Asel ist mit Asel-Süd ein Ortsteil der Gemeinde Vöhl im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.
Geographie Asel liegt südlich von Vöhl im Nordteil des Nationalparks Kellerwald-Edersee am Edersee. Das Dorf mit seinen zwei Ortsteilen, Asel und Asel-Süd, liegt als einziger Gemeindeteil von Vöhl beiderseits des Stausees: Asel liegt auf einem Berg („Auf dem Weinberg“) nördlich des Edersees, Asel-Süd am Südufer des Sees bzw. am Nordhang des Kellerwalds. Durch das Tal östlich von Asel fließt der Eder- bzw. Edersee-Zufluss Aselbach.
Geschichte Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung des ursprünglichen Ortes Asel unter dem Namen „Ezele“ findet sich in einer Urkunde des Klosters Werbe aus dem Jahr 1317.
Asel gehörte zunächst zur Herrschaft Itter, eine bis 1356 selbständige Herrschaft im Heiligen Römischen Reich, die ab 1356 in mehrfachen Variationen und Teilungen an Kurmainz, die Landgrafschaft Hessen und die Grafschaft Waldeck fiel. 1560 kam der Ort mit der Herrschaft Itter an die Landgrafschaft Hessen-Marburg und schließlich 1648/1650 mit der Herrschaft Itter endgültig an Hessen-Darmstadt, aus der 1806 das Großherzogtum Hessen wurde. 1821 wurde im Zuge einer Verwaltungsreform aus dem Amt Itter der Landratsbezirk Vöhl. Die Gemeinde gehörte zu den Landesteilen, die das Großherzogtum nach dem verlorenen Krieg von 1866 mit dem Friedensvertrag vom 3. September 1866 an Preußen abtreten musste. Dort wurde es dem Landkreis Frankenberg und dem Amtsgericht Vöhl zugeordnet.
In Asel führte die rund 60 m lange, vierbogige „Aseler Brücke“ über die Eder. Sie wurde von 1887 bis 1890 erbaut und war die lang ersehnte Verbindung zwischen Asel, das unten im Flusstal am Nordufer der Eder lag, und dem Gutshof an den Südhängen des Edertals. Während der Bauzeit der Brücke war nicht absehbar, dass der Fluss zu einem großen See aufgestaut werden würde. Als von 1908 bis 1914 nur etwa 7,5 km (Luftlinie) weiter östlich die Edertalsperre gebaut wurde, waren die Tage der Brücke als nutzbarer Flussübergang gezählt. Die Bewohner des im Edertal liegenden Dorfs Asel, das seit der Stauseeflutung „Alt-Asel“ genannt wird, suchten sich eine neue Bleibe. Auf dem Bergrücken „Auf dem Weinberg“, nördlich über dem neu entstehenden Edersee, errichteten sie meist aus eigener Kraft den Ortsteil Asel, und am gegenüberliegenden Ufer des künftigen Stausees entstand Asel-Süd, das zuvor nur aus einem Gutshof bestanden hatte. Von der alten Ortslage sind heute nur noch geringe Reste erkennbar. Zum Zeitpunkt der Umsiedelung 1913 war Asel keine reiche Gemeinde. Alles, was sich demontieren ließ, wurde abgebaut und mitgenommen oder verkauft. Die verbliebenen Reste wurden von Pionieren gesprengt. Nur einige Fundamente sind noch auffindbar. Die Aseler haben in den letzten Jahren in privater Initiative Schaukästen und Installationen vorgenommen, um den alten Ort erfahrbar zu machen.
Bei der Stauseeflutung verschwand die Aseler Brücke im Wasser (höchster Punkt im Scheitel: ), aber ab einem Pegelstand von 235,10 m wird sie wieder sichtbar. Auch nach über 100 Jahren im Wasser ist sie, bis auf ihre beiden Geländer, die aus Sicherheitsgründen abgerissen wurden, noch komplett erhalten und in gutem Zustand und kann bei weiter fallendem Pegel ab ca. 228 m begangen und mit Fahrrädern befahren werden. Die Eder fließt dann wieder in ihrem alten Bett und auch der Aselbach schlängelt sich wie früher durch das Tal zur Eder. Der trockene Grund des Sees wird binnen weniger Tage grün und die früheren Wege und Feldraine sind dann deutlich sichtbar. Die Brücke wurde 1982 und 1989 restauriert und steht unter Denkmalschutz.
Die kleine Kirche von (Alt-)Asel, die im Stausee untergegangen wäre, wurde von der Gemeinde Lehnhausen gekauft und als Schule 1915 dort wieder aufgebaut.
Ein Großteil der heutigen Gemarkung von Asel-Süd (mit 14 EinwohnernTV-Magazin herkules; hr-Fernsehen, 5. Juni 2011) wird durch einen Dauercampingplatz und eine Wochenendhaussiedlung genutzt. Weitere feste Bebauungen sind neben dem alten Gutshof (mit Vieh- und Landwirtschaft) eine Gaststätte inklusive Lebensmittelmarkt (saisonal geöffnet) und ein Forsthaus.
