Asti () ist eine italienische Gemeinde (comune) und Provinzhauptstadt der Provinz Asti, Region Piemont, mit Einwohnern (Stand ). Seit dem frühen Mittelalter ist sie Bischofssitz. Zahlreiche Bauten und Monumente sind Zeugnisse der reichen Geschichte von der Römerzeit bis heute. Der bekannte Asti Spumante, ein Schaumwein, stammt zum größten Teil aus den südöstlich der Stadt gelegenen Weinbaugebieten der Provinz Asti.
Geographie mini|Lage der Gemeinde Asti in der Provinz Asti Asti liegt im Herzen des Piemont, ca. 50 km südöstlich von Turin im Tal des Flusses Tanaro. Die knapp 152 km² große Stadtgemeinde ist umgeben von Hügellandschaften: im Südosten die Langhe, im Südwesten das Roero und im Norden das Monferrato. Im Laufe der Jahrzehnte wurden 45 Dörfer und Weiler eingemeindet, sodass sich die Stadt verwaltungsmäßig weit in ihr Umland erstreckt.
Verwaltungsgliederung Zur Gemeinde Asti gehören noch folgende Fraktionen: Beccati, Bramairate, Bricco Fassio, Bricco Roasio, Ca' dei Coppi, Caniglie, Canova, Casabianca, Castiglione, Migliandolo, Mombarone, Mongardino Stazione, Montegrosso Cinaglio, Montemarzo, Palucco, Poggio d'Asti, Portacomaro Stazione, Quarto Inferiore, Quarto Superiore, Revignano, Rioscone, San Grato di Sessant, San Marzanotto, San Marzanotto Piana, Santo Spirito, San Vito - Poggio, Serravalle, Sessant, Torrazzo, Trincere, Vaglierano, Vaglierano Basso, Valenzani, Valfea, Valgera, Valleandona, Valle Tanaro, Valmaggiore, Valmairone, Valleversa, Valmanera, Valterza, Variglie, Valbella und Viatosto.
Bevölkerungsentwicklung
Geschichte
Antike Ab dem Jahr 89 v. Chr. bauten die Römer eine verkehrsgünstig gelegene Siedlung der Ligurer zu einem Municipium aus und nannten es Hasta. Die Via Fulvia, eine wichtige Straße Richtung Alpen, bildete den Decumanus maximus der Stadt. In Hasta kreuzten sich die Wege zu anderen Römergründungen: die heutigen Städte Chivasso, Pollenzo, Alba und Vercelli. Damals umfasste das Stadtgebiet nur knapp 50 Hektar und erstreckte sich zwischen den heutigen Plätzen Porta Torino und Piazza Alfieri. Spuren des Forums wurden unter der Krypta Sant’Anastasio gefunden.
Mittelalter Unter der Herrschaft der Langobarden wurde das Gebiet um Asti ein Herzogtum (Ducato di Asti), im 8. Jahrhundert, nach der Eroberung Italiens durch Karl den Großen, eine Grafschaft (Contea di Asti). Mit Unterstützung der deutschen Kaiser lag in der ottonischen Zeit die Macht vor allem in den Händen der Bischöfe. Die Diözese reichte bis Mondovì und Poirino und umfasste auch Gebiete der heutigen Provinzen Alessandria und Casale. Asti wird bedeutende Station auf der Via Francigena von den Pässen der Westalpen nach Rom; ihr Verlauf innerhalb der Stadtmauern entspricht dem ehemaligen Decumanus und heutigen Corso Alfieri. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts endete die Vorherrschaft des Adels und der Kirche, und Asti wird freie Kommune. Ein wichtiges Zeugnis in diesem Zusammenhang ist eine Urkunde von 1095, mit der der amtierende Bischof das Castello d’Annone, eine befestigte Anlage östlich von Asti, der Stadt übergibt und zum ersten Mal städtische Konsuln erwähnt sind.Renato Bordone, Città e territorio nell'alto Medioevo. La società astigiana dal dominio dei Franchi all'affermazione comunale. Biblioteca Storica Subalpina, Torino 1980, S. 259. In der Folge erhält Asti 1141 das Münzrecht und weitere Privilegien. Auf seinem ersten Italienfeldzug gelang es Friedrich I. Barbarossa, sich die Gefolgschaft der Stadt Asti, der damals bedeutendsten Stadt Piemonts, zu sichern.Alessandro Barbero, Storia del Piemonte, Torino 2024, S. 139 Die Stadt musste es hinnehmen, dass Türme und Stadtmauer zerstört wurden, sowie jährlich eine Abgabe von 200 Silbermark zahlen; im Gegenzug vergrößerte