Allstedt () ist eine Stadt im Landkreis Mansfeld-Südharz im Südwesten Sachsen-Anhalts.
Lage Die Stadt liegt nur wenige Kilometer von der thüringischen Landesgrenze entfernt. In der Stadtflur verlaufen zwei Flüsse, die kleinere Rohne, die aus dem Hornburger Sattel im Nordosten kommt, und die größere Helme, die aus Richtung Westen kommend bei Katharinenrieth nach Süden zur Mündung in die Unstrut abbiegt. Die Helme bildet mit der Unstrut hier eine fruchtbare Ebene (Das Ried in der goldenen Aue). Nördlich von Allstedt beginnen die Ausläufer des Südharzes, im Westen sieht man das markante Kyffhäuser-Gebirge. Im Süden, nach Überquerung des breiten Unstruttales, liegt der Bergrücken der Hohen Schrecke und im Osten fällt nach einer Hügellandschaft hinter Querfurt das Gelände allmählich zur Saale hin ab. Südöstlich von Allstedt liegt der Naturpark Saale-Unstrut-Triasland.
Die Nachbargemeinden von Allstedt sind Mansfeld im Norden, Blankenheim und die Lutherstadt Eisleben im Osten, Querfurt (Saalekreis), Roßleben-Wiehe, Artern und Mönchpfiffel-Nikolausrieth (die letzten drei im Kyffhäuserkreis) im Süden sowie Edersleben und Sangerhausen im Westen.
Stadtgliederung Allstedt gliedert sich in eine Kernstadt und zwölf Ortschaften, die Nachfolger der eingemeindeten Gemeinden. Diese sind in folgender Tabelle aufgelistet: Ortschaft Einwohner Ortsteile Die Ortschaften von Allstedt(anklickbare Karte) Allstedt 2959 Allstedt und Klosternaundorf Beyernaumburg 804 Beyernaumburg (763), Othal (41) Emseloh 557 Emseloh Holdenstedt 666 Holdenstedt Katharinenrieth 211 Katharinenrieth Liedersdorf 273 Liedersdorf Mittelhausen 541 Einsdorf (158), Mittelhausen (383) Niederröblingen 427 Niederröblingen Nienstedt 363 Einzingen (162), Nienstedt (201) Pölsfeld 383 Pölsfeld Sotterhausen 241 Sotterhausen Winkel 316 Winkel Wolferstedt 686 Wolferstedt
Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 30. Juli 2013.
Geschichte mini|hochkant|Rathaus mini|Stadtmühle Allstedt existierte als althüringisches Dorf schon im 5./6. Jahrhundert. In einem zwischen 881 und 899 entstandenen Verzeichnis des Zehnten des Klosters Hersfeld wird Allstedt als zehntpflichtiger Ort Altstedi im Friesenfeld genannt. Heinrich I. unterschrieb im Jahr 935 in Allstedt eine Urkunde. Allstedt wurde Königshof, später Kaiserpfalz.
Das erloschene Ministerialengeschlecht „von Allstedt“ hatte vom 12. bis in die Mitte des 14. Jh. hier seinen Stammsitz. Um 1200 wurde die Wigberti-Kirche als Steinbau neu errichtet. Allstedt erhielt 1425 die Stadtrechte, ab 1516 führte die Stadt ein Siegel. Thomas Müntzer wurde 1523 Pastor an der Johanniskirche. Er predigte in deutscher Sprache. Er hielt am 13. Juli 1524 in der Schlosskapelle vor Herzog Johann und dem Kurfürsten Friedrich die „Fürstenpredigt“. 1568 wurde eine neue Schule erwähnt und seit 1570 sind Weinbau-Erträge bezeugt.
Im Dreißigjährigen Krieg hausten Wallensteins, Tillys und Gustav Adolfs Soldaten in Allstedt. Die Pest suchte Allstedt 1681 heim: von Mai bis Dezember starben in der Stadt 817 Menschen. Die neue St.-Johannes-Kirche wurde 1765 eingeweiht.
Johann Wolfgang von Goethe weilte zwischen 1776 und 1802 oft in Allstedt zu Staatsgeschäften. Auf dem Schloss schrieb er unter anderem einige Akte seiner „Iphigenie“. Das erste Allstedter Wochenblatt erschien 1840. Eine Zuckerfabrik wurde 1851, eine Malzfabrik 1885 und ein Metallwerk 1890 errichtet. 1894 erfolgte mit der Strecke Oberröblingen–Allstedt der Anschluss ans Eisenbahnnetz. 1899 bekam Allstedt Straßenbeleuchtung mit Gaslaternen.
