Die Sackpfeife (mundartlich Sackpäife) ist ein hoher Berg im Lützlergebirge, dem südöstlichen Teil des Rothaargebirges, auf der Grenze von Hessischem Hinterland und Ederbergland und somit den Landkreisen Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf in Hessen.
Auf dem bewaldeten Berg, der ein weithin bekanntes und beliebtes Erholungsgebiet darstellt, befinden sich zum Beispiel der Kaiser-Wilhelm-II.-Turm, der Aussicht unter anderem ins Rothaargebirge gewährt, der Sender Biedenkopf und ein ehemaliges Wintersportgebiet.
Geographie Lage Die Sackpfeife erhebt sich im Südostteil des Rothaargebirges im Westteil von Hessen an der Nahtlinie der Landkreise Waldeck-Frankenberg (Norden) und Marburg-Biedenkopf (Süden), die im Wesentlichen der Rhein-Weser-Wasserscheide entspricht. Östlich des Wittgensteiner Lands liegt sie im bewaldeten und weiträumigen Forst Hatzfeld zwischen Hatzfeld im Norden und Biedenkopf im Süden.
Obwohl die Sackpfeife nicht zu den höchsten Bergen des bis zu hohen Rothaargebirges gehört, überragt sie ihre unmittelbare Umgebung doch deutlich bei einer Dominanz von immerhin etwa 8 km. Da der Gipfelbereich in Gebirgsrichtung (Nordnordosten) extrem breit ist, kommt es, dass zwar der höchste Punkt deutlich in der Hatzfelder Gemarkung und damit im Landkreis Waldeck-Frankenberg liegt, jedoch zum Beispiel der Standpunkt des Sender Biedenkopf im Biedenkopfer Stadtgebiet mit um Höhe nur knapp unter dem Maximum liegt. Darum ist die Sackpfeife auch der höchste Berg im Landkreis Marburg-Biedenkopf und wird über die Biedenkopfer Stadtentwicklungsgesellschaft entsprechend mit diesem Merkmal vermarktet, während Waldeck-Frankenberg im Upland deutlich höhere Berge beherbergt.
Der Südsüdwestausläufer des Bergs ist das hohe Wieschen; sein Gipfel befindet sich rund 1.150 m südsüdwestlich des Sackpfeifengipfels.
Mit dem Auto ist die Sackpfeife über eine zwischen Hatzfeld-Eifa und Biedenkopf von der Bundesstraße 253 abzweigende Sackgasse anfahrbar.
Name und Legende Darüber, wie die Sackpfeife zu ihrem eigentümlichen Namen gekommen ist, gibt es mehrere Deutungsversuche: Neben der Theorie, der Name komme von dem Wind, der auf dem Berg so pfeift wie eine Beutelflöte (volkstümlich Sackpfeife genannt), gibt es die Legende, dass der Nikolaus in der Nacht auf den 6. Dezember auf dem Gipfel mit einer solchen Sackpfeife spielte, was in den Orten ringsum zu hören gewesen sein soll.
Naturraum Sackpfeife Blick vom Christenberg im Burgwald zur Sackpfeife mit Vorhöhen mit Kohlenberg (, halbrechts, zweigipfelig), Sackpfeife (, rechts der Mitte, mit Sendemast), Hainpracht (, links davon im Hintergrund), Hassenroth (, Mitte, kuppig) und Arennest (, zweiter halblinks)
mini|400px|Blick auf Biedenkopf und die hohe Hainpracht (rechts des Schlosses) und die Sackpfeife (rechts im Hintergrund, Antenne) sowie auf Ostausläufer des hohen Schwarzenberges (links)
Der Naturraum Sackpfeife (Nr. 333.3) ist im System der naturräumlichen Gliederung nach Meynen Teil der Haupteinheit 333 – Rothaargebirge. Nach Westen trennt ihn der Puderbach vom Wittgensteiner Bergland, das zur gleichen Haupteinheit gehört, nach Süden grenzt das Obere Lahntal als Teil des Gladenbacher Berglandes (Haupteinheit 320) an, das naturräumlich bereits zum Westerwald (Haupteinheitengruppe 32) gezählt wird.
Der Übergang in die Sackpfeifen-Vorhöhen nach Südosten verläuft vergleichsweise fließend etwa entlang der Linie, ab der die Gipfel die 600-m-Grenze nicht mehr erreichen, während sich nach Norden mit dem Tal der Eder bzw. kurz vorher das Hatzfelder Bergland anschließt. Beide Naturräume zählen zum Ostsauerländer Gebirgsrand (Haupteinheit 332), wie die Ostabdachung des Rothaargebirges genannt wird. Sie gehört, wie das Gebirge selber auch, zur Haupteinheitengruppe 33 – Süderbergland.
