RAM ist ein ehemaliger britischer Rennstall, der zwischen 1975 und 1985 in verschiedenen Klassen des Motorsports, darunter in der Formel 1, aktiv war. In der Formel 1 nutzte RAM 1982 und 1983 den im Motorsport etablierten Namen March Grand Prix, obwohl keine unmittelbare Verbindung zu dem bekannten Rennwagenhersteller March Engineering bestand. Eine einzelne Meldung erfolgte auch unter dem Namen Brands Hatch Racing.

Geschichte

Das Unternehmen wurde in den späten 1960er-Jahren von Mike Ralph und John Macdonald gegründet. Ralph und Macdonald waren „Geschäftspartner in der Automobilbranche“.Internetseite Grand Prix Nebenbei unterhielten sie einen kleinen Rennstall, der anfänglich unter dem Namen Ralph Macdonald Racing firmierte. John Macdonald fuhr zunächst gelegentlich, ab 1972 dann regelmäßig Rennen in der britischen Formel 3. 1974 beendete Macdonald seine aktive Karriere und wechselte ins Teammanagement. In der Saison 1975 trat das Team in der britischen Formel-5000-Meisterschaft an. Danach bediente der Rennstall, der sich nun RAM nannte, regelmäßig die britische Formel-1-Meisterschaft, die zeitweise unter dem Namen Aurora FX Series lief. Diese Kategorie war in den ersten Jahren das hauptsächliche Standbein des Teams. Daneben war RAM schon frühzeitig auch in der Formel-1-Weltmeisterschaft vertreten, zunächst allerdings nur sporadisch bei einzelnen Rennen. Erst ab der Formel-1-Saison 1981 nahm RAM regelmäßig und an allen Rennen teil.

RAM betrieb den Motorsport zunächst nach dem Geschäftsmodell des Kundenteams, d. h., RAM entwickelte und baute keine eigenen Rennwagen, sondern kaufte oder leaste Fahrzeuge von einem renommierten Hersteller (Brabham, March oder Williams). Das galt anfänglich auch für die Formel 1. Ab 1981 verwendete das Team dann Fahrzeuge, die von March Grand Prix exklusiv für RAM hergestellt wurden. Dabei fuhr das Team anfangs unter dem Namen March, auch wenn es mit March Engineering, dem traditionsreichen britischen Rennstall, rechtlich nichts zu tun hatte. Ab 1982 entwickelte und baute RAM eigene Autos; zur gleichen Zeit legte das Team den Namen March ab.

RAM hielt sich bis Ende 1985 in der Formel 1. Für die Formel-1-Saison 1986 fand sich, obwohl bereits ein neues Auto entwickelt worden war, kein Sponsor, sodass sich RAM in die Formel 3000 zurückzog. Noch vor Ende der Saison 1986 musste RAM endgültig schließen.

Ralph Macdonald führte daraufhin das Formel-3000-Team Middlebridge, das einem japanischen Unternehmen gehörte und gut finanziert war. Unter Macdonalds Leistung versuchte Middlebridge 1987 erfolglos, in der Formel-1-Weltmeisterschaft Fuß zu fassen. Später leitete Macdonald das Team Superpower in der Formel 3000.

Formel 5000

1975 ging die europäische Formel 5000 in ihr siebtes Jahr. Sie hieß in diesem Jahr Shellsport F5000 Championship und wurde nahezu ausschließlich auf britischen Rennstrecken ausgetragen. Ab Mitte des Jahres setzte RAM in dieser Serie bei insgesamt acht von 16 Rennen einen March 75A mit einem 3,4-Liter-Ford-Sechszylinder ein. Das Team war unter dem Namen „Thursday’s RAM“ gemeldet; Fahrer war Alan Jones. Der Einsatz war recht erfolgreich. Jones gewann ein Rennen in Brands Hatch und eines in Silverstone; daneben wurde er zweimal Dritter (Thruxton und Mallory Park). In der folgenden Saison engagierte sich RAM nicht mehr in der Formel 5000.

Britische Formel 1 – die Aurora-Serie In den Jahren 1978 und 1979 trat RAM in der britischen Formel-1-Meisterschaft an, die den Namen Aurora FX-Series trug. Hierbei handelte es sich um eine Nachwuchsserie, in der (zumeist) junge Fahrer an ausgedienten Formel-1-Fahrzeugen den Umgang mit Grand-Prix-Fahrzeugen lernen sollten. Die meisten Rennen wurden auf britischen Strecken abgehalten.

