mini|Vollplastische Darstellung der Darbietung Jesu im Tempel, Aachen um 1330/1340, Domschatz mini|Darbringung im Tempel (Meister der Pollinger Tafeln, 1444) mini|Darstellung des Herrn (Hans Holbein der Ältere, 1501, Hamburger Kunsthalle)

Darstellung des Herrn, , auch Darbringung im Tempel, altertümlich Jesu Opferung im Tempel,Diese Formulierung ist noch gebräuchlich als Clausula des vierten freudenreichen Geheimnisses des Rosenkranzes: „Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast“ (quem in templo praesentasti). früher auch Mariä Reinigung, ,Antiphonale monasticum pro diurnis horis. Juxta vota RR. DD. Abbatum congregationum confoederatarum ordinis Sancti Benedicti a solesmensibus monachis, 1934, S. 800, S. xxiij. volkstümlich auch Mariä Lichtmess oder (veraltet) Unser Lieben Frauen Lichtweihe,Josef Helwig: Zeitrechnung zu Erörterung der Daten in Urkunden für Deutschland. Wien 1787, S. 36 google/books. ist ein christliches Fest im liturgischen Jahr, das am 2. Februar, dem vierzigsten Tag der Weihnachtszeit, begangen wird. In der Ostkirche heißt es Begegnung des Herrn ( Ypapanti tou Kyriou, kirchenslawisch ).

Biblische Zusammenhänge Die Erzählung von der Darstellung Jesu, die sich an einen kurzen Hinweis auf dessen Beschneidung am achten Tag nach seiner Geburt anschließt, berichtet von zwei hier ineinander verwobenen Riten, die in Vorschriften des biblischen Buches Leviticus ihre Wurzeln haben. Die bei Lukas geschilderte Abfolge (Beschneidung – Reinigung der Frau – Heiligung der Erstgeburt) entspricht dem von der Tora vorgeschriebenen Zeitschema.

Reinigungsopfer Nach dem biblischen Gesetz des Mose gilt die Frau nach der Geburt eines Knaben 40 Tage (sieben plus 33 Tage ) und nach der Geburt eines Mädchens 80 Tage (14 plus 66 Tage ) als unrein , siehe auch Nidda (Judentum). Zur Zeit des Tempelkultes hatte sie nach diesen Tagen als Reinigungsopfer einem Priester ein Schaf und eine Taube zu übergeben. Ärmere Menschen übergaben ersatzweise zwei Turteltauben oder andere Tauben .Alexander Dubrau: Artikel Nidda (Januar 2009), in: Wibilex (Lexikon im wissenschaftlichen Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft).

Heiligung des Erstgeborenen Zudem wurde der erstgeborene Sohn in Erinnerung an die Pessach-Nacht als Eigentum Gottes angesehen und ihm im Tempel übergeben („dargestellt“), wo er durch ein Geldopfer auszulösen war. Die Lukas-Erzählung von der Darstellung des Herrn berichtet von dieser Erstgeburtsweihe, nicht aber von der Auslösung, die im traditionellen Judentum immer noch praktiziert wird (Pidjon ha-Ben).

Begegnung mit Simeon und Hanna Laut dem Text im Lukasevangelium kommt es im Tempel zur Begegnung mit Simeon und der greisen Prophetin Hanna (Anna). Der griechische Begriff (Ipapanti) ‚Begegnung‘ für das liturgische Fest scheint sich auf diese Episode zu beziehen.Hypapante. In: Michael Buchberger (Hrsg.): Kirchliches Handlexikon. Ein Nachschlagebuch über das Gesamtgebiet der Theologie und ihrer Hilfswissenschaften. Band 1: A–H. Allgemeine Verlags-Gesellschaft, München 1907, Sp. 2065. Das mittelgriechische Wort entspricht Koine συνάντησις, welches allerdings in der Bibel nur einmal in anderem Zusammenhang (Matth. 8,34) auftritt. Es wurde in den Schreibungen Ypapante, Hypapanti, Hypante, Hypanti auch in die Mittellateinische Literatur aufgenommen, laut der von du Cange angeführten Quellen spätestens im 9. Jh. In der Ostkirche besteht die Tradition, dass Simeon einer der Gelehrten gewesen sein soll, die die Septuaginta verfasst hatten. Er hätte demnach ein übernatürliches Alter von 278 Jahren erreicht. Simeon soll es laut dieser Tradition zugefallen sein, den Text von Jesaja (7,14) zu übersetzen („Siehe, die Jungfrau hat empfangen, sie gebiert einen Sohn und wird ihm den Namen Immanuel geben“). Das hebräische Wort , das sowohl „Jungfrau“ als auch einfach „junge Frau“ heißen kann, habe er dabei erst auf Eingebung des Heiligen Geistes mit griech. ‚Jungfrau‘ übersetzt, so dass der griechische Text im Gegensatz zum hebräischen Original erstmals die Prophezeiung der jungfräulichen Geburt explizit machte. Aufgrund der Zweifel Simeons an der Richtigkeit dieser Übersetzung sei ihm vorhergesagt worden, er werde so lange leben, bis er dieses Kind mit eigenen Augen sähe (Lukas 2,26). Diese Tradition ist mittelalterlich und findet sich zuerst, als eine von fünf möglichen Identifizierungen von Simeon, bei Dionysius bar Salibi (12. Jh.); sie bestand möglicherweise seit dem 10. Jh., ein Gelehrter namens Simeon () wird bereits im Zusammenhang mit der Übersetzung der Stelle bei Jesaja erwähnt im arabischen Text von Eutychios von Alexandria.Eveline van Staalduine-Sulman in: Septuagint, Targum and Beyond. Simeon the Just, the Septuagint and Targum Jonathan, 317–338, DOI:10.1163/9789004416727_016. Der „Lobgesang des Simeon“ (Nunc dimittis) ging in die Liturgie sowohl der Ost- wie auch der Westkirche ein.

