miniatur|Die römischen Provinzen und das römische Straßennetz ca. 150 n. Chr. Die von Historikern als Donausüdstraße (via iuxta Danuvium)Nach der Inschrift : viam iuxta amnem Danuvium fieri iussit., selten auch missverständlich als Donaustraße bezeichnete römische Militär- und Fernstraße entlang und nahe dem Südufer der Donau wurde um das Jahr 45 von Brigobannis (Kastell Hüfingen) nahe dem Ursprung dieses Stromes in nordöstliche Richtung zunächst bis Weltenburg gebaut. Etwa 50 Jahre später wurde sie bis hinter Belgrad und von dort weiter nach Konstantinopel geführt. Hier wird im Wesentlichen nur über den Westabschnitt der Donausüdstraße innerhalb der römischen Provinz Rätien berichtet.

Bedeutung mini|Das Bodendenkmal der Donausüdstraße am antiken Isarübergang mit dem Kastell Moos-Burgstall In ihrem westlichsten und ältesten Abschnitt war die Donausüdstraße von West nach Ost mit den römischen Kastellen Hüfingen (Brigobannis), Tuttlingen, Ennetach, Emerkingen, Rißtissen, Unterkirchberg, Burlafingen, Nersingen und Günzburg (Guntia) bewehrt. Anfänglich diente die Straße hauptsächlich der militärischen Sicherung des rätischen Abschnitts der nördlichen Reichsgrenze (tiberisch-claudische Donaulinie). Sie wurde vermutlich unter der Verantwortung von Pionieren der damals in Windisch (Vindonissa) stationierten 21. Legion Rapax (Legio XXI Rapax) von Brigobannis ausgehend projektiert und gebaut. Die für die Grenzsicherung erforderliche Truppe war zumindest bis 80 n. Chr. zu einem Teil in den neuen, teilweise von Auxiliartruppen besetzten Kastellen entlang der Donau und zum anderen Teil mit Legionären im Legionslager Windisch im Westen stationiert. Augsburg beherbergte während des ersten Jahrhunderts n. Chr. noch kein Legionslager. Die obere Donau (lateinisch Danuvius) markierte von 15 v. Chr. bis ungefähr 95 n. Chr. den rätischen Abschnitt der Grenzlinie zwischen dem römischen Reich und dem damals unbesetzten Germanien (Germania magna). Die mit ungefähr fünf Metern Breite relativ schmale, geradlinige und wetterfeste Donausüdstraße war konsequent für die begrenzte militärische Aufgabe konzipiert, von Windisch aus die Sicherung und Überwachung der nördlichen Grenze Rätiens und des Reiches vom Donauanfang bis Weltenburg sicherzustellen. Die Streckenführung der neuen Straße optimierte Marschentfernungen durch das weiträumige und geradlinige Abschneiden von Flusskurven, vermied Überschwemmungsgebiete und folgte aus Sichtgründen vorzugsweise dem Scheitel flacher, langgezogener Geländeerhebungen. Sie machte keine Konzessionen an die Verkehrsbedürfnisse von damals schon bestehenden Siedlungen. Statt sich zum Beispiel östlich von Günzburg dem damals sich dynamisch vergrößernden Augsburg zu nähern, behielt sie ihren nordöstlichen Verlauf in einem mittleren Abstand von zwei bis fünf Kilometern von der Donau bei. Dadurch eignete sie sich zum Beispiel nicht einer vom Handel wohl nicht unerwünschten Funktion als Leinpfad. Das vorläufige östliche Ende der neuen Straße bei Weltenburg ergab militärischen Sinn, denn wegen des östlich von Weltenburg beginnenden, etwa sechs Kilometer langen Donaudurchbruchs, der Weltenburger Enge, war von Weltenburg bis zur Einmündung des Inns (Aenus),Itinerarium Antonini der Ostgrenze Rätiens, nicht mehr mit Flussüberquerungen größeren Ausmaßes durch Germanen aus dem Norden zu rechnen. Handels- und verkehrspolitisch war das Ende der Straße in Weltenburg nicht sinnvoll, denn damit war ab der Einmündung der via Claudia in die Donausüdstraße nördlich von Augsburg eine für den Handels- und Zivilverkehr unnütze, nach Osten gerichtete Sackstraße entstanden.

