Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Spieltechniken auf der Konzert- oder Doppelpedalharfe.

Durch die Erfindung der Doppelpedalmechanik durch Sébastien Érard im Jahr 1811 veränderte sich die Spieltechnik der Harfe grundlegend und konnte dadurch erst den Ansprüchen der Musik der Romantik genügen. 1921 veröffentlichte der Harfenist, Komponist und Musikpädagoge Carlos Salzedo das Buch Modern Study Of The Harp, in dem er viele Spieltechniken – teilweise eigene Kreationen – beschrieb. Diese Veröffentlichung war die Grundlage für die heutige Spieltechnik, auch wenn viele Techniken und Notationen nicht mehr gebräuchlich sind.

Körper- und Handhaltung Die Konzertharfe wird im Sitzen gespielt. Dabei wird die Sitzhöhe der Körpergröße angepasst, so dass die Stimmwirbel am tiefsten Punkt des Halses des Instrumentes etwa auf Augenhöhe stehen. Die Harfe wird leicht auf den Spieler zu gekippt und mit der rechten Schulter und dem rechten Knie abgestützt. Die Füße stehen, mit oder ohne Bodenkontakt der Ferse, auf den Pedalen. Die rechte Hand spielt in der Regel in den höheren Lagen und liegt auf dem Resonanzkörper auf, während die linke die Basssaiten zupft und frei vor den Saiten schwebt.

Die Harfe wird mit den ersten vier Fingern jeder Hand gespielt, der kleine Finger kommt generell nicht zum Einsatz (mit der Ausnahme des 5-stimmigen Glissandos). Die Saiten werden mit den Fingerkuppen, nicht mit den Nägeln wie bei der Gitarre, gezupft. Beim Einsetzen der Finger auf die Saiten zeigt der Daumen nach oben und die restlichen Finger nach unten. Handrücken und Unterarm bilden dabei eine Linie. Beim Abspielen fallen die Finger in die Hand und bilden eine Faust, der Daumen fällt auf das dritte Glied des Zeigefingers.

Spieltechnik Grundsätzliches Man notiert die Harfenstimme, wie sie klingen soll, also nicht transponierend. Man verwendet zwei Notensysteme und verbindet diese mit einer Akkolade. Wie beim Klavier gilt in der Regel jedes System für eine Hand, das untere (meist im Bassschlüssel) für die linke, das obere (meist im Violinschlüssel) für die rechte.

Entsprechend der diatonischen Stimmung sind für jede Oktave sieben Saiten vorgesehen. Der Tonumfang reicht vom Kontra-C oder -D bis zum g’’’’. Die Namen der Saiten entsprechen den weißen Tasten des Klaviers, in der Grundstellung werden alle Saiten jedoch einen Halbton tiefer, also in Ces-Dur, gestimmt. Mit jedem Pedal kann man alle gleichnamigen Saiten gleichzeitig um einen oder zwei Halbtöne höher stimmen.

Einige Saiten sind als Orientierungshilfe farblich gekennzeichnet: alle C-Saiten rot, alle F-Saiten blau oder schwarz.

Die Saiten bestehen aus verschiedenen Materialien. Die meisten aus Darm, der mit einer Kunststoffschicht ummantelt ist; die Basssaiten von der G-Saite abwärts sind aus Stahl. Für die höchsten Töne verwenden manche Harfenisten Nylonsaiten, weil diese weniger leicht reißen.

Pedale miniatur|Anordnung der Pedale bei einer Pedalharfe miniatur|Gabel-, Pedalstellungen und Tonarten der Doppelpedalharfe

Die Grundstimmung der Harfe ist Ces-Dur, obwohl sie nicht transponiert. Mit Hilfe der Pedalmechanik kann jeder Ton zweimal erhöht werden. Es können also alle Tonarten von Ces-Dur (As-Moll) bis Cis-Dur (natürliches Ais-Moll) gespielt werden (siehe dazu auch den Artikel Quintenzirkel). Die Anordnung der Pedale von links nach rechts lautet D-C-H--E-F-G-A. Die drei Pedale auf der linken Seite werden mit dem linken Fuß bedient, die vier rechten mit rechts, allerdings kann in Ausnahmen auch das E-Pedal mit links oder das H-Pedal mit rechts getreten werden. Es können maximal zwei Pedale auf einmal getreten werden, das Umstellen von der -Stellung direkt zur -Stellung ist dabei kein Problem, umgekehrt ist es jedoch etwas schwieriger. Die beiden tiefsten Saiten der Harfe (Kontra-C und -D) können nicht über die Pedalmechanik erhöht werden. Es besteht aber die Möglichkeit, die Saiten vor jedem Stück über die Stimmwirbel umzustimmen.vgl.: Benjamin Britten: Suite for harp op. 83 Die Tonhöhe der höchsten Saite (g’’’’) kann nur bei Modellen mancher Hersteller (Zum Beispiel Lyon & Healy oder Venus) mit den Pedalen verändert werden.

