Bei den XXI. Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver fanden zwei Wettbewerbe im Skeleton statt. Die Entscheidungen fielen in je einem Männer- und Frauenwettbewerb, die beide zum ersten Mal in vier Durchgängen ausgetragen wurden. Austragungsort war das Whistler Sliding Centre im Tal des Fitzsimmons Creek bei Whistler. Auf der 1395 Meter langen Bahn mit 16 Kurven wurden Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h erreicht.
Die ersten beiden Wertungsdurchgänge fanden am 18. Februar statt, die zwei abschließenden einen Tag darauf. Olympiasieger wurden der Kanadier Jon Montgomery sowie die Britin Amy Williams, die damit beide ihre ersten internationalen Titel bei Großereignissen erreichten. Einzige Nation, deren Sportler zwei Medaillen gewannen, war Deutschland; Kerstin Szymkowiak sowie Anja Huber sicherten sich im Frauenwettkampf Silber und Bronze und damit die ersten Skeleton-Medaillen überhaupt für ihr Land.
mini|hochkant=1.25|Medaillengewinner, v.l.: Martins Dukurs, Jon Montgomery, Alexander Tretjakow mini|hochkant=1.25|Medaillengewinnerinnen, v.l.: Kerstin Szymkowiak, Amy Williams, Anja Huber
Bilanz Medaillenspiegel Platz Land 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze Gesamt 1 1 – – 1 1 – – 1 3 – 1 1 2 4 – 1 – 1 5 – – 1 1
Medaillengewinner Konkurrenz Gold Silber Bronze Männer Jon Montgomery Martins Dukurs Alexander Tretjakow Frauen Amy Williams Kerstin Szymkowiak Anja Huber
Vorfeld Qualifikationsmodus und nominierte Athleten mini|links|Das Logo des internationalen Dachverbandes, der FIBT Wie auch in anderen olympischen Disziplinen bestimmten der internationale Dachverband FIBT und die Nationalen Olympischen Komitees der betreffenden Länder gemeinsam, welche Athleten bei den Olympischen Spielen an den Start gehen würden. Die FIBT erstellte sowohl für die Männer als auch für die Frauen eine Liste mit allen potenziell qualifizierten Skeletonpiloten. Die Entscheidung über die Nominierung einzelner Sportler lag dann bei den Komitees. Einige Athleten, die sich dank guter Ergebnisse in der Saison grundsätzlich Startrecht bei Olympia gesichert hatten, erhielten so doch nicht diese Chance, da sie die länderspezifischen Normen nicht erfüllt hatten oder nicht zu den besten Sportlern ihres Landes zählten.
Die Qualifikationsphase endete am 17. Januar 2010 mit dem Weltcup in St. Moritz. Anschließend veröffentlichte die FIBT eine Weltrangliste, die alle von ihr offiziell ausgerichteten Ereignisse berücksichtigte. Neben den – stärker gewichteten – Weltcuprennen gingen so auch Wettkämpfe aus dem Europacup, dem Intercontinentalcup sowie dem America’s Cup in die Wertung ein. Alle Sportler, die unter den besten 60 in der Männerliste beziehungsweise unter den besten 45 in der Frauenliste platziert waren, konnten nun theoretisch von ihren jeweiligen Landeskomitees für die Olympischen Spiele nominiert werden. Da das olympische Starterfeld jedoch auf 30 Männer und 20 Frauen beschränkt worden war und damit auch schwächere Länder die Möglichkeit zu Nominierungen besaßen, erhielt jedes Land bestimmte Vorgaben, wie viele Athleten es maximal entsenden dürfte. Die höchste Anzahl lag bei drei Athleten, so viele Starter durften nur die besten drei Nationen bei den Männern und die besten zwei Länder bei den Frauen nominieren. Ohne diese Beschränkung hätten sich beispielsweise zwölf Kanadierinnen und sieben Deutsche qualifiziert. Dadurch verloren jedoch auch etliche Athleten ihr Teilnahmerecht, die von den gezeigten Leistungen besser abgeschnitten hatten als die nominierten. Dies traf beispielsweise auf die viertbeste und damit nicht nominierte Deutsche Kathleen Lorenz zu, die als Fünfzehnte in der Weltrangliste deutlich besser platziert war als die Italienerin Costanza Zanoletti, die als beste Athletin ihres Landes starten durfte.Martin Schwarz: auf live-wintersport.com. Erschienen am 19. Januar 2010. Abgerufen am 3. März 2010. (PDF; 517 kB) und (PDF; 937 kB) auf fibt.com. Abgerufen am 3. März 2010.