Im Ersten Weltkrieg fielen 114 Allstedter als Soldaten. 1920 kam Allstedt, ehemals Teil des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach, mit dem Landkreis Weimar als Exklave zum Land Thüringen. 1922 wurde Allstedt an das Stromnetz angeschlossen.
Am 11. April 1945 wurde Allstedt durch US-Flugzeuge bombardiert. Elf Personen wurden getötet und es entstanden größere Gebäudeschäden.Thilo Ziegler: Unterm Hakenkreuz. Ein Abriss der Geschichte des Kreises Sangerhausen von 1933 bis 1945. Starke-Druck, Sondershausen 2004, S. 232.
Dann zogen die US-Amerikaner in Allstedt ein. Der Malermeister Robert Deterra hatte für das Hissen von weißen Fahnen gesorgt, wofür er von Bürgermeister und NSDAP-Ortsgruppenleiter Conrad Kirst zum Tode verurteilt wurde. In den Wirren der Besetzung konnte er jedoch fliehen und sein Leben retten.Alfred Harendt: Das betrunkene Standgericht. In: Die Stunde Null. Berlin 1966, S. 156.
Im Juli übernahm die Sowjetarmee ihre Besatzungszone. Es erfolgte die Entnazifizierung, die Demontage der Betriebe begann. Flüchtlinge und Vertriebene aus den Deutschen Ostgebieten kamen nach Allstedt, das mit Wirkung vom 1. Oktober 1945 dem Landkreis Sangerhausen der Provinz Sachsen zugeordnet wurde.
1946 begann die Bodenreform. Ein Hochwasser überflutete 1947 Allstedt. 1952 wurde mit dem Bau des Flugplatzes der sowjetischen Armee begonnen. Die Kollektivierung in der Landwirtschaft erfolgte 1960. Im Jahr 1973 stellte die Reichsbahn den Personenverkehr zwischen Oberröblingen und Allstedt ein. Das Schloss wurde 1974 renoviert und ein Museum eingerichtet.
Von 1952 bis 2007 lag Allstedt im Kreis Sangerhausen (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Halle, dann im Land Sachsen-Anhalt). Seit der Kreisreform 2007 ist die Stadt Teil des Landkreises Mansfeld-Südharz.
Am 1. Januar 2010 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Beyernaumburg, Emseloh, Holdenstedt, Katharinenrieth, Liedersdorf, Mittelhausen, Niederröblingen (Helme), Nienstedt, Pölsfeld, Sotterhausen und Wolferstedt aus der Verwaltungsgemeinschaft Allstedt-Kaltenborn in die neue Stadt Allstedt eingegliedert.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010 Am 1. September 2010 folgte per Gesetz Winkel.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 3.838 2005 3.130 2010 8.452 2015 7.985 2020 7.650 Jahr Einwohner 2021 7.573 2022 7.615 2023 7.615 2024 7.535 2025 7.528
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der starke Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Religion mini|links|hochkant|Evangelische St.-Johannis-Baptist-Kirche mini|Katholische St.-Wigbert-Kapelle Die Einwohner und die Kirche von Allstedt wurden durch die Reformation protestantisch.
Die St.-Johannis-Baptist-Kirche in Allstedt gehört zum Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda, abgerufen am 13. Dezember 2024.
Die um 1950 durch Umbau eines Geschäftes entstandeneBernhard Opfermann: Das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen und seine Diaspora. Geschichte und Gegenwart. Ein Handbuch. (Studien zur katholischen Bistums- und Klostergeschichte 30). Leipzig/Heiligenstadt 1988, S. 259. katholische St.-Wigbert-Kapelle gehörte seit 2010 zur Pfarrei Sangerhausen im Dekanat Merseburg des Bistums Magdeburg. Die Katholiken in Allstedt gehörten bis 1994 zum Bistum Fulda, waren jedoch durch die Innerdeutsche Grenze vom Bistum Fulda abgetrennt und in der DDR dem Bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen zugeordnet. 1994 wechselte die PfarrkuratieAußenstation hat neuen Mittelpunkt. In: Tag des Herrn. Ausgabe 20/1995 vom 14. Mai 1995, S. 15. Allstedt aus der Pfarrei Bad Frankenhausen des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen in das neugegründete Bistum Magdeburg.Mit dem Bistum Erfurt Kirchen getauscht. In: Tag des Herrn. Ausgabe 39/1994 vom 2. Oktober 1994, S. 11. Die Kapelle wurde per Dekret vom 28. August 2023 mit dem letzten Gottesdienst am 21. Oktober 2023 profaniert.Amtsblatt des Bistums Magdeburg Oktober 2023 Die zuletzt monatlich in der Kapelle stattfindende Vorabendmesse findet seitdem in der evangelischen Kirche statt.
