mini|Das Kreisgebiet 1905
Der Kreis Friedeberg Nm. (Nm. steht für Neumark), bis ins 19. Jahrhundert auch Friedeberger Kreis genannt, war ein preußischer Landkreis, der bis 1945 bestand. Er gehörte bis 1938 zur Provinz Brandenburg und danach zur Provinz Pommern. Der Kreis umfasste zuletzt die drei Städte Driesen, Friedeberg Nm. und Woldenberg Nm., weitere 73 Gemeinden und zwei Forst-Gutsbezirke. Das Kreisgebiet liegt heute im Powiat Strzelecko-Drezdenecki (Friedeberg-Driesen) der polnischen Woiwodschaft Lebus.
Verwaltungsgeschichte mini|Rittergut Mehrenthin um 1860, Sammlung Alexander Duncker
In der nachmittelalterlichen Zeit bildete sich in der Mark Brandenburg eine Gliederung in Kreise heraus. Einer dieser historischen Kreise war der Friedeberger Kreis bzw. der Kreis Friedeberg, der einen der vier sogenannten Hinterkreise in der Neumark bildete.
Im Rahmen der Bildung von Provinzen und Regierungsbezirken in Preußen erfolgte 1816 im Regierungsbezirk Frankfurt eine Kreisreform, durch die der Umfang des Kreises nicht geändert wurde. Der Kreis umfasste meist ländliche Gebiete um die Städte Driesen, Friedeberg Nm. und Woldenberg Nm. Das Landratsamt war in Friedeberg Nm.
Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Zum 30. September 1928 kam es im Kreis Friedeberg Nm. entsprechend der Entwicklung im übrigen Freistaat Preußen zu einer Gebietsreform, durch die alle Gutsbezirke bis auf zwei aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.
Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Am 1. Oktober 1938 wurde der Kreis Friedeberg Nm. in die Provinz Pommern umgegliedert und gehörte nun zum Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen.
Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde das Kreisgebiet seitens der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Die einheimische Bevölkerung wurde von den polnischen Verwaltungsbehörden vertrieben.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1750 9.105 1796 27.492 1816 26.128 1840 43.767 Topographisch-statistische Übersicht des Regierungsbezirks Frankfurt a. d. O., Harnecker, 1844, S. 30 1871 54.790 1885 57.130 1890 57.194 1900 55.093 1910 53.161 1925 54.586 1933 53.940 1939 51.772
Landräte 1736–1742 Friedrich Ludwig von Sydow (1701–1742) 1743–1752 Hans Joachim von Bornstedt 1752–1763 Christian von der Marwitz 1765–1770 Carl Wilhelm von Bornstedt 1770–1777 Wilhelm Ludwig von Sydow 1777–1781 Anton Gottlieb von der Goltz 1781–1806 David Friedrich von Braunschweig 1806–1813 George Ernst Heinrich von SchönebeckRolf Jehke (Hrsg.): Landkreis Friedeberg Nm. (Territorial.de.) 1813–1819 Ernst Ludwig von Köller († 1819)Oeffentlicher Anzeiger als Beilage zu No. 29 des Amts-Blattes der Königlich Preußischen Regierung zu Frankfurth an der Oder. 1820. Frankfurt a. d. O., 19. Juli 1820, S. 238, S. 245. (Digitalisat) 1819–1820 Ludwig von Brand (vertretungsweise) 1820–1832 Wilhelm von Knobelsdorff-Brenkenhoff (1769–1848) 1832–1833 von Waldow (vertretungsweise) 1833 Haffer (vertretungsweise) 1833–1850 Heinrich von Petersdorff 1850 Adolph von Brand (kommissarisch) 1850–1866 Karl von Bornstedt (1814–1900) 1866–1871 August von Zastrow (1833–1896) 1871–1894 Karl von Bornstedt (zweite Amtszeit) 1894–1899 Ernst von Bornstedt (1863–1900) 1899–1919 Ulrich von Waldow (1863–1936) 1919–1920 Friedrich Scheck (1879–1924) 1920–1942 Horst Wuthenow (1886–1942) 1942 Jochen-Hilmar von Wuthenau (1887–1965) (vertretungsweise) 1942–1945 Werner Laskowski (1908–1973)
Kommunalverfassung Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab dem 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.
Verkehr Der Kreis Friedeberg war schon seit 1847/48 durch den Abschnitt Arnswalde-Kreuz der Stargard-Posener Eisenbahn-Gesellschaft an das Eisenbahnnetz angeschlossen worden >116.c<. Im folgenden Jahrzehnt durchzog ab 1857 die Preußische Ostbahn, die Berlin mit Ostpreußen verband, das Kreisgebiet parallel zur Netze >115.0<.
Die Station Friedeberg lag jedoch 7 km von der Kreisstadt entfernt, sodass der Kreis Friedeberg 1897 eine Kleinbahn zur Stadt erbaute. Von hier führte ab 1902 die Kleinbahn Friedeberg-Alt Libbehne GmbH, an der Kreis und Gemeinden beteiligt waren, weiter nach Norden >115.k+k²<.
Um die nach 1919 polnisch gewordenen Gebiete zu umfahren, erbaute die Deutsche Reichsbahn 1936 die Nebenlinie Altbeelitz-Schwerin (Warthe) >116.g<.
(Die Zahlen in >< beziehen sich auf das Deutsche Kursbuch 1939).