In der folgenden aufklappbaren Tabelle werden alle Athleten genannt, die sich für die Olympischen Winterspiele qualifiziert haben, also unter den besten 60 in der Männerweltrangliste oder unter den besten 45 in der Frauenweltrangliste standen. Nicht erwähnt werden die Fahrer, die keine Nominierungschance besaßen, da sie nicht zu den besten zwei oder drei Sportlern ihres Landes gehörten. Daher ergeben sich in der ersten Spalte Position, die die Platzierung in der Weltrangliste darstellt, teils größere Lücken. Mit grauem Hintergrund sind Sportler markiert, denen die von der FIBT vorgegebene Qualifikation gelang, die aber die vom jeweiligen NOK gesetzte Norm nicht erfüllen konnten und so nicht bei Olympia starteten. Weiteres dazu findet sich im Text unterhalb der Tabelle.
Männer Pos. Name Land Punkte 1 Martins Dukurs 1469 2 Sandro Stielicke 1270 3 Frank Rommel 1256 4 Jon Montgomery 1161 5 Tomass Dukurs 1160 6 Kristan Bromley 1146 7 Eric Bernotas 1137 8 Mirsad Halilovic 1129 9 Alexander Tretjakow 1098 10 Jeff Pain 1080 11 Zach Lund 936 12 Michael Douglas 904 13 Chris Type 870 14 Ben Sandford 866 15 John Daly 848 17 Adam Pengilly 787 18 Matthias Guggenberger 781 21 Sergei Tschudinow 748 22 Daniel Mächler 735 28 Grégory Saint-Géniès 592 30 Pascal Oswald 584 31 Kazuhiro Koshi 584 32 Anže Šetina 546 35 Hiroyuki Bamba 465 36 Markus Penz 451 42 Peter van Wees 391 43 Shinsuke Tayama 387 44 Iain Roberts 375 46 Anthony Deane 360 48 Patrick Shannon 337 52 Cho In-ho 308 54 Ander Mirambell 285 57 Nicola Drocco 270Frauen Pos. Name Land Punkte 1 Mellisa Hollingsworth 1446 2 Shelley Rudman 1412 3 Kerstin Szymkowiak 1364 4 Marion Trott 1292 5 Amy Williams 1168 6 Noelle Pikus-Pace 1128 7 Amy Gough 1107 8 Katie Uhlaender 1072 9 Michelle Kelly 1050 10 Maya Pedersen-Bieri 1024 11 Anja Huber 1005 12 Melissa Hoar 978 13 Emma Lincoln-Smith 904 14 Swetlana Trunowa 896 20 Jelena Judina 757 21 Tionette Stoddard 728 25 Nozomi Komuro 642 28 Desirée Bjerke 619 31 Joska Le Conté 483 32 Costanza Zanoletti 478 35 Janine Flock 455 41 Michaela Gläßer 401 42 Maria Mazilu 396
Bei den Männern wurde der Schweizer Daniel Mächler nicht von Swiss Olympic nominiert, da er deren Kriterien – zweimal unter die besten Zehn im Weltcup fahren – nicht erfüllte. Mächler reagierte enttäuscht und verärgert und veröffentlichte auf seiner Homepage eine Erklärung, in der er den Verband scharf angriff. Der Österreicher Markus Penz schaffte ebenfalls nicht die Norm des Österreichischen Olympischen Comités und wurde so nicht nominiert. Damit gab es jeweils nur einen Schweizer und österreichischen Starter bei den Olympischen Winterspielen. In den Niederlanden verzichtete das NOK komplett auf die Nominierung eines Skeletonpiloten. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen gab das niederländische Komitee jeweils den einzigen Startplatz zurück, der sonst an Peter van Wees sowie an Joska Le Conté gegangen wäre. Von den Entscheidungen profitierte der Italiener Nicola Drocco, der nachrückte. Da kein weiterer Athlet die Qualifikationskriterien der FIBT erfüllte, blieben die letzten zwei Plätze bei den Herren unbesetzt, sodass am Männerwettkampf in Vancouver nur 28 statt der geplanten 30 Athleten teilnahmen. In Großbritannien sowie in Japan wurde kein Startplatz zurückgegeben, aber anstelle von Chris Type aus Wales sowie Hiroyuki Bamba nominierten die Komitees andere, in der Weltrangliste schlechter platzierte Athleten. Type meinte, er könne die Entscheidung nicht nachvollziehen, zumal sie ihm gegenüber nicht begründet worden wäre.Welsh slider Chris Type reveals Winter Olympic blow auf news.bbc.co.uk. Erschienen am 2. Februar 2010. Abgerufen am 3. März 2010.