Vom 12. Jahrhundert bis 1538 bestand bei Allstedt das Augustiner-Chorherren-Kloster Kaltenborn. Im April 1525 wurde es von Bewohnern der Orte Riestedt und Emseloh geplündert und verwüstet.
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Allstedt besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 20 Mitgliedern und dem Bürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 61,2 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 31,3 % 6 23,7 % 5 AfD – – 18,9 % 3 SPD 17,1 % 4 12,5 % 2 Freie Bürger Mitteldeutschland – – 9,5 % 2 Allstedter Bund – – 9,2 % 2 Freiwillige Feuerwehr Stadt Allstedt 21,7 % 4 9,1 % 2 Die Linke 14,3 % 3 5,8 % 1 FDP 10,0 % 2 4,3 % 1 Einzelbewerber Kevin Koch – – 3,1 % 1 Einzelbewerber Lars Greschner 5,5 % 1 2,5 % – Einzelbewerber Enrico Aderhold – – 1,4 % – Insgesamt 100 % 20 100 % 19
Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD vier Sitze, von denen einer unbesetzt bleibt, weil die Partei nur drei Kandidaten nominiert hatte.
Bürgermeister 2003–2024: Jürgen Richter (CDU) seit 2024: Daniel Kirchner (parteilos)
Richter wurde bei der Bürgermeisterwahl am 23. Oktober 2016 mit 58,2 % der gültigen Stimmen erneut in seinem Amt bestätigt.
Kirchner wurde bei der Bürgermeisterstichwahl am 25. Februar 2024 mit 73,1 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 25. Februar 2024 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen und Flagge Das Wappen wurde am 9. November 1998 vom Regierungsbezirk Halle genehmigt und unter Nr. 55/1998 im Landesarchiv Sachsen-Anhalt registriert.
Die Flagge der Stadt zeigt – abgeleitet von den Hauptfarben des Wappens – die Farben Weiß-Rot.
Städtepartnerschaften Mit Vrbove in der Slowakei und Vítkov in Tschechien sowie Trendelburg in Hessen pflegt Allstedt partnerschaftliche Beziehungen.
Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|hochkant|Wigberti-Kirche: Das Kirchenschiff ist eine sanierte Ruine, vom Kirchturm ist ein Rundblick möglich. mini|Schloss Allstedt (ehemals Burg & Schloss Allstedt genannt) mini|Erinnerungsplakette zum Besuch der Thomas-Müntzer-Gedenkstätte aus der DDR-Zeit
Pfalz Allstedt, aus der Pfalz ging die Burg Allstedt hervor, die häufig auch als Schloss bezeichnet wird und heute ein Museum über die Geschichte Allstedts und der Burg beherbergt. In der Vorburg finden Veranstaltungen (Genussabende) statt, im Sommer öffnet unterm Blauglockenbaum ein Biergarten. Auf der Burg- und Schlossanlage finden regelmäßig Veranstaltungen (u. a. Burgfrühling, #adventimturm) statt. Gleichzeitig ist die Burg auch Sitz des Verbandes deutscher Schwarzpulverkanoniere (VDSK), St. Johannis Baptist Wigberti-Kirche aus dem 8. Jahrhundert Im Ortsteil Holdenstedt betreibt der Verein Feuerwehrhistorik Holdenstedt ein Feuerwehrmuseum, in dem die Geschichte der Feuerwehr zwischen 1933 und 1990 in der Region dargestellt wird.
Obwohl die Bahnverbindung eingestellt wurde, findet immer im Mai auf dem Bahnhof ein Bahnhofsfest statt.
Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Niederländische Investoren planten eine große Schweinemastanlage bei Allstedt. Eine Bürgerinitiative konnte dieses Vorhaben 2010 verhindern. Dafür soll nun entlang der Rollbahn des Flugplatzes ein 2,5 Kilometer langer Solarpark errichtet werden.
Verkehr Allstedt liegt an der A 38 Göttingen–Leipzig (Ausfahrt Allstedt). Der Bahnhof Allstedt an der Bahnstrecke aus Oberröblingen wird im Personenverkehr seit 1973 nicht mehr bedient Die Strecke wurde 1999 abgebaut. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich nunmehr in Sangerhausen und Artern an der Bahnstrecke Sangerhausen–Erfurt. Zu diesen Orten existieren mehrmals täglich Busverbindungen.
Allstedt hat einen kleinen Flugplatz, der bis 1992 von der GSSD genutzt wurde.
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