Liturgie mini|hochkant|Hans Memling: Darstellung Christi im Tempel, um 1463

Das kirchliche Fest Darstellung des Herrn geht auf das 4. Jahrhundert zurück. Es entstand in Jerusalem als Nebenfest von Christi Geburt und wurde ursprünglich nur als „vierzigster Tag der Geburt unseres Herrn Jesus Christus“ bezeichnet.Manfred Becker-Huberti: Feiern – Feste – Jahreszeiten. Lebendige Bräuche im ganzen Jahr. Herder, Freiburg-Basel-Wien 1998, ISBN 3-451-27702-6, S. 384f. Bezeugt ist es bereits im Bericht der Egeria über ihre Reise ins Heilige Land (um 400).Itinerarium Egeriae oder Peregrinatio Aetheriae 26: „quadragesimae de epiphania cum summo honore hic celebrantur .[…]“ („Der Vierzigste ab Epiphanie wird hier (gemeint: in Jerusalem) mit größter Feierlichkeit begangen.“) Das Festdatum war anfangs der 14. Februar (40 Tage nach dem Fest der Erscheinung des Herrn am 6. Januar), ab 542 auf Anordnung Kaiser Justinians der 2. Februar,Mischa Meier: Kaiserherrschaft und „Volksfrömmigkeit“ im Konstantinopel des 6. Jahrhunderts n.Chr. Die Verlegung der Hypapante durch Justinian im Jahr 542. In: Historia 51, 2002, S. 89–111. also 40 Tage nach dem Hochfest der Geburt Jesu Christi am 25. Dezember, das sich in der Westkirche inzwischen als die Feier der Geburt Jesu durchgesetzt hatte. Der 25. Dezember ist nach liturgischer Zählweise als erster Tag des Vierzig-Tage-Zeitraums mitzuzählen. Mit dem Fest der Darstellung des Herrn sind in der Liturgie der römisch-katholischen Kirche die Kerzenweihe und die anschließende Prozession oder Statio mit brennenden Kerzen verbunden.

Geschichte Stand ursprünglich die von Lukas überlieferte Geschichte von der Darstellung Jesu im Zentrum des Festes, so traten alsbald weitere Motive hinzu. Die Darstellung des Herrn, der nach den neutestamentlichen Weihnachtsgeschichten in Bethlehem geboren worden war, wurde zum ersten Einzug Jesu in die Davidstadt Jerusalem. Der antike Brauch, nach dem die Bewohner einer Stadt ihrem Herrscher bei seinem ersten Besuch entgegenzogen, wurde schon früh in die Festliturgie mit einbezogen. Auf dem Weg von Jerusalem nach Bethlehem lag ein Kloster, das eine Frau namens Hikelia gegründet hatte. Hikelia soll die Mönche mit Kerzen ausgestattet haben, um damit Christus entgegenzugehen und anschließend mit ihm gemeinsam in die heilige Stadt zu ziehen. In dieser Legende wurzelt die im 5. Jahrhundert entstandene Lichterprozession,Anke Fischer: Feste und Bräuche in Deutschland. München 2004, ISBN 3-89736-323-2, S. 14. die noch in der römisch-katholischen Kirche einen festen Platz in der Festtagsliturgie hat und unter anderem mit der neutestamentlichen Bibelstelle begründet wird. Die örtliche Pfarrkirche stellt in dieser liturgischen Inszenierung symbolisch die heilige Stadt Jerusalem dar, in der Christus gegenwärtig ist. Beim Einzug in die Kirche kommen die Prozessionsteilnehmer Christus entgegen. So begleiten sie sein Kommen in unsere Welt mit dem Licht der Kerzen, die zu diesem Fest besonders geweiht wurden. Im 6. Jahrhundert, unter dem byzantinischen Kaiser Justinian I., wurde es auch als „Fest der Begegnung“ mit Simeon und Hanna gefeiert.Manfred Becker-Huberti: Feiern – Feste – Jahreszeiten. Lebendige Bräuche im ganzen Jahr. Herder, Freiburg/Basel/Wien 1998, ISBN 3-451-27702-6, S. 96 f. Die Festgeheimnisse – Darstellung, Erleuchtung der Heiden, Lichtprozession – klingen an in dem von Maria Luise Thurmair verfassten Liedtext Seht unsers Herrn Erbarmen im Tempel dargestellt, von einer Jungfrau Armen erstrahlend aller Welt.Gotteslob, Ausgabe für das Bistum Passau. 2013 (Nr. 785).