Die Änderung der Pedale wird in der Regel zwischen den beiden Systemen notiert. Jede Änderung der Pedalstellung muss in den Noten vermerkt werden. Notiert wird die Zielstellung des Pedals, also z. B. F, H oder G, an der Stelle, wo das Pedal auch tatsächlich getreten wird. Wird ein Pedal getreten und kurze Zeit später wieder in die ursprüngliche Position zurückgestellt, so kann dies mit einem Strich zwischen den Pedalanweisungen verdeutlicht werden (Zum Beispiel: F – ). Dies hat den Vorteil, dass der Spieler den Fuß auf dem Pedal lassen kann und das Pedal nicht ein zweites Mal ausgeschrieben werden muss. Diese Notation wird auch benutzt, wenn ein Pedal von einer -Stellung direkt zu einer -Stellung getreten werden soll, oder umgekehrt.

Sollen zwei Pedale gleichzeitig getreten werden, so ist dies nur möglich, wenn jeder Fuß ein Pedal treten kann. Notiert werden die Pedale übereinander, das Pedal, das mit dem rechten Fuß getreten wird, steht oben (also näher am System der rechten Hand). Pedale, die mit dem gleichen Fuß getreten werden, werden der Übersicht halber nicht übereinander, sondern nacheinander notiert.

In manchen Ländern, vor allem aber in Frankreich, werden die Tonsilben zur Pedalkennzeichnung benutzt. Es wird statt E also Mi notiert. In englischsprachiger Literatur wird statt „H“ auch bei der Pedalbezeichnung logischerweise „B“ geschrieben (also auch B statt H).

miniatur|Verschiedene Notationen von Salzedo-Zeichen

Zusätzlich zu diesen Kennzeichnungen werden auch sog. Salzedo-Zeichen verwendet. Salzedo-Zeichen sind schematische Darstellungen der aktuellen Pedalstellung und werden in verschiedenen Situationen benutzt: Am Anfang eines Stückes Nach langer Pause, zum Beispiel in einem Orchesterwerkvgl.: Anton Bruckner: 8. Sinfonie WAB 108, 3. Satz An beliebiger Stelle zur Orientierung des Spielers beim Üben Am Beginn eines neuen Abschnitts An einer markanten Stelle eines Stückes, zum Beispiel in einem Orchesterwerk, an der beim Proben oft begonnen wird Zur Festlegung der Töne eines Glissandos

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Salzedo-Zeichen darzustellen. Gemeinsam ist allen Versionen der Grundaufbau: Von links nach rechts werden auf einer Linie zuerst die Pedale auf der linken Seite notiert, dann folgt ein vertikaler Strich zur Abtrennung, danach werden die Pedale der rechten Seite notiert. Die neutrale Stellung () wird entweder mit einem vertikalen Strich (|), einem horizontalen Strich (-) oder mit einem Kreis (o) notiert. Die - und -Stellung wird entweder mit einem nach oben oder unten versetzten, vertikalen Strich oder mit einem nach oben oder unten offenen Dreieck (v,^) notiert. In Notensatzprogrammen findet sich meistens die Version mit vertikalen Strichen.

Viele Notensatzprogramme verwenden automatisch Pedalbezeichnungen und Salzedo-Zeichen. Sie folgen jedoch selten den oben genannten Standardregeln und wählen nicht immer die günstigste Variante. Vor allem Vereinfachungen durch enharmonische Verwechslungen können von diesen Programmen nicht umgesetzt werden.

Fingersätze Die Fingersätze orientieren sich an den Intervallen, also an der Größe der Griffe. Sekunde, Terz und Quarte werden mit Daumen (im Fingersatz mit 1 bezeichnet) und Zeigefinger (2) gegriffen, Quinte und Sexte mit Daumen und Mittelfinger (3) und alle größeren Griffe mit Daumen und Ringfinger (4). Im Einzelfall können Meinungen von diesen Standardregeln abweichen. Der höhere Ton wird anders als beim Klavier auch in der rechten Hand mit dem Daumen gespielt. Bei Akkorden mit mehr als zwei Tönen entscheidet letztendlich, wie bequem der Griff ist. Beim Akkord c-g-e’ wählt man zum Beispiel den Zeigefinger für das g, obwohl zwischen 1. und 2. Ton von oben eine Sexte liegt. Die maximale Größe, bei der ein Griff noch spielbar ist, hängt stark von der Größe der Hand ab. Sie sollte aber nicht größer als eine Duodezime sein.In manchen Stücken kommen Duo- und sogar Tredezimengriffe vor, sie sind jedoch oft nur als Arpeggio möglich und benötigen eine kurze Vorbereitungszeit für den Spieler

miniatur|Verschiedene Kreuzgriffe

Einzelne Töne werden mit dem Zeigefinger gespielt. Dies ermöglicht die maximale Kontrolle über Kraft und Klang.

