mini|295px|Hauptaltar der Capella del tesoro di San Gennaro, links das silberne Reliquiar des heiligen Gennaro Die Kathedrale von Neapel (italienisch Duomo di Santa Maria Assunta) ist die Hauptkirche von Neapel, die der Himmelfahrt Mariä geweiht ist. Außerdem werden hier die Reliquien von San Gennaro (Januarius), dem Stadtpatron von Neapel, aufbewahrt, weshalb sie auch als Duomo di San Gennaro bekannt ist.
Zur Kathedrale gehören einige bedeutende Räumlichkeiten, die als eigenständige Strukturen angesehen werden: die berühmte Cappella del tesoro di San Gennaro (Schatzkapelle des heiligen Januarius), wo jedes Jahr das Blutwunder des heiligen Januarius zelebriert wird, und die Basilica di Santa Restituta mit den Überresten des spätantiken Battistero di San Giovanni in fonte. Unter der Kathedrale wurden außerdem Relikte aus römischer und griechischer Zeit gefunden.
Der benachbarte Palazzo Arcivescovile ist der Sitz des Erzbistums Neapel.
Geschichte Nach der Überlieferung befindet sich die Kathedrale an der Stelle, wo Asprenas, der erste Bischof von Neapel, seinen Bischofssitz wählteLoredana Gazzara: Napoli, Mondadori Electa, Mailand 2007, S. 48 (italienisch) und die Kapelle Santa Maria del Principio errichten ließ. Die heutige Kirche steht auf den Fundamenten zweier frühchristlicher Basiliken, deren Reste zum Teil noch vorhanden sind. Die eine davon geht auf die ersten Jahrzehnte des 4. Jahrhunderts zurück und ist ab dem 8. Jahrhundert als Basilica di Santa Restituta bekannt;Kurzinfo über die Kathedrale Santa Maria Assunta von Neapel auf beweb: Diocesi di Napoli – Santa Maria Assunta online, gesehen am 18. Oktober 2018 (italienisch) sie blieb teilweise und in veränderter Form neben dem linken Seitenschiff erhalten. Die zweite Basilika war Jesus Christus als Erlöser (San Salvatore) geweiht, aber unter dem Namen Stefanìa bekannt, nach ihrem Auftraggeber, dem Bischof Stefano I. (499–501); diese wurde beim gotischen Neubau im 13. Jahrhundert zerstört.
Der Neubau der heutigen Kirche erfolgte ab 1265 im Auftrag von König Karl I. von Anjou und in dem unter seiner Herrschaft sich herausbildenden Stil des Gotico Angioino. Ihre Errichtung zog sich noch durch die gesamte Regierungszeit seines Nachfolgers Karl II. (1285–1309) und wurde Anfang des 14. Jahrhunderts unter König Robert dem Weisen fertiggestellt.
mini|Plan der Kathedrale von Neapel. Weiß (+ roter Punkt): Kathedrale mit Seitenschiffen; blaue Punkte: Seitenkapellen; gelb: Basilica di S. Restituta; hellgrün: Sakristei; himmelblau: Krypta oder Succorpo di S. Gennaro; dunkelolivgrün: Capella del tesoro di San Gennaro
Die Kirche wurde im Laufe der Zeit immer wieder ergänzt und in verschiedenen Stilen verändert.
Bei einem Erdbeben stürzten 1349 der Campanile und die Fassade ein, sie wurden im 15. Jahrhundert erneuert. Im Jahr 1456 entstanden durch ein weiteres Erdbeben neue Schäden im Kirchenschiff, das ebenfalls teilweise erneuert werden musste.
1497 bis 1506 ließ Kardinal Oliviero Carafa die Krypta (oder Succorpo) unter dem Presbyterium als Aufbewahrungsort der Reliquien von San Gennaro im Stile der Renaissance erbauen.
1608 begannen die Arbeiten an der Cappella del tesoro di San Gennaro nach Plänen von Francesco Grimaldi. Diese zogen sich etwa 40 Jahre hin und an ihrer Ausgestaltung waren einige der bedeutendsten Künstler ihrer Zeit beteiligt.
Im Hauptschiff der Kathedrale ließ Kardinal Decio Carafa (1613–1626) die ursprüngliche Holzdecke durch eine prächtige Kassettendecke mit eingelassenen Ölgemälden ersetzen. Eine weitere Barockisierung fand unter Innico Caracciolo (1667–1685) statt.
Die Kathedrale wurde mehrfach Opfer von Erdbeben: dabei erlitt 1456 und 1688 die Basilica di Santa Restituta aus dem 4. Jahrhundert, die als eine der linken Seitenkapellen überdauert hat, schwere Schäden, und wurde daher Anfang des 18. Jahrhunderts nach Plänen von Arcangelo Guglielmelli rundum erneuert.