Insgesamt stellt der Naturraum Sackpfeife den östlichsten Ausläufer der unmittelbaren Umgebung der Rhein-Weser-Wasserscheide innerhalb des Rothaargebirges dar. Fast alle Flüsse münden entweder direkt nach Norden in die Eder oder nach Süden in die Lahn, wobei beide Flüsse nur etwa um vier Kilometer von der Wasserscheide entfernt in östliche Richtungen fließen.
Berge Zu den Erhebungen des Naturraums Sackpfeife gehören – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN): Sackpfeife (673,3 m) Wieschen (652 m), Erhebung südsüdwestlich der Gipfelregion Buchholz (643,0 m), Westen Hainpracht (631,0 m), südöstlich des Hauptgipfels; nördlichster der Biedenkopfer Stadtberge Puderburg (619,1 m), östlich Puderbachs Rabenkopf (601,0 m), südsüdwestlich vom Buchholz
Südöstlich der Bundesstraße 253, die eine mehr oder weniger natürliche Grenze des Sackpfeifenmassivs bildet, liegen die folgenden Berge nach der nicht linienhaft festlegbaren Grenze der Karte zu Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 125 Marburg ebenfalls im Naturraum Sackpfeife, sie werden jedoch landläufig eher den Sackpfeifen-Vorhöhen zugerechnet: Hassenroth (621,6 m), kuppiger Berg im Südosten bei Dexbach Heiligenberg (588 m), südsüdwestlich des Hassenroth Steckelnberg (580,5 m), zwischen Hainpracht und Hassenroth Großer Hardenberg (570,2 m), nordwestlich von Dexbach und durch die Landesstraße 3091 vom südwestlich liegenden Hassenroth deutlich getrennt Rahnsberg (560,8 m), südlich Dexbachs und südöstlich des Hassenroth Johannisköppe (557,0 m), südwestlich an den Rahnsberg anschließend Eckeseite (501 m), nördlicher Stadtberg Biedenkopfs und südlicher Vor-Gipfel des Steckelnsbergs Großer Eschenberg (464 m), östlicher Stadtberg Biedenkopfs und südwestlicher Vor-Berg des Heiligenbergs Schlossberg (386,2 m), zentraler Stadtberg mit Schloss Biedenkopf
Auch die westliche Grenze zum Wittgensteiner Bergland wird auf Blatt Marburg als nicht linienhaft festlegbar eingezeichnet und verläuft bis fast zum (damit knapp jenseitigen) Stein (644,1 m). Hier wäre die dem Puderbach bachaufwärts folgende Landesstraße 709 über Puderbach bis zum Weiler Didoll eine menschengeschaffene, wenngleich im Vergleich zur B 253 weniger eindeutige Grenze des Naturraums, deren Linie sich nach Nordosten durch das Tal des Wellrichhäuser Bachs fortsetzt.
Fließgewässer Von West nach Ost geordnet durchfließen folgende Bäche und Flüsse den Naturraum (wobei Lahn und Eder bereits außerhalb liegen und alle anderen Fließgewässer innerhalb des Naturraumes entspringen):
Eder Lahn Puderbach (6,2 km, westlicher Grenzfluss) Hainbach I (5,5 km, 7,4 km²) Weifenbach (4,2 km, 7,7 km²) Hainbach II (4,4 km, 5,5 km², Trasse der B 253) Treisbach bzw., im Quellverlauf, Engelbach (16,8 km, 68,2 km²; entwässert nach Osten längs der Landesstraße 3091 über die Wetschaft in die Lahn)
Wasserscheide Über den Gipfel der Sackpfeife verläuft ein Abschnitt der hiesig in West-Ost-Richtung verlaufenden Rhein-Weser-Wasserscheide. Dies bedeutet, dass sich alle Fließgewässer, die am Nordhang des Bergs entspringen, über die Eder und Fulda in Richtung Norden fließend in die Weser entwässern, während jene, die an seiner Südflanke entstehen, nach Süden bzw. Westen strebend über die Lahn in den Rhein fließen.