1978 miniatur|hochkant=1.3|March 781 von Guy Edwards (1978) In der Saison 1978 setzte RAM unter dem Namen Team March einen March 781 ein, ein nach Formel-1-Regeln entworfenes Fahrzeug – im Grunde war es eine Modifikation des March 771 –, das exklusiv für RAM und den Einsatz in der Aurora-Serie gebaut worden war. Regulärer Fahrer des Teams war Guy Edwards, der drei Rennen gewann und die Saison als Gesamtvierter abschloss. Neben ihm traten gelegentlich auch Geoff Lees und Bruce Allison für RAM an.

Ein Versuch, den March 781 zumindest beim Großen Preis von Großbritannien der Formel-1-Weltmeisterschaft an den Start zu bringen, scheiterte bereits im Vorfeld.

1979 In der folgenden Saison setzte RAM zwei Autos in der Aurora-Serie ein. Der March 781 wurde nicht mehr verwendet; stattdessen meldete RAM zwei Fittipaldi F5A für Guy Edwards und den Belgier Bernard de Dryver. Daneben starteten sporadisch auch die Belgier Germain Garon und Hervé Regout für RAM; beide setzten (erfolglos) einen Chevron B42 ein. In diesem Jahr konnte kein RAM-Fahrer ein Rennen gewinnen. Bernhard de Dryver schloss die Saison mit 42 Meisterschaftspunkten als Vierter ab, Edwards wurde mit 38 Punkten Sechster. Die anderen RAM-Piloten erzielten keine Meisterschaftspunkte.

1980

Für die Saison 1980 erwarb RAM zwei 1979er Williams FW07 (Chassis FW07/1 und FW07/2). Mit diesen erfolgversprechenden Wagen, die auch in der Formel-1-Weltmeisterschaft überzeugt hatten, war das Team gut ausgerüstet. Emilio de Villota fuhr acht Siege ein, davon zwischen April und Juli 1980 fünf in Folge. RAM war das dominierende Team des Jahres, und de Villota gewann frühzeitig die Aurora-Meisterschaft für RAM. Das zweite Auto wurde von Eliseo Salazar gefahren.

Formel-1-Weltmeisterschaft RAM als Kundenteam RAM begann sein Engagement im Grand-Prix-Sport als reines Kundenteam. Die Einsätze zeugten von einigem Engagement, standen aber unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit und waren nicht zuletzt deshalb nur sporadischer Natur.

1976 In der Formel-1-Saison 1976 erschien RAM erstmals in der Formel-1-Weltmeisterschaft. RAM war eines von insgesamt zehn Privatteams, die in diesem Jahr zu einzelnen Rennen antraten. Gemessen an dieser Konkurrenz, hatte John Macdonald ein ambitioniertes Programm aufgelegt: Das RAM Racing genannte Team meldete zwei Brabham BT44B, Fahrzeuge, die ab 1974 im Brabham-Werksteam eingesetzt worden waren und inzwischen als technisch überholt angesehen werden mussten. Insgesamt trat RAM zwischen dem Großen Preis von Spanien und dem Großen Preis von Österreich zu sieben europäischen Rennen an.

Das erste Auto wurde in vier Rennen von Loris Kessel gefahren, der sich in drei Fällen qualifizieren konnte und einmal – als Zwölfter beim Großen Preis von Belgien – ins Ziel kam. Beim Großen Preis von Großbritannien fuhr an seiner Stelle Bob Evans, der sich qualifizierte, aber wegen Getriebeschadens ausfiel. Anlässlich des Großen Preises von Deutschland gab es eine rechtliche Auseinandersetzung zwischen Kessel und RAM. Mit einiger Wahrscheinlichkeit ging es um die Zahlung von Sponsorgeldern; sicher ist jedenfalls, dass Kessel auf dem Nürburgring nicht antrat.

Das zweite Auto wurde an zahlreiche zahlende Fahrer vermietet, die zumeist nichts erreichten. Je einmal traten Emilio de Villota, Patrick Nève, der Däne Jac Nelleman (bei seinem einzigen Formel-1-Versuch) und Damien Magee an; nur Nève schaffte die Qualifikation. Während der letzten drei Rennen bewegte Lella Lombardi den zweiten RAM-Brabham; sie schaffte einmal – beim letzten Rennen des Teams in Zeltweg – die Qualifikation und wurde im Rennen Zwölfte.

Danach fehlte RAM das Geld, um bei weiteren Rennen anzutreten.