Barbarossa die Diözese beträchtlich.L. Vergano, Storia di Asti, Vol. 2, 1953, S. 20 und 23 Inwieweit Asti sich dem Lombardenbund, dem 1167 als Widerstand gegen Barbarossa gegründeten norditalienischen Städtebund anschloss, ist zweifelhaft.L. Vergano, Storia di Asti, Vol. 2, 1953, S. 23 und 26 1174 stand der Kaiser jedoch erneut mit einem Heer vor den Toren der Stadt, verschonte sie aber gegen die Zahlung einer Geldsumme. In den folgenden Jahrzehnten gelang es den Bürgern der Stadt, durch geschickte Politik und militärisches Vorgehen gegen Adelsfamilien, insbesondere die Grafen von Monferrato, und verfeindete Nachbarstädte weitere Dörfer und Territorien im Umland unter ihre Herrschaft zu bringen und die Stadt wirtschaftlich zu entwickeln. Das 13. Jahrhundert war die Blütezeit Astis als eine der bedeutendsten und reichsten Handelsstädte Italiens mit wirtschaftlichen und finanziellen Verflechtungen auf europäischem Niveau. Die Beziehungen zu Kaiser Friedrich II. waren freundschaftlicher Art, zumal Asti ihm beträchtliche Geldbeträge als Kredit zur Verfügung stellte. Nach dessen Tod versuchten erst der Savoyer Thomas II. und dann Karl I. von Anjou das Machtvakuum für sich zu nutzen und die Vormachtstellung Astis zu beschränken; es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen in den Jahren 1255 bis 1275 und noch einmal 1290, die Asti letztendlich für sich entschied.Ventura G., "Memoriale de rebus gestis civium astensium et plurium aliorum" capitolo XIV und Codex astensis doc. 928 Zur Zeit seiner größten Ausdehnung war das Herrschaftsgebiet der Stadt wesentlich größer als die heutige Provinz und wies fast 450 000 Einwohner auf.Codex Astensis qui De Malabayla communiter nuncupatur, memoria di Quintino Sella, Reale Accademia dei Lincei, Roma 1887, pg. 277. Ab Ende des 13. Jahrhunderts führten jedoch die äußerst blutig ausgetragenen Konflikte zwischen Guelfen und Ghibellinen zum Niedergang. Dabei suchten sich beide Parteien Bundesgenossen außerhalb der Stadt und stellten mit ihnen Heere auf, sodass es immer wieder zu Schlachten auf dem Lande kam, in denen mal die eine, mal die andere Partei den Sieg davontrug. Um diese Selbstzerstörung zu beenden, rief der Rat der Stadt 1342 die Visconti in Mailand herbei und galt ab dann wieder als Grafschaft. Als Mitgift von Valentina Visconti, die 1389 Ludwig von Valois, den Herzog von Orléans, heiratete, geriet Asti unter französischen Einfluss. In den nächsten zweieinhalb Jahrhunderten war Piemont und somit auch Asti mit betroffen von den ständigen Kriegen zwischen Frankreich, Savoyen, den Habsburgern und den Grafen von Monferrato, ohne eine eigene Rolle dabei spielen zu können. mini|Historische Ansicht von 1682. Theatrum Statuum Saubaudiae.
Neuzeit 1575, mit dem triumphalen Einzug Emanuel Philiberts, wurde die Grafschaft Asti Teil des Herzogtums Savoyen. Doch auch in den folgenden zwei Jahrhunderten blieb die Stadt nicht von Truppenaufmärschen und kriegerischen Ereignissen mit Todesopfern verschont.Gabiani N., L'invasione del Borgo di S.ta Maria Nuova in Asti da parte degli Spagnuoli nell'anno 1650. Alessandria, 1914 Erst nach der Französischen Revolution wurden die Bürger wieder aktiv. Im Juli 1797 erhoben sie sich wegen einer Hungersnot und eine Woche später proklamierten sie die Repubblica Astese. Sie dauerte freilich nur drei Tage, dann wurden die Aufständischen vom savoyischen Militär hingerichtet. Als Napoleon Bonaparte Piemont zu einem Teil Frankreichs erklärte, war Asti Hauptort des Départements Tanaro. Nach dem Wiener Kongress wurde Piemont wieder von der Dynastie der Savoyer beherrscht, bis es Teil des vereinigten Königreichs Italien wurde. 1935 wurde Asti zum Hauptort der von der Provinz Alessandria endgültig abgetrennten Provinz Asti.