Ortsumsiedelungen
Neben Asel wurden auch die ursprünglich im Tal der Eder liegenden Dörfer Berich und Bringhausen sowie drei Einzelgehöfte umgesiedelt. Die Dorfstelle von Neu-Berich liegt 22 km (Luftlinie) weiter nördlich; Bringhausen wurde am höher gelegenen Südufer des Edersees neu errichtet.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Am 1. Februar 1971 fusionierten im Zuge der Gebietsreform in Hessen die Gemeinden Asel, Basdorf und Vöhl freiwillig zur erweiterten Gemeinde Vöhl. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Vöhl wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Asel angehört(e):
vor 1356: Heiliges Römisches Reich, Herrschaft Itter 1356–1590: Heiliges Römisches Reich, Landesherrschaft strittig zwischen Landgrafschaft Hessen, Kurmainz und Grafschaft Waldeck, Herrschaft Itter ab 1590: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Herrschaft Itter 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt (Hessenkrieg)Die Zugehörigkeit der Herrschaft Itter anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Herrschaft Itter ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Herrschaft Itter ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Herrschaft Itter ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Herrschaft Itter ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk VöhlTrennung von Justiz (Landgericht Vöhl) und Verwaltung. ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Vöhl ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg ab 1942: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Waldeck ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck, Gemeinde Vöhl ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg, Gemeinde Vöhl
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Asel 231 Einwohner. Darunter waren 12 (5,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 21 Einwohner unter 18 Jahren, 57 waren zwischen 18 und 49, 36 zwischen 50 und 64 sowie 117 Einwohner waren 65 und älter. Die Einwohner lebten in 90 Haushalten. Davon waren 36 Singlehaushalte, 30 Paare ohne Kinder und 18 Paare mit Kindern, sowie 3 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 36 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 39 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon 1585: 22 Haushaltungen 1629: 18 Haushaltungen 1742: 21 Haushaltungen 1791: 129 Einwohner 1800: 132 Einwohner 1806: 143 Einwohner, 24 Häuser 1829: 162 Einwohner, 25 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 162 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1885: 149 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 84 evangelische (= 77,78 %), 16 katholische(= 14,81 %) Einwohner
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Kirche in Asel; unten sind eine Garage für die Feuerwehr und ein Unterstand für die Bushaltestelle
Zu den Sehenswürdigkeiten in und nahe Asel gehören (alphabetisch sortiert):* „Alt-Asel“ bzw. „Dorfstelle Asel“ im Edersee bzw. an der Eder (zu sehen bei Niedrigwasser) „Aseler Brücke“ im Edersee bzw. an der Eder (zu sehen und überqueren bei Niedrigwasser) Denkmal „Dorfstelle Asel“ am Nordrand des Edersees bzw. Edertals Edersee – Stausee der Eder Fledermauslehrpfad Kellerwald – Mittelgebirge südlich des Edersees Nationalpark Kellerwald-Edersee – Nationalpark beiderseits des Edersees Naturpark Kellerwald-Edersee – Naturpark mit Edersee und Kellerwald
Verkehr Verkehrstechnisch liegt Asel-Süd, ebenso wie das östlich gelegene Bringhausen (Gemeindeteil von Edertal), am Ende einer Sackgasse. Es ist nur vom Westende des Edersees über die Vöhler Gemeindeteile Herzhausen und Harbshausen auf der Kreisstraße „K 59“ oder über Wanderwege zu erreichen. Ebenso ist Asel selbst nur über die Kreisstraße 31 von Vöhl zu erreichen; ab der Jugendherberge Hohe Fahrt ist der Weg nach Herzhausen nur noch für Wanderer und Fahrradfahrer offen. Bei entsprechendem Wasserstand verkehrt eine kleine motorisierte Personenfähre, die „Fähre Asel“, zwischen Asel-Süd und Asel; sie ist auch zum Transport von Fahrrädern geeignet. Der Schiffsanleger auf Aseler Seite (Nordufer) wird zeitweise auch von Ausflugsschiffen der Personenschiffahrt Edersee angefahren. So sind Asel und, in Kombination mit der Fähre, auch Asel-Süd auf dem Wasserweg per Touristenschiff im saisonalen Linienverkehr von Waldeck, der Halbinsel Scheid oder Bringhausen aus erreichbar.
Weblinks
Ortsteil Asel. In: Webauftritt der Gemeinde Vöhl.
Wenn die verlorenen Dörfer auftauchen (Drei Videos vom Edersee-Atlantis), HNA, 5. September 2016, abgerufen am 9. November 2016
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Waldeck-Frankenberg Kategorie:Ortsbezirk von Vöhl Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Waldeck-Frankenberg) Kategorie:Staatlich anerkannter Erholungsort in Hessen Kategorie:Gemeindeauflösung 1971