Beim Erdbeben von 1732 wurde die Apsis schwer beschädigt und in der Folge unter Giuseppe Spinelli (1734–1754) in z. T. spätbarocken Formen erneuert. Die Arbeiten begannen 1741 nach Plänen von Paolo Posi. Dabei wurden u. a. die ursprünglich gotischen Formen der Fenster verändert.
mini|links|hochkant=0.8|Die Fassade um 1860, vor dem Neubau durch Alvino Im 19. Jahrhundert fand eine „Restaurierung“ durch Filippo Giudice Caracciolo (1833–1844) statt, und ab 1875 wurde durch Betreiben des Kardinals Sisto Riario Sforza eine neue Fassade im neogotischen Stil errichtet, unter Einbeziehung älterer Elemente wie dem originalen Skulpturenschmuck. Durch den Tod des verantwortlichen Architekten Errico Alvino wurden diese Bauarbeiten verzögert und konnten erst 1905 durch Giuseppe Pisanti (einem Schüler Alvinos) und Nicola Breglia beendet werden.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg waren wichtige Restaurierungen sowohl der Kathedrale selber als auch des angrenzenden erzbischöflichen Palastes notwendig. Sie wurden 1969 bis 1972 unter Leitung von Roberto Di Stefano durchgeführt.
Eine weitere Restaurierungs- und Konsolidierungsphase wurde durch das Erdbeben von 1980 ausgelöst und vom Provveditorato alle Opere Pubbliche und der zuständigen Soprintendenza durchgeführt.
mini|hochkant=0.6|Hauptportal
Beschreibung Äußeres Die Fassade wurde im späten 19. Jahrhundert nach Entwürfen von Enrico Alvino erneuert; die ursprünglich von ihm vorgesehenen Türme zu beiden Seiten wurden jedoch nicht ausgeführt. Der originale Skulpturenschmuck aus dem Mittelalter von Tino di Camaino und Antonio Baboccio da Piperno ist besonders am Hauptportal und an den beiden Seiteneingängen noch fast original erhalten. Andere Figuren und Bildhauerarbeiten wurden von Bildhauern des späten 19. Jahrhunderts ergänzt.
Das rechte der drei Portale darf traditionellerweise nur bei besonderen Gelegenheiten geöffnet werden, wie z. B. während der Feste des San Gennaro oder (theoretisch) bei Eheschließungen der Familie Capece Minutolo.
Inneres mini|hochkant=1.4|Innenraum Die Mischung verschiedener Stile verleiht dem Innenraum einen eigenwilligen Charakter. Er hat die Form eines lateinischen Kreuzes mit einem Hauptschiff und zwei Seitenschiffen, an die sich verschiedene Seitenkapellen anschließen. Seitenschiffe und Mittelschiff werden durch jeweils 8 riesige Pfeiler voneinander getrennt, an deren Basis antike römische Säulen eingearbeitet sind. Die Wände und Pfeiler sind mit einem cremefarbenen, grau gesprenkelten Marmor verkleidet, abgesetzt mit weißem Marmor an den Umrahmungen, Gesimsen und Bögen und mit weißem Stuckdekor. Das Mittelschiff ist etwa 100 m langTouring Club Italiano: Napoli e dintorni, Guida d’Italia, Touring Editore, Mailand, 2008, S. 209 und ca. 48 m breit.
Die farbig gefasste und teilvergoldete Kassettendecke aus dem 17. Jahrhundert ist mit fünf großen Szenen aus der Kindheit Jesu in Öl auf Leinwand geschmückt: die Anbetung der Hirten von Giovanni Balducci, die Anbetung der Könige von Giovanni Vincenzo da Forlì, die Beschneidung von Flaminio Allegrini, und schließlich die Verkündigung sowie die Präsentation im Tempel von Girolamo Imparato. An den Wänden des Mittelschiffs zwischen den Pfeilern und darüber zwischen den Fenstern befinden sich Medaillons mit Fresken von Luca Giordano, oben Apostel und Kirchenväter, und unten Heilige Patrone von Neapel. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden an den sechzehn Pfeilern Aediculae mit Büsten der ersten Bischöfe Neapels angebracht.
mini|links|hochkant=0.6|Taufbecken mit hellenistischer Schale An der Eingangsfassade erheben sich die Grabmäler von Karl I. von Anjou, Carl Martell d’Anjou, König von Ungarn, und von dessen Frau Clemenza von Habsburg. Sie wurden 1599 vom Vizekönig Enrique de Guzmán bei Domenico Fontana in Auftrag gegeben, als Ersatz für die zerstörten Originale aus dem 14. Jahrhundert.
