Ausländische Direktinvestitionen (, kurz FDI bzw. ADI) sind Investitionen eines Direktinvestors in das im Ausland befindliche Anlagevermögen eines Unternehmens oder Projekts mit dem Ziel, Einfluss und Kontrolle über diese Investition zu bewahren. Gegensatz ist die Portfolioinvestition.

Allgemeines Direktinvestitionen sind eine Art der Investition, die stets im Ausland vorgenommen wird und deshalb zur Außenwirtschaft gehört. Direktinvestitionen sind Kapitalanlagen durch Investoren im Ausland, die durch „Erwerb von direkten Eigentumsrechten in Form von Zweigwerken, Auslandsniederlassungen, Kapitalbeteiligungen, Grundstücken und Gebäuden sowie Reinvestitionen von Gewinnen aus früheren Investitionen“ entstehen können.Franz Nuscheler, Entwicklungspolitik, 5. Auflage, 2006, S. 623; ISBN 978-3-8012-0350-4 Direktinvestitionen stellen aus Sicht des Investors einen Kapitalexport dar.

Als Direktinvestoren kommen sämtliche Wirtschaftssubjekte in Betracht, also Unternehmen, Privatpersonen oder auch der Staat mit seinen Untergliederungen. Eine Direktinvestition setzt weder voraus, dass der Investor 100 % der Investition übernimmt noch, ob es sich um Eigen- oder Fremdfinanzierung handelt. Im Rahmen von Kapitalbeteiligungen gehen der IWF und die OECD davon aus, dass bei Direktinvestitionen ein wesentlicher Einfluss bereits dann vorliegt, wenn ein Investor über mindestens 10 % am stimmberechtigten Kapital verfügt.International Money Fund, Balance of Payments Manual, 1993, S. 86OECD, Benchmark Definition of Foreign Direct Investment, 1996, S. 8 Dieser Kontrollaspekt ist von wesentlicher Bedeutung, wobei ein gesellschaftsrechtlich maßgeblicher Einfluss erst ab einer Sperrminorität von mindestens 25 % erreicht werden kann.

Bei Direktinvestitionen fließen nicht nur Kapital, sondern auch Wissen (Wissenstransfer) und Technologien (Technologietransfer). Direktinvestitionen sind auch Teil des internationalen Kapitalverkehrs und somit der Globalisierung.

Merkmale Direktinvestitionen weisen eine Fluss-, eine Bestands- und eine Einkommenskomponente auf.

Meistverbreitet ist die Analyse der aus einer Direktinvestitionsbeziehung resultierenden Transaktionen. Diese flussbasierte Betrachtung entspricht der Rolle der Direktinvestitionen in der Zahlungsbilanz, in welcher sie einen Teil der Kapitalverkehrsbilanz bilden. Die Kapitalflüsse umfassen die zum Einrichten einer Direktinvestitionsbeziehung nötigen Transaktionen sowie alle darauf folgenden Transaktionen zwischen dem Direktinvestor und dem Direktinvestitionsunternehmen. Zum Ersteren gehört der Erwerb von Aktien oder anderen Anteilen an bestehenden Unternehmen im Ausland und deren Rücklagen sowie der Transfer von Kapital zur Unternehmensgründung im Ausland. Zum Zweiten zählen neben Kapitalerhöhungen unternehmensinterne Kredite von der Mutter- an die Tochtergesellschaft und im Ausland reinvestierte Erträge der Tochtergesellschaft.

Einen anderen Fokus besitzt die bestandsbasierte Sichtweise, die die Kapitalbestände in Direktinvestitionsunternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt betrachtet. Diese Sichtweise entspricht der Rolle der Direktinvestitionen im Auslandsvermögen. Der Kapitalbestand umfasst das anteilsmäßig von einem Direktinvestor an einem Direktinvestitionsunternehmen gehaltene Beteiligungskapital sowie Kreditbeziehungen zwischen den beiden. Obwohl Kapitalflüsse den Kapitalbestand beeinflussen, kann von der Veränderung des Kapitalbestandes nicht direkt auf die Kapitalflüsse geschlossen werden oder umgekehrt. Die Veränderung des Kapitalbestandes unterliegt verschiedenen Einflüssen, die nicht zu Kapitalbewegungen führen. So werden die Kapitalbestände unter anderem durch Wechselkursveränderungen, neue Bewertungsgrundsätze (z. B. Anpassung an internationale Rechnungslegungsstandards) verändert.

