mini|Europäischer Biber am Inn bei Kiefersfelden Der Europäische Biber (Castor fiber), auch Eurasischer Biber genannt, ist das größte Nagetier Europas. Er erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 80 bis 102 cm und eine Schwanzlänge von bis zu 35 cm. Ausgewachsene Europäische Biber wiegen zwischen 23 und 30 kg. Wie alle Biber leben sie semiaquatisch und bewohnen Gewässer und deren Uferbereiche. Sie gestalten ihre Lebensräume aktiv und ernähren sich rein pflanzlich.Rainer Allgöwer (2005): Biber Castor fiber Linnaeus, 1758. In: Die Säugetiere Baden-Württembergs Band 2, S. 181–189, ISBN 3-8001-4246-5.
Merkmale Ausgewachsene Europäische Biber wiegen zwischen 23 und 30 kg und weisen dann Kopf-Rumpf-Längen von 83 bis 102 cm sowie Schwanzlängen von 30 bis 35 cm auf. Entsprechend betragen die Gesamtlängen 113–137 cm. Der Körper ist plump und gedrungen und nimmt nach hinten im Umfang zu. Der Kopf ist kurz, breit und oben abgeflacht, sodass er direkt in die starke Nackenmuskulatur und den Rumpf übergeht. Die sehr weit oben angeordneten Augen und Ohren sowie die Nase sind auch bei untergetauchtem Körper über Wasser. Beim Tauchen schützt eine Nickhaut das Auge.Gerold Stocker: Biber (Castor fiber L.) in der Schweiz. Eidgenössische Anstalt für das forstliche Versuchswesen, August 1985. S. 12. Stocker verweist auf: Tevis, L, 1950: Summer behavior of a family of beaver in New York State; und auf: Aleksiuk, M., 1970b: The function of the tail as a fat storage depot in the beaver (Castor canadensis Kuhl).
Vorder- und Hinterbeine sind kurz. Die Vorderfüße sind zum Greifen ausgebildet und weisen fünf Finger auf. Die Hinterfüße sind groß und besitzen Schwimmhäute zwischen den Zehen, die zweite Hinterfußzehe besitzt eine Doppelkralle zum Striegeln des Fells. An der Oberseite ist das sehr dichte Fell grau- bis dunkelbraun oder schwarz, unterseits heller. Die Haardichte ist bauchseitig (ventral) mit 23.000 Haaren/cm² höher als am Rücken (dorsal) mit 12.000 Haaren/cm². Die Wollhaare halten beim Tauchen die Luft im Fell und schaffen somit eine wirksame Isolation. Die Grannenhaare, die zum Ende hin breiter werden, schützen die Wollhaare vor dem Eindringen von Wasser.Naturschutzverband Niedersachsen, Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems gemeinsam mit dem Naturschutzring Dümmer und dem NaturschutzForum Deutschland – NaFor. März 2009. . Abgerufen am 26. Juni 2011. Der Schwanz (auch Kelle genannt) ist flach, breit, unbehaart und mit Schuppen bedeckt. Er dient als Steuer, Antriebsorgan und Fettdepot. Zur Warnung von Artgenossen vor Feinden wird die Kelle hart auf die Wasseroberfläche geschlagen. mini|Von Biberzähnen geleistete Nagearbeit an einer Espe in Karelien Der Europäische Biber hat (wie alle Nagetiere) vergrößerte und ständig wachsende Schneidezähne. Der Zahnschmelz besteht wie bei allen Landsäugetieren zum Großteil aus dem anorganischen Hydroxylapatit. Die Vorderseite der Zähne ist neben Calcium, Magnesium und anderer Ionenverbindungen zusätzlich mit Eisen und Eisenverbindungen verstärkt, weshalb die Zähne von vorne oftmals orange-rot gefärbt sind. Auf der Hinterseite der Zähne fehlen diese Eisenverbindungen, wodurch die Frontseite der Zähne viel härter ist und sich nicht so schnell abnutzt wie die Hinterseite der Zähne. Dies führt beim Nagen an Holz zu einem natürlichen Selbstschärfeeffekt, welchen man sich unter anderem in der Bionik beim Schreddern zunutze macht. Im Gegensatz zu den vier Nagezähnen wachsen die sechzehn Backenzähne des Bibers nicht das ganze Leben lang nach, sondern werden – wie beim Menschen – vom Milchgebiss zum bleibenden Gebiss gewechselt.
