miniatur|hochkant=1|Revers eines Vereinsthalers Großherzogs Carl Alexander, 1858

Sachsen-Weimar-Eisenach war ein ernestinisches Herzogtum im heutigen Thüringen und ein Territorium des Heiligen Römischen Reiches. Es entstand 1741 als Personalunion, als das Herzogtum Sachsen-Eisenach an das Haus Sachsen-Weimar fiel. 1809 wurden Sachsen-Eisenach und Sachsen-Weimar unter Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach per Verfassung auch staatsrechtlich (Realunion) zum Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach vereinigt. Die Hauptstadt war Weimar.

Auf dem Wiener Kongress erlangte das Herzogtum 1815 den Status eines Großherzogtums. Es wurde 1867 Bundesstaat des Norddeutschen Bundes und ab 1871 des Deutschen Reichs; ab 1903 bezeichnete es sich offiziell als Großherzogtum Sachsen.Ulrich Hess: Geschichte Thüringens 1866 bis 1914. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1991, ISBN 3-7400-0077-5, S. 454Reinhard Jonscher, Willy Schilling: Kleine Thüringische Geschichte, Jenzig-Verlag Köhler, Jena 1995, ISBN 3-910141-17-X, Seite 196

Geographie Das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach zerfiel in drei große Gebietsteile, die die damaligen Kreise bildeten, sowie einige Exklaven. Angrenzende Staaten waren Preußen, Sachsen, Bayern, Hessen-Kassel (bis 1866, danach preußische Provinz Hessen-Nassau) und alle thüringischen Staaten (drei sächsische Herzogtümer sowie beide Reuß und beide Schwarzburg).

Der Weimarer Kreis war im Norden flach und lag im Thüringer Becken, der südliche und der östliche Kreisteil lagen auf der Ilm-Saale-Platte und im Saaletal. Der Eisenacher Kreis war im Norden hügelig (Hörselberge und Hainich), darauf folgte das Hörseltal mit der Stadt Eisenach, südlich dann der Thüringer Wald, dahinter das Tal der Werra, die Kuppenrhön und schließlich ganz im Süden die Rhön. Der Neustädter Kreis lag im Hügelland mit Höhen zwischen 200 und 400 Metern.

Die wichtigsten Flüsse im Staatsgebiet waren die Saale durch Jena im Osten, die Werra durch Vacha und an Eisenach vorbei mit ihren Nebenflüssen Felda und Ulster im Westen, die Unstrut in den Enklaven Allstedt und Oldisleben im Norden, die Weiße Elster durch Berga/Elster im äußersten Osten und schließlich die Ilm durch Ilmenau und die Hauptstadt Weimar sowie Apolda in der Mitte. Nach ihr nannte der in Sachsen-Weimar-Eisenach als Minister tätige Goethe Weimar auch das „Ilm-Athen“. Die höchsten Erhebungen im Lande waren der Kickelhahn bei Ilmenau (861 Meter ü. NN.), der Ellenbogen in der Rhön (814 Meter ü. NN.) sowie der Ettersberg bei Weimar (477 Meter ü. NN.).

Die drei historischen Hauptteile des Großherzogtums wurden als Weimarer, Eisenacher und Neustädter Kreis bezeichnet. Für die Zwecke der allgemeinen Verwaltung wurden fünf Verwaltungsbezirke eingerichtet: KreisVerwaltungs-bezirkFlächein km²Einwohner(1871)Fußnote: Volkszählung 1871Einwohner(1910)StädteExklaven Weimarer Kreis I.Weimar971,676.497111.694Bad Berka, Blankenhain, Buttelstedt, Ilmenau, Kranichfeld, Magdala, Neumark, Remda, Tannroda und WeimarBösleben und Ilmenau II. Apolda796,374.882125.138 Allstedt, Apolda, Bad Sulza, Bürgel, Buttstädt, Dornburg, Jena, Lobeda und Rastenberg Allstedt, Klein Kröbitz und OldislebenEisenacher Kreis III.Eisenach570,948.46177.112 Berka/Werra, Creuzburg, Eisenach und RuhlaSeebach IV.Dermbach642,535.83742.459Geisa, Kaltennordheim, Ostheim vor der Rhön, Stadtlengsfeld und VachaOstheim vor der Rhön und ZillbachNeustädter Kreis V.Neustadt628,750.50660.746Auma, Berga/Elster, Münchenbernsdorf, Neustadt an der Orla, Triptis und WeidaFörthen, Rußdorf, Teichwolframsdorf und Thränitz Insgesamt lagen 31 Städte und 594 Gemeinden im Großherzogtum. Die Großherzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach verliehen drei Orten im Staat die Stadtrechte neu, nämlich Berka/Werra (Eisenacher Kreis, 1847), Ruhla (Eisenacher Kreis, 1896, gemeinsam mit dem Gothaer Herzog) und Münchenbernsdorf (Neustädter Kreis, 1904).

