Spreckens (: Sprekens) ist ein Ortsteil der Stadt Bremervörde im Landkreis Rotenburg (Wümme) in Niedersachsen.
Geographie Geographische Lage Spreckens liegt im Zentrum des Elbe-Weser-Dreiecks an der Oste, im Dreieck Bremen, Bremerhaven und Hamburg. Umschlossen wird die Gemarkung Spreckens von der Stadt Bremervörde im Norden, der Ortschaft Minstedt im Osten, Fahrendorf im Süden und Oerel im Westen.
Flora mini|Ansammlung von Pappeln neben dem Oste-Hamme-Kanal
Die Flora von Spreckens ist überwiegend durch Laub- und Nadelwald, in Wasser- und Moornähe (Oste, Oste-Hamme-Kanal, Abschnitte des Fahrendahl-Fahrendorfer Kanals) vermehrt durch Pappeln und Schilfgräser geprägt. Die Laubwälder bestehen meist aus Birken, Buchen und Eichen. Der Nadelwald besteht häufig aus Fichten und Kiefern. Aufgrund des Geest- beziehungsweise Moorbodens wachsen im Ortsgebiet vermehrt Birken.
Fauna Die Fauna von Spreckens ist überwiegend durch Dam- und Rotwild, Rehe und Wildschweine geprägt. In den Sommermonaten besteht, aufgrund des im Oste-Hamme-Kanal teilweise stehenden oder langsam fließenden Wassers, häufig vermehrter Mücken- und Bremsenbefall.
Schutzgebiete
In Spreckens ist seit dem 1. Januar 2019 das ehemalige Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Spreckenser Moor“ als Naturschutzgebiet mit einer Größe von ca. 64 ha ausgewiesen. In der Schutzgebietsverordnung werden mehrere stark gefährdete Tier- und Pflanzenarten aufgezählt. Darunter finden sich beispielsweise der bedrohte Hochmoor-Bläuling und der als gefährdet eingestufte Rundblättriger Sonnentau.Naturschutzgebiet Spreckenser Moor
Seit dem 1. August 2020 befindet sich ein ca. 120 ha großer Anteil des Ortsgebietes von Spreckens im Naturschutzgebiet „Ostetal mit Nebenbächen“. Das Naturschutzgebiet stelle einen Lebensraum für eine Vielzahl von seltenen Tier- und Pflanzenarten, so der Grünen Flussjungfer dar.
Klima
Größe und Flächenaufteilung Die Gemarkung Spreckens ist 754 ha groß. Davon werden ca. 154 ha als Ackerland und ca. 385 ha als Grünland genutzt. Außerdem sind noch 78 ha (ca. 10 %) der Bodennutzung als Wald vorhanden. Als Grünanlagen sind der Sportplatz an der Straße „Am Sandstrich“ und der Friedhof an der K102 im Nordosten des Ortsteils zu nennen.
Gemessen an der Fläche ist Spreckens mit 7,54 km² nach Mehedorf (7,57 km²) und vor Iselersheim (4,86 km²) der achtgrößte Ortsteil. Gemessen an der Einwohnerzahl liegt Spreckens mit 308 Einwohnern nach Iselersheim (362 Einwohner) und vor Minstedt (284 Einwohner) auf dem 8. Platz.
Gewässer mini|Zuflüsse der Oste in Spreckens (Rechts der Oste beginnt der Ortsteil Minstedt)
Die bedeutendsten Wasserläufe sind die im Osten an der Grenze zu Minstedt fließende Oste und der zum „Fahrendahl-Fahrendorfer Kanal“ ausgebaute und von Westen aus Fahrendorf kommende Sünderbeck (im Orte früher auch Spreckenser Beck oder Spreckenser Bach genannt). Die östliche Feldmark durchzieht der aus Klenkendorf kommende und früher für die Moorschifffahrt bedeutsame Oste-Hamme-Kanal, der im Ortsgebiet in die Oste mündet.
Größere Seen befinden sich im Ortsgebiet von Spreckens nicht. Die meisten kleineren Seen beziehungsweise Teiche befinden sich auf Privatgrundstücken.
Geologie Die Landschaft von Spreckens weist bis zu 11,7 m ansteigende Geestgebiete und weite Niederungen mit Flach- und Hochmoor auf. Der Boden der Geest besteht aus eiszeitlichen Ablagerungen wie Geschiebesanden, -kiesen sowie Geschiebemergel und -lehm. Durchsetzt sind diese Ablagerungen von Gestein aus skandinavischen Gebirgen, welches von Gletschern während der Eiszeiten dorthin geschafft wurde. Die Erhebungen bilden Stauch- und Staumoränen.
Zu heutiger Zeit werden die Geestgebiete zum größten Teil als Ackerland verwendet.
Geschichte Urzeit Siedlungsspuren sowie verschiedene Gräber wie Stein-, Hügel-, Flachgräber und Funde von Stein-, Metall- und Tongegenständen weisen auf eine Besiedelung hin, welche bereits zur Alt- und Mittelsteinzeit existent war.