Das Taufbecken unter der ersten Arkade links besteht im unteren Teil aus einer hellenistischen antiken Schale aus schwarzem ägyptischem Basalt, der Aufsatz aus Bronze und polychromen Marmorinkrustationen ist mit 1618 datiert.Touring Club Italiano: Napoli e dintorni, Guida d’Italia, Touring Editore, Mailand, 2008, S. 210
In der letzten Arkade vor dem Querschiff befinden sich rechts und links zwei gegenüberliegende Emporen mit den beiden historischen Orgelgehäusen aus dem 18. Jahrhundert (genaueres zu den Orgeln: siehe unten). Unter der rechten Empore erhebt sich die marmorne Kanzel mit einem Relief von Annibale Caccavello (zugeschrieben), unter der linken Orgelempore der gotische Baldachin des Bischofsthrons (cattedra episcopale) vom Ende des 14. Jahrhunderts.
Querschiff mini|hochkant=1.3|Blick von der Kanzel ins linke Querschiff mit Orgel Das Querschiff ist etwas höher im Vergleich zum Hauptschiff und wurde während der Restaurierungen des 19. Jahrhunderts in eine neogotische Richtung verändert. Auch hier gibt es eine Kassettendecke aus dem 17. Jahrhundert mit Gemälden von Forlì (Erscheinung Jesu vor Maria), Balducci (Auferstehung und Pfingsten), sowie zwei Szenen, die man spätmanieristischen Meistern der lokalen Schule zuschreibt (Erscheinung Jesu vor den Aposteln und Marienkrönung).
An den Wänden wird Luca Giordanos Serie von Medaillons mit Heiligen Patronen Neapels aus dem Hauptschiff fortgesetzt; der Zyklus wurde von Francesco Solimena fertiggestellt, von dem zwei Bilder stammen.
Im Querschiff gibt es acht Seitenkapellen, vier an der Wand zum Presbyterium (je zwei rechts und zwei links) und vier an den Hauptwänden (eine links und drei rechts).
Linkes Querschiff Auf der linken Seite vom Chor liegt die Cappella Galeota (oder del Santissimo Sacramento), mit Grabmälern der Familie Galeota von Cosimo Fanzago und Lorenzo Vaccaro, einem Gemälde von Andrea di Lione, und einer Madonna mit Kind von Pietro Befulco (16. Jahrhundert).
mini|links|hochkant=0.8|Capella degl’Illustrissimi: Wurzel Jesse von Lello da Orvieto (zugeschr.), ca. 1315
Von besonderem Interesse ist die zweite Kapelle, die dem Heiligen Lorenz geweiht ist und auch Capella degl’Illustrissimi genannt wird. Sie wurde von Erzbischof Umberto d’Ormonte um 1320 in Auftrag gegeben und hat an den Wänden Reste einer Freskendekoration, die Lello da Orvieto zugeschrieben wird, insbesondere die „Wurzel Jesse“ (auch „Lebensbaum“ genannt (Albero della vita)).
An der linken Rückwand des Querschiffs hängen die bemalten Orgelflügel, mit denen man die ehemaligen Orgeln von 1549 und 1652 schließen konnte. Die Flügel der Renaissanceorgel wurden von Giorgio Vasari bemalt, links sieht man eine Geburt Christi und rechts Sieben Patrone Neapels; die Orgeln selber wurden im 18. Jahrhundert beim Bau der neuen Orgel in die Kirche Santa Maria la Nova überführt, nur die Flügel behielt man hier.
Vom linken Querschiff gelangt man zur Sakristei (ehemals Cappella di San Ludovico), die im 18. Jahrhundert von Filippo Buonocore im Barockstil renoviert wurde. Das Deckengemälde San Gennaro betet zur Dreifaltigkeit ist von Santolo Cirillo. Die Wände wurden von Alessandro Viola dekoriert mit Tondi der Bildnisse aller Erzbischöfe von Neapel, eingefasst in Stuckrahmen. Es gibt außerdem Gemälde von Aniello Falcone und Giovanni Balducci.
mini|hochkant=0.8|Cappella Minutolo
Rechtes Querschiff Rechts vom Chor befinden sich im Uhrzeigersinn: auf der Seite des Chores die Kapelle von Sant’Aspreno und die Minutolo-Kapelle; und an der Hauptwand die drei Kapellen dell’Assunta (Himmelfahrt Mariä), dell’Annunziata (Verkündigung) und della Maddalena.
Die Minutolo-Kapelle in der Ecke hat ihr gotisches Aussehen aus dem 14. Jahrhundert am meisten bewahrt. Hier befindet sich das Grabmal des Filippo Minutolo, das in Boccaccios Decamerone in der Novelle des Andreuccio da Perugia erwähnt wird. Der Marmorfußboden stammt aus dem 13. Jahrhundert, die Fresken schufen Montano d’Arezzo (1285–1290) und ein anonymer Künstler.Touring Club Italiano: Napoli e dintorni, Guida d’Italia, Touring Editore, Mailand, 2008, S. 211