Deutlich weniger Änderungen gab es bei den Frauen. Außer den Niederländern, die auf Joska Le Conté verzichteten, nutzten alle Nationen ihr volles Startrecht aus. Für Le Conté rückte die Rumänin Maria Mazilu ins Teilnehmerfeld auf, das wie geplant 20 Athletinnen umfasste. Die in der Qualifikation vor Mazilu liegende und für Tschechien startende Deutsche Michaela Gläßer konnte den freien Startplatz nicht übernehmen, da sie noch keinen Tschechischen Pass hatte. Eine Woche vor den Wettbewerben versuchte das Olympische Komitee der Amerikanischen Jungferninseln vergeblich, gerichtlich eine Vergrößerung des Frauenfeldes zu erwirken. Um den Start ihrer Athletin Alexa Putnam zu ermöglichen, hatte das Komitee beantragt, dass die zwei nicht genutzten Männerstartplätze auf den Frauenwettbewerb übertragen werden, an dem somit zwei zusätzliche Fahrerinnen hätten teilnehmen können. Die FIBT stimmte dem nicht zu, der Internationale Sportgerichtshof schloss sich dieser Entscheidung an.sid: auf focus.de. Erschienen am 14. Februar 2010. Abgerufen am 3. März 2010.
Favoriten mini|Duff Gibson, zurückgetretener Olympiasieger von 2006 Bei den Männern hatte der Olympiasieger von 2006, der Kanadier Duff Gibson, nach dem Erfolg seine Karriere beendet. Auch der amtierende Schweizer Weltmeister Gregor Stähli konnte nach einem Muskelabriss bei einem Weltcup im November 2009 nicht bei den olympischen Wettkämpfen an den Start gehen. Als Favoriten wurde so insbesondere der Lette Martins Dukurs gehandelt,Brian Cazeneuve: auf sportsillustrated.com. Abgerufen am 3. März 2010. der im Skeleton-Weltcup 2009/10 vier der acht Wettkämpfe und damit auch die Gesamtwertung für sich entschieden hatte. Mit größerem Abstand hinter ihm waren die beiden Deutschen Frank Rommel sowie Sandro Stielicke platziert; insbesondere Stielicke hatte seine größeren Erfolge jedoch in der ersten Saisonhälfte verbucht. Ein weiterer Favorit war der Kanadier Jon Montgomery, der im Februar 2009 bei den Testwettkämpfen, der sogenannten „Generalprobe“, auf dem Whistler Sliding Centre triumphiert hatte.Kanada hofft auf erstes Heim-Gold auf olympia.ard.de. Erschienen am 15. Januar 2010. Abgerufen am 3. März 2010. Montgomery entschied in der olympischen Weltcupsaison ein Rennen für sich, erreichte sonst aber keine weiteren Podiumsresultate. An den drei Trainingstagen in Vancouver absolvierten die Skeletonpiloten sechs Fahrten, bei denen Montgomery sowie sein Teamkollege Michael Douglas jeweils für die besten Zeiten sorgten. Andere Athleten, darunter auch die Deutschen, hatten Probleme mit der Bahn und erreichten Ergebnisse um den zehnten Rang.Johann Reinhardt: Vorschau Olympische Spiele Skeleton: Kanadier in der Favoritenrolle auf live-wintersport.com. Erschienen am 18. Februar 2010. Abgerufen am 3. März 2010.
mini|links|Mellisa Hollingsworth, Mitfavoritin