Von der Jungsteinzeit bis zur Bronzezeit entstanden mehrere Kulturen, welche sich im Laufe der Jahrhunderte veränderten. Dies waren die Megalithkultur und die Einzelgrabkultur, welche sich letztendlich zu germanischen Stämmen wie dem um Christi Geburt lebenden Stamm der Chauken entwickelten. Dessen Land war bereits unter den Kaisern Augustus und Tiberius mit dem Römischen Reich verbunden. Römische Schriftsteller wie Tacitus und Plinius der Ältere bezeichneten die Chauken als ein edles und freiheitsliebendes Volk.
Neuzeit Das Dorf Spreckens ist eine uralte Geestsiedlung, die einen Teil der ausgedehnten Oste-Hamme-Niederung, des geologisch sogenannten Bremervörder Tals, bildet.
Das Dorf besteht aus zwei nördlich und südlich des Sünderbecktals liegenden Hauptortsteilen mit einzelnen verstreuten Gehöften im „Vie“, „Hinter dem Großen Felde“, auf den „Ridderflaggen“, „Heidfeld“ und „Vor den Theilen“. Am Oste-Hamme-Kanal befand sich die ehemalige Kanalvogtei und Gerkensche Gastwirtschaft (jetzt Hofstelle Brandt). Im nördlichen Teil des geschlossenen Ortes lagen drei der ältesten vier Höfe und der sogenannte Brink. Der südliche Teil umfasst die aus dem aufgeteilten vierten alten Hof hervorgegangenen Wohnstellen und neue Siedlungen. In diesen Siedlungsteilen ist ansonsten eine typische dörfliche Struktur mit einem Nebeneinander von Wohnen, Dienstleistungs- und Gewerbebetrieben vorhanden. Hauptteile der Gemarkung Spreckens sind flache Erhebungen nördlich und südlich des Sünderbecktals mit den Fluren Großes Feld, Stüh, Streckbarg, Heidfeld, Ridderflaggen, Kartoffelhöfe, Steinberg, Falkenhütte, Hübscher Berg und ferner dem Spreckenser Moor, einem ausgedehnten Hochmoor mit dem daraus aufragenden Rugenbarg, dem westlichen Ostetal mit dem „Vie“, der „Winnerwiese“, dem Wisselbruch und den „Theilen“, und schließlich dem Sünderbecktal mit der Flur „Reen“.A. Bachmann: Festschrift 700 Jahre Spreckens. Bremervörde 1972.
Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über Spreckens liegen aus dem Jahr 1272 vor. Die Bezeichnung für die damalige Siedlung war „Spreckensete“ und bestand um das Jahr 1500 aus vier Bauernhöfen. Im Laufe der Zeit wurden die Bauernhöfe in Vollhöfner, Kölner, Halbhöfe und Brinksitzer klassifiziert.
Die Gemeinde Spreckens gehörte seit 1885 zum Kreis Bremervörde und wurde am 1. April 1929 nach Engeo eingemeindet.Amtsblatt der Regierung Stade 1929 Am 1. Oktober 1949 wurde Spreckens wieder eine eigenständige Gemeinde.Verzeichnis der Namen- und Grenzänderungen deutscher Gemeinden 1.1.1943–13.9.1950, S. 35 Am 1. März 1974 wurde Spreckens in die Stadt Bremervörde eingegliedert.
Absturz einer Avro Lancaster während des 2. Weltkriegs mini|Gedenktafel zu Ehren der Verunglückten Besatzungsmitglieder
Am 29. Juli 1944 stürzte im Ortsgebiet von Spreckens, etwa 300 m südöstlich des Friedhofes auf einer Wiese – eine Avro Lancaster LL687 mit britischem Hoheitszeichen, ein Bomber britischer Bauart, der dem 408. Geschwader der Royal Canadian Air Force angehörte, ab. Die Kennzeichnung des Bombers lautete EQ-M. Einziger Überlebender der achtköpfigen Besatzung bestehend aus den Schützen, dem Piloten, dem Funker und dem Bombardier war David Scott, der als Flugingenieur in der Nähe des Cockpits seinen Dienst leistete.
Zum Gedenken an den Absturz wurde am 29. Juli 2017, 73 Jahre nach dem Absturz, eine durch Spenden finanzierte Gedenktafel aus Edelstahl während einer Gedenkveranstaltung auf dem Friedhof in Spreckens enthüllt. Der Zeremonie wohnten neben den Nachkommen und Verwandten der Opfer auch Veteranen der britischen und kanadischen Streitkräfte, Angehörige und Reservisten der Bundeswehr, diverse Amtspersonen sowie aktive Angehörige der kanadischen Luftwaffe bei.