Die Geschlechter des Europäischen Bibers unterscheiden sich äußerlich kaum. Nur säugende Weibchen sind an den größeren Zitzen als solche zu erkennen; ansonsten muss die Kloake nach einem Penisknochen abgetastet werden. Auch Eurasische und Kanadische Biber sind äußerlich nur schwer zu unterscheiden.Gerold Stocker: Biber (Castor fiber L.) in der Schweiz. Eidgenössische Anstalt für das forstliche Versuchswesen, August 1985. S. 12.Stocker verweist auf: Richard, P.B., 1962: Détermination du sexe du castor vivant (Castor fiber).
Verbreitung Gesamtareal und Bestandsentwicklung mini|Verbreitung des Europäischen Bibers mini|Biber in Europa außer Russland im Jahre 2003 Der Europäische Biber war ursprünglich in weiten Teilen Eurasiens heimisch und bewohnte einen breiten Streifen zwischen Skandinavien und Südfrankreich bis nach Sibirien und in die südwestliche Mongolei hinein. Direkte Verfolgung und Lebensraumzerstörung führten bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur großflächigen Ausrottung in ganz Europa. Im europäischen Arealteil konnte er sich nur in vier isolierten Restgebieten halten: Mittlere Elbe, Unterlauf der Rhone, südliches Norwegen und im Einzugsgebiet der Beresina bis zum Oberlauf des Dnepr.Rudolf Piechocki (1990): Elbebiber Castor fiber albicus Matschie. In: M. Stubbe (Hrsg.): Buch der Hege, Haarwild, S. 588–615, ISBN 3-331-00169-4.LUA Brandenburg (1999): Artenschutzprogramm Elbebiber und Fischotter. 51 S.Max Hoffmann: Ein Beitrag zur Verbreitungsgeschichte des Bibers Castor fiber (Matschie 1907) im Großeinzugsgebiet der Elbe
Bereits 1714 erließ der preußische König Friedrich Wilhelm I. eine Anordnung, „bey Vermeidung willkürlich harter Bestrafung“ den Biber zu schonen und dessen Vermehrung zu fördern.Hinze, G. (1934): Unsere letzten deutschen Biber. Dessau, zitiert nach: Dolch, D., Heidecke, D., Teubner, J. & Teubner, J. (2002): "Der Biber im Land Brandenburg", in: Naturschutz und Landschaftspflege in Brandenburg, 11, 4, S. 220–234. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es andernorts am Oberrhein keine Biber mehr.David Blackbourn: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft. Aus dem Englischen von Udo Rennert. Pantheon, München 2008, ISBN 978-3-570-55063-2, S. 141. Ende des 19. Jahrhunderts waren weite Teile Deutschlands und Europas biberfrei. Sowohl in Deutschland als auch in anderen europäischen Ländern wurden von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts an Schutzprogramme umgesetzt und Biber wieder eingebürgert. Angesiedelt wurden dabei Tiere unterschiedlicher Unterarten (auch fremde), lokal wurden auch Kanadische Biber angesiedelt, beispielsweise in Finnland, Deutschland und Österreich. Durch Schutzmaßnahmen und natürliche Ausbreitung ist heute das ursprüngliche Areal wieder besiedelt, allerdings sind die Bestände lückenhaft.Dietrich Dolch, Dietrich Heidecke, Jana Teubner & Jens Teubner (2002): Der Biber im Land Brandenburg. – Naturschutz Und Landschaftspflege In Brandenburg 11 (4) 2002; 220–234. Natürliche Vorkommen bestehen nun in Belarus, China, Deutschland, Kasachstan, der Mongolei, Norwegen und Russland. Wiedereingeführt wurden Eurasische Biber in Österreich, Belgien, Kroatien, der Tschechischen Republik, Dänemark, Estland, Finnland, Ungarn, Italien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Montenegro, den Niederlanden, Polen, Rumänien, Serbien, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, der Schweiz, der Ukraine und dem Vereinigten Königreich. Ausgehend von Wiedereinbürgerungen in Belgien, in der Eifel und im Saarland wurde um 2004 auch Luxemburg wiederbesiedelt.Forstverwaltung: Biber in Luxemburg. Luxemburg 2004 Die Herkunft der Biber in Bulgarien ist unklar. Ausgestorben ist die Art in Moldawien, Portugal und in der Türkei.J. Batbold, N. Batsaikhan, S. Shar, G. Amori, R. Hutterer, B. Kryštufek, N. Yigit, G. Mitsain & L. J. P. Muñoz, (2008): Castor fiber. In: IUCN 2011. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.1. < >. Abgerufen am 26. Juni 2011. Von der IUCN wird der Gesamtbestand des Bibers in Europa und Asien auf mindestens 639.000 Tiere geschätzt. Die Population in Asien ist nach wie vor klein.