Erholungsraum mini|hochkant|Kaiser-Wilhelm-II.-Turm (Aussichtsturm; 2017) mini|hochkant|Kaiser-Wilhelm-II.-Turm (etwa 1932)
Kaiser-Wilhelm-II.-Turm Auf dem Gipfel der Sackpfeife steht der 25 Meter hohe Kaiser-Wilhelm-II.-Turm, ein dauerhaft geöffneter Aussichtsturm und beliebtes Ausflugs- sowie Wanderziel. Vom Parkplatz auf dem Berg läuft man etwa 1 km bis zum Turm, von Hatzfeld etwa 5 km.
Der Turm wurde 1913 durch den Oberhessischen Gebirgsverein zu Ehren des 25-jährigen Thronjubiläums des deutschen Kaisers Wilhelm II. als Natursteinmauerwerk aus Grauwacke-Steinen der Umgebung erbaut, mit hohem manuellem Aufwand und geringen technischen Hilfsmitteln. Bauern aus den umliegenden Dörfern waren am Bau beteiligt; deren Kuh-Gespanne sind zum Transport der Steine genutzt worden. Die Aussichtsplattform des Turmes ist öffentlich zugänglich, gegen Spende zum Erhalt des Turmes. Der Weg zur Plattform führt zunächst über eine kurze Außentreppe und danach über eine innen liegende Wendeltreppe. Insgesamt sind 109 Stufen zu erklimmen. Von der Aussichtsplattform reicht der Blick über große Teile des hessischen Berglands vorbei am Fernsehturm auf der Angelburg bis hin zum Feldberg im Taunus, aber auch zu Kellerwald, Knüll und Vogelsberg. In nördlicher und westlicher Richtung blickt man weit ins Rothaargebirge hinein.
Erstmals 1953 wurden größere Reparaturen am Turm ausgeführt, u. a. wurde er dabei zum Teil verputzt. 1988/89 wurde der Turm im Rahmen einer weiteren Sanierung schließlich vollständig verputzt und mit wasserabweisender Farbe weiß gestrichen. Weil Feuchtigkeit eindrang wurden Anfang der 2000er Jahre die Zinnen mit Kupferblech verkleidet. 2005 wurde die Plattform schließlich mit einer Überdachung und Verglasung wetterfest gemacht. In den Jahren 2011–2013 wurde der Turm erneut komplett saniert. Aufgrund von Feuchtigkeitsschäden musste im Sommer 2018 eine erneute Sanierung des inzwischen denkmalgeschützten Turmes durchgeführt werden. Zuvor war der Kaiser-Wilhelm-Turm bereits im Spätherbst 2017 provisorisch für den Winter repariert worden.Der Turm ist bald wieder fit - OHGV saniert denkmalgeschütztes Bauwerk auf der Sackpfeife für 20 000 Euro Hinterländer Anzeiger vom 4. Juli 2018, abgerufen am 14. September 2018. Nachdem der Putz zunehmend bröckelte, war der Turm im Frühjahr 2024 großflächig eingezäunt. Es folgten ab Frühjahr 2025 größere Renovierungsarbeiten, in deren Rahmen der Verputz entfernt und das ursprüngliche Natursteinmauerwerk wieder zum Vorschein gebracht wurde, da sich inzwischen herausgestellt hatte, dass der Betonputz mit der wasserabweisenden Farbe das Gemäuer nicht genug atmen und so feucht werden ließ. Die Finanzierung der 670.000 Euro teuren Sanierung des weiterhin in Vereinshand befindlichen Aussichtsturmes gelang über Förderprogramme und Spenden aus der Region. In diesem Zuge wurde auch der Naturstein repariert und neu verfugt sowie ein Blitzschutz installiert und die Außentreppe überdacht. Im Juni 2026 waren die Arbeiten fertiggestellt.
Freizeitzentrum mit ehemaligem Wintersportgebiet Neben dem auf der Sackpfeife stehenden Kaiser-Wilhelm-II.-Turm steht die Lahn-Eder-Hütte der örtlichen Sektion des Oberhessischen Gebirgsvereins (OHGV). Darüber hinaus gibt es einen Spielplatz sowie Grillplätze und Rundwanderwege. Eine 1980 auf dem Berg errichtete und 480 m lange Sommerrodelbahn wurde 2025 demontiert.Rückbau auf der Sackpfeife - Auf dem Hausberg von Biedenkopf: Rodelbahn ist weg - Lifte sollen folgen Oberhessische Presse (OP), abgerufen am 2. Februar 2024. Zwischenzeitlich gab es auch einen Autoskooter sowie ein Bungee-Trampolin. In der kalten Jahreszeit wurde der Berg jahrzehntelang als Wintersportgebiet genutzt.