Namensherkunft Der Name „Spreckens“ und seine älteste Form „Spreckensete“ gehen vermutlich auf das angelsächsische Zeitalter zurück. „Spreck“ oder „Spreckel“ bezeichnen einen Spalt oder eine Talrinne, mit der die Talsenke des Sünderbecks gemeint sein kann. Das altsächsische Wort „Set“ (auch Sitti-an) steht für Sitz oder Wohnsitz.
Als Schlussfolgerung wird angenommen, dass der Ortsname „Siedlung an einer Talrinne“ bedeutet.
Bevölkerungsentwicklung
Zeitpunkt Anzahl der Einwohner Zeitpunkt Anzahl der Einwohner1801: 50 Einwohner 2002: 265 Einwohner1820: 50 Einwohner 2003: 266 Einwohner1867: 64 Einwohner 2004: 277 Einwohner1871: 66 Einwohner 2005: 273 Einwohner1893: 79 Einwohner 2006: 284 Einwohner1897: 89 Einwohner 2007: 294 Einwohner1914: 100 Einwohner 2008: 291 Einwohner1939: 230 Einwohner 2009: 302 Einwohner1961: 220 Einwohner 2010: 303 Einwohner1970: 213 Einwohner 2011: 301 Einwohner1972: 216 Einwohner 2012: 298 Einwohner1997: 212 Einwohner 2013: 309 EinwohnerStadt Bremervörde1998: 217 Einwohner 2014: 309 Einwohner1999: 212 Einwohner 2015: 308 Einwohner2000: 219 Einwohner 2016: 304 Einwohner 2001: 237 Einwohner 2017: 290 Einwohner 2019: 313 Einwohner
Politik Ortsvorsteher Spreckens selbst besitzt keinen Ortsrat. Die Organisation der das Dorf betreffenden Angelegenheiten obliegt dem Ortsvorsteher.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Sport Spreckens besitzt in der Nähe des Dorfgemeinschaftshauses eine etwa 0,35 ha große Grünfläche, auf der sich zwei Fußballtore befinden. Genutzt wird die Grünfläche für Veranstaltungen, privat für Fußballspiele sowie durch die Freiwillige Feuerwehr und die Jugendfeuerwehr für Wettkampfübungen (siehe Freiwillige Feuerwehr Spreckens).
Regelmäßige Veranstaltungen Regelmäßige Veranstaltungen sind das jährlich stattfindende Schützenfest sowie das im Sommer stattfindende Sommerfest, das von der Freiwilligen Feuerwehr organisiert wird. Als Veranstaltung der Dorfjugend ist die Fortführung des Brauches des Pfingstbaumpflanzens zu nennen.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Die K102 in Richtung Fahrendorf mini|Die K102 in Richtung Bremervörde mit dem Fahrendahl-Fahrendorfer Kanal
Im Straßenverkehr ist Spreckens an das überörtliche Verkehrsnetz angeschlossen. Die bedeutendste Verkehrsader ist die durch Spreckens führende Kreisstraße K 102 von Bremervörde nach Gnarrenburg, die zur Erschließung der hier gelegenen großen Moore im 18. Jahrhundert zunächst als Moordamm angelegt und nach 1900 zur Straße ausgebaut wurde. Die Straße führt weiter über Worpswede und Lilienthal nach Bremen. Ein uralter Weg befindet sich südlich von Spreckens in der Gemarkung Fahrendorf gelegenen Fahrenberg, worauf sich im 18. Jahrhundert eine staatliche Glasfabrik befand. Wasserwege sind bzw. waren der zum Fahrendahl-Fahrendorfer Kanal ausgebaute Sünderbeck, der ursprünglich als Zufahrt zu der erwähnten Glashütte auf dem Fahrenberg und als Torfabfuhrkanal der Moordörfer Fahrendorf und Fahrendahl diente, ferner der Oste-Hamme-Kanal und insbesondere die Oste. An der Oste liegt eine uralte Schiffsanlegestelle, die „Holthu“ (Holzhude). Es handelt sich dabei um eine wohl schon in frühgeschichtlicher Zeit vorhandene Holzverladestelle.
Als uraltes Geestdorf hatte auch Spreckens, wie wohl die meisten alten Geestorte, einen „Brink“. Dieser liegt bzw. lag im nördlichen Dorf an der Nordseite der Hauptstraße. Auf einem Teil steht heute ein Wohnhaus und auf dem Eckteil ist eine Raststelle mit Bänken eingerichtet worden, nachdem dort jahrelang das Feuerwehrhaus gestanden hatte. In früherer Zeit war der Brink Gemeindeland und diente insbesondere in der Erntezeit als Pferdeweide. Es fanden darauf Versammlungen der Ortsbewohner und mancherlei Volksbelustigungen (Tanz und Spiel) statt. In neuerer Zeit konnten sich Dorfhandwerker auf den Brinken der Dörfer Häuser bauen. Sie wurden als „Brinksitzer“ bezeichnet. Der Spreckenser Brink wurde wahrscheinlich bei der Verkopplung dem Buckschen, jetzt Steffensschen Hofe, zugeteilt.
Öffentliche Infrastruktur