Erst nach dem Bau einer Verbindungsstraße zwischen Tuttlingen und Straßburg (Argentoratum), der Kinzigtalstraße, um das Jahr 73/74 unter Kaiser Vespasian erlangte der Westabschnitt der Donausüdstraße bis zum Ende des 1. Jahrhunderts eine herausragende verkehrspolitische und militärische Bedeutung. Er verband das an politischer und wirtschaftlicher Bedeutung gewinnende Augsburg, die spätere Hauptstadt Rätiens, mit Mainz, der Hauptstadt und dem militärischen Zentrum der römischen Provinz Obergermanien. Da Augsburg bis etwa 175 kein eigenes Legionslager beherbergte, war dieser Abschnitt der Donausüdstraße, der die kürzeste Verbindung von Augsburg zu den Legionslagern von Straßburg und Mainz an der Rheintalstraße herstellte, von strategischer Bedeutung. Dies umso mehr, als Windisch als Legionslager um diese Zeit aufgelöst wurde. Mit der Verlegung der Grenze (Limes) zwischen Rätien und Germania Magna gegen Ende des 1. Jahrhunderts von der oberen Donau nach Norden auf die Schwäbische Alb und in den Neckarraum (Nicarus) und dem Bau einer weit kürzeren Verbindungsstraße von Augsburg nach Mainz mit der Streckenführung Augsburg – Günzburg – Cannstatt – Ladenburg – Mainz verlor der westliche Abschnitt der Donausüdstraße seine militärisch-strategische und handelspolitische Bedeutung. Sie war von da an kaum mehr als eine lokale Verbindungsstraße. Das Gleiche galt für den östlich von Günzburg verlaufenden Abschnitt, der zwar bis zum damals als Stadt noch nicht existierenden Regensburg (Castra Regina) weitergeführt worden war, der aber durch neue Direktverbindungen zwischen Augsburg und Günzburg wenig Verkehrsaufkommen hatte. Zu Anfang des zweiten Jahrhunderts wurden unter Kaiser Trajan neue, östlich von Raetien gelegene bedeutende Teilstrecken der Donausüdstraße in logistischer Vorbereitung auf die Dakerkriege bis zur Trajansbrücke bei Drobeta Turnu Severin (Drobeta) in Rumänien als strategische Nachschublinie ausgebaut (siehe auch Tabula Traiana). Gleichzeitig wurde die Donau von Rißtissen bis hinter Belgrad systematisch als Wasserstraße ausgebaut.

Im zweiten Drittel des dritten Jahrhunderts nahmen die Römer unter dem Druck der von Norden eindringenden Germanen und wegen des Fehlens von Truppen den Obergermanisch-Rätischen Limes im östlichen Abschnitt Rätiens (östlich der Iller) in relativ geordneter Weise nach Süden an die Donau zurück. Westlich der Iller wurde die Verteidigung des westlichen Teils von Rätien bis hinunter zum Bodensee und Hochrhein de facto aufgegeben. Nach einer neueren Hypothese (vgl. Limesfall) können möglicherweise häufige Überschwemmungskatastrophen, die auf eine radikale Abholzung der Auwälder in den Flusstälern zurückgeführt werden, zur Grenzverschiebung nach Süden beigetragen haben.

Die neue, ab ungefähr 280 ausgebaute Donaugrenze (Donau-Iller-Rhein-Limes) verlief von Osten nach Westen zwischen Regensburg und der Illermündung, d. h., bis knapp westlich von Neu-Ulm. Dort bog der Limes nach Süden ab. Ab hier bildete die Iller (Hilaria) bis Kempten (Cambodunum) die neue Grenze. Von dort führte der neue Donau-Iller-Rhein-Limes ein Stück über freie Landschaften und entlang der Argen bis zum Bodensee (Lacus Brigantinus). Er folgte dann dem südlichen Bodensee- und Hochrheinufer bis Basel (Basilia) und bog dort dem Rhein (Rhenus) folgend nach Norden ab.