Im Jahr 1840 hatten 13 Orte (alle mit Stadtrecht) über 2 000 Einwohner. In den 1870er-Jahren der Industrialisierung bis 1910 gestaltete sich die Bevölkerungsentwicklung der größten Orte in Sachsen-Weimar-Eisenach unterschiedlich. Die sieben größten Städte wuchsen zu Industriestädten heran, während die mittleren Landstädte durch Abwanderung teilweise sogar Bevölkerung verloren. Besonders drastisch sank die Bevölkerung Stadtlengsfelds, da nach der jüdischen Emanzipation die große jüdische Gemeinde Stadtlengsfelds in größere Städte abwanderte. StadtEinwohner1. Dez. 1840Weimar11 444Eisenach9 377Jena5 949Neustadt an der Orla4 154Apolda4 128Weida3 756Ilmenau2 721Allstedt2 507Ostheim vor der Rhön2 497Stadtlengsfeld2 239Vacha2 239Buttstädt2 164Creuzburg2 103StadtEinwohner1. Dez. 1910Veränderungseit 1840Jena38 487+ 547 %Eisenach38 362+ 309 %Weimar34 582+ 202 %Apolda22 610+ 448 %Ilmenau12 202+ 348 %Weida9 036+ 141 %Neustadt an der Orla7 095+ 71 %Allstedt3 353+ 34 %Buttstädt2 843+ 32 %Ostheim vor der Rhön2 277– 9 %Vacha2 2400 %Creuzburg2 062– 2 %Stadtlengsfeld1 593– 29 %

Außerdem lagen 1910 im Vergleich zu 1840 folgende Orte über der Marke von 2 000 Einwohnern: Stadt Ruhla (nur weimarischer Anteil: 3 917 – 1 533; +156 %), Stadt Blankenhain (3 405 – 1 689; +102 %), Stadt Bad Sulza (3 052 – 1 422; +115 %), Stadt Auma (2 978 – 1 701; +75 %), Stadt Triptis (2 948 – 1 480; +99 %), Gemeinde Tiefenort (2 539 – 1 237; +105 %), Stadt Bad Berka (2 379 – 1 228; +94 %), Stadt Münchenbernsdorf (2 264 – 1 383; +64 %), Gemeinde Oberweimar (2 095 – 621; +237 %), Gemeinde Oldisleben (2 064 – 1 332; +55 %) und Gemeinde Mihla (2 008 – 1 294; +55 %).

Geschichte mini|Grenzstein zwischen dem Herzogtum Sachsen-Meiningen (= „H.S.M.“) und dem Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach in Großheringen. Dem seit 1572 bestehenden Herzogtum Sachsen-Weimar fiel 1741 das Herzogtum Sachsen-Eisenach zu, da die Linie mit dem Tod Herzog Wilhelm Heinrichs erlosch. Erster Herzog des vereinten Landes Sachsen-Weimar-Eisenach war Ernst August I., der Bauherr des Schlosses Belvedere bei Weimar. Sein Sohn Ernst August Konstantin regierte nur drei Jahre und starb 1758 im Alter von 20 Jahren. Am 16. März 1756 hatte er die zwei Jahre jüngere braunschweigische Prinzessin Anna Amalia, eine Nichte des preußischen Königs Friedrichs II., geheiratet. Sie gebar ein Jahr später ihren Sohn Carl August und nach einem weiteren Jahr, schon als Witwe, den Sohn Konstantin.

Als Herzogin-Mutter übernahm Anna Amalia mit Zustimmung der Kaiserin Maria Theresia und der Unterstützung ihres integren Ministers Freiherr von Fritsch tatkräftig die Regentschaft des Landes Sachsen-Weimar und Eisenach. Als Prinzenerzieher gewann sie den Dichter Christoph Martin Wieland, damals Professor an der Erfurter Universität.

Mit 18 Jahren volljährig, heiratete Carl August die hessische Prinzessin Luise und rief den Dichter Johann Wolfgang Goethe, mit dem ihn bald eine tiefe Freundschaft verband, an seinen Hof. Goethe sorgte für die Berufung Johann Gottfried Herders und Friedrich Schillers. So wuchs, im Hintergrund von Anna Amalia gefördert, der Kreis der Weimarer Klassik, deren Erbe zu hüten sich die folgenden Regenten zur Aufgabe machten.