Amtsbezirke Im Jahr 1932 gab es im Kreis Friedeberg 30 Amtsbezirke: Amtsbezirk Alt Beelitz Amtsbezirk Alt Gurkowschbruch Amtsbezirk Altenfließ Amtsbezirk Altkarbe Amtsbezirk Birkholz Amtsbezirk Breitenstein Amtsbezirk Gottschimm Amtsbezirk Gottschimmerbruch Amtsbezirk Gurkow Amtsbezirk Guscht Amtsbezirk Guschterholländer Amtsbezirk Hermsdorf Amtsbezirk Lauchstädt Amtsbezirk Lichtenow Amtsbezirk Mehrenthin Amtsbezirk Modderwiese Amtsbezirk Netzbruch Amtsbezirk Neu Anspach Amtsbezirk Neu Mecklenburg Amtsbezirk Oberförsterei Hammerheide Amtsbezirk Oberförsterei Lubiathfließ Amtsbezirk Oberförsterei Steinspring Amtsbezirk Schlanow Amtsbezirk Schönrade Amtsbezirk Tankow Amtsbezirk Trebitsch Amtsbezirk Vorbruch Amtsbezirk Vordamm Amtsbezirk Wildenow Amtsbezirk Wugarten
Städte und Gemeinden Stand 1945 Dem Kreis Friedeberg Nm. gehörten zuletzt die folgenden Städte und Gemeinden an: Aarhorst Alt Beelitz Alt Gurkowschbruch Altfließ Altkarbe Birkbruch Birkholz Blumenfelde Brand Brandsheide Braunsfelde Breitenstein Breitenwerder Brenkenhofsbruch Brenkenhofswalde Buchwerder Büssow Dolgen Dragebruch Driesen, Stadt Erbenswunsch Eschbruch Falkenstein Franzthal Friedeberg Nm., Stadt Friedebergschbruch Friedrichsdorf Geilenfelde Gottschimm Gottschimmerbruch Gurkow Guscht Guschterbruch Guschterholländer Haferwiese Hammer Hermsdorf Hohenkarzig Lauchstädt Lichtenow Liependorf Lubiath Machern Mansfelde Marienthal Mehrenthin Modderwiese Mückenburg Netzbruch Neu Anspach Neu Dessau Neu Erbach Neu Mecklenburg Neu Ulm Neukarbe Neuteich Pehlitz Rohrsdorf Salzkossäthen Schlanow Schönfeld Schönrade Schüttenburg Seegenfelde Steinhöfel Tankow Trebitsch Vorbruch Vordamm Wildenow Woldenberg Nm., Stadt Wolgast Wugarten Wutzig Zum Kreis gehörten außerdem die gemeindefreien Gutsbezirke Forst Lubiathfließ und Forst Steinspring.
Vor 1945 aufgelöste Gemeinden Voigtei, 1928 zu Friedeberg Sehlsgrund, 1932 zu Salzkossäthen Alt Haferwiese, 1937 zu Haferwiese Hammelstall, 1937 zu Neu Mecklenburg Neu Haferwiese, 1937 zu Haferwiese Bergdorf, 1938 zu Vorbruch Eichberg, 1938 zu Rohrsdorf Friedrichshorst, 1938 zu Neu Erbach Krügergrund, 1938 zu Rohrsdorf Mühlendorf, 1938 zu Vordamm Neu Beelitz, 1938 zu Dragebruch Neuteicher Holländer, 1938 zu Erbenswunsch Schartowswalde, 1938 zu Marienthal Schöneberg, 1938 zu Vordamm Schulzenwerder, 1938 zu Gottschimm Sieb, 1938 zu Gottschimm Zanzbruch, 1938 zu Gurkow Eichwerder, 1939 zu Friedebergschbruch Militzwinkel, 1939 zu Trebitsch Mittelbruch, 1939 zu Breitenwerder Ritzenswunsch, 1939 zu Friedebergschbruch Grapow, 1941 zu Wolgast Neu Gurkowschbruch, 1941 zu Gurkow
Literatur Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3: Die Neumark Brandenburg enthaltend. Berlin 1809, S. 169–193. Digitalisat; Ortsregister für alle drei Bände: S. 357–390. Digitalisat Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. O. Gustav Harnecker’s Buchhandlung, Frankfurt a. O. 1844, S. 64–76. Digitalisat Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 3, Brandenburg 1856, S. 465–486. Digitalisat W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 451–462. Digitalisat
Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 92–93, Ziffer 2. Digitalisat Beiträge zur Geschichte des Bergbaues in der Provinz Brandenburg, Hermann Cramer, Halle 1872–1889, Band 4, Reprint, (Faksimilie), ISBN 978-3-88372-003-6, Potsdam 2011. Reprint: ISBN 3-226-00787-4. Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und größeren Bauernhöfen. . Handbuch der Königlichen Behörden. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band VII, 2. Auflage, Regierungsbezirk Frankfurt a. O. Kreis Lebus, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 238–243. ff. Ausgabe 1929.
Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Der Kreis Friedeberg Nm.in der ehemaligen Provinz Pommern (2011).
Weblinks
Landkreis Friedeberg Nm. Verwaltungsgeschichte und Landratsliste, In: Territorial.de (Rolf Jehke), Stand 16. Juli 2013.
Einzelnachweise
Friedeberg Nm. Friedeberg Kategorie:Gmina Strzelce Krajeńskie Kategorie:Aufgelöst 1945