadtfest statt. Seit dem 14. Jahrhundert gibt es vier Jahrmärkte. Die Termine, jeweils mit verkaufsoffenem Nachmittag des Einzelhandels, sind der letzte Sonntag im April (Maimarkt), der letzte Sonntag im Juli (Jakobimarkt), der zweite Sonntag im September (Herbstmarkt) und der zweite Sonntag im November (Martinimarkt). Die Rainer Schlossweihnacht findet am zweiten Advents-Wochenende (Donnerstag bis Sonntag) statt.

Vereine mini|Georg-Weber-Stadion Der TSV 1896 Rain bietet zahlreiche Sportarten an und hat rund 1300 Mitglieder. Im Fußball war er von 2012 bis 2014, 2015/16 und von 2019 bis 2023 mit seiner 1. Mannschaft in der Regionalliga Bayern vertreten, in der Saison 2023/24 tritt die Mannschaft in der fünftklassigen Bayernliga Süd an. Die Heimspiele bestreitet die Fußballmannschaft im Georg-Weber-Stadion. Die 1. Damenmannschaft der Kegelabteilung wurde in der Saison 2007/08 Meister in der Regionalliga Schwaben/Oberbayern und stieg in die Landesliga Süd auf.

Zu den größeren der rund 50 Vereine in der Kernstadt gehören der Tennisclub (TC Rot-Weiß Rain), der Faschingsclub (FCR), der Eisstockverein (ESV Rain), die Königlich-privilegierte Schützengesellschaft und der Angelsportverein (ASV Rain). In der Kernstadt und in zehn Stadtteilen gibt es Freiwillige Feuerwehren, in den Stadtteilen bestehen unter anderem fünf Schützenvereine, der Sportverein Bayerdilling und der Fußballclub Staudheim.

Wirtschaft und Infrastruktur Gewerbebetriebe Rain ist Stammsitz der Gartencenter-Kette Dehner. Sie beschäftigt dort über 1100 Arbeitnehmer.

Ansässig ist auch die deutsche Tochtergesellschaft des niederländischen Unternehmens Aviko als Hersteller von Kartoffelprodukten sowie das Kartoffel Centrum Bayern. Dieses organisiert nicht nur die komplette Rohstoffversorgung der Firma Aviko, sondern ist auch Bayerns größter Kartoffelvermarkter für die Landwirtschaft der Region.

In Rain befindet sich ein Werk der Südzucker AG mit etwa 240 bis 280 Mitarbeitern. Im IT-Bereich ist das 1999 gegründete Unternehmen 4Sellers mit rund 130 Mitarbeitern in Rain ansässig. IFA Technology, Hersteller von industriellen Wiege-, Misch- und Dosieranlagen, wurde 1980 in der Stadt gegründet.

Zu den größeren Arbeitgebern zählen ferner die Produktionsstätte der terrasan Haus- + Gartenbedarf GmbH, die von der Unternehmensgruppe Compo übernommen wurde, die Krämer GmbH (Industriebehälter) sowie die Geschäftsstellen der Sparkasse Altbayern und der VR Bank Neuburg-Rain.

Arbeitsplätze In der Stadt gab es am 30. Juni 2023 insgesamt 4885 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, das sind 553 mehr als fünf Jahre zuvor. Von der Wohnbevölkerung standen 4492 Personen in einer versicherungspflichtigen Beschäftigung. Der Pendlersaldo (mehr Ein- als Auspendler) erhöhte sich von 2018 auf 2023 von 194 auf 383.

Verkehr Die Stadt liegt an der B 16 (Ulm – Regensburg) sowie an der Bahnstrecke Ingolstadt–Neuoffingen, der Bayerischen Donautalbahn. Der Bahnhof Rain wird unter der Woche stündlich pro Richtung, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen zweistündlich angefahren.

Seit 15. Oktober 2010Jahresbericht der Stadt Rain für 2010 ist die Süd-Ost-Umgehung fertiggestellt, die das Stadtgebiet Rain vom Durchgangsverkehr entlastet. Der erste Bauabschnitt von der Bundesstraße 16 bis zur Neuburger Straße (mit Anbindung der Kreisstraße nach Staudheim und der Staatsstraße nach Gempfing) wurde am 15. September 2007 seiner Bestimmung übergeben, der zweite Abschnitt von der Neuburger Straße bis Unterpeiching wurde 2010 realisiert.

Seit 2009 liegt Rain (Lech) aufgrund einer Änderung der Streckenführung an der Romantischen Straße.

Bildung