Die Hochzeit des Erbprinzen Carl Friedrich mit der russischen Großfürstin Maria Pawlowna 1804 brachte dem Land den Schutz des russischen Zaren Alexanders I., den es in den Wirren der napoleonischen Kriege brauchte. Dem Einfluss Alexanders verdankte Carl August auf dem Wiener Kongress 1815 die Erhebung zum Großherzog und mit 1 700 km² eine umfangreiche Vergrößerung und Abrundung seines Landes. Das Herzogtum erhielt Teile des Kreises Neustadt a. d. Orla (629 km² Fläche), große Teile der Kurmainzer Exklave Erfurt und weitere kleine Herrschaften wie zum Beispiel Blankenhain und Kranichfeld. In der Rhön wurde das Eisenacher Oberland geschaffen; dieses bestand aus angrenzenden ehemaligen Gebietsteilen von Hessen-Kassel und des zuvor säkularisierten Hochstifts Fulda. National gesinnt und weltoffen zugleich gab der Fürst seinem Land als erstem in Deutschland am 5. Mai 1816 eine liberale, sog. landständische Verfassung. Die in der Urburschenschaft organisierten Studenten der Universität Jena feierten im Oktober 1817 auf der Wartburg das Wartburgfest.

Maria Pawlowna, seit 1828 Großherzogin, leitete das silberne Zeitalter Weimars ein, das mit Namen wie Franz Liszt und Peter Cornelius vor allem der Musik galt. Ihr kunstsinniger Sohn Carl Alexander wirkte im gleichen Sinn. Verheiratet mit seiner Cousine Sophie, die seine Pläne unterstützte, ließ er die verfallende Wartburg im damals üblichen Stil eines romantischen Historismus neu aufbauen und von Moritz von Schwind ausmalen. Die Gründung der Kunstgewerbeschule Weimar, die 1919 im Bauhaus aufging, wurde von ihm, wenn auch halbherzig, gefördert.

Auf Carl Alexander folgte 1901 sein Enkel Wilhelm Ernst, verheiratet in erster Ehe mit Karoline von Reuß Ältere Linie und in zweiter mit Feodora von Sachsen-Meiningen. Am 9. November 1918 verzichtete er auf den Thron. Damit endete die Monarchie im Großherzogtum Sachsen. Es wurde zum Freistaat Sachsen-Weimar-Eisenach und ging 1920 im neugegründeten Land Thüringen mit Weimar als Landeshauptstadt auf.

Religion Im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach war wie in allen thüringischen Staaten das evangelisch-lutherische Bekenntnis vorherrschend. Im Einzelnen waren von 339 217 Einwohnern (1895): Evangelisch: 325 315 (95,9 %) Katholisch: 12 112 (3,6 %) Jüdisch: 1 290 (0,4 %) Sonstige/Konfessionslos: 500 (0,1 %) Im Kreis Eisenach waren die Religionen etwas anders gewichtet, dort waren von 95 226 Einwohnern (1895): Evangelisch: 85 319 (89,6 %) Katholisch: 8 809 (9,3 %) Jüdisch: 979 (1,0 %) Sonstige/Konfessionslos: 119 (0,1 %)

Die katholischen und jüdischen Minderheiten im Kreis Eisenach lebten vor allem in der Rhön, das Gebiet um die Kleinstadt Geisa war mehrheitlich katholisch und gehörte dem Bistum Fulda an.

Strukturen Verfassung Nach Karl Heinrich Pölitz hatte das Herzogtum Sachsen-Weimar bis zur Auflösung des Alten Reiches (1806) eine ständische Verfassung, die aus dem ausgehenden Mittelalter stammte.Die europäischen Verfassungen seit dem Jahre 1789 bis auf die neueste Zeit. Mit geschichtlichen Erläuterungen und Einleitungen von Karl Heinrich Ludwig Pölitz […]. Zweite, neugeordnete, berichtigte und ergänzte Auflage. Erster Band, die gesammten Verfassungen des teutschen Staatenbundes enthaltend. Zweite Abtheilung, Leipzig: Brockhaus, 1832, S. 732 (Digitalisat bei Google Books.) Ab 1809 wurden dem Land nacheinander folgende Verfassungen gegeben: Constitution der vereinigten Landschaft der herzoglich Weimar- und Eisenachischen Lande, mit Einschluß der Jenaischen Landesportion, jedoch mit Ausschluß des Amtes Ilmenau. Vom 20. September 1809Ein Abdruck des Textes findet sich in folgendem Band: Die europäischen Verfassungen seit dem Jahre 1789 bis auf die neueste Zeit. Mit geschichtlichen Erläuterungen und Einleitungen von Karl Heinrich Ludwig Pölitz […]. Zweite, neugeordnete, berichtigte und ergänzte Auflage. Erster Band, die gesammten Verfassungen des teutschen Staatenbundes enthaltend. Zweite Abtheilung, Leipzig: Brockhaus, 1832, S. 732 (Digitalisat bei Google Books.)Vergleiche auch folgenden Aufsatz: Ständische Angelegenheiten im Großherzogthum Weimar-Eisenach, in: Allgemeines Staatsverfassungs-Archiv. Zeitschrift für Theorie und Praxis gemäßigter Regierungsformen, Band 1, 1816, S. 235–359, hier S. 244–251 (Digitalisat)