1977 mini|Boy Hayje im March 761 beim Großen Preis der Niederlande 1977 Die zweite Formel-1-Saison als Kundenteam verlief für RAM weniger erfreulich. Wiederum trat das Team zu sieben Weltmeisterschaftsläufen an; abgesehen vom Großen Preis von Südafrika handelte es sich regelmäßig um europäische Rennen. RAM setzte zumeist nur einen Wagen ein; dreimal meldete man ein zweites Auto. Einsatzfahrzeug war ein March 761B, ein Typ, der 1977 bei Privatteams beliebt war und neben RAM auch von Williams, Team Merzario und Chesterfield Racing verwendet wurde. RAM nutzte den 761/3, der im Vorjahr im March-Werksteam von Ronnie Peterson gefahren und insgesamt viermal bei Unfällen beschädigt worden war,Geschichte des March 761/3 auf der Internetseite www.oldracingcars.com (abgerufen am 7. Mai 2014). sowie gelegentlich den 761/8, den 1976 Vittorio Brambilla für March Engineering eingesetzt hatte.Geschichte des March 761/8 auf der Internetseite www.oldracingcars.com (abgerufen am 7. Mai 2014).

Anfänglich war der finnische Debütant Mikko Kozarowitzky als Stammfahrer vorgesehen, der bei jedem europäischen Weltmeisterschaftslauf antreten sollte. Kurzfristig setzte sich allerdings der niederländische Rennfahrer Boy Hayje durch, der im Vergleich zu Kozarowitzky wiederum über größere Geldmittel verfügte. Sein Sponsor war F&S Properties.

Hayje konnte sich nur einmal qualifizieren: Beim Großen Preis von Belgien ging er als 27. und Letzter ins Rennen. Als das Rennen abgewinkt wurde, hatte er sieben Runden Rückstand auf den Sieger Gunnar Nilsson (Lotus) und wurde nicht gewertet. Beim Großen Preis von Großbritannien bewegte ausnahmsweise Andy Sutcliffe an Hayjes Stelle den RAM-March; er verpasste allerdings deutlich die Vorqualifikation.

Mikko Kozarowitzky wurde im Laufe des Jahres zweimal für den zweiten March (Chassis 761/8) gemeldet. Bei seinem Debütrennen, dem Großen Preis von Schweden 1977, musste er das Qualifikationstraining bestreiten, ohne den Wagen zuvor getestet zu haben: Teamchef John Macdonald hatte vorherige Testfahrten aus finanziellen Gründen sowie aus Furcht vor etwaigen Beschädigungen durch den unerfahrenen Kozarowitzky abgelehnt. Im Zeittraining von Anderstorp legte Kozarowitzky die langsamste Rundenzeit zurück. Seine beste Zeit lag 5,5 Sekunden über der Polezeit von Mario Andretti (Lotus) und 2,6 Sekunden über der für eine Qualifikation notwendigen Zeit. Sein Teamkollege Hayje war zwei Sekunden schneller. Kozarowitzkys zweite Meldung erfolgte zum Großen Preis von Großbritannien. Im Zeittraining kam Kozarowitzky bei dem Versuch, in seiner ersten schnellen Runde eine Kollision mit dem langsam fahrenden Hesketh von Rupert Keegan zu vermeiden, von der Strecke ab und prallte in die Seitenbegrenzung. Kozarowitzky brach sich bei dem Aufprall das Handgelenk. John Macdonald ließ Kozarowitzky ungeachtet dessen das Training in Sutcliffes March fortsetzen. Seine Rundenzeit lag mehr als 13 Sekunden über der Polezeit von James Hunt; zur Qualifikation fehlten Kozarowitzky elf Sekunden. Die meisten Beobachter sahen in den geringen Qualitäten des March 761David Hodges: Rennwagen von A-Z nach 1945. Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S. 162. oder der angeblich unprofessionellen Organisation des RAM-Teams die Schuld für das Scheitern; andere zweifelten an den fahrerischen Fähigkeiten Kozarowitzkys.Mike Lawrence: March - the rise and fall of a motoring legend, UK 2001, ISBN 1-899870-54-7, S. 116.

Beim Großen Preis der Niederlande schließlich fuhr der Niederländer Michael Bleekemolen den zweiten RAM-March; auch er konnte sich nicht qualifizieren.

Zum Großen Preis von Italien und den nachfolgenden Rennen trat RAM nicht mehr an. RAM beteiligte sich weder an der Formel-1-Saison 1978 noch an der Formel-1-Saison 1979. In beiden Jahren engagierte sich das Team auf nationaler Ebene in der britischen Formel-1-Weltmeisterschaft. Zwar gab es Überlegungen, den March 781 beim Großen Preis von Großbritannien 1978 an den Start zu bringen, daraus wurde jedoch aus finanziellen Gründen nichts.

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