Im Lauf der weiteren Entwicklungen verschob sich der Schwerpunkt des Darstellungsfests von Jesus auf die Mutter Jesu. Aus dem Fest der Darstellung des Herrn wurde Mariä Reinigung und Mariä Lichtmess. Seit der Liturgiereform der 1960er-Jahre gilt es wieder als Herrenfest. Seit 1997 wird das Fest der Darstellung des Herrn auch als Tag des geweihten Lebens begangen.

Mit der Vorverlegung des Festes vom 14. auf den 2. Februar entstand eine zeitliche Nähe zum Gedenktag des hl. Blasius am 3. Februar und dem mit ihm verbundenen Sakramentale des Blasiussegens. Der Blasiussegen wird in der römisch-katholischen Kirche seit dem 16. Jahrhundert gespendet.Schott-Meßbuch, Gedenktag des hl. Blasius. Oft wird dieser Segen auch schon nach der Heiligen Messe am Abend des Festes der Darstellung des Herrn erteilt.

Liturgischer Kalender Lichtmess ist in der katholischen Kirche dem Weihnachtsfestkreis zugeordnet. Die eigentliche Weihnachtszeit (liturgische Farbe Weiß) endet am Fest der Taufe des Herrn. Dieses war vor der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (Messbuch von 1962) der Oktavtag (13. Januar) des Hochfestes der Erscheinung des Herrn (Epiphanias) am 6. Januar. Mit der Reform (Messbuch von 1970/2000) wurde das Fest der Taufe des Herrn auf den Sonntag nach Erscheinung des Herrn verlegt, der je nach Lage der Wochentage auf den Zeitraum vom 7. bis 13. Januar fällt. Unabhängig von der Reform folgt liturgisch ein Tempus per annum (heute: Zeit im Jahreskreis) mit der liturgischen Farbe Grün, die allenfalls durch höherrangige Feste verdrängt wird. In vielen katholischen Kirchen und Häusern bleiben aber die Krippe oder auch der Weihnachtsbaum als Form des Brauchtums bis zum 2. Februar stehen – örtlich noch mit dem Ritus der Krippenschließung verbunden. Nach dem alten Kalender konnte der 2. Februar bei frühem Ostertermin schon in die Vorfastenzeit (Septuagesima, liturgische Farbe Violett) fallen, die mit der Liturgiereform abgeschafft wurde.

Im evangelischen Kirchenjahr wird Epiphanias zwar von vielen als der Abschluss der Weihnachtszeit angesehen, der liturgische Kalender des Evangelischen Gottesdienstbuches sieht den Weihnachtsfestkreis aber erst mit der Woche nach dem letzten Sonntag nach Epiphanias (liturgische Farbe Weiß) als beendet an. Nach der Perikopenrevision von 2017, erstmals für das Kirchenjahr 2018/2019 gültig, ist dies die (mit dem fraglichen Sonntag beginnende liturgische) Woche, in die der 2. Februar fällt. Tageslied für den 2. Februar ist Im Frieden dein, o Herre meinIm Frieden dein, o Herre mein (1898) von Friedrich Spitta nach einem Lied zum Lobgesang des Propheten Simeon von Johann Englisch vor 1530; EG 222 – Abendmahl. oder Luthers Mit Fried und Freud ich fahr dahin,EG 519 – Sterben und ewiges Leben, Bestattung. beides Nachdichtungen des Nunc dimittis. Das Fest wird nur noch in wenigen lutherischen Gemeinden gottesdienstlich begangen.

Die Ostkirche nennt das Fest Hypapante (Ὑπαπαντή = Begegnung). Sie betont den Aspekt der Begegnung des Erlösers mit den Frommen Simeon und Hanna, die ihn erwarten. In einer Formulierung der dritten Antiphon der Festtagsliturgie klingt bereits das Ostermysterium an, dessen Vorbereitungsphase, die Vorfastenzeit, schon vor dem Begegnungsfest beginnen kann. Siehe auch Servikon: Gesangsstück in altserbischer Sprache für den Feiertag Mariä Reinigung.

In der altkatholischen Kirche endet die Weihnachtszeit immer erst an Mariä Lichtmess.