In Gebieten, in denen beide Arten gemeinsam vorkommen, wird es als möglich angesehen, dass der Kanadische Biber den Europäischen Biber verdrängt.
Heutige Verbreitung im deutschsprachigen Raum mini|Biberpräsenz in Heidelberg alternativtext=Beaver scat consisting of indigestible parts of the consumed bark.|mini|Biberlosung aus unverdaulichen Bestandteilen der verzehrten Rinde. In Deutschland leben inzwischen (2021) wieder mehr als 40.000 Biber über alle Flächenbundesländer verteilt.Zahner, V., Schmidbauer, M., Schwab, G., & Angst, C. (2021). Der Biber: Baumeister mit Biss (2nd ed.). SüdOst Verlag Die Reviere hat er sich teils durch Wanderbewegungen wieder erschlossen, teilweise wurde er aber auch durch gezielte Projekte neu angesiedelt (z. T. Kanadische Biber). Die dichtesten Verbreitungsgebiete liegen entlang der Elbe und ihrer Zuflüsse in den Bundesländern Sachsen-Anhalt (Kernvorkommen der autochthonen Elbebiber), Sachsen, Niedersachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern; auch in Berlin war 2015 der Biber wieder heimisch.Wilde Tiere in Berlin-Spandau. Abgerufen am 14. Juli 2015 In Thüringen ist der Biber seit 2007 wieder angesiedelt und breitet sich seither dort entlang der Saale und ihrer Nebenflüsse aus. 2019 wurde von einer Population von etwa 300–400 Tieren ausgegangen.. antennethueringen.de, 12. April 2019. Zuletzt abgerufen am 3. Oktober 2019.
Vergleichsweise groß ist der Bestand in Bayern, der auf Einbürgerungen von Europäischen Bibern gemischter Herkunft zurückgeht:bibermanagement.de: Biberverbreitung und -bestand in Deutschland – Manuskript zur Bibertagung (PDF, 297 kB, abgerufen am 27. Juni 2011) 2017 wurde von 20.000 Tieren in rund 5.500 Revieren ausgegangen. In Hessen gab es kleinere Bestände u. a. im Spessart. alternativtext=Nachweise von Castor fiber in Deutschland (Rote Punkte) nach Meldungen im Portal GBIF.org|mini|Nachweise von Castor fiber in Deutschland (Rote Punkte) nach Meldungen im Portal GBIF.org (Stand Sept. 2025, GBIF Occurrence Download https://doi.org/10.15468/dl.v4xxaa); Hintergrundkarte: Bundesländer, Bundeswasserstraßen und Relief.
In Baden-Württemberg stieg der Biberbestand zwischen 2008 und 2016 von etwa 1.000 auf rund 3.500 Individuen an. Am Bodensee wurden Biber-Spuren im Frühjahr 2020 in Konstanz am Seerhein, am deutschen Ufer des Konstanzer Trichters bis Staad sowie bei Konstanz-Dettingen am Südufer des Überlinger Sees gefunden. An dessen Nordostufer in Überlingen im Herbst 2023. Nach neueren Schätzungen lebten im Jahr 2024 rund 11.500 Biber in Baden-Württemberg. Es wird weiterhin von einer zunehmenden Ausbreitung ausgegangen, da noch geeignete Lebensräume verfügbar sind. Regionale Schwerpunkte der Population in Baden-Württemberg lagen im Jahr 2022 insbesondere im Landkreis Biberach mit etwa 1.150 Tieren, gefolgt vom Landkreis Ravensburg mit rund 1.050 sowie dem Landkreis Sigmaringen mit etwa 800 Individuen. Aufgrund der überwiegend dämmerungs- und nachtaktiven Lebensweise des Bibers sowie seiner versteckten Bauweise ist eine exakte Erfassung der Bestände jedoch schwierig. Eine flächendeckende Zählung findet bislang nicht statt.