Historisch bedeutsame Sehenswürdigkeiten mini|Kathedrale in Asti Gotische Kathedrale Santa Maria Assunta e Gottardo am Nordrand der Altstadt. Errichtet in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Neben der reich gegliederten Westfassade ist die zur Stadt gerichtete Südfassade architektonisch bemerkenswert. Das Innere wurde 1764–69 über und über mit Weinranken bemalt, was einen eigenartigen Raumeindruck hervorruft. Vom romanischen Vorgängerbau sind noch der Glockenturm, ein Mosaikfußboden im Altarbereich und ein Taufbecken erhalten. Reiche Ausstattung mit Gemälden und Skulpturen, unter anderem von der Hand des in Asti geborenen Gandolfino da Roreto. Den Hochaltar entwarf Benedetto Alfieri.Diego Mondo: L’altare della cattedrale, in: Mirella Marcera (Hrsg.), Benedetto Alfieri, L’opera astigiana, Torino 1992, S. 261 Kirche Collegiata di San Secondo, die im Zentrum gelegene Stadtpfarrkirche. Die weiträumige Innenarchitektur stammt aus dem 14. Jahrhundert. In einer Kapelle des rechten Seitenschiffs sind palii zu sehen, die Fahnen, die es beim Palio zu gewinnen gilt und die für die Bürger der Stadt einen hohen emotionalen Wert darstellen. Kirche San Pietro in Consavia, aus dem 12. bis 15. Jahrhundert, bestehend aus einer Taufkirche, die der Grabeskirche in Jerusalem nachempfunden ist, mit oktogonaler Kuppel; angeschlossen ein weiterer mittelalterlicher Kirchenbau. Der Gebäudekomplex war lange Zeit Sitz des lombardischen Johanniterordens, daher umfasst er auch einen Kreuzgang und ein Ordenshaus. Kirche Santa Maria di Viatosto, am Nordrand der Stadt gelegen. Madonnenbild von 1380 und Marienkrönung von 1450. die Torre Rossa, ein Turm aus der Römerzeit. Der obere Teil im romanischen Stil wurde im 12. Jahrhundert aufgesetzt. Westlich der Piazza Alfieri die weitläufige Altstadt mit mittelalterlichen Wohnbauten und den Stümpfen von mehr als 120 Geschlechtertürmen. Zwölf Türme sind noch in ursprünglicher Höhe erhalten. Teilweise wurden die gotischen Häuser später mit barocken Fassaden versehen. vier Museen in nahe beieinander gelegenen alten Stadtpalästen (Corso Alfieri 357-381): die Städtische Galerie im Palazzo Mazzetti, das Lapidarium mit zahlreichen Relikten der Römerzeit in der Krypta Sant’Anastasio, das Alfieri-Museum im Palazzo Alfieri, dem Geburtshaus Vittorio Alfieris, und das Paläontologische Museum im Palazzo Michelerio mit Fossilien, die im südlichen Piemont gefunden wurden. das Diözesanmuseum San Giovanni in der Via Natta. Der schmucklose Bau war im frühen Mittelalter Kathedrale und zeigt eine Auswahl aus dem Kirchenschatz des Bistums. Im Untergeschoss frühchristliche Gräber und eine Krypta aus dem 8. Jahrhundert mit einer bei Ausgrabungen gefundenen Statue des Johannes. Die Synagoge Das 1860 eröffnete und 2002 rekonstruierte Teatro Vittorio Alfieri.
Wirtschaft
Weinbau Der Name Asti ist seit alters her mit Wein verbunden. In der Tat sind früher wie heute Landwirtschaft und insbesondere der Weinbau der bedeutendste Wirtschaftszweig der Provinz Asti. Spezifizierte Zahlen sind jedoch nur unter Schwierigkeiten verfügbar, da die Grenzen der Weinbauzonen nicht mit den Verwaltungsgrenzen übereinstimmen. Generell lässt sich aber sagen, dass die Rebflächen beständig abnehmen. Waren es 1958 noch 50 000 Hektar mit einem Ertrag von 230 Millionen Litern,https://archivio.astigiani.it/addio-al-ribollir-dei-tini-asti-non-ha-cantine-in-citta/ wurden 2014 im Weinbaugebiet Asti auf einer Rebfläche von 9.045 Hektar 71 Millionen Liter Wein erzeugt,Weinbau in Zahlen 2014 (PDF, italienisch), auf federdoc.com und 2023 dann 90 Millionen Liter.https://www.lavocediasti.it/2024/01/25/leggi-notizia/argomenti/agricoltura-7/articolo/asti-docg-il-2023-in-cifre-produzione-export-e-vendemmia-della-docg-piemontese Der Rückgang ist auch darauf zurückzuführen, dass preiswerte Konsumweine kaum noch nachgefragt werden, dafür aber ein Zuwachs an Qualitätsweinen zu verzeichnen ist, für die die Erntemengen absichtlich beschränkt werden. Die wichtigsten Rotweinsorten sind Barbera, Dolcetto, Freisa, Grignolino und Malvasia; der jeweilige Zusatz „d’Asti DOC“ oder „d’Asti DOCG“ garantiert eine höhere Qualität. Als Weißwein werden Arneis und Favorita und vor allem Moscato angebaut, er ergibt entweder Moscato d’Asti, einen alkoholarmen Süßwein, oder wird zu Asti Spumante, einem trockenen Sekt verarbeitet.