Der nordwestliche Teil Rätiens (das heutige württembergische Oberschwaben, der Schwarzwald (Abnoba montes) und das Dekumatenland (Agri decumates) zwischen dem Oberrhein und dem jetzt verlassenen, von Norden nach Süden verlaufenden Teil des Limes) wurde systematisch von den Römern geräumt. Dadurch fielen der westliche Teil der Donausüdstraße von Hüfingen am östlichen Fuße des Schwarzwaldes bis zum Kastell Unterkirchberg an der Iller sowie die Kinzigtalstraße von Tuttlingen nach Straßburg ab Mitte des dritten Jahrhunderts zumindest als römisch gesicherte Straßen aus. Das Gleiche galt für den nördlicheren Straßenabschnitt zwischen Günzburg und Ladenburg. Der Ost-West-Verkehr von Augsburg nach Mainz verlagerte sich deshalb wieder auf die Allgäustraße. Die Donausüdstraße wurde dann noch etwa 250 Jahre lang im nordöstlichen Resträtien, das seit der Reichsreform des Kaisers Diokletian als Raetia secunda eine eigene Provinz mit der Hauptstadt Augsburg bildete, auf dem Ostufer der Iller nach Süden zur Allgäustraße bei Kempten geführt und so in Richtung Bregenz (Brigantium) umgeleitet. Der Verkehr von Augsburg nach Mainz, in die nördlichen Rheinprovinzen und Gallien wurde so zur Gänze von der mit einer Breite von knapp zehn Metern bestens ausgebauten Allgäustraße und von ihrer westlichen Verlängerung übernommen. Der Verkehr wurde jetzt von Bregenz über das leichter zu verteidigende südliche Bodenseeufer, den Hochrhein und über Basel nach Mainz geführt. Die Reise von Augsburg nach Mainz (Mogontiacum) über das Rheinknie bei Basel war dadurch wieder um 250 Kilometer länger geworden. Genauso lange wie schon 200 Jahre zuvor.

Geschichte 15 v. Chr. wurde die Nordgrenze des römischen Reiches auf Befehl des Kaisers Augustus vom südlichen Alpenfuß zunächst bis an die Donau verlegt, die von den Römern im Oberlauf mit Anlehnung an ihren keltischen Namen „Danuvius“ und als zusammenhängender Strom mit ihrem griechischen Namen „Ister“ oder „Hister“ genannt wurde. Die beiden Stiefsöhne des Kaisers, Drusus und Tiberius, wurden mit dem dazu erforderlichen abschließenden Eroberungszug beauftragt, der als Alpenfeldzug in die Geschichte einging. Drusus zog 15 v. Chr. mit seinem Heer über den Brenner- und Reschenpass in die Gegend von Garmisch-Partenkirchen. Tiberius, der spätere Kaiser, erreichte über die zentralen Alpenpässe, wie z. B. den Septimerpass,Werner Zanier: Der römische Alpenfeldzug über den Septimer 15 v. Chr. In: Akademie Aktuell. Zeitschrift der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Nr. 3/2006, München 2006, , S. 28–31 (PDF). und das Hochrheintal den Bodensee (Lacus Brigantinus), wo er auf einer der Inseln sein Hauptquartier aufschlug.Strabon 7,1,5, S. 292. Tiberius soll bei dieser Gelegenheit die Donauquellen besucht haben (vgl. Kastell Hüfingen). Die beiden siegreichen Heere (siehe Tropaeum Alpium) vereinigten sich am Lech (Licus) südlich von Augsburg (Augusta Vindelicorum). Der Alpenfeldzug diente zunächst der weiträumigen Sicherung Oberitaliens, das immer wieder von aus den Alpen angreifenden Kelten überfallen worden war. Sicher diente die Besetzung Vindeliciens aber auch der Vorbereitung und Flankenabsicherung der unmittelbar danach vom linken Rheinufer aus geführten, langfristig erfolglosen Eroberungsfeldzüge der Römer in das Gebiet der Magna Germania.

Die obere Donau bildete von da an für 110 Jahre die relativ ruhige, natürliche Nordgrenze des römischen Reiches im Abschnitt der im Entstehen begriffenen, weitgehend entvölkert vorgefundenen römischen Provinz Raetia zu dem von den Römern nicht besetzten „Freien Germanien“ (Magna Germania). Südlich der „nassen Grenze“ wurde um die Mitte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts eine Militärstraße (lat. via militaris) von Hüfingen (Brigobannis) nahe dem Donauursprung (caput Danuvii) bis Weltenburg gebaut und überwiegend im Abstand eines Tagesmarsches, also von ca. 25 bis 35 km, mit Kastellen bewehrt. Die Straße war darüber hinaus in den ersten 50 Jahren ihres Bestehens trotz einer anfänglich umständlichen Streckenführung über das Rheinknie bei Basel Teil der kürzesten Verbindung zwischen dem militärisch wichtigen Legionslager Mogontiacum/Mainz und dem im ersten nachchristlichen Jahrhundert an politischer und wirtschaftlicher Bedeutung gewinnenden Augsburg, das bis nach dem Jahre 170 militärisch vollkommen von Mainz abhing. Die Donausüdstraße war damit von 45 bis nach 95 von überragender strategischer Bedeutung. Um das Jahr 75 wurde auf Befehl des Kaisers Vespasian eine den Weg nach Mainz entscheidend verkürzende Variante der Donausüdstraße von Tuttlingen durch das Kinzigtal nach Strassburg gebaut.