Tonleitern und Arpeggien werden unabhängig von den Intervallen mit aufeinanderfolgenden Fingern gespielt, zum Beispiel wird die Tonfolge C-D-E-F mit dem Fingersatz 4-3-2-1 gespielt. Bei weniger als vier Tönen wird fast immer der Daumen mit einbezogen (3-2-1).

Unter „Kreuzgriffen“ versteht man Griffe, bei denen Finger eingesetzt, aber noch nicht direkt abgespielt werden. Nicht alle Finger, die auf den Saiten bleiben bzw. die abgespielt werden, liegen dabei nebeneinander (sie sind also über Kreuz). Bei vier eingesetzten Fingern gibt es also viele Möglichkeiten: 4/3 werden zuerst abgespielt, danach 2/1; 4/2 zuerst, danach 3/1, aber auch 3 zuerst, danach 4/2/1 usw.vgl.: Gabriel Fauré: Une châtelaine en sa tour... op. 110 Auch bei drei eingesetzten Fingern ergeben sich Möglichkeiten, allerdings werden diese Griffe in der Regel nicht als Kreuzgriffe bezeichnet, da sie keine hohe Schwierigkeit darstellen.

Werden zwei nebeneinanderliegende Saiten unmittelbar nacheinander mit demselben Finger gespielt, so spricht man vom „Schleifen“. Der Finger fällt nicht in die Hand, sondern auf die nächsthöhere oder -tiefere Saite. Schleifen ist mit jedem Finger möglich, am häufigsten wird diese Technik aber mit dem Daumen benutzt, wenn zum Beispiel fünf Töne nacheinander abwärts gespielt werden (also C-H-A-G-F mit dem Fingersatz 1-1-2-3-4).vgl.: Carlos Salzedo: Cinq Préludes: IV. Whirlwind (Tourbillon)

Genau wie auf dem Klavier besteht bei der Harfe die Möglichkeit, unter- und überzusetzen. Untergesetzt wird mit dem 4., 3. oder 2. Finger, und zwar immer unter dem Daumen durch (im Gegensatz zum Klavier). Spielt man also eine Tonleiter aufwärts, die mehr als vier Töne beinhaltet, muss man untersetzen (zum Beispiel: C-D-E-F-G-A-H-C-D mit dem Fingersatz 4-3-2-1-4-3-2-1). Übergesetzt wird über den 2., 3. oder 4. Finger, allerdings nicht nur mit dem Daumen, sondern in seltenen Fällen auch mit dem 2. Finger. Spielt man also eine Tonleiter abwärts, die mehr als vier Töne beinhaltet, muss man übersetzen (zum Beispiel: D-C-H-A-G-F-E-D-C mit dem Fingersatz 1-2-3-4-1-2-3-4). Diese Regeln gelten auch für Arpeggien, allerdings nicht in jedem Tempo: Zu schnelles Über- und vor allem Untersetzen führt oft zu Unsauberkeiten und Nebengeräuschen.

Auch auf der Harfe kann man „übergreifen“, das bedeutet, dass entweder die linke Hand höhere Töne als die rechte spielt, oder die rechte Hand tiefere als die linke. Diese Möglichkeit wird oft dem Über- und Untersetzen, dem Kreuzgriff und dem Schleifen vorgezogen, oder dann benutzt, wenn Griffe zu groß sind.

Aus klanglichen Gründen wird der Daumen gelegentlich nicht benutzt. Die häufigsten Fälle sind: Eine Sekunde wird mit 3-2 statt 2-1 gespielt, eine Quinte oder Sexte mit 4-2 statt mit 3-1 oder drei Töne einer Tonleiter werden mit 4-3-2 statt 3-2-1 gespielt.vgl.: Benjamin Britten: Suite for Harp op. 83: III. Nocturne

Bei manchen Spieltechniken wird jedoch von diesen Standardregeln abgewichen.

Klangeffekte Arpeggio