Schließlich beleuchtet die einkommensbasierte Sichtweise die in Direktinvestitionsunternehmen erzielten Einkommen des Direktinvestors sowie deren Verteilung. Die Direktinvestitionseinkommen setzen sich aus reinvestierten Erträgen sowie an den Direktinvestor transferierten Dividenden oder sonstigen Kapitalerträgen zusammen. Diese Sichtweise entspricht der Rolle der Direktinvestitionen in der Ertragsbilanz, wo sie eine Komponente der Kapitaleinkommen bilden.

Arten Zu unterscheiden ist zwischen:Madan Arora, Deutsche Direktinvestitionen in Indien, 2018, S. 10 substitutiven Direktinvestitionen, welche die im Ausland heimischen Unternehmen verdrängen und komplementären (additiven) Direktinvestitionen, die zusätzlich zum nationalen Investitionsvolumen des Ziellandes erfolgen. Diese Unterscheidung betrifft die Frage, ob und inwieweit eine Direktinvestition in der ausländischen Wirtschaftsstruktur für Veränderungen sorgt.

Eine weitere Unterscheidung kann im Hinblick darauf vorgenommen werden, inwieweit die Direktinvestition mit dem Investor/der Muttergesellschaft in Verbindung steht.Madan Arora, Deutsche Direktinvestitionen in Indien, 2018, S. 11 Bei der horizontalen Direktinvestition werden im Ausland dieselben Produkte hergestellt wie im Inland (beispielsweise Volkswagen do Brasil). Bei der vertikalen Direktinvestition werden im Ausland Produkte hergestellt, die im Inland als Vorleistungsgut bei der Muttergesellschaft weiterverarbeitet werden. Bei letzterer Art lässt sich noch zwischen vorwärts gerichteter und rückwärts gerichteter vertikaler Direktinvestition unterscheiden.

Schließlich kann auch nach dem Investitionsgut unterschieden werden:Antje Hagen, Deutsche Direktinvestitionen in Großbritannien 1871-1918, 1997, S. 32 Materielle Direktinvestitionen betreffen das Sachanlagevermögen (beispielsweise technische Anlagen, Maschinen, Produktionsanlagen), immaterielle Direktinvestitionen beziehen sich auf das Finanzanlagevermögen (wie Lizenzen, Patente oder andere Schutzrechte). Auch der Know-how-Transfer ist eine immaterielle Direktinvestition.Andreas Schlüter, Management- und Consulting-Verträge, Band 4, 1987, S. 10

Motive Hinter Direktinvestitionen stehen verschiedene Motive. Unter Konzentration auf Großunternehmen veröffentlichte Bruce Kogut 1985 eine Übersicht, nach der große Unternehmen in den folgenden Gebieten Vorteile erzielen können: Produktionsverlagerung – wodurch entweder die direkten Kosten der Produktion gesenkt werden können oder Skaleneffekte erzielt werden. Steuervermeidung – wobei der Besteuerungsunterschied zwischen verschiedenen Ländern (Niedrigsteuerland/Hochsteuerland, Steueroase) als Kostenvorteil genutzt wird. Finanzmärkte – wo der einfache und leichte Zugang zu Finanzmärkten einem Unternehmen durch verbesserte Liquidität oder Fremdfinanzierung geboten wird. Informations-Arbitrage – Wissens- und Erfahrungsdifferenzen im Produktions-, Marketing- oder Organisationsbereich können durch Direktinvestitionen in verschiedenen Märkten zum Tragen kommen. Ein Unternehmen, das solche Differenzen identifizieren kann, kann dadurch einen direkten Wettbewerbsvorteil in solchen Märkten erzielen. Globale Koordination – Indem bestimmte Tätigkeiten zentral dort erfüllt werden, wo die Rahmenbedingungen für diese Tätigkeit optimal sind, kann durch die Zentralisierung eine Koordination der Aktivitäten erzielt werden. Reduktion des politischen Risikos – Verschiedene Länder weisen unterschiedliche Länderrisiken auf, so dass durch Staatsinterventionismus wie Enteignung die Direktinvestoren ihr Kapital verlieren können. In Regionen relativer politischer Stabilität sind hohe Investitionen sicherer als in Regionen mit hoher Instabilität. Die wachsende Konkurrenz auf den traditionellen Heimatmärkten treibt Unternehmen an, diese Vorteile in Anspruch zu nehmen. Allerdings können durch solche Faktoren kaum dauerhafte Vorteile erreicht werden, da Konkurrenzunternehmen die gleichen Mittel und Wege beschreiten.

Bei ausländischen Direktinvestitionen wird der Fokus auf die Standortwahl gelegt. Dabei können jedoch gewisse Hemmnisse zu Einschränkungen oder zum Ausbleiben der ausländischen Direktinvestition führen. Beispiele dafür sind: Politische Risiken (z. B. Handeln der ausländischen Regierung), Wirtschaftliche Risiken (z. B. Wechselkursrisiko, Absatzrisiko, Arbeitsmarktprobleme, Lagerrisiko, Zahlungsrisiko), Soziale Risiken (z. B. Sprachschwierigkeiten), Sonstige Risiken (z. B. klimatische Bedingungen).

Kann das Land in Form von geringen Hemmnissen ein investitionsfreundliches Umfeld bieten, spielen markt- und kostenorientierte Motive bei der Standortwahl eine herausragende Rolle. Marktorientierte Motive sind beispielsweise: Erschließung neuer Märkte, Nutzung des Standorts als Exportbasis, Sicherung bestehender Märkte, Zu den kostenorientierten Motiven gehören: Lohnkostenvorteile (= bedeutendstes Motiv in dieser Kategorie), Steuervorteile, Einkaufs- und Beschaffungsvorteile (besonders bei rohstoffreichen Ländern), Staatliche Investitionsanreize.

Eklektisches Paradigma von Dunning Unter den Theorien der Direktinvestitionen gilt John H. Dunnings eklektisches Paradigma als die umfassendste Theorie, weil sie versucht, so weit wie möglich alle verschiedenen Ansätze in einem Modell zusammenzufassen; daher stammt die Bezeichnung „eklektisch“. Die Basis für das Modell von Dunning bilden drei Haupttheorien:Cord Hinrichs, "Ausländische Direktinvestitionen als Wachstumsmotor? – Eine empirische Analyse am Beispiel Lateinamerikas", Dissertation, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Heidelberg, 2005. - Dissertation Monopolistische Konkurrenz, Standorttheorie, Internalisierungstheorie. Dunning zufolge müssen drei Bedingungen vorliegen, damit ein Unternehmen Direktinvestitionen tätigt:Springer Gabler Verlag (Hrsg.), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: eklektisches ParadigmaMarc Philipp/Marc Renz, Rückverlagerung - deutscher Unternehmen aus dem Ausland, abgerufen am 15. Juni 2015

Eigentumsvorteile (): Das Unternehmen muss über einen exklusiven Wettbewerbsvorteil gegenüber den Konkurrenten auf dem ausländischen Markt verfügen, z. B. Managementqualität, Grad der vertikalen Integration oder Organisationssynergien. Standortvorteile (): Das Unternehmen muss von den Unterschieden zwischen Heimat- und Gastland profitieren, etwa durch niedrigere Lohn- oder Faktorkosten. Internalisierungsvorteile (): Ein Unternehmen muss seine spezifischen Wettbewerbsvorteile selbst nutzen und sie nicht an die bereits ansässigen Firmen, z. B. in Form von Lizenzen, verkaufen. Nach den jeweiligen Anfangsbuchstaben der Bedingungen wird das Modell auch als OLI-Paradigma bezeichnet.

Mikroökonomische Betrachtung mini|Nettoauslandsinvestitionen

Es ist zu unterscheiden zwischen direkten Auslandsinvestitionen (Direktinvestitionen) und indirekten Auslandsinvestitionen (Portfolioinvestitionen). Bei Ersteren kommt es dem Investor darauf an, die erworbenen Produktionsmittel direkt zu kontrollieren. Bei indirekten Auslandsinvestitionen geht es für den Investor demgegenüber allein darum, sich an den laufenden Profiten einer von anderen kontrollierten Produktion zu beteiligen.

Auslandsinvestitionen können sowohl für den Investor als auch für das Land, in dem die Investition getätigt wird, Probleme mit sich bringen. Für den Investor geht es hier vor allem um die Sicherheit seiner Anlage und um das Recht, Gewinne wieder in sein Heimatland zu übermitteln. Auf der anderen Seite haben insbesondere Entwicklungsländer Probleme damit, dass Investoren dort teilweise die Korruption fördern, und dass oftmals internationale Standards im Umweltschutz und Arbeitsschutz nicht